Tourtagebuch: Sputnik Springbreak Festival

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Das erste Konzert der Openair Saison ist wie Angrillen. Der nicht enden wollende Winter ist vorbei, endlich frische Luft, Sonne, Freiheit. Was dem Schrebergärtner sein Grillplatz, ist dem Musiker die Festivalbühne.
Glücklich betritt man das Gelände und nimmt die eigentlich lästigen Rituale eines Festival Auftritts in Kauf: komplizierte Bändchen/ Pass- Systeme, campingartige Backstagebereiche, verstaubtes Equippment um nur das Offensichtliche zu nennen.

Die enormen Leerlaufzeiten sind erträglich, wenn das Wetter schön ist und verlaufen im Wesentlichen wie folgt: man lungert mit den Kollegen auf einer Wiese herum und trinkt Bier. Da bei Festivals immer mehrere Bands spielen, legt man sich im Laufe einer Karriere eine Art Festival – Bekanntenkreis zu. Die Stunden vom mittäglichen Soundcheck bis zum nächtlichen Konzert vergehen also im gepflegten Smalltalk mit Musikern, Technikern, Betreuern, Veranstaltern und Fotografen. Man erfährt von aktuellen Erfolgen der anwesenden Kollegen und von Misserfolgen der nicht anwesenden. Die Welt ist sehr klein im Musikgeschäft: der Stagemanager ist zum Beispiel der Chef vom Kassablanca, also unser Veranstalter vom gestrigen Abend. Man kennt auch Stagehands , Tonmeister, Techniker und Fahrer. Es empfiehlt sich also immer nett und freundlich zu sein, denn wer weiß schon wann man sein Gegenüber in welcher Position in den nächsten Jahren wieder sieht! Der enormen Menge an Beschäftigten ist auch geschuldet, dass es keine Extrawürste und Sonderbehandlungen gibt. Der Umgangston zwischen örtlichem Personal und Angereisten erinnert manchmal an ein Kinderferienlager.
Kein Nachschlag! Nur ein Essen pro Marke! Tische selber Abräumen!

Auch die Akteure verhalten sich ein wenig wie an der Tischtennisplatte. Man steht im Wettbewerb um die größte Menschenmenge vor der Bühne, den fettesten Sound und den frenetischsten Beifall.
Das Sputnik Springbreak ist ein neues Festival mittlerer Größe, vor uns Spielen Sonic Boom Foundation und Klee, nach uns „Wir sind Helden“.

Die Sängerin von Klee ist sehr lustig, sie klebt sich im Backstage einen Schnurrbart an. Schade, auf der Bühne trägt sie ihn nicht, wäre sicher ein Erfolg gewesen! Wir müssen auf eine Begutachtung der Leistung von Klee und WSH verzichten, denn vor dem Konzert versucht ein Sponsor uns unter dem Vorwand eines „Meet and Great“ vor seinen Promotion Karren zu spannen (das finden wir nicht gut), und nach unserem Auftritt müssen wir umgehend nach Leipzig, um beim Mitternachts Spezial des Wave and Gothik Treffens aufzuspielen. Die Festivalsaison ist nämlich kurz, da muss man mitnehmen was geht!


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