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Tim Renner
Tim Renner: Bettina, zieh Dir das nicht an!

(Foto: Jesco Denzel, www.bundespraesident.de)
Ich meine im Gegenteil: Wenn auch nur ein Funken von dem wahr ist, was über das Vorleben seiner Gattin kolportiert wird, würde das für und nicht gegen Christian Wulff sprechen. Es gehört Charakter dazu, zu einer Liebe zu stehen, die durch einen Beruf belastet ist, der gesellschaftlich nicht geachtet, in konservativen Kreisen moralisch gar völlig verdammt wird. Besonders wenn man Politiker ist und das auch noch in der CDU. Hätte Bettina Wulff dieses Vorleben gehabt, hätte Christian Wulff das spätestens vor der Hochzeit gewusst. Der Mann war schließlich Ministerpräsident des Landes, in dem sie arbeitete.
Prostitution ist legal und steuerpflichtig. Die Ausübung selbiger ist in der Regel eher für die Prostituierte, denn für den Freier ein unangenehmer Akt. Was ist einer ehemaligen Prostituierten daher vorzuwerfen? Wäre es für die Bundesrepublik von Nachteil gewesen, wenn da jemand über den roten Teppich geschritten wäre, der das Land nicht nur aus dem Blickwinkel einer Mutter und Medienmanagerin, sondern auch ganz von unten kennt? Hätte es nicht umgekehrt für ein modernes und aufgeklärtes Land gesprochen, wenn die First Lady eine Vergangenheit weit ausserhalb des Establishments gehabt hätte? Wir fanden ja auch fast alle schick, dass mit Bettina eine Frau mit Tattoos unser Land repräsentierte und der Film "Pretty Woman" war auch nicht umsonst ein Kassenschlager.
Wenn irgendetwas an dieser "Lady Viktoria"-Geschichte, an den Jobs im Chateau Osnabrück oder für eine Club namens Artemis in Hannover dran sein sollte, dann wäre im Nachhinein das einzige Problem, wie damit umgegangen wurde. Ich kann sehr gut verstehen, wenn man als Ministerpräsident die Vorgeschichte seiner neuen Frau in einem solchen Fall nicht thematisieren mag. Spätestens wenn man aber das erste Amt im Lande anstrebt, zusammen mit seiner Frau Symbol Deutschlands werden will, muss man in die Offensive gehen. Und die Offensive heißt Wahrheit und Transparenz. Das müssen Politik (und Medien) noch lernen.

(Foto: Bundespräsidialamt)
Wer hätte was sagen wollen, wenn ein Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufgestanden und vor den Fraktionen offene Worte gewählt hätte. "Liebe Wahlfrauen, liebe Wahlmänner der Bundesversammlung, wenn jeder von Euch so wählt, wie es die Partei, die ihn geschickt hat vorgibt, werde ich heute als ihr Präsident den Saal verlassen. Ich möchte dieser Präsident aber nicht sein, wenn sie mich nicht als Präsident mit einer Vorgeschichte akzeptieren. Zu dieser Vorgeschichte gehören Fehler, die ich als Politiker gemacht habe, genauso wie harte Jobs die meine Frau gemacht hat. Als ihr Präsident werden sie von mir zu recht verlangen, dass ich über den Dingen stehe. Das kann ich aber nur wenn sie meine und Bettinas Geschichte kennen..."
Natürlich hätte es Unruhe im Saal gegeben, aber hätte man dieser Stille nicht ganz ruhig begegnen können: "Die von ihnen, die auf ein Leben ohne Untiefen, ohne große eigene Fehler und Verwerfungen zurückblicken, werden spätestens jetzt ein Problem haben, mich zu wählen. Sie sollten dies dann auch besser nicht tun. Diejenigen jedoch, die auch schonmal in die dunklen Seiten unseres Lebens abgetaucht sind, werden verstehen, dass ich überhaupt jetzt erst wählbar werde. Denn nur wer sich bekennt zu dem, was ihn und anderen passiert ist, zudem was man selbst getan hat, wird souverän und kann daraus lernen. Und genau das ist doch was sie wollen, was das Land braucht: Einen Präsidenten, der nach Erkenntniszugewinn und Souveränität strebt. Dieses möchte ich für sie sein und meine Frau wird mir, samt ihrer Geschichte, die zu ihr gehört, dabei helfen."
Wenn er wirklich cool wäre, oder einfach genug Chuzpe besitzen würde, hätte er zum Abschluss Mark Stewart und The Pop Group zitiert: "We are all prostitutes / everyone has his price..."
Mark Stewart – "We Are All Prostitutes"
Fest steht jedoch, wir leben in einer Zeit, da fast jeder über Facebook und Twitter vermeldet, wo er ist und was er tut oder meint. Wir beschäftigen uns in sozialen Netzwerken tagein, tagaus mit der Illusion totaler Transparenz. Unsere Popstars machen immer weniger ein Geheimnis aus ihrem Leben – bieten Teilhabe an. Und gerade schlimmes und tragisches Scheitern macht sie zu ewigen Ikonen wie unlängst Michael Jackson oder Amy Winehouse. Im popkulturellen Sinne hätte solch ein offener Umgang mit dem eifrig im Netz kolportierten, angeblichen Vorleben der Frau Wulff ihren Gatten genützt. Selbst wenn er nicht gewählt worden wäre, wäre er in der Öffentlichkeit der ehrliche Politiker gewesen, der allen reinen Wein einschenkt, wenn es um ein Amt geht. Er wäre der Politiker gewesen, der nicht nervös über die Schulter guckt, nicht schnell zur Telefonnummer des Chefredakteurs greift, weil er bei jeder Presseveröffentlichung wieder eine Schmutzattacke aus der Vergangenheit wähnen muss. Vorausgesetzt an dieser ganzen Geschickte ist überhaupt irgendetwas dran und sie ist nicht doch nur eine gigantische Gemeinheit oder ein tragisches Missverständnis, hat Christian Wulff hat eine große Chance für die Politik verpasst.
Klaus Wowereit ist auch nicht darüber gestolpert, dass er so ehrlich war, gleich seine sexuelle Neigung zu offenbaren. Im Gegenteil, die Öffentlichkeit, die wir noch gar nicht so weit wähnten, dass sie Homosexualität in der Breite akzeptiert, hat es honoriert. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie auf Dauer auch prima mit dieser First Lady hätte leben können. Viel besser sogar als mit einem Präsidenten, der ängstlich und verkniffen mit der Wahrheit und der Vergangenheit umgeht.
Tim Renner
Ich habe Tim Renner schon immer für einen maßlos überschätzten Schwachkopf gehalten - dieser Text und vor allem dessen nervtötende Länge toppen wirklich alles.
@. Timm Renner: Ihre Überzeugung in allen Ehren, aber dass alle prima mit dieser First Lady würden leben können, wäre ihre (gerüchteweise vermutete) Prostituierten-Vergangenheit von Anfang an allen bekannt - das ist einfach nur arrogant und vor allem dumm. Es soll sogar - das wird Sie vielleicht überraschen jetzt - Männer geben, die käufliche Frauen für Menschenrechtsverletzung halten. Nur für den Fall, dass Sie diese Bemerkung gar ironisch gemeint haben wollten: das wäre dann noch blauäugiger - schließlich scheinen allein in diesem Blog nicht wenige handfeste Prostitutions-Erfahrung zu haben!
@Moritz R.: Warum gehen Sie dann noch hin? Masochist? Oder nur, damit Sie mitredenkönnen?
hm-hm; und manchmal is ne zigarre einfach ne zigarre, aber danke für die übersetzende transfer-leistung mr glöckner. [oh und besten dank auch für die blitzende abstaubung des charmevollendeten "hirnie"-begriffs.] ich glaub ich nutze den kommenden montag einfach nur um mit dem seldom seen kid was trinken zu gehen. könnt mich ja auch dran erinnern vor geschätzten dreihundet jahren mal imaginiert zu haben, meine ständig trunkene gattin zu erdrosseln und nen ebensogroßes boulevard-bohei draus zu machen...
das problem der ordentlichen downloadstores ist folgendes: die leute suchen auf party im vollrausch nach tracks, und zwar nach den wörtern welche sie sich eingeprägt haben. NUR: die illegalen stores finden das aufgrund ihrer freizügigkeit per Google. die verlags-technisch geordneten koennen da nicht mithalten. da kann man doch nur verlieren, mensch. denkt doch mal nach ihr hirnies !!!!!
Gesetz den Fall, die Gerüchte stimmen, ergänze ich noch ein naives: Mette-Marit ist auch Kronprinzessin geworden. :-)
Wulffs Hauptproblem ist das aber nicht.
Auch wenn ich die Argumentation nachvollziehen kann, finde ich dass die Frage, ob Wulffs Gattin eine Prostituierte war oder eben nicht, sollte absolut gar nichts mit der Bewertung seiner Leistung als Bundespräsident zu tun haben. Genauso, wie Wulffs eigenes Privatleben nichts mit seiner Amtsführung und der entsprechenden Bewertung zu tun haben sollte. Auch wenn man an Politiker gerne höhere moralische Ansprüche stellt, so sind sie wahrscheinlich auch nur Menschen, mit einem Privat- und einem Berufsleben. Diese Trennung geht mir persönlich zu häufig verloren.
Dabei hat eine mögliche Rotlichtvergangenheit der First Lady sicherlich keine Auswirkung darauf, wie "gut" unser Präsi den neuen Krötentunnel an der A38 zwischen Beuna und Schkortleben eröffnet.
Natürlich zählen auch Charaktereigenschaften zu den Bewertungsmaßstäben an denen sich ein Bundespräsident messen muss. Dazu zählt in meinen Augen aber weniger die Frage, ob er zu einer Liebe steht oder nicht, sondern wie er mit politisch relevanten und vor allem brisanten Themen umgeht. Und hier steht vor allem die Frage im Raum: Wie Glaubwürdig ist? Halten seine Aussagen auch künftigen, neuen Erkenntnissen stand? ....schließlich ist die Glaubwürdigkeit so ziemlich das wichtigste Werkzeug, das ein Bundespräsident haben kann. Und dazu kann es bei Zeiten in der Tat förderlich sein, "in die Offensive zu gehen". Dies muss allerdings wohl dosiert sein, denn wer als Politiker heutzutage "Offensive" damit gleichsetzt, sein ganzes Leben ungefragt offenzulegen, wird bei den gegebenen Rahmenbedingungen nicht lange in der Politik überleben können.
It ain't nothing but more hot shit
Another classic CD for y'all to vibe with
Whether you're cooling on a corner with your fly bitch
Laid back in the shack, play this track
I'm representing for the gangsters all across the world
(Still hitting them corners in them low low's girl)
I'll break your neck, damn near put your face in your lap
Niggas try to be the king but the ace is back
Laut Dr. Dre könnte das Wulffs "I´ll break ya neck" werden:
http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/volkswagen-und-porsche-milliardenforderung-gegen-christian-wulff-11595773.html
sorry, aber das geht nicht. selbst wenn prostitution in deutschland legal ist, darf dieses gewerbe nicht verharmlost und schon gar nicht als etwas ganz normales angesehen werden. was sagt denn dann ein herr wulff, wenn er irgendwann mal in einem schwellenland für die rechte der frauen eintritt und vielleicht menschen trifft, die sich gegen zwangsprostitution engagieren? ach, passiert ja sowieso nicht, denn so etwas würde ja nur ein präsident mit format tun. und: was haben denn frauen auf dem strich mit homosexuellen zu tun? was ist das für eine analogie?
Bettina, zieh dich wieder an!
In meinem Makrokosmos sicher zustimmungswürdig, aber gesellschaftspolitisch selten so einen naiven Quatsch gelesen.
Geh wieder spielen.
Knall-hart geschrieben.
Treffend.
Da kann man die Pilze ruhig im Wald lassen ...
"Wir fanden ja auch fast alle schick, dass mit Bettina eine Frau mit Tattoos unser Land repräsentierte".
Fast alle? Ich kenne keinen, dem das nicht vollkommen egal war, und ich kenne sehr viele Leute.
Großartig!
Ergibt sich aus der Logik: Der eine zahlt dafür, der andere tut es um bezahlt zu werden...
"Die Ausübung (der Prostitution) ist in der Regel eher für die Prostituierte, denn für den Freier ein unangenehmer Akt."
Woher weisst du denn das? Ich kann das nicht bestätigen!"

Artemis ist in Berlin, nicht in Hannover...
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