ghost return: moby's in the mood

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da kauft man sich die neue MOBY: und kriegt eine alte. aber langsam. also natürlich ist es die neue, "wait for me", 2009. aber sie knüpft an einen MOBY an, der vor zehn jahren mit seinem album "play" einen völlig neuen sound kreierte, eine offenbarung damals. ich kann mich zwar an das "erste mal" nicht mehr (aural-) plastisch erinnern. an einer oberbayerischen flussbiegung auf einer entspannten kiesbank muss das gewesen sein, in einer zeit, als das leben noch irgendwie offen war. unbestimmt. frei. unvorherhbar. spannend. genau die attribute, die auf MOBYs "play" zutreffen. simply open minded. nebenbei: kaum vorstellbar, im selben jahr erscheint in deutschland der hypertrophe"tristesse-royale"-popkitsch (dessen mitte zwischen satire - als solche man darüber zwar nicht herzhaft, aber immerhin lachen könnte - und blasiertem elitegeschwafel mir bis heute noch nicht ganz klar ist).

wie anders war gegen diesen laberpop-begriff der buntschillernde ansatz dieses traditionellen postmodernisten aus new york. und jetzt begegnet man dem intellektuellen aus der megacity wieder, der seiner clubszene für eine weile den rücken kehrt und sch wieder zum ursprünglichen MOBY wandelt, so wie man ihn vor zehn jahren kennengelernt hat. beinahe wenigstens. die samples sind nicht mehr ganz so swampy, nicht mehr so roh und unbefangen wie damals, auch ein paar symphonisch aufgeblasene synthetische bombastminuten muss man hier durchstehen. aber alles im lot.

doch irgendwie kriegt MOBY immer wieder schlafwandlerisch die kurve. ob "pale horses", "walk with me" oder mein persönlicher favorit, der titelsong "wait for me", MOBY zaubert einen unter die haut gehenden mix aus gospel und elektro. noch intensiver wirkt diese mischung im remix, so in ben hoo's adaption von "pale horses". je elektronischer der beat, desto archaischer der klang der auf retro gestimmten MOBY-samples.



ganz anders "shot in the back of the head".
ein dirty gitarrenriff als hinterhältiger angriff auf die glatte elektroästhetik. und dennoch seziert ein knallharter beat das stück. prinzip: nichts weichspülen. und fantastisch bleiben: da werfen sogar hartgekochte faz-kulturkolumnistinnen, so christina hoffmann, ihr wunschzentrum an und fantasieren einen melodramatisch verscheidenden mel gibson.

so trittsicher MOBY durch die abgründigen gebirge unterschiedlichster musikstile stapft, so individuell prägt er den unverwechselbaren MOBY-sound. die letzten scheiben, "hotel" und "last night", zeigten ja eine ganz andere seite von MOBY, was im fall von "last night" auch ziemlich gut gelungen ist. eine nacht in der new yorker clubszene als plot für ein konzeptalbum zu nehmen, war nicht die schlechteste idee und hat eine ganze reihe schnieker songs hervorgebracht, so z. b. mein favorite "i want to move in here". aber nun zum aktuellen longplayer.

der titelsong "wait for me"
ist mein persönlicher spitzenreiter. in sphärischer slowmotion diffundieren die melancholischen klänge im raum. ein einsames klavier, zweistimmiger frauengesang. in seiner schlichtheit erstaunlich intensiv, bis sich die musik beim refrain in ein streichermeer einspült und ... am ende leiert der song in einen elektronisch inspirierten loop aus. der ideale soundtrack für gepflegte blaue stunden.

"walk with me"
bekommt das gute, alte MOBY-feeling am besten hin. ein schaurig-schönes sample fordert uns auf, mit ihm (ihr) zu kommen, zu fuß, alte gospel-melodramatik wieder belebend. im hintergrund rumpelt ein bedrohliches john-lee-hooker bassgegrummel.

und zwischen diesen atavistischen zeitreisen in die dunklen südstaaten-sümpfe der 30er- und 40er-jahre des 20. jahrhunderts findet sich doch tatsächlich ein kurzer, kraftwerkartiger (kraftwerkesker?) ausflug in eine krautrockig-mysteriöse frühzeit der elektronischen musik.

kurzum,
"wait for me" ist ein echter MOBY, bestimmt nicht der beste. aber der mann ist schwer in form und auf dem (rück-)weg an seine individuelle spitze. künftig will MOBY ja noch weiter in seine vergangenheit zurück: bin schon auf das ergebnis seiner punkpläne gespannt.
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