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Northern Lite
Northern Lite: Tourtagebuch: 30.04.Hamburg- Edelfettwerk/ 1.5. Hamburg- Offday
Klassenkampf ist heutzutage ungefähr so originell wie Hass auf den FC Bayern München- ein Ausdruck romantischer Sympathie gegenüber Schwächeren ohne Aussicht auf Erfolg. Was ein Pokalspiel für die Bayern Hasser einer Zweitliga spielenden Provinzstadt ist, bedeutet der Erste Mai für den Klassenkämpfer: Die Chance auf ein klein wenig Genugtuung.
Für ein Konzert am Vorabend des ersten Mai wähle man also am besten eine Großstadt mit sozialdemokratischem Hintergrund und lebendiger Arbeitergeschichte. Hamburg drängt sich hierfür geradezu auf, denn die Hansestadt ist nicht nur die Geburtsstadt von Ernst Thälmann, sondern beheimatet auch ein opulentes Spektrum an gesellschaftskritischer Subkultur: Hausbesetzer, Schillpartei, illegale Einwanderer, Rotlichtmilieu und Hartz IV Empfänger. Klingt nicht allzu brisant, zugegeben, aber seit es der herrschenden Klasse gelungen ist, das Proletariat in opportune Arbeitnehmer zu verwandeln ist das nun mal das revolutionäre Potential.
Wir Musiker gehören zu den Urbanen Hedonisten, einem kleinen sympathischen Milieu zwischen den mühsam versöhnten Schichten. Wir haben sozusagen eine beheizte Loge im ungemütlichen gesellschaftlichen Theater. Wir können ungestraft kommentieren und aussichtslos insistieren. Wir bekommen keinen Dispo- Kredit, aber das Gästebuch im Nobelhotel hinterher getragen. Und das, obwohl wir den Dresscode nicht einhalten und im Nichtraucherzimmer rauchen! Wir beobachten die Krawalle natürlich aus dem altehrwürdigen Atlantic Hotel. (Hier begegnet man uns mit Verständnis und Diskretion, und so teuer wie alle denken ist es auch nicht.)
Der diesjährige Erste Mai wäre eine Katastrophe für Teddy Thälmann, ist aber ein guter Tag für Genugtuung suchende Romantiker: Zenit St. Petersburg schlägt Bayern München vernichtend mit 4:0, und die zünftigen Randale schaffen es in die Top News. Jugendliche Randalierer sind extra angereist!
Am Ende des Tages ist allerdings alles wieder wie zuvor: Bayern wird Deutscher Meister und der radikale Bodensatz der Gesellschaft, sauber geteilt in Links und Rechts, hat sich unter dem wachsamen Auge der Ordungsmacht wieder mal gegenseitig aufgerieben. Auch wir haben versagt: Wir haben es nicht einmal geschafft, unseren Manager auf dem Kiez unter den Tisch zu trinken. Was bleibt ist wenig: ein bisschen Sachschaden für das Schweinesystem, ein ordentlicher Kater für unseren Manager und die Erinnerung an ein gängiges Konzert im Edelfettwerk für uns.
Für ein Konzert am Vorabend des ersten Mai wähle man also am besten eine Großstadt mit sozialdemokratischem Hintergrund und lebendiger Arbeitergeschichte. Hamburg drängt sich hierfür geradezu auf, denn die Hansestadt ist nicht nur die Geburtsstadt von Ernst Thälmann, sondern beheimatet auch ein opulentes Spektrum an gesellschaftskritischer Subkultur: Hausbesetzer, Schillpartei, illegale Einwanderer, Rotlichtmilieu und Hartz IV Empfänger. Klingt nicht allzu brisant, zugegeben, aber seit es der herrschenden Klasse gelungen ist, das Proletariat in opportune Arbeitnehmer zu verwandeln ist das nun mal das revolutionäre Potential.
Wir Musiker gehören zu den Urbanen Hedonisten, einem kleinen sympathischen Milieu zwischen den mühsam versöhnten Schichten. Wir haben sozusagen eine beheizte Loge im ungemütlichen gesellschaftlichen Theater. Wir können ungestraft kommentieren und aussichtslos insistieren. Wir bekommen keinen Dispo- Kredit, aber das Gästebuch im Nobelhotel hinterher getragen. Und das, obwohl wir den Dresscode nicht einhalten und im Nichtraucherzimmer rauchen! Wir beobachten die Krawalle natürlich aus dem altehrwürdigen Atlantic Hotel. (Hier begegnet man uns mit Verständnis und Diskretion, und so teuer wie alle denken ist es auch nicht.)
Der diesjährige Erste Mai wäre eine Katastrophe für Teddy Thälmann, ist aber ein guter Tag für Genugtuung suchende Romantiker: Zenit St. Petersburg schlägt Bayern München vernichtend mit 4:0, und die zünftigen Randale schaffen es in die Top News. Jugendliche Randalierer sind extra angereist!
Am Ende des Tages ist allerdings alles wieder wie zuvor: Bayern wird Deutscher Meister und der radikale Bodensatz der Gesellschaft, sauber geteilt in Links und Rechts, hat sich unter dem wachsamen Auge der Ordungsmacht wieder mal gegenseitig aufgerieben. Auch wir haben versagt: Wir haben es nicht einmal geschafft, unseren Manager auf dem Kiez unter den Tisch zu trinken. Was bleibt ist wenig: ein bisschen Sachschaden für das Schweinesystem, ein ordentlicher Kater für unseren Manager und die Erinnerung an ein gängiges Konzert im Edelfettwerk für uns.
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