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Tim Renner
Tim Renner: Das Ende der Krise der Musikwirtschaft
Verglichen dazu geht es der Musikindustrie heutzutage noch Gold. Dank einiger Rechentricks (seit 2002 werden von ihrem Verband plötzlich Erträge von über 125 Millionen DVD/VHS in den Tonträger-Umsatz eingerechnet) befindet sie sich hierzulande auf 60% der früheren Größe. Das Problem ist aber identisch: Die Branche ist konfrontiert mit einer ursprünglich militärischen Entwicklung die den Massen in den neunziger Jahren zugänglich gemacht wurde und ihre Musik umsonst verbreitet: das Internet. Eine vernünftige, wirtschaftliche Nutzung gelingt bislang noch nicht (der Marktanteil legaler Downloads beträgt in Deutschland derzeit jämmerliche 5% wenn man Klingeltöne nicht mitrechnet). Eine globale Wirtschaftskrise haben wir dafür diesmal auch wieder zu bieten.
Das erste Mal überwand die Musikwirtschaft ihr Leiden im Laufe von zwanzig Jahren durch drei sehr konkrete Maßnahmen: 1. Der Preis für das in die Jahre gekommene Format Schellack wurde von 75 auf 35 Cent gesenkt, 2. mit HiFi wurde eine technische Innovation forciert, 3. mit dem Senderecht und einen Einigungszwang für Vergütung zwischen Radioveranstaltern und Urheber- und Leistungsschutzrechtsinhabern wurde vom Gesetzgeber Planungssicherheit und ein wirtschaftlicher Ausgleich geschaffen. In der Folge wurde die kranke Musikwirtschaft zur globalen Erfolgsstory mit traumhaften Zugwachsraten. Da man das alles schon einmal durchlebt hat und diesmal kein Weltkrieg die Umsetzung von Lösungsmöglichkeiten behindern sollte, kann es keine 20 Jahre brauchen, bis die Branche wieder rund läuft. Vorraussetzung ist, dass man aus der Geschichte lernt und nicht Fehler wiederholt.
Offensichtlich waren es drei Faktoren, die der Musikwirtschaft den Wandel zum Guten brachten: Preis, Darreichungsform und Rechtssicherheit. Wendet man diese auf die aktuelle Situation an, kommt man ziemlich schnell zu dem Modell Flatrate. Diese bietet einen anderen, potentiell geringeren Preis pro Titel; eine neue Nutzungform und so es gesetzliche Regelungen mit den ISPs (also den Anbietern von Internetanschlüssen) gibt, auch eine neue Form der Rechtssicherheit.
Genauso wenig begeistert wie sie bislang von Flatrate-Modellen sind, waren die Majors dereinst von Senderecht und dem Kontrahierungszwang im Rundfunk. Als die europäischen Regierungen eine nach der anderen verfügten, dass jede Radiostation jeden Titel spielen dürfe, sobald dieser zum ersten mal veröffentlicht worden sei, sprachen die großen Labels von Enteignung. Im Ausgleich für das so genannte Senderecht wurde jedoch festgelegt, dass die Rechteinhaber einen Anteil von Werbung oder Gebühren zu erhalten hätten. Auf dessen Höhe und Bemessungsgrundlage sollte man sich untereinander mit den Radios einigen. Ohne Einigung, so die Drohung und das Konzept, würde der Staat über einen Schlichter eine Vergütung erzwingen.
Die großen Plattenfirmen wehrten sich vehement gegen diese Idee, weil das Senderecht ihre Macht zu schmälern drohte. Absprachen, dass man den Song eines Stars als erster bekommt, wenn die Station dann auch einen anderen, weniger beliebten spielt, waren nicht mehr möglich. Genauso hatten sich Gebühren die man für eine Erstaufführung von neuen Hits erheben konnte, für die marktbeherrschenden Firmen in der Sozialisierung einer gemeinsamen Abgabe an GEMA und die Verwertungsgesellschaft GVL erledigt. Auf Seiten der Radios mochte man sich auch ungern vom prima Geschäftsmodel verabschieden, Content und somit Sendeinhalte in der Regel umsonst verbreiten zu können. Allerdings war man gesprächsbereit, denn man sah den Vorteil der Planungssicherheit. Die per Gesetz forcierte Einigung war am Ende aber zum Nutzen aller. Die Schiedsstelle musste bis heute nicht einmal einberufen werden.
Auch diesmal sind es nicht die Kanäle, in diesem Fall also die Telekommunikationsgesellschaften, die sich völlig einer Flatrates verwehren. Natürlich möchten sie nicht zu solchen als Bestandteil eines Internetanschlusses per Gesetz gezwungen werden, aber generell haben auch sie verstanden, dass sie nicht endlos werden davon profitieren können, dass über ihre Leitungen und Anschlüsse die Rechte Dritter verletzt werden. Einige verhandeln längst mit der Musikindustrie über Wege wie sie ihre eigenen Internetanschlüsse mit gut aufbereiteten Musikangeboten aufwerten könnten. Die Majors zeigen sich abermals sperrig: Ihre Sorge ist, dass eine echte Flatrate, die alle Neuheiten beinhaltet, sobald diese ans Radio gegangen sind, ihren kompletten Katalog abbildet und als Download verfügbar macht, auch wenn das jeweilige Flatrate-Abo abgelaufen ist, zur endgültigen Erosion ihres Geschäfts führen könnte.
Die Situation ist genau die gleiche wie vor Einführung des Senderechts: Wer keine Tonträger kaufen mag, bekommt im Internet bereits alles geboten um diese zu ersetzen. Genauso wie manche Aufführung die damals im Radio lief, ist das häufig illegal, jedoch ohne tiefen Einschnitt in die Freiheit der Kommunikation nicht zu verhindern. Kauft der Musikfan dennoch eine CD, dann hat er einen Grund dafür, der durch die Einführung einer Flatrate die mit den Torrent-Trackern konkurrieren könnte, nicht wegfallen würde. Flatrates würden legale Download-Portalen wie iTunes und Musicload (alle zusammen erzielten 2008 knapp 80 Millionen Umsatz) das Leben schwer machen, nicht mehr, nicht weniger.
Laut einer von der Industrie in Auftrag gegebener GfK Studie gibt es in Deutschland 14.3 Millionen Musikkäufer. Das sind 17.4 % der Bevölkerung und diese geben im Schnitt mehr als 9 Euro pro Monat für CDs und Downloads aus. Würde man den 31.8 Millionen Kunden der ISPs eine Musikflatrate anbieten, die in bester Datenqualität für 9.99 Euro im Monat legal alle verfügbare Musik zum Download vorhält, sobald sie ans Radio und zu Journalisten gelangt und prozentual der gleiche Anteil an Musiknutzern diese annehmen, entstünde ein Umsatz der jährlich über 663 Millionen beträgt. Das ist bereits mehr als die Hälfte dessen, was die Industrie 2008 mit CDs erzielen konnte. Dieser Umsatz hätte für die Labels eine viel höhere Margin (die Tonträgerfertigung, Vertrieb und Retouren entfallen und somit steigen die Gewinne) und wäre zu Teilen nicht substituierend, sondern additiv.
Solche Gedanken wurden auch im letzten Monat auf der all2gethernow in Berlin diskutiert. Die dort vertretenen Musikwirtschafts-Lobbyisten und Labelmacher bemühten sich sofort danach festzustellen, dass man sich ob der bloßen Diskussion auf solche Ideen noch lange nicht geeinigt habe. Ihr Branchenblatt „Musikwoche“ nannte, ohne seine Meinung zu begründen, diese Flatrate-Modelle „Eine Milchmädchenrechnung“. Die Fronten sind völlig verhärtet zwischen denen, die wie die Industrie eine autoritäre (Kontrolle des Internets, wie immer das auch gehen soll), wie Teile des linken Spektrums eine etatistische (Einführung einer staatlich erhobenen Kulturflatrate, wie immer man die auch verteilen will) oder wie viele aus der Netz-Welt eine anarchistische (keine Bezahlinhalte mehr, was immer dann auch die Vergütung kreativer Arbeit sein soll) Lösung anstreben.
Eine in unserem System der Marktwirtschaft funktionierende Lösung kann aber immer nur eine sein, die ein Angebot beinhaltet, was mindestens so gut ist, wie das der Konkurrenz. Dabei spielt es, wenn man gegen ihn bestehen will, leider keine Rolle, ob der Wettbewerber ein legaler oder illegaler Anbieter ist. Akzeptiert man das jetzige, mehrheitliche Nutzerverhalten im Netz als Realität und versucht ein Angebot zu machen, dann führt kein Weg an einer Form der Flatrate vorbei. Wenn sich dieser Gedanke bei der Industrie und den Verbänden durchsetzt oder diese im Interesse der von ihnen vertreten Künstler von der Gesetzgebung zu einer Einigung gezwungen werden, dann könnte dass das Ende der Krise der Musikindustrie sein.
@HAnsDaempf,
hast du dir mal überlegt, dass es vielleicht einen Ansatz gibt, der Urheberrecht im internet schützt, OHNE den Endkunden zu kriminalisieren?
Hast du dir vielleicht mal überlegt, dass der Wertverlust vom physischen Tonträger vielleicht auch darin begründet liegt, dass man seit knapp zehn jahren - wenn man will - alles Kopieren kann, was es auch im handel zu kaufeen gibt?
Hast du dir mal überlegt, dass der "Homo Oeconomicus" so eine Flatrate auf freiwilliger Basis nie zahlen wird, sondenr dass man damit nur noch die verbliebenen CD-Käufer und legalen Downloader abschießt?
Stefan
@Labelbetreiber
Ich halte es erst mal für grundsätzlich falsch, potentielle Kunden zu kriminalisieren. Das ist aus moralischen, rechtlichen und auch unternehmerischen Gründen höchst fragwürdig. Außerdem muss man zwischen Klauen und Kopieren strikt unterscheiden. Wenn ich für meinen privaten Gebrauch, das Brot, das ich beim Bäcker kaufe, zu Hause exakt nachbacke, so habe ich kopiert und nicht geklaut. Die Technik des Kopierens im Internet ist eben heute so einfach, so dass viele keine Musik mehr in physischer Form mehr kaufen. Wobei natürlich physisch immer nur die CD oder LP war. Sie hat an Wert verloren, während die Musik an sich nie an Wert verloren hat. Hatte sie je einen monetären Wert?
Wie man das lösen kann, damit Studios, Presswerke etc. weiterhin genug Geld verdienen können? Mittelfristig nur mit einem Geschäftsmodell, dass die neuen Techniken verbindet statt krampfhaft an den alten festzuhalten. Mein Vorschlag: Betriebswirtschaft, Qualität, Web 2.0, Ogg-Vorbis-Technik in einen Topf werfen und eine Plattform für mit einem weltweiten Zugang und weltweitem Kataolg zu schaffen. Den Obolus für diesen Zugang zwischen 15€ und 25€/Monat festlegen und das Geld gerecht verteilen. Dann bleibt mehr übrig für alle.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das Problem angesichts der weltweiten Verbreitung des Internets über eine Musikflatrate in den Griff bekommen lässt. Wenn es doch gelingen sollte, müsste die Flat sehr billig sein. Dann wären aber die Einnahmen so niedrig, dass andere Finanzierungsformen vielleicht attraktiver wären. Man darf gespannt sein wie es weiter geht. Die Verlagswirtschaft wird dank E-Books in kurzer Zeit das gleiche Problem bekommen.
niemand hat etwas gegen neue vertriebswege.
nur, was heisst denn modern und nicht konservativ sein?
sich den gegebenen (illegalen) verhältnisen insoweit anpassen, dass der wert von musik immer mehr abnimmt und in der angegliederten wertschöpfungskette als folge immer mehr personen arbeitslos werden?
nur weil es in der praxis den schutz vor diebstahl im digitalen bereich faktisch nicht gibt, muss ich doch nicht in konkurrenz mit der 0 euro politik der diebe treten.
das ist ein komisches verständnis von moderne.
oder würdest du, nur weil bei dir ständig eingebrochen wird, in zukunft deine haustür offen lassen und vorne ne spendenbüchse hinstellen?
es gibt ja auch leute, die meinen ernsthaft, musik ist allgemeingut, welches nichts kosten darf. dann bin ich mal gespannt, wer in zukunft noch musik macht. wenn die masteringstudios, die presswerke und promo-agenturen mitziehen, könnte das evtl. sogar was werden...;-)
und dass die indies die probleme erst schaffen, nur weil sie auf dem immer schwerer zu beackernden markt einen halbwegs fairen share für sich und ihre künstler fordern, finde ich schon eine starke behauptung. und warum soll das urheberrecht und somit die rechte der künstler aufgeweicht werden? nur, um multis wie apple, google und amazon immer weitreichendere macht enzuräumen?
wäre spannend zu erfahren, was die 68er veteranen von "ton steine scherben" zu deinen "modernen" vorstellungen sagen würden...
Ganz genau, die Napster Flat gibt es zu diesem Preis. Und ich bestätige aus eigener Erfahrung, dass je nach Freizeit das übermäßige "Saugen" stattfindet. Nicht maßlos, aber allein schon durch die Querverweise "User die x hörten mögen auch y" komme ich immer wieder auf neue Bands und nehmen die dann gleich noch mit ins Boot.
Weiterhin bestätige ich als Label, dass für so einen Napster "Download" (in die Napstereigene Software) bzw. für den Napster-Stream eines Songplays genau 1 Cent bei uns ankommt. Selbst wenn ich 1000 Songs verkaufe (unwahrscheinlich), bringt mir das gar nichts, wohingegen der Verkauf von nur 100 Songs zu 99 Cent attraktiv ist.
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich konsumiere Musik größtenteils von Napster, den zweitgrößten Teil als Vinylkauf und nur einen ganz kleine Teil aus CDs. Ich stehe auf beiden Seiten, als Label und Nutzer der gängigen Systeme unserer Zeit. Und von beiden Seiten fehlt mir die Einsicht, wie es richtig laufen könnte.
Ich glaueb da liegt der Knackpunkt. Weiß niemand weiter, wird der Wunsch nach Reglementierung groß.
@HansDaempf
Sorry, du verstehst es leide rniocht:
Du wirst keinen Vernünftigen Markt herstellen, wenn noch vor der eröffnung des MArktes, dieser MArkt einen Marktversagen unterliegt.
Wenn das beseitigt ist, dann bin ich als LAbelbetrreiber JEDEM Konzept gegenüber aufgeschlossen, das Wertschöpfung (sowohl kulturell als auch wirtschaftlich) verspricht.
Aber was Tim Renner hier will ist ein nichtreversibler Schritt, BEVOR wir auch nur versuchen, dass Marktversagenj zu lösen.
Es ist so, als wenn er davon ausgeht, dass dieses Problem prinzipiell nicht lösbar ist, und dann - da stimme ich zu - brauchen wir diesen Schritt.
Aber ich glaube halt, dass dieses Problem lösbar ist, und deswegen brauchen wir diesen schritt - quasi-Flatrate - eigentlich nicht.
Ach, und eines noch: MAcht Napster nicht schonseeit Jahren so eine Flatrate für genau diesen Preis? Und der Erfolg ist SEHR mässig.
Stefan
niemand hat etwas gegen neue vertriebswege.
nur, was heisst denn modern und nicht konservativ sein?
sich den gegebenen (illegalen) verhältnisen insoweit anpassen, dass der wert von musik immer mehr abnimmt und in der angegliederten wertschöpfungskette als folge immer mehr personen arbeitslos werden?
nur weil es in der praxis den schutz vor diebstahl im digitalen bereich faktisch nicht gibt, muss ich doch nicht in konkurrenz mit der 0 euro politik der diebe treten.
das ist ein komisches verständnis von moderne.
oder würdest du, nur weil bei dir ständig eingebrochen wird, in zukunft deine haustür offen lassen und vorne ne spendenbüchse hinstellen?
es gibt ja auch leute, die meinen ernsthaft, musik ist allgemeingut, welches nichts kosten darf. dann bin ich mal gespannt, wer in zukunft noch musik macht. wenn die masteringstudios, die presswerke und promo-agenturen mitziehen, könnte das evtl. sogar was werden...;-)
und dass die indies die probleme erst schaffen, nur weil sie auf dem immer schwerer zu beackernden markt einen halbwegs fairen share für sich und ihre künstler fordern, finde ich schon eine starke behauptung. und warum soll das urheberrecht und somit die rechte der künstler aufgeweicht werden? nur, um multis wie apple, google und amazon immer weitreichendere macht enzuräumen?
wäre spannend zu erfahren, was die 68er veteranen von "ton steine scherben" zu deinen "modernen" vorstellungen sagen würden...
@Labelbetreiber
Es geht ja nicht darum, dass Preisniveau weiter zu senken, sondern darum, überhaupt einen Markt im Internet zu schaffen. Wenn ich will bekomme ich derzeit jedwede Musik zum Preis von 0,000 Cent. Gäbe es eine (durchdachte) Plattform mit Flatrate, würden wieder mehr Leute für Musik zahlen.
Ich finde es schade, dass bei vielen Indies so eine Art Konservatismus herrscht, besonders wenn man sich anschaut, woher die Indies kommen: Sie haben ihren Ursprung nämlich teilweise auch in der 68er Bewegung und das erste TonSteineScherben-Label war für neue Vertriebswege durchaus offen. Viele Indies wollen heute am Status Quo festhalten und schaffen dadurch erst die Probleme. Deshalb faktisch eher den Forderungen der Industrie nach verhärteter (überholter) Urheberrechtspraxis.
Hier sieht man halt mal wieder, dass eigennütziges Handeln der Einzelnen in der Summe auch den Kollaps bedeuten kann. Das geschieht gerade wohl immer noch mit der Musikindustrie (aber z.B. auch im derzeitigen Finanzmarktkapitalismus).
ich finde die ausführungen von renner nicht durchdacht.
wie kommt er auf die 9,99 euro im monat?
nur, weil anscheinend laut einer gfk-untersuchung die befragten im schnitt für über 9 euro im monat musik kaufen?
und wenn die untersuchung gezeigt hätte, sie würden nur für 5 euro im monat musik kaufen, dann wäre das der standard? so nach dem motto "was seid ihr bereit zu geben"?
meiner meinung nach kann es nicht sein, dass musik derart verramscht wird. wenn es diese flatrate tatsächlich gäbe, würden viele dieses angebot auch nutzen - schon klar. was man in einem monat alles saugen kann, kann man sich vorstellen. zu meinen, der durchschnitts-konsument würde evtl. 2-3 alben oder 30 tracks runterladen, der wird sich irren. es würde gesogen, was die leitung hergibt. und das legal, ohne gewissensbisse - nur um welchen preis? der legale preis pro track würde so in den keller gehen, dass eigentlich keiner mehr davon leben kann, ausser der gema evtl.
was die konsumenten neben ihren 9 euro pro monat nämlich alles noch so illegal saugen, verraten sie natürlich nicht. das dürfte weitaus mehr sein.
aber nur, weil im netz die meinung vorherrscht, alles sei umsonst, das preisniveau noch einmal durch eine flatrate weiter abzusenken, kann sich niemand ernsthaft ausdenken, der von musik leben will. "markt befiehl, wir folgen" kann nicht das credo sein. sprich: das derzeitige nutzerverhalten im netz kann nicht ernsthaft zum maßstab gemacht werden.
klar, man würde die illegalen angebote weitgehend austrocknen, aber nur um sich auf ähnliches niveau abzusenken. viele sauger bezahlen ja auch für "rapidshare-accounts", um mehr datenmengen gleichzeitig zu saugen - sie zahlen für die technik, aber nur, um dann die inhalte für lau zu ziehen.
beim flatrate-modell würden alle möglichen schnittstellen plus gema noch mal ihren share vom eh schon viel zu geringen hungerlohn bekommen und was am ende beim artist/label übrig bliebe, wäre im hundertstel cent bereich zu messen. da muss man schon einen riesigen namen haben, um da über die masse irgendetwas rauszuholen.
und die spannendste frage bleibt gänzlich unberührt:
nach welchen schlüssel sollen die gelder dann verteilt werden? wie wird abgerechnet? alles, was in den charts oben ist, bekommt am meisten vom kuchen, wie bei der ungerechten gema-ausschüttung? oder trackgenau? leider wird der share dann immer geringer, je mehr der einzelne nutzer im monat runterlädt, schade. mehr für den nutzer heisst hier dann weniger für die erzeuger, oder so ähnlich. viele fragen, keine wirklichen antworten.
und wenn ich mir die kommentare so anschaue, frage ich mich, auf welcher seite die leute stehen.
vereinfachung und verflachung des urheberrechtes? also weniger rechte für den urheber, um ihn nicht mehr um erlaubnis fragen zu müssen, wenn man seine werke für alles mögliche benutzt? manche wollen gerne alles in einem store konzentrieren (hier als bsp. itunes). na dann gute nacht leute! itunes diktiert dann nach gut dünken die rahmenbedingungen dank seiner monopolstellung? na ja, ist ja apple und so cool und jeder hat ja auch einen ipod, also gleich alle inhalte rein in itunes, das läuft dann schon....haha...so industriegläubig kann man echt nicht sein...
nett gemeint, aber bei umsetzung ein weiterer rückschlag für alle schon genug gebeutelten kreativen und indies da draussen...
@Claudius
Ich kenne genug Leute (inklusive mir), die noch nie etwas bei I-Tunes gekauft haben. Ich finde das ganz nett, was Apple macht, aber letztlich viel zu unübersichtlich. Außerdem hat man auch nicht den Zugang zum ganzen Katalog (Beatles, ACDC fehlen glaube ich immer noch, was aber auch an den Bands selbst liegt; genauso wie einige Labels). Außerdem ist die MP3-Qualiät schlecht. Dabei gibt es heute schon viele bessere Formate, wie Ogg.Vobis. Apple hat für viele Kids schon gute Angebote bereitgestellt, aber der Markt ist viel, viel größer.
Man muss die psychologischen Faktoren des Internets betrachten: Die meisten Leute sind zu faul, sich jeden Track auf einer unübersichtlichen Seite herunterzuladen, den dann noch in schlechter Qualität und vielleicht auch nicht mit allen Trägern kompatibel (wobei das hat sich schon mal verbessert: DRM ist wenigstens heute kassiert). Werden mir 1Mal im Monat 15€-25€ abgebucht und ich habe immer Zugang zu den weltweit neuesten Tracks, so würde ich sofort zuschlagen.
Ich jedenfalls warte auf ein solches Angebot, als Musiker und als Fan. I-Tunes, zumindest wie es bisher ist, reizt mich überhaupt nicht.
Das gute Angebot im Internet besteht bereits, und es ist fantastisch: der iTunes Musicstore.
Kein anderer Anbieter funktioniert derart einheitlich global, und es werden nach und nach alle Länder, die bisher nur den Appstore unterstützen, folgen.
Die Gesetzte der Wirtschaft machen hier nicht die Politik, der Staat oder die Kunden, sondern Apple. Mit Ihren portablen Devices werden doch alle Käuferschichten angesprochen und beinahe jeder hat doch bereits ein Exemplar. Was will man mehr ?
Irgendwie ist das eine neue, dekadente Klientel, die Ihre Medieninhalte DIREKT von der Quelle bezieht, nicht von anderen Usern. Zumindest wenn man frei entscheiden möchte. Apple gehört die Zukunft, nicht nur der Verkauf der Inhalte, auch nach und nach Konzertevents und wohl auch Management.
Viele Andere haben das verpasst. Wenn ich überlege, das Sony mit Ericsson wirklich gute Handys bereitstellt, es das Walkmanhandy gibt und Sony eben erfahrungsreich aus der Vergangenheit kommt, greif ich mir an die Birne, wie man das verpassen kann und seinen eigenen Downloadshop dicht macht ?!
Von daher beiß ich auch morgen noch kraftvoll zu.
In diesem Sinne,
Claudius
The author's and adjacent rights by the nature are the subjective civil rights and consequently their protection can be carried out by means of all those ways which are applied to protection of the subjective civil rights.
Stefan: leider nicht, ich bin 800 Kilometer entfernt in Freiburg. Aber evtl. nimmt mein Labelmate in Berlin den Termin wahr.
Ciao Daniel
> Man muss die Nutzer überzeugen und sie nicht verärgern
genau das meine ich. Der User muss für das Thema sensibilisiert werden und zumindest ein Minimum an Einsicht mitbringen, sonst rennt man da gehen Wände.
@Waggle-Daggle:
Danke für den Hinweis, ich schau' mal, vielleicht kann ich ja dort mal aufsteppen.
Bist du dann am Start?
Stefan
Wieso immer das gerede von wegen im Internet gäbe es keine Regeln? Wir alle wissen doch dass dort diesselben Gesetze und Regeln gelten. Der Staat hat es bisher leider nur versäumt sie dort duchzusetzen. Ja, man kann das Internet nicht komplett kontrollieren, aber das liegt daran weil man Menschen nicht kontrollieren kann.
Genau deswegen muss man die Leute dazu bringen von sich aus und freiwillig legal zu handeln weil man ihnen ein gutes Angebot macht. Repressive Maßnahmen bringen nichts. Je mehr man etwas verbieten und kontrollieren will, desto mehr werden die Leute versuchen sich dagegen zu wehren. Und gerade im Internet sind die Möglichkeiten unbegrenzt, mach das eine Schlupfloch zu und schon programmieren sich die User woanders drei neue oder basteln sich gar ihre eigenen Netzwerke.
Man muss die Nutzer überzeugen und sie nicht verärgern, sonst bewirkt man genau den gegenteiligen Effekt. Es sei denn man will Späße wie 'Deep Packet Inspection' verwenden, dann sind wir aber in China und wir können das Internet gleich in die Tonne kloppen. Und was machen wir wenn die Leute dann wieder anfangen Musik per Post oder auf der Straße zu tauschen? Das Briefgeheimnis aufheben, an jede Straßenecke Polizisten hinstellen? Merkt denn niemand dass damit das ganze Dilemma weiter geht?
Eben entdeckt: am 20.10. gibt es in Berlin eine Diskussion zum Thema, welche der VUT initiiert hat. Link: http://www.vut-online.de/cms/?p=818
Lieber idealistischer Visionär,
ein idealer Markt kann nicht entstehen, wenn er bereits vor der Entstehung einem "Marktversagen" unterliegt: de.wikipedia.org/wiki/Marktversagen
Dieses Marktversagen entsteht vor allem durch das sog. "Trittbrettfahrerverhalten" (de.wikipedia.org/wiki/Trittbrettfahrerverhalten) von vielen Marktteilnehmern.
Es ist nahezu unmöglich unter diesen Umständen einen pareto-optimalen Markt zu generieren. Man muss es natürlich trotzdem versuchen (Maximale Convenience). Aber das Marktversagen an sich darf man nicht "ad acta" legen.
Der deutsche Filmmarkt ist zwar kleiner als die Deutsche Musikwirtschaft. Der Internationale Filmmarkt mit all seinen ausländischen Produkten, die in Deutschland verwertet werden und den Verwertungsketten Kino, DVD und Fernsehen ist aber DEUTLICH größer (Nur das Beispiel "Kino"; www.spio.de/index.asp macht alleine 55% des gesamten Musikmsatzes aus).
Und da auch diese Verwertungsketten von einer Filmflatrate betroffen wären, ist eine mögliche Abgabe natürlich entsprechend zu gestalten. Ich gebe gerne zu, dass die Abgabe für eine mögliche "Filmflatrate" eher aus der Hüfte geschossen waren, sie müsten wahrscheinlich sogar NOCH höher liegen.
Gerne können wir in der Musikwoche ein Streitgespräch dazu machen, daran hat Gillig sicher Interesse.
Du bist nicht zufälligerweise auf der Buchmesse?
Gruß,
Stefan
Meiner Auffasung nach mäandriert der Wunsch einer Lösung hier noch zwischen der Kulturflat und dem reinen Markt, den es bis auf ISP-Services ja schon gibt. Itunes, Napster etc. bieten verschiedene Modelle, in denen ein kaufwilliger Musikinteressent sich wieder finden kann. Unbestritten haben diese Portsale einen aktuellen und umfangreichen Katalog, ein simples Bezahlsystem und eine ordentliche Präsentation. Es ginge also, wenn der User wollte.
Ich denke nicht, dass weitere Angebote oder andere Angebote den Markt derart verbessern, dass plötzlich doch online gekauft wird. Den Ansatz, dass der Markt verbessert werden muss und die Labels nicht so steif daherkommen sollten, finde ich richtig, ja. Aber das alleine wird nicht reichen den User davon zu überzeugen, dass illegales Downloaden kein Kavaliersdelikt ist.
Es würde nicht mal etwas nützen, Filme oder Bilder von verwahrlosten Musikern unter der Brücke und in Wellblechhütten zu zeigen, von Labelmachern im Ölfilm, vona allen anderen Musikschaffenden auf der Flucht. Der Mensch ist satt, hat alles, bekommt alles, der Markt interessiert gar nicht. Weil er es nicht muss.
Demnach kann eine reine Angebotslösung vielleicht gar nicht funktionieren. Das strebst Du aber auch nicht an, so wie ich das verstehe. Der Knackpuntk ist doch, dass wir heute einfach noch keinen Masterplan haben, wie diese Flat (o.ä.) idealerweise aussehen müsste, dass sie a) niemandem auf die Füße tritt und b) das Problem weitestgehen löst und da bin ich gespannt drauf.
Tatsächlich war es beim Radio einfacher, weil da nur Musik rauskommt. Beim TV simpler, weil da nur Fime raus kommen. Der PC ist - wie mein Vorredner richtig sagt - nicht trocken als Endgerät zu betrachten mit dem man konsumiert sondern als Tür, durch die man auch hineingehen kann. Das funktioniert in zwei Richtungen. Dahinter - im Internet - bildet sich der Raum, die zweite Realität. Die Überlegung, welche Rechtsform diese jetzt haben sollte, führt zu weit. Fakt ist, dass dort extrem korrekte Menschen, Verbrecher und haufenweise Durschnittsuser unterwegs sind. Diese müssen zunächst einmal zumindest so weit für die Sache gewonnen werden, dass sie ein Minimum an Sensibilität für das Thema aufbringen.
Lieber verhärteter Labelmacher,
auch in der realen Welt ist der Konsument bereit für verschiedene Waren- und Entertainmentgruppen je nach neigung sein Geld auszugeben. Der deutsche Filmmarkt ist nicht größer als der Musikmarkt (es sind nur weniger Veröffentlichungen mit viel mehr Marketingeinsatz pro Rollout), auch die Presse liegt bezüglich ihrer Vertriebserlöse nicht über ihn. Beide Parteien könnten also zu ähnlichen Konditionen ein Angebot (9.99 pro Monat?) machen. Selbst als Stream (siehe den Erfolg von Spotify in Skandinavien) kann das bereits funktionieren.
Die Argumente die Du vorbringst stechen gegen eine Kultur-Flatrate. In der tat kann man niemanden zwingen für mediale Güter zu bezahlen, die er gar nicht nutzen mag. Und fair verteilen kann man pauschalierte Einkünfte schon mal gar nicht. Hier sind wir tatsächlich einer Meinung.
Als Medien-Afficinado gebe ich locker 75.- Euro pro Monat für die unterschiedlichsten Kulturgüter aus. Das bin ich auch bereit im Internet zu tun. Doch dafür muss dort endlich ein Markt entstehen. Märkte entstehen jedoch weniger durch Regulierung, denn durch Wettbewerb. Wer die Bürgerrechte nicht abschaffen will wird aber im digitalen Raum nie eine völlige Rechtssicherheit schaffen, ein Teil des Wettbewerbs wird deshalb zwangsläufig illegal sein. Diesen gilt es zu schlagen durch Service und Vollständigkeit. Solange Labels, GEMA und ISPs beides nicht bieten können oder wollen entsteht jedoch ein Marktversagen zu Lasten der Schwächsten in der Verwertungskette: der Künstler.
Die Aufgabe des Gesetzgebers besteht darin Marktversagen zu beheben und den danach entstehenedne Markt zu schützen. Ich gebe zu, soweit sind wir nicht auseinander, wollen wir doch mal zusammen für den Gillig/Musikmarkt einen Artikel schreiben :-)
Tschüs
Tim
Lieber Tim,
ich fühlte mich natürlich gerade bei deinen letzten Ansätzen angesprochen - schließlich hatten wir auf der A2N ja quasi zusammen diskutiert.
Von mir kam ja auch das Statement, dass es hinsichtlich einer Flatrate KEINEN Konsens auf der A2N Diskussion gab - und das wurde von fast allen dort geteilt.
Es gab halt keinen Konsens. Den sollte man dann auch nicht als einen Feiern.
Bei der Analyse sind wir aber näher zusammen, als du vielleicht glauben magst, natürlich brauchen wir die maximale Convenience im digitalen geschäft - die haben wir noch lang nicht.
Aber eine freiwillige Musikflatrate wird die Probleme des illegalen digitalen markets m.E. nicht lösen. Wir bräuchte da auch noch eine Filmflatrate, eine Softwareflatrate, eine Buchflatrate, ctc. Möchtest du die auch mal bepreisen? Filmflatrate kliegt dann vielleicht bei 19,99, Softwareflatrate bei 49,99, Buch/Hörspiel nochmal bei 9,99 dann bist du schon bei 89 € - im Monat für alle Inhalte.
Ich weiss schon, was der durchschnittliche filesharer dazu sagen wird...
Auch bin ich der Meinung, dass das Internet an sich nicht wirklich "nur" ein Medium ist, oder ein Wirtschaftsraum, sondern spätestens seit dem Web2.0 auch ein voller gesellschaftlicher Raum. Und der muss - so unpopulär sich das auch anhört - genauso reguliert werden wie andere gesellschaftliche Räume auch.
Diese Gesellschaft ist - leider (noch) nicht bereit für einen Raum ohne Regeln. Das bekommen wir ja im Internet bereits eindrucksvoll vorgeführt.
In diesem Zusammenhang geht es nicht nur um den Schutz von Urheberrecht, sondern auch um den Schutz von Minderjährigen, den Schutz von Persönlichkeitsrechten, etc.
Es zeigt sich immer mehr, dass die aktuellen Regularien aus der Offline-Welt dazu nicht ausreichen. Es zeigt sich auch, dass die Politik (derzeit) noch nicht die Kompetenz für eine Sinnvolle Regulierung hat. Hadopi/Three Strikes schießt WEIT über das Ziel hinaus, was es eigentlich leisten soll.
Ein minimalinvasiver Ansatz ist m.E. nicht nur möglich - es steht sogar schon ein Konzept dafür. Das kann ich dir leider hier noch nicht darlegen, aber gerne können wir uns dazu mal treffen ich bin aller Vorraussicht nach am Wochende eh' in Berlin.
Schick' mir einfach eine Mail. So weit sind wir in unserer Analyse gar nicht auseinander.
Gruß,
Stefan
(Labelmacher, verhärteter)
@ambee
Wer genau liest: Es geht nicht um eine Kulturflatrate,
sondern um ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell.
Sehr guter Artikel. Schön dass es so eine visionäre Sicht und einen Gegenpol zu den repressiven Methoden und Ansichten anderer Leute gibt, die am liebsten das Internet komplett kontrollieren und jeden illegalen Download aufspüren lassen würden.
Ohne großartig langjährige Erfahrung im Musikgeschäft zu haben, halte ich die Kulturflatrate auch für die momentan einzige realistische Lösung.
Alle anderen Ideen wie Pre-Post-Release etc. sind zwar nett gedacht, aber offenbar haben die Leute die sich sowas ausdenken nur diese typische Band-Situation "Künstler schreibt Song und bringt sie auf Platte raus" im Kopf.
Deswegen find ich es auch gut dass du mit der Piratenpartei arbeitest, da dort imho viele radikale Positionen vertreten werden, nach denen es keine Verwerter mehr geben darf und alles umsonst sein muss (http://www.youtube.com/watch?v=iPNVgR7Qr0s)
Und Jens Seipenbusch hat sich neulich in Sachen Kulturflatrate ja auch nicht mit Ruhm bekleckert (http://www.netzpolitik.org/2009/piratenpartei-zur-kulturflatrate/)
Ich diskutiere selber in der AG Urheberrecht mit und dort sind doch viele Leute mit guten Ansätzen.
Wegen der Kulturflatrate sollte man vielleicht auch mal mit den Grünen ins Gespräch kommen. Ich habe vor ein paar Wochen einen sehr guten Vortrag von Malte Spitz (Bundesvorstand und Mitglied im CCC) gehört, die haben sich schon viele Gedanken darüber gemacht, auch wenn natürlich auch da immer noch hundert Fragezeichen für die Umsetzung stehen...
Hallo Tim,
Danke für den Hinweis auf Carta, ich wusste nicht, dass die Diskussion an zwei Fronten geführt wird. Das macht es etwas unübersichtlicher. HADOPI geht ja zunächst vermutlich gegen die Uploader und das ist gar nicht mal verkehrt, denn der Durchschnittliche Konsument ist kein File-Sharer sondern eben nur einer, der die Dateien flott und günstig haben möchte. Die gibt es ohne Uploader aber im Idealfall nicht mehr, so dass ein Interessent auf legale Quellen zugreifen muss/darf. (Zugegeben ist dieser Idealfall auf internationaler Ebene schwer erreichbar)
Ich finde es gut, dass Du so aktiv bist und direkt bei den Parteien Anschluss gefunden hast. Ich hoffe auch, dass sie sich für das Thema sensibilisieren lassen. Allerdings hoffe ich aus Freiheitsliebe, dass nicht ausgerechnet die neu eingeführten Internetsperren darauf ausgedehnt werden.
Du hast wohl Recht, es besteht noch viel Informatiomsbnedarf, auch bei mir. Meine Vorstellungskraft stößt leider doch an Grenzen. Aktuell gehe ich mit dem Kommentar von gehirnmensch (Kommentar No.7 in Carta) konform, ich freue mich aber über erhellende Aufklärung.
Liebe Grüße, Daniel
P.S.: Wo in Facbook kann man das finden?
Lieber Daniel, ich versuche die Politik in Bewegung zu bringen indem ich mich mit den Zuständigen im Justizministreium beschäftige (ich habe für die zB. ein Panel auf der Copyright Conference gestaltet), das Thema bei den Parteien versuche anzubringen (der SPD hab ich es in ihren "Kreativpakt" reingeschrieben, bei den Piraten habe ich genau diesen Text dem Vorstand zur Diskussion weitergegeben) und es blogge ;-)
Die Qualität der Diskussion hier und auf Carta (www.carta.info) und meiner facebook Seite zeigt wie gross der Aufklärungs- und Gesprächsbedarf ist. Das muss man weiter anheizen und den Link verschicken, als auch das Thema selbst immer wieder in politischen Umfeldern hochbringen. Bei allen Parteien bis auf die CDU (die haben sich auf das französische Hadopi festgelegt) bestehet hierzu aus meiner Erfahrung großes Interesse.
Tschüs Tim
Die Gesetzgebung dürfte starke Defizite in Sachen "Wissen Musikmarkt" haben. Wir sprechen von der gleichen Gesetzgebung, die eigentlich auch regenerative Energien verordnen sollte, um unsere Erde zu retten?
Was mich deshalb interessieren würde ist, ob es neben Ihrer/Deiner(?) - Hallo, ich bin Daniel - Darstellung hier im Blog auch aktive Bestrebungen gibt, zum Beispiel eine Art Informations-Ausschuss zu formen, der die konkrete Problematik erörtert und Zielvorschläge formuliert, die dann als Grundlage für eine weiterführende Umsetzung seitens der Gesetzgeber dient. Sei das nun über den VUT oder diverse Regionalgruppen, ich habe bisher nichts davon mitbekommen.
Ich bin grundsätzlich für eine Lösung und selbstverständlich nicht hier, um simpel zu kritisieren, wobei ich zugeben muss, dass ich aufgrund persönlicher Vorlieben und Lebensmodelle immer so meine Problemchen mit Verordnungen habe.
Verstehe ich es richtig, dass ein Ansatz sein könnte, dass man per ISP eine automatisch enthaltene Musikflat hat und Filme etc. später dazu kommen könnten? Jede Branche würde natürlich ihren Anteil aus dem Pott haben wollen, ohne dass man den Aufpreis beim ISP beliebig nach oben schrauben könnte. Denn je mehr Services dazu kommen, desto berechtigter ist die Kritik, dass man als User evtl. nichts davon nutzt.
Aber bleiben wir bei der Musik, per Einigung zwischen allen Labels (bzw. dem Labelvertreter-Gremium), den ISPs und dem Gesetzgeber müssten also die kompletten Kataloge (via Distributor?) zugänglich gemacht werden. Nur so gäbe es für illegale Anbieter aus dem Ausland keine Existenzgrundlage mehr für unseren Raum. Umgekehrt sogar: man müsste "unsere" Musikflat (bzw. den Megastore) vor dem Zugriff von außen schützen.
OK, verlieren wir keine Zeit im Netz, wo werden wir aktiv ;-)
Die Beschränkung der Bürgerrechte zum Schutze der Urheberrechte (das Model drei von "Finaleweisheit") ist so wohl verfassungsrechtlich als auch bezüglich der Verhältnismässigkeit fragwürdig. Richtig ist hingegen, dass ein perfektes Angebot einen Markt schaffen kann, wo bislang keiner ist. Auch illegale Angebote egal aus welchem Land auch immer, müssen als Konkurrenz begriffen und durch eine besser Qualität verdrängt (eingeschränkt) werden. Kommt dieses Angebot im Sinne der Verbraucher und Künstler wie bisher nicht zu stande, weil es einem Oligopol an Rechtehändlern und Verwertungsgesellschaften schwer fällt sich zu bewegen und zu einigen, dann handelt es sich um ein Marktversagen. Ein Marktversagen kann man, wie das Beispiel Radio historisch gezeigt hat, per Gesetzgebung beheben. Um es noch einmal klarzustellen, ich rede hier nicht einer Kulturflatrate (Model 1), also einer Zwangsabgabe, das Wort. Im Gegenteil: Durch einen Kontrahierungs- und Freigabezwang würde hoffentlich wieder ein Markt entstehen. Natürlich erstmal nur für Musik. Aber das Angebot lässt sich genauso für Film, Presse etc denken. Das bedeutet dann unterschiedliche Tarife und Angebote, aber das in den Griff zu kriegen ist Konsumenten die es heute schon schaffen ihre Zeitschriften Abos und DVD-Club Mitgliedschaften zu pflegen und abzuschliessen, zu zutrauen.
Mich würde mal interessieren, wieviel ein durchschnitts iTunes Kunde weltweit monatlich für Musik ausgibt.
Guten Morgen. Fast bin ich überrascht, dass bislang lediglich zwei Kommentare zu diesem brisanten Thema gibt, jedoch sind diese reflektiert und gehen auf die Problematik ein, das freut mich.
Ehrlich gesagt grüble ich als kleines Indielabel natürlich auch laufen darüber, wie es gehen kann, weiterhin Musik zu machen und zu veröffentlichen, ohne dabei komplett in die Röhre zu gucken. Ich gebe Tim Renner Recht, die Lösung der Flat über die ISP wäre wohl die schnellste und durchaus ohne großen Aufwand realisierbare Idee. Die Service-Provider bräuchten lediglich eigene attraktive Stores ähnlich itunes - oder noch besser - alle den gleichen Store, damit der User beim Umzug in der Realität und dem Wechsel des ISPs nicht laufend mit einem neuen Shopsystem klarkommen muss.
Die Nachteile liegen auf der Hand, es dürfte zu Schwund diverser alternativer Stores - ähnlich dem Sterben der Plattenläden neben den Großmärkten - kommen. Der Musikindustrie und den ISPs käme zwar endlich wieder Geld zu, mit dem man an kreativer Musik arbeiten kann, etliche Portale als Musikanbieter würden aber schlichtweg arbeitslos. Diese müssten die Chance bekommen, am großen Store mitzumischen und dann ein Dasein fristen, wie es ehemalige Betreiber diverser Plattenläden jetzt zwischen den Ragalen des rot-blauen Riesen führen.
Trotzdem denke ich, dass die Flat gut ist. Hätte ich eine andere oder bessere Idee, wie man dieses Thema positiv (also nicht durch Restriktionen und Verfolgung illegaler Downloads) handhaben kann, dann wäre ich sicher sehr reich ;-) Dem ist aber nicht so, ich akzeptiere das Gegenwärtige Nutzerverhalten als Status Quo.
Interessant bleibt die Frage, wie sich das auf die Territorien auswirkt, in denen die Bands released werden. Im physischen Markt teilen sich zumeist diverse Labels die Welt in Terrotorien ein und veröffentlichen die CD oder Vinyl dann eben nur in ihrem Areal. Das Netz kennt kaum Territorien, wenngleich man durchaus über itunes zum Beispiel bestimmte itunes Stores aus der VÖ-Liste ausschließen kann. Die VÖ eines Albums als CD + mp3 macht dank Globalisierung heute schon wenig Sinn, wenn sie bereits in einem anderen Territorium erfolgt und somit verfügbar ist. Hier könnte man durch weltweit einheitliche Release-Termine ansetzen (schwierig für Kleinlabels und -bands, die erst nach und nach entdeckt werden) oder das jeweilige lokale Label anhand der im Terrotorium erfolgten Downloads (über ISP protokolliert) vergüten.
Mit einer Flat nur in Deutschland böte sich den Bands und Labels weltweit zunächst eine Art Traumland. Die Republik, aus dem das Geld kommt. Von Russland bis in die Antarktias würde man munter weiter illegal downloaden, dafür konzentrieren oder interessieren sich die Bands und Inhalte vielleicht mehr auf unseren Raum, was sich dann u.U. auch in Form attraktiverer Konzerte etc. niederschlägt. Oder eben nicht? Weil eine Band kein Konzert mehr spielen muss, um geliebt zu werden? Das Geld kommt schließlich ganz von selbst? Merch und Tickets werden sicher weiterhin beliebte Einnahmequellen bleiben.
Dennoch würden Tourneen, Werbeanzeigen und etliche andere Kostenfelder plötzlich eventuell in die Waagschale geworfen. Was die kleine Band nicht einspielt, das kommt ja durch die Flat ganz von selbst. Es besteht unter Berücksichtigung des Major-Kalküls die Gefahr, dass weiterhin auf alte Hasen gesetzt wird, deren Tourneen auch tatsächlich was einbrigen. Das Gegenargument liefere ich gleich mit: etwas Idealismus vorausgesetzt hätten die Labels mit der Flat jedoch auch ein Budget zum Aufbau neuer Themen.
Vermutlich gäbe es mit der Flat auch ein Buhlen um den großen Topf, so dass etliche neue Labels/Bands entstehen, rausgefeuert werden und der Kampf um diesen limitierten(!) Gesamtbetrag aus allen Flatrates am Ende doch wieder ganz klassisch mit Werbung in Print und Web bestritten wird.
Es bliebe zu hoffen, dass die Verteilung des Geldes am Ende nicht wie in der GEMA läuft und die kleinen Labels - vornehmlich auf lokalen Radiosendern ohne Einzeltrackauflistung gespielt - nur bei den großen landet. Vermutlich würde das gelöst, indem man die tatsächlichen Downloads protokolliert und danach verteilt.
Was gelingen muss, ist dem User die Notwendigkeit attraktiv zu verpacken, damit die Flat nicht zum Hassobjekt wird, das die GEZ bereits für viele Nichtfernsehgucker ist.
P.S.: Ich habe viel laut gedacht, mir die Antworten teils selbst gegeben, aber mich interessieren vor allem die Argumente anderer User, daher mein Beitrag :)
Der Artikel ist mal wieder richtig gut! Analytisch und sehr erhellend. Wenn ich nicht gerade Philosophie studieren würde, würde ich vielleicht an die Popakademie gehen und zu dem Thema bei Herrn Prof. Renner promovieren.. ;);)
@finaleweisheit Klar, es gibt Unterschiede zum damaligen Radio, das Internet ist ein in seiner Struktur viel schwieriger zu kontrollierendes Medium. Ein gutes Geschäftsmodell funktioniert vor allem, wenn man an den Kunden denkt. Wenn ich als Benutzer eine übersichtliche Seite habe, in der ich nach belieben streamen, runterladen kann, meine Songs und Alben ordnen kann (und vielleicht auch kommunizieren?), Zugang auf den weltweiten Musikkatalog und das ganze dann noch kompatibel ist mit jeglichem I-Pod-Schnickschnack und 15€-25€ (je nach Anspruch) zahle, dann nehme ich ein solches Angebot i.d.R. wahr. Wichtig ist immer das man die Faulheit der Kunden betrachtet. Und ich zahle lieber als gewiefter Musikhörer einen gewissen Betrag, als mir alles Mühsam von verschiedenen Webseiten zusammenzusuchen.
Der Gesetzgeber muss nur die Rahmenbedingungen festlegen für eine solche Flatrate (vor allem wahrscheinlich im Urheberrecht, dass massiv vereinfacht und globalisiert werden muss) festlegen. Den Rest erledigen die Konzerne schon selbst (wenn sie denn mal klug werden).
Das hat aber dann nichts mit Überwachungsstaat (im Gegenteil) und auch nicht mit der Verpflichtung einer Kultur-Steuer für jeden Bürger. Und andere Länder werden genau dann nachziehen, wenn sie merken, dass das Angebot richtig GUT ist und sich damit ordentlich Kohle verdienen lässt (bringt dann ja wieder Steuergelder u.s.w.).
Erstmal ein Lob für den guten Artikel. Selten wurde die Problematik so einleuchtend erklärt.
Trotzdem sehe ich weitere Probleme die nicht mit der Situation der ersten Radiosender verglichen werden können. Im Vergleich zu einer überschaubaren Anzahl von Radiosendern die auch meist in dem Land, in dem Sie gehört wurden auch Ihren Sitz hatten, gibt es heute unendlich viele Webseiten die jeweils weltweit erreichbar sind.
Nun gibt es 3 Modelle:
1. Jeder der einen Computer hat muss auch eine Musikflatrate bezahlen.
2. Die Musikflatrate wird begrenzt auf Webseiten die in Deutschland sind oder deren Betreiber erreichbar sind (Deutschland, USA,…) und man ignoriert Webseiten aus nicht kontrollierbaren Ländern (z.B. Russland). Eine weltweite Einigung wäre nötig und die Kontrolle erfolgt direkt auf den Webseiten.
oder
3. Die Datenströme werden überwacht und mir der Zugriff auf Musikdateien nur dann gewährt wenn ich eine Musikflatrate habe.
Model 1 wäre eine sehr ungerechte Lösung da das Internet weitaus mehr interessante Angebote hat als nur Musik. Viele Surfer würden gern auf die Musikflatrate verzichten, da Sie diese Angebote nicht nutzen.
Modell 2 lässt den Zugriff auf viele Musikdateien weiterhin zu.
Modell 3 hingegen erfordert den absolut gläsernen Surfer der pausenlos überwacht und jede Bewegung im Internet protokoliert wird…
Alle Modelle sind entweder ungerecht, kaum realisierbar oder führen zum Überwachungsstaat…….
Also wie soll eine Musikflatrate umgesetzt werden?

@ HaensDaempf
sorry, aber wenn das internet dazu genutzt wird, ein werk (musik, film, programm, whatever...) miit millionen usern zu teilen und nur einer von diesen millionen dazu ein original kaufen muss, an dem der urheber tasächlich den lohn für seine arbeit erhält, dann habe ich weder moralische, noch rechtliche und schon gar keine unternehmerischen bedenken, dies zu kriminalisieren.
natürlich hinkt der brotvergleich gewaltig - das ist dir bestimmt auch schon aufgefallen. aber du kannst dein brot nicht digitalisieren und es millionen hungrigen auf dieser welt per internet zukommen lassen, oder? also verdient der bäcker weiter sein geld, während der musiker zunehmend dabei zusieht wie sich seine musik zwar toll verbreitet, er sich aber nicht mal ein mickriges brötchen dafür kaufen kann.
du schreibst "Die Technik des Kopierens im Internet ist eben heute so einfach, so dass viele keine Musik mehr in physischer Form mehr kaufen" - bravo, du hast es richtig erkannt. und wie nennt man das kopieren im internet noch gleich? diebstahl ist dir wahrscheinlich zu hart, ich weiss.
weiter schreibst du, die musik hätte nie an wert verloren, nur der datenträger. dann frag doch mal so rum auf deinem schulhof, wer bereit ist, für musik zu bezahlen. logo, wer nicht der grösste vollpfosten ist, der bezieht sein entertainment-programm natürlich völlig kostenfrei aus dem netz. und der wert einer sache bemisst sich doch danach, was man bereit ist, dafür auszugeben, oder? also würde ich mal zu dem schlus kommen, dass musik einen nicht ganz so hohen wert hat, wie du annimmst.
und an oberster stelle der inhaltsliste für deine vorstellung des geschäftsmodelles der zukunft steht betriebswirtschaft, so so. schon mal daran gedacht, dass der beste betriebswirt nichts ausrichten kann, wenn die konsumenten säckeweise die waren ohne zu bezahlen und ungehindert an der kasse vorbeischleusen können? das wird ne harte nuss für den herren betriebswirt. aber vielleicht greift er deine idee mit der flatrate auf, stellt ein schild an den eingang seines ladens und schreibt drauf: 25 euro im monat zahlen und sie können mitnehmen, was sie wollen.
ich hoffe, es wird langsam klar - eine flatrate für musik ist nicht realisierbar. denn am ende bleibt nicht mehr für alle, sondern sehr, sehr, sehr viel weniger übrig.
anyway, bevor nicht mal jemand eine seriöse rechnung aufmacht, wie viel cent pro titlel bei einer flatrate übrigbleibt, kann man eh nicht beurteilen, ob der monatliche betrag nicht viel zu niedrig angesetzt ist, oder ob die ganze idee nicht vielleicht ein schlechter witz ist.
ich werde meine "wertlose" vinylsammlung derweil für gutes geld verkaufen und dabei zusehen, wie eure prall gefüllten terrabyte-platten in schall und rauch aufgehen - ob da nun ogg-vorbis files drauf waren, oder nicht...who cares?
gute nacht für heute...
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