- Soko
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- Polarkreis 18
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- Foo Fighters
In der deutschen Politik vollzieht sich systemnotwendige Erneuerung erstaunlicherweise in ähnlichen, vorhersehbaren Schritten. Gesellschaft funktioniert jedoch in längeren Zyklen als die von jugendlicher Abgrenzung getriebene Innovation in der Pop-Musik. Der Rhythmus, in dem zum politischen Aufbruch geblasen wird, beträgt bei uns in der Bundesrepublik eher 20 Jahre. Die Protagonisten und Parteien die Zupacken, um die Gesellschaft und das System neu zu denken und zu verändern, sind dabei genauso unerlässlich wie die Stars und Bands die auf den Bühnen für den Wandel der Musikszene die notwendigen, neuen Trends setzen. Fehlen sie, oder kommen sie nicht zum Zuge, bedeutet das auch in diesem Fall Krise. Eine Krise des Staates ist jedoch schwerer auszuhalten, als eine Krise der Musikwirtschaft.

1949 war es völlig egal, ob man in Deutschland konservativ oder progressiv war. Nach hinten zur Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus wollte keiner der bei Trost war zurück gucken. Die Gegenwart war von den Trümmern des Krieges bestimmt, Zukunft war die einzige Chance. Egal ob Kurt Schuhmacher oder Konrad Adenauer, der Blick der politischen Akteure musste sich zwangsläufig nach vorne richten. Das Land und das System mussten neu erfunden und aufgebaut werden. Egal welche demokratische Partei man betrachtete, Aufbruch war bei allen Programm.

1969 war der Schwung der Wirtschaftswunder Jahre verflogen. Statt Aufbruch gab es Katerstimmung. Die Aussöhnung der Generationen und Nationen war ausgeblieben und dieses Problem konnte nicht mehr hinter ewigen Wachstums- und Erfolgsmeldungen konservativer Regierungen verschwinden. Es war höchste Zeit, dass die vermeintlichen Nazi-Eltern sich den Fragen ihrer Kinder stellten und die Opfer des kriegerischen, nationalsozialistischen Drangs gen Osten Annäherung durch die Täter erfuhren. Deshalb war Willy Brandt und sein Politikwechsel so entscheidend für die junge Bundesrepublik. Durch seine Person, seine eigene Historie und seine Taten (vorne an die Ostverträge) entstand wieder Bewegung. Der Aufbruch brachte Nationen und Generationen wieder in den Dialog und die Bundesrepublik Deutschland kam endlich als vollwertiger Bestandteil einer der zivilisierten Welt an.

Pünktlich zwanzig Jahre später - 1989 - war es wieder so weit: Die Mauer fiel und mit ihr die alte Weltordnung. Das was im Westen vermeintlich richtig war, konnte sich nicht mehr am Falschen im Osten definieren. Durch die plötzliche Abwesenheit eines Gegners galt es nun in der Bundesrepublik wieder die Systeme und Werte zu hinterfragen. An der Regierung war diesmal jedoch eine konservative Partei. Statt sich neu zu erfinden und aus beiden Teilen Deutschlands ein Neues, Ganzes zu machen, wurde der Osten einfach gekauft und das System des Westens übergestülpt. Die konservative Unfähigkeit zur Vision führte zu einer fulminanten Krise in den Neunzigern und einer in dieser Form noch nie gekannten Staatsverschuldung. Die nächste progressiv orientierte Regierung konnte mit Reformen nur Schadensbegrenzung im Nachhinein betreiben: Das hieß dann Agenda 2010 und in der Folge Hartz IV.
2009 steht wieder ein Aufbruch an. Die Aktionsfelder sind fast zahlreicher als nach dem kalten Krieg: Das internationale Finanzsystem ist gerade erst vor kurzem zusammengebrochen, das Klima droht es ihm auf Dauer global gleichzutun, mit Afghanistan scheint das bewährte, außenpolitische Prinzip der aus dem Westen verordneten Staatsform und Werte zu scheitern, in digitaler Vernetzung entsteht parallel eine Gesellschaft außerhalb staatlicher Regeln wie dem Urheberrecht. Das schlimmste was jetzt passieren kann, ist ein „weiter so!“. Das ist aber das Credo einer konservativen Politik. Sie will optimieren und nicht verändern. Das muss nicht immer verkehrt sein, reicht jetzt aber nicht aus. Das System schreit nach Erneuerung, die Kanzlerin fährt jedoch im Wahlkampf in Konrad Adenauers alten Rheingoldexpress durchs Land. Selbst die Symbolik ist leider rückwärtsgewandt.
Noch einmal werden wir Stillstand als Antwort auf Veränderung nicht verkraften. Das nächste Mal reicht keine Wirtschaftsagenda und kein Hartz IV mehr, um den dadurch entstandenen Schaden zu begrenzen. Wir brauchen jetzt den Mut, Systeme neu zu denken; wir brauchen Maßnahmen die den Finanzmarkt dauerhaft regulieren, eine durchgreifende Klimapolitik, die nicht mit einem Verbleiben beim Atomstrom ein Problem aus Ideenlosigkeit mit dem nächsten Problem beheben will; eine klare, neue Ausrichtung deutscher Außen- und Verteidigungspolitik, die aus Fehlern der Vergangenheit lernt und eine Netzpolitik, die den Ansatz nicht scheut, das ganze analoge Urheberrecht neu zu denken. Kurz, wir brauchen in der jetzigen Situation eine progressive, keine konservative Regierung. Die Konservativen können zum Optimieren gerne wieder ran, wenn die Richtungsentscheidungen getroffen sind, so wie sie dereinst in den Jahren 1949 und 1969 in unser aller Sinne getroffen wurden. Wir dürfen 2009 den Aufbruch nicht verpassen, sonst bleiben wir irgendwann allein zurück...
Ich wünsche mir auch einen Aufbruch, aber nach dem Wahlergebnis fällt es doch etwas schwerer zu hoffen. Eine Energiewende oder ein neues Urheberrecht muss weiter durch APO oder zivilgesellschaftliche Initiative begleitet werden.
kleiner Nachtrag:
http://ecoglobe.ch/energy/d/camp4901.htm
Das wir in einer radikalen Aufbruchszeit (Umbruch) sind, ist damit zusätzlich betätigt.
Lieber Tim,
leider hat die FDP die Schuldenkrise nicht alleine herbeigeführt. Es ist vielmehr ein Problem unserer Demokratie, dass man Wahlversprechen am leichtesten mit Staatskrediten einlösen kann, und zwar weltweit. Ein Aufbrauch weg vom Populismus? Ich bin dabei! Welche Partei das repräsentiert, weiß ich leider nicht.
Zu den anderen Themen. Energie intelligent nutzen und den Verbrauch reduzieren? Ja bitte. Energisparlampen statt Glühbirnen per EU Dekret? Nein danke.
Urheberrecht: Von Grundig bis Youtube sind alle immer populär, die zum angeblichen Wohle der Bevölkerung den Inhalt umsonst haben wollen und damit erreichen, dass Ihr Produkt profitabler ist. Im Zeitalter der Digitalisierung, wo jede SMS abgerechnet werden kann, ist es das Interesse des Urhebers, dass die Nutzung seines Werkes genau so präzize abgerechnet wird.
Einen schönen Wahlsonntag
Klaus
Hi Tim...wie soll sich denn was ÄNDERN, wenn in unserer heißgeliebten MUSIC-industry nur noch Angsthasen, Verhinderer & viel zu viele "PFEIFEN" zu finden sind bzw "das SAGEN haben"!
Eben geanu wie in der POLITIK, wo uns eine "rote FDJ-Socke" namens "Angela Kassner" (mal googeln!) alias Angela Merkel vormacht, wie man mit NIXTUN und üppigen Milliardengeschenken (Milliarden die wir nicht haben!) überaus populär wird und nach Papa Heuss, Walter Scheel, einem SUPER-GENSCHER (!!) nun mit einem Guido (Sch)Westerwelle&einem Herrn Niepel der absolute Tiefpunkt der FDP erreicht ist!
Arme Plattenindustrie - Armes Deutschland...wie tief seid ihr doch gesunken!
Lieber Klaus,
du hast leider völlig recht, die Schuldenkrise in die uns der von der FDP Ministern hierzulande deregulierte Finanzmarkt gestürzt hat, ist nicht zu ignorieren. Forderungen zu Wandel die mit erheblichen Investitionen verbunden sind (zB. in der Bildungspolitik...) hab ich mich deshalb hier auch gar nicht zu erwähnen getraut. Die angesprochenen Themen bei denen es einer radikalen Umkehr bedarf kosten hingegen kein Geld, sondern bringen eher welches ein. Der Piratenpartei traue ich den Umschwung leider bislang noch gar nicht zu, da sie in allen Fragen außerhalb des Urheberrechts noch sehr unklar sind. Selbst bei ihrem Kernthema fehlt eine gerade Linie: Mal diskutiert man mit Pressesprecher Hufgard und der fordert eine Kulturflatrate, dann hört man Vorstand König an und der setzt völlig liberal auf die Selbstregulierung des Marktes und lehnt jede Form der Flatrate ab... Tschüs Tim
Soll das ein Wahlaufruf für die Piraten sein, Tim? Ich gebe Dir Recht, dass sich einges ändern muss. Es kann aber auch einfach durch Fakten geschehen, wenn z.B. die Staatsverschuldung zu hoch geworden ist und man einfach sparen muss, weil man kein neues Geld bekommt.
Schön wär's lieber Claudius, wenn jetzt alle am Start wären und der Lotus blühen würden. Ganz so einfach ist es aber nicht. Im Moment geht es um diverse Richtungsentscheidungen: Energiewende, Umbau der Finanzmärkte, Abzugsstrategie Afghanistan, neue Urheberrechtspolitik... Dadurch dass man diese trifft wird aber noch lange nicht alles wieder gut. Das ist immer die Sache mit solchen Aufbrüchen, aufbrechen bedeutet halt noch nicht ankommen.
Ich bin irgendwie immer der Erste, der hier was schreibt. Was solls, mich stört das wenig. Das ließt sich schön, 49, 69, 89, 2009. Man will fast dran glauben. Ich fühle mich furchtbar erschöpft, ich weiß nicht warum. Ich habe zuletzt sowas wie einen Aufschwung als Kind bei meinen Eltern erlebt. Darauf folgte der totalitäre Absturz ende der 90er unserer Familie. Tim, es ist NICHTS mehr übrig. Verstehst Du ? Ich habe völlig betäubt eine Ausbildung abgeschlossen und mich danach beruflich total verlaufen. Ich habe und bekomme in dieser Welt keine Konstante hin. Ich kenne es nicht mehr von daheim und nicht von mir. Man mag denken, wow, er hat ein Label oder sowas. Ich bin (derzeit) auf staatliche Leistungen angewiesen. Man kann von einem fucking Label nicht leben. Dinge bei mir sind kaum zu glauben. Technik fällt aus, wenn es wichtig ist zu überzeugen ( bei Bewerbungen) oder was weiß ich was. Schicksal lenkt mich in die Predulie. Ich bin komplett selbst lost, verloren, verwirrt und trotzdem schwingungsgelenkt. Warum investiere ich meine Energie in Kunst ? Was soll das ? Und du Tim gehst jetzt davon aus, dass nach diesem toten Zeitalter jetzt der Lotus wächst ? Wie ist das zu beanstanden ? Und wer bleibt allein zurück ? Wir Deutschen ?



Ich verstehe Deinen Schmerz ob des Wahlergebnisses sehr gut, denn es spricht für alles andere als Aufbruch. Aber es ist natürlich ein Aufbruchssignal für alle drei Parteien, die nun nicht an die Macht gekommen sind. Erneuern sie sich und ihre Haltung zu einander geschwind, kann schon bald ein anderer wind in diesem Land wehen. Das tut er dann erst in den Ländern und dann im Bund :-)
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