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Eine Szeneviertel ohne Szene: Prenzlauer Berg

Ein weiterer Grabstein spriesst aus dem fruchtbaren Boden des Prenzlauer Bergs. Das Eigenreich, einst Theater und Spielstätte mit alternativen Konzept, muss schließen. Immerhin können die Betreiber sicher sein, dass das Grab gut gepflegt wird: Die Sanierungsarbeiten des Investors sehen eine Tiefgarage, Edellofts und hochpreisige Gewerbeflächen für den einstigen Tabakspeichers vor.
Künstler als Vorboten der Gentrifizierung
Das Beispiel Eigenreich zeigt im Kleinen die großen Wechselwirkungen aus Kreativität und Kapital der Gentrifizierung. Stark vereinfacht funktionieren diese so: Ein heruntergekommenes Viertel wird durch Künstler und Kreative aufgewertet, sodass auch besser situierte Menschen wieder auf diese Orte aufmerksam werden. Die Mieten steigen, die Künstler gehen, und die Neuankömmlinge sind enttäuscht, dass sie für ihre hohen Mietpreise nicht das hippe, kreative Viertel bekommen, für das sie gezahlt haben.
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Die Betreiber des Eigenreichs sind sich ihrer Machtlosigkeit gegenüber diesen Mechanismen zwar bewusst, werden aber dennoch in einem 60 Stunde langen Happening am 17. September ab 12 Uhr einen würdigen „Abgesang“ für ihr Kreativzentrum einstimmen. Noch einmal werden sie die Vielfalt, die sich seit 100 Jahren in dem Gebäude an der Greifswalderstraße abspielt in Theaterperformances inszenieren. Das Programm wird ergänzt durch solidarische Künstler wie den Daumenkinokünstler Volker Gerling. Eine Geräuschkulisse und Vielfalt, die das Gebäude danach wohl nur noch durch Bagger und Kräne erleben darf.
Laura Gertken
Mehr zum Thema auf:
http://www.eigenreich-berlin.de/index.php
ein heruntergekommenes viertel? in dieser überheblichkeit blüht die (klein-)kunst, deren zwischennutzung im ehemals volkseigenen betriebsgebäude vom westlich dahergekommenen inwest..., äh, investor beendet wird. der kapitalismus ist kapitalismus ist kapitalismus! so wie im eventuellen laufhaus in der potsdamer straße anbieterinnen des ältestgewerbes für den markt ihre beine breitmachen, so verkauft sich auch die kunst - mal verschwommen oder kopfstehend millionen und dresdner albertinum-raum bringend, mal temporär kreativzentral und demnächst proberaumlos im aufwertungsgebiet der immobilienspekulation. zu dieser einsicht braucht man kein sechzigstündiges happening; in einer minute kann der richtige standpunkt dazu führen, hinter der glänzenden fassade das wahre heruntergekommene zu entdecken - das führt dann auch zu kunst, die der erreichung von zuständen zuarbeitet, die fabriken fabriken, ateliers ateliers, konzerthäuser konzerthäuser und theater theater sein läßt. bis dahin spielt man schön - die nächste location harrt der zwischennutzer...

Eine von mir sehr geschätzte Berliner Band hat dieses leidige Thema ausgezeichnet vertont. Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen. "Prenzlauer Berg, ich erkenne dich nicht mehr!"
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