Karamel

Karamel schafft Eisland. Eis, das weiche Wasser aus Zeiten bevor wir verstehen konnten, dass Wasser verschiedene Aggregatzustände haben kann. Kalt und schroff, sogar tödlich. Dabei ist es ruhig wie ein gesunkenes Schiff und klar wie Kristall.

Übertragen auf unser Gemüt ein Zustand von zäher Widerstandsfähigkeit und ungeheurer Dickhäutigkeit. Eine dicke Haut braucht man, um sich zu trauen was Johann und seine Band mit uns anstellen. So dicht lässt uns niemand an sich heran. Texte, die aus dem alltäglichen Leben stammen und dabei fast unbemerkt beschreiben, wie gefährlich das ist. Wie gefährlich das ist, was sich zwischen den Handlungen versteckt. Der ständige Umgang mit Vergänglichkeit, Schmerz, Hoffnung und Verheißung. Voller Zuversicht erzählt er uns ein Leben in einer Sprache, welche die Zeit bis zum Verschwinden auflöst. Die Musik unterstreicht dieses Gefühl nicht nur, sie ist Teil dieser Zeitaufhebung. Man wünscht sich Änderung doch gleichzeitig hat man Angst, dieser Zustand könne enden. Angst vor dem was danach kommt. Es wird sanft gestreichelt, mit Federn gekitzelt und es werden Eichenbalken zerbrochen, dass es schallt. Aus dem Nachhall wächst die Erzählung des nächsten Gefühls. Organik, wie sie ehrlicher nicht sein könnte. Karamels Universum kennt keinen Kompromiss. Diese Platte ist nicht authentisch, sie schafft Authentizität und ist Eisland. Packeis, in dem die Erinnerung an Leben steckt, das wir immer wieder vergessen müssen. Und wenn wir es mal sehen können, erschrickt man sich vor der eigenen Wirklichkeit. Eis von vermeintlich ewiger Substanz löst sich auf zu Veränderung.
Henning Schmidt (plemo)

Vor zwei Jahren erschien das Karamel-Debüt „komm besser ins Haus“, welches sich bestimmt eher als ein eigenes und eigenbrötlerisches Album darstellte. Der rote Faden von Schwermut und Melancholie zieht sich jetzt zwar auch durch das neue Werk „Schafft Eisland“, allerdings nicht ohne positive Elemente und einer „richtigen“ Band. Nicht nur Partner Sebastian Nagel ist mit seinen oftmals schrägen Gitarrenklängen wieder am Start, sondern auch ein Schlagzeug sowie Piano sind dabei. Letzteres wird übrigens von Thies Mynther bedient (Superpunk, Phantom/Ghost, Stella), mit dem sich Johann auch das eigene Studio Clouds Hill Recordings teilt. Freundin Jessica vom Bierbeben steuert dann auch noch femininen Gesang hier und da bei.

Einschub: Übrigens hat Karamel vom Album-Song ‚Sag mal, Johann…’ auch eine Doppel-7“ veröffentlicht, die Remixe von Plemo, Heimkind und Thies Mynther beinhaltet und mehr als schön aussieht.

Einfache und oberflächliche Deutsch-Pop-Alben gibt es sicher genug, aber mit „Schafft Eisland“ darf man sich ruhig eingehender beschäftigen, auch wenn es manchmal etwas weh tut.

Rezensionen

Schafft Eisland

Wird Zucker durch starkes Erhitzen geschmolzen, entsteht aus dem süßen Grundstoff Karamel, das mehr oder weniger hart und herb ist. Beim Wasser verhält es sich dabei genau umgekehrt. Wird das flüssige Element stark abkühlt, bildet sich eine schöne, aber auch schroffe Oberfläche. Beide Bilder passen aber zu den Liedern auf 'Schafft Eisland', die unter ihrer rauen Schale aus ...

Motornews

"Ich weiß, dass Du traurig bist" von Karamel nun als Video

Ein neues Video der Hamburger Johann und Sebastian aka Karamel ist erschienen. „Ich weiß, dass Du traurig bist“ ist die erste Videoauskopplung der aktuellen Platte „Maschinen“. Für dieses Video hat Karamel auch viele bekannte Freunde engagiert, wie Gisbert zu Knyphausen und Deniz von Kraków loves Adana. Karamel - Ich weiß, dass Du traurig bist Am 16.09. könnt ihr ...

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