- Soko
- Jennifer Rostock
- Rammstein
- Prinz Porno
- Miss Platnum
- Polarkreis 18
- Empire Of The Sun
- Amy Macdonald
- Eddie Vedder
- Uffie
- The Wombats
- Jack Penate
- An Cafe
- Calvin Harris
- Get Well Soon
- Azad
- Mikroboy
- Philipp Poisel
- IAMX
- Bushido
- PeterLicht
- Akte One
- Coco Rosie
- Bodi Bill
- Eko Fresh
- The BossHoss
- The Casting Out
- Charlotte Roche
- Miss Li
- Deichkind
- Oasis
- Michael Jackson
- Coldplay
- Radiohead
- Arctic Monkeys
- Peter Doherty
- Eminem
- Amy Winehouse
- U2
- Polarkreis 18
- Rammstein
- Northern Lite
- Bloc Party
- Metallica
- The Killers
- The White Stripes
- Babyshambles
- Weezer
- Tocotronic
- Lily Allen
- Razorlight
- Franz Ferdinand
- Smashing Pumpkins
- Mando Diao
- Tim Renner
- Madonna
- Kings Of Leon
- Fall Out Boy
- Morrissey
- Foo Fighters
Die Popkomm war nie eine Messe sondern ein Selbstzweck und das war gar nicht schlimm. Dieter Gorny (Foto) rief vor fast 20 Jahren eine Branche nach Düsseldorf, die sich im Umbruch befand. Mit Punk und New Wave waren Independent Labels entstanden, die sich jenseits der Konzernstrukturen in den Achtzigern etabliert hatten. In den damals noch zahlreichen Majors hatte man darauf reagiert, indem man für Alternative Rock Abteilungen mit scheinbar schier endlosen Vollmachten wie zum Beispiel Progressive (Polydor) oder Dragnet (Ariola) gründete. Befeuert wurde all das von dem geglückten Format-Wechsel auf das einträgliche, weil teure CD Format und der sich just ereignenden Wiedervereinigung.

Aus Strukturen kommend in denen lokales Repertoire zumeist Schlager und internationaler Rock bedeutete, erfand sich die Branche nahezu noch einmal neu. Wie üblich wurden die Prozesse von den kleinen Firmen getrieben und von den großen aufgenommen. Um ihn zu verstetigen, musste man Groß und Klein zusammenbringen. Das konnten die Popkomm-Macher nicht in Form einer Messe tun, sondern man erfand eine Messe als Anlass für eine Party. Die Popkomm fand nicht tagsüber im ZAK oder die Jahre drauf im Gürzenich statt, sondern dann, wenn Gorny in Düsseldorf mit Bier im Six-Pack nachts von der Tanke in die Hotelhalle kam, um seine durstigen Gäste zu versorgen, oder wir alle in Köln vorm Mexikaner mit unseren Coronaflaschen fast besinnungslos auf den Straßenbahnschienen saßen oder lagen.
Köln war der logische, nächste Schritt. Nicht nur in der Schallplattenbranche tat sich viel. Parallel zu ihrem Boom schoss durch das so genannte duale System der Regierung Kohl der private Rundfunk aus dem Boden. Damit traten jede Menge neue Macher auf den Plan, die es galt kennen zu lernen. Egal ob als Radio oder Fernsehen - RTL, reich mit Erfahrung aus dem Betrieb aus Luxemburg gesegnet, war das Vorbild. Der Chef der Sendergruppe hieß Thoma und sagte markige Sätze wie „Im Seichten kann man nicht ertrinken“. Sie wurden bei RTL Programm. Die neue Heimat des Leit-Senders war Köln. Und deshalb hüpften plötzlich auf deren Bühnen am Ring Gesangsdarsteller wie Captain Hollywood oder Zlatko, die zu RTL und ihren ebenfalls sich präsentierenden Konkurrenten passten. Ringfest nannte sich das und viele Kölner mochten es.
Für die Branche war die mit den privaten Medien und ihrer Selbstdarstellung einhergehende Trivialisierung fatal. Nicht nur, dass man ihre Produkte mittlerweile (auch mangels eines legalen Angebots) sich umsonst aus dem Netz saugen konnte, die in Köln auf dem Ringfest der Popkomm gefeierten Euro-Trasher und Casting Sternchen untergruben zudem noch die Werthaltigkeit von Pop-Musik. Als Konsument nahm man von der Popkomm bestenfalls mit, dass man diese scheinbar inhaltsleere, selbstverliebte Branche betrügen muss. Die Party war endgültig vorbei. Die Kölner Popkomm 2003 war ein letztes, trauriges Aufbäumen. Da die Messehallen fast leer waren, ließ Medienpartner Viva und dessen Geschäftsführer Dieter Gorny sein Publikum hinein. Die Teenager suchten nach Boybands und fanden verstörte Labelmitarbeiter. Die Popkomm floh nach Berlin. Hier sollte sie sterben.
Die Popkomm hätte in Berlin zur Messe werden können, aber das hat sich keiner getraut. Die Konzepte lagen vor. Man war in der Stadt mit den meisten Clubs und Bühnen Europas angekommen. Ähnlich wie die South by South-West (SXSW) in Austin, Texas hätte man jedes Jahr alle neuen, aufregenden Livebands präsentieren können. Wie bei einer echten Messe stürzen dort im Süden Amerikas nämlich A&R Manager und Tourveranstalter durch das Nachtleben, um sich mit Musik und Bands zu versorgen. Die Musiker machen ein Angebot, die Agenten sind die Kunden. Möglich wäre auch gewesen, in den Messehallen Konsumenten und Presse im August schon die Highlights des Herbstgeschäfts vorzuspielen. Ähnlich den Buchmessen hätte man somit dem Endverbraucher frühzeitig und legal zur Kenntnis gebracht, was er später möglichst kaufen soll.
Auch eine Kombination aus beiden Ideen wäre logisch gewesen, aber wie soll eine Veranstaltung einen neuen Plan haben, wenn die Branche der sie dient nicht einmal ein funktionierendes Geschäftsmodell hat? Dieter Gorny hat Ursache und Wirkung verwechselt und war emotional als Gründer wahrscheinlich hochgradig berührt. Mittlerweile den Musikkonzernen als Lobbyist dienend, verstieg er sich darauf zu verlautbaren, man habe die Messe aus Protest gegen die Internet-Piraterie abgesagt. Irrtum, abgesagt hat nicht er, sondern der Veranstalter. Seit Jahren waren überhaupt nur noch zwei der von ihm vertretenen Major Companies auf der Popkomm präsent. Auffangen konnte die aufrichtig bemühte Messe Berlin das in der internationalen Stadt lediglich mit den Ständen der Exportbüros aus aller Herren Länder. In der Finanzkrise haben auch diese kein Geld für eine Messe ohne Geschäftszweck mehr.
Nach der plötzlichen Absage der Popkomm heißt es für alle „zurück auf Los!“. Die kleinen Labels haben ihre Flüge gebucht, denn frühes Buchen ist billiger. Die Berliner Clubs haben ihr Programm für die Popkomm zusammengestellt und die Verträge mit den Bands großteils abgeschlossen, denn das muss man ein halbes Jahr im voraus tun. Und unsere Branche hat ihr Problem noch längst nicht gelöst, denn allein im letzten Jahr verlor sie wieder 4,7% während man mit legalen Downloads nur mikrige 80 Mio. Umsatz machte. Aufgeben, oder die verfahrene Situation nutzen um von vorne anzufangen? Zusammen mit den Machern der re:publica, dem Berliner Veranstaltungsort Radialsystem und Martin Brem haben wir uns für Letzteres entschieden und „All Together Now!“ gerufen.
Vom 16. Bis 18.9. soll es mit diesem Schlachtruf nun endlich um die Zukunft gehen. Egal ob durch die Bands oder die Gesprächskreise, die die Abschlussveranstaltung vorbereiten. Das, was man gefunden, oder herausgefunden hat, soll in Form von kurzen Impulsvorträgen am letzten Tag der All Together Now im Radialsystem präsentiert werden. Es wird wieder keine Messe sein, eher eine Art Bar-Camp. Erwarten darf man nichts Großes, aber hoffentlich etwas das intensiv und nachhaltig ist. Die Zukunft finden wir nur gemeinsam, die kann man nicht verordnen. Es geht darum diejenigen zusammenzubringen, die für sie bereit sind. Das tut man nicht durch große Worte sondern im Zweifel einfach indem man für sie nachts Bier von der Tankstelle holt, so wie es Gorny vor 20 Jahren tat.
Hi Pattrick, darüber wie man Clubs und a2n verbinden könnte machen wir uns morgen ab 19.00 im Radialsystem Gedanken. Komm doch einfach dazu!
Tschüs Tim
Ich finde es positv, dass sich die Leute, denen wirklich etwas an der Musik liegt auftun, um etwas an der festgefahrenen Situation zu ändern Deswegen halte ich es auch für richitg mit Gesprächen eine obejektiven Diskusionen in Gang zu setzen, um erstmal eine Anfang zu finden, in dieser fest gefahrenen Situation Denn eins steht fest die Vermarktung von Musik/Filmen.. muss wieder zum funktionieren gebracht werden
Meine Frage aus Clubsicht ist jetzt, was können die Clubs jetzt dazu beitragen an den 3 Tagen im September? Gibt es Ideen wie man A2N mit Bands/Konzerten hilfreich verbinden kann? Danke, p
In den letzten Tagen war das Leben wirklich bunt. Ich konnte von meinem Bürofenster eine riesige Zahl von Menschen beobachten, die die aktuellen Modemessen besuchen. Es war einfach toll. Eine bunte Welt von Kreativen und Vermarktern und mittendrin diejenigen, die die Produkte später kaufen sollen. Ganz Berlin scheint eine Modemeile zu sein - ich gebe zu, ich habe nicht geweint als es hieß, die Popkomm findet nun nicht statt. Was war denn die Popkomm? Als klar war, dass es den Umzug nach Berlin geben würde waren die Hoffnungen groß. Die unglaublichen Ressourcen die diese Stadt bietet, ihre Strukturen und die beinahe unerschöpfliche Zahl an Kreativen - die es auch schon gab, bevor ein paar "große" Companys nach Berlin umzogen - all dies wäre doch der ideale Boden für einen tolle Messe gewesen. Die Antwort: Die Popkomm sei eine Ordermesse und keine Kundenmesse - war mal jemand in den letzten Jahren auf der Games-Convention? Eine Ordermesse in Zeiten des digitalen Vertriebs? Man kann darüber geteilter Meinung sein, meiner Meinung nach hat sich die Messe damals - und damit verbunden auch die Branche - wieder ein bißchen mehr vom Kunden abgewandt.
Ich finde die A2N-Idee gut. Vielleicht entsteht etwas Neues? Vielleicht diskutiert man nun mit den Kunden über das, was sie möchten? Vielleicht schaut man einmal über den Tellerrand der "Musikindustrie" hinaus und lädt Menschen aus benachbarten Bereichen ein? Vielleicht ist es einfach Zeit, weniger übereinander als miteinander zu reden - vielleicht sollte man die Idee des Web2.0 in die Realwelt holen....
PS: fast alle Besucher der Modemesse die ich gesehen habe, trugen Kopfhörer und hörten Musik...
Neu ist, liebes Augsburg, dass man niemanden Rechenschaft gegenüber ablegen muss und deshalb wirklich nach vorne denken und arbeiten kann. Also kein Kongress der im Sinne einer Berichterstattung, kein Konzert das im Sinne eines Standortmarketing erfolgen müsste. Stattdessen zwei Tage freie und offene Diskussion bei den teilnehmenden Firmen und Orten und eine Abschlusskonferenz wo die verschiedenen Lösungen und Gedanken innerhalb kurzer Präsentationen (Du siehst, ich gebe mir aufrichtig Mühe das Wort Impulsvortrag zu vermeiden) vorgestellt werden. Überzeugt?
Hmm, ich wünsche ja allem, was nicht Gorny/Popkomm heißt alles Gute. Aber wenn ich den Begriff "Impulsvortrag" höre, ziehe ich meinen Revolver.
Back to topic. Es ist ein bisschen schwer vermittelbar, was an dieser neuen Veranstaltung wirklich neu sein soll, außer, dass sie diesmal in Berlin stattfindet. Und das absehbare "Kongress 2.0"-Ding ist ja nun auch nicht wirklich hilfreich. So what?
(Ich korrigiere mich gern & sofort, wenn ich vernünftige Ansätze erkennen kann.)
Ich glaube nicht, denn in Berlin gibt es ja auch ohne PopKomm eher ein Überangebot an Events und Möglichkeiten. Die A2N soll die Lücke und die Tatsache nutzen, dass eh viele vor Ort sind und wird dabei (hoffentlich!) ein Zeichen für Aufbruch setzen. Weder soll oder muss das zur Serie und erst recht nicht staatlich oder städtisch gefördert werden.
Ist das denn nicht auch nur wieder das Köln-Syndrom à la "Oops, Popkomm ist weg, wir brauchen irgendwas neues, egal was!" nur eben noch ein bisschen metropoliger?



Vielleicht wird ja sowas wie das "Bibcamp" daraus? Bei dieser "Unkonferenz" kamen Bibliothekare zusammen um über ihre Zukunft zu sprechen. Das Projekt war und ist sehr erfolgreich. Jeder kann kommen und das Programm bzw. die Themen werden von den Teilnehmern vor Ort vorgeschlagen und festgelegt. Wenn man dann noch Menschen aus verschiedenen Bereichen (z.B. Künstler, Musikmanager, Clubbesitzer, Gamesentwickler, Web2.0-Anbieter und nicht zu vergessen die Endkunden) zusammenbringt könnte das sehr spannend werden...
antworten