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Zwei Wecker gestellt, den einen mit einer neuen Batterie versorgt, am Abend davor, was heißt neu - sie bleiben ja immer übrig, wenn ich bei Konzerten mitschneide und aus Angst, daß eine fehlende Stromversorgung das Ergebnis unvollständig läßt, nehme ich stets verkaufsfrische Alkali-Zellen vom Discounter. Also weckt mich das China-Gepiepe aus meinen beschäftigungsuntätigen Träumen zu unchristlicher Zeit, damit ich meinen Termin beim JobCenter wahrnehmen kann (den ich wahrnehmen muß, um nicht Teile meiner fürstlichen Unterstützung aus der leichenkalten Hand seiner Scheißigkeit, Liberallord Gerrrrharrrrd Schrrrröderrrr (lupenreines Demokraten-rrr, das rollt wie kritische Journalistenköpfe in Putinien...), vierter Hartz von Ostseepipelinekorruptionien zu verlieren). Schnell die 'Junge Welt' erworben (die, was ich erst nach meinem 'Termin' lese, sich im Hauptartikel den Krumenlesern unter dem Arbeitsmarkttisch und ihrem Ansehen im 'Sozialstaat' widmet) und ab in die öffentlichen Verkehrsmittel: am S-Bahnhof Schönhauser Allee künden Abfahrtzeiten und volle Züge vom Sieg der Privatisierung des Öffentlichen Raumes; ich verstehe, warum Opel mit Staatsgeld gerettet werden muß - (Auto)Räder müssen rollen für diesen Sieg...oder haben sie den Kanzlerin oder das Ministerin schon einmal im Berufsverkehr erlebt (?). Pünktlich in der Behörde (die, obwohl sich bei Minusgraden dort schon eine Menschenmenge vor der Drehtür vor geheizten Räumen und uniformierten Steigbügelhaltern mit Niedriglohnmanieren den Ar*** abfriert, erst um Acht geöffnet wird - Ordnung muß sein, auch wenn sie immer sichtbarer im Absterben begriffen ist...) und ab in die fünfte Etage (...der Fahrstuhl ist leider defekt...) zum neuen Fallmanager, der mir nach Eintritt ein 'Profiling' angedeihen läßt, welches mich fit macht für die Anforderungen der (Schönen Neuen) Zeit, mir eine neue Eingliederungsmaßnahme mit knackiger Bewerbungszahlvorgabe und ein Zeitarbeitsangebot in Randstad-Lage (Bitterfeld) ausdruckt und sonst nett, verbindlich, männlich (!) und jugendlich ist. 2010 in der BRD, da sind sich realistische Einschätzungen sicher, wird nicht das Jahr der Vollbeschäftigung mit einer Entlohnung, die europaweit überdurchschnittlich ist. Hier, im Motorengeräusch vielleicht untergegangen, findet das Jobwunder Deutschland auch nicht statt (sieht man von halbjährigen Praktika mit freiem Eintritt zu Konzerten von D-Musikern als 'Entlohnung' ab) und einen indiskutablen Ministerpräsidenten auf dem Weihnachtsmarkt zu beschimpfen, um an Haar- und Bartpflegetips, Strohfeuernachrichtminutenberühmtheit sowie einen Job im Privatmedienbetrieb zu kommen ist unter meiner Würde. Ratlosigkeit macht sich breit. Als ich auf der Heimfahrt wieder auf dem Heimatbahnhof (es war schon immer etwas teurer, sich der Gentrifizierung im Wohnviertel entgegenzustellen...) Eberswalder St...ach, Scheiß drauf, ich bin Altmieter! - Dimitroffstraße angelangt bin, ist ein Leuchtkasten (waren irgendwie auch mal in kommunalem Besitz, die Bahnhofswerbeflächen...) der Gall-AW mit einem Plakat eines Berliner Lokalsenders namens KUSS UKW bestückt worden - 'Barbados oder Bitterfeld?'. Ich beantworte mir diese Frage in Noch-Freiheit meiner Gedanken und hoffe, der Freitag, welcher mich dort erwartet, der wird nicht über Arbeit reden und hoffentlich noch nichts vom Kapitalismus gehört haben...
