GEMA sprengen

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Deutschland, langsam Vaterland. Während in Schweden der Musikmarkt wächst und im ersten Halbjahr 2011 voraussichtlich die Hälfte der Umsätze mit Hilfe des Streamingservice Spotify gemacht werden, die Briten beginnen Streams in den Charts zu berücksichtigen, gibt es bei uns noch immer keine Einigung zwischen Youtube, Spotify und GEMA. Wieso macht sich Deutschland freiwillig zum Schlusslicht?

Dieser mehr als deutliche Hinweis verärgerte zuletzt unzählige Youtube-User in Deutschland.

Kaum zu glauben, MP3 wurde in Deutschland erfunden, ebenfalls hierzulande gab es ab Frühjahr 1998 das erste legale Download-Portal (noch bevor Shawn Fanning mit Napster die Tauschbörsen popularisierte) und selbst was Download/Downburn anbetraf, waren wir Herrn Jobs und iTunes mit Popfile/Phonoline um mehr als ein Jahr voraus. Die Frage "Wer hat's erfunden?" taugt aber nichts, wenn man die Ideen nicht zum Laufen bekommt und schließlich der Drops längst von anderen gelutscht wurde.

Deutschland hat ein hohes Innovationspotential, aber wir scheitern immer wieder an den eigenen Strukturen. Die Forscher aus Ilmenau hatten keinen Druck, ihre Erfindung MP3 zu monetarisieren, da sie aus der soliden, staatlich finanzierten Struktur des Fraunhofer Instituts heraus arbeiteten. Die Musikmanager trafen beim Roll Out von Music On Demand auf eine Deutsche Telekom, die ein so solides Geschäftsmodell hatte, dass sie noch weit entfernt von Internet Flatrates war und der Download deshalb unerschwinglich wurde. Popfile/Phonoline scheiterten an den Juristen und New Media-Managern der Konzerne, die bei ihrem aufrechten Bestreben, unter das Angebot eine tragfähige, solide Struktur zu zimmern, schlichtweg von den bereits geschlossenen Vereinbarungen ihrer Headquarters überrollt wurden.

Fazit: Da man in Deutschland nach soliden Strukturen selbst bei Innovationen strebt, oder sich Innovationen an existenten, unerschütterlichen Strukturen abarbeiten müssen, fängt der frühe Vogel hier nicht den Wurm. Im Gegenteil – wer zu früh kommt, den bestraft in unserem Land das Leben.

Eine solche solide Struktur ist auch die GEMA. Seit 1903, ihrer Gründung durch den Berliner Richard Strauss (nicht mit dem österreichischen Walzerkönig und seinen Söhnen zu verwechseln), vertritt sie die Interessen der Textdichter und Komponisten. Die Strukturen haben sich seither nicht wesentlich gewandelt. Anders als in den meisten Ländern ist die GEMA ein Verein und beruht deshalb auf dem deutschen Vereinsrecht. Ihre Entscheidung muss sie über drei Kurien (Textdichter, Komponisten und Verlage) treffen, die nicht unbedingt gleichgeschaltete Interessen haben. Auf Mitgliederversammlungen haben nur Vollmitglieder Stimmrecht. Vollmitglied wird man aber erst ab 30.000 Euro Umsatz per anno. Wer Vollmitglied ist, bleibt es auch. Vertreten lassen kann man sich auf Mitgliederversammlungen genauso wenig, wie das Stimmrecht übertragen.

Der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), Harald Heker. Foto: Soester Anzeiger, Mai 2010.

Die Vereinsmeierei mit Erwerb von GEMA-Rentenansprüchen, Kurienabstimmung von Verteilungsschlüsseln etc pp. tut sich nur an, wer entweder viel Zeit (also potentiell Künstler am Ende ihrer Karriere) oder eine hohe Affinität zur Verwaltung hat (also kaum ein Kreativer). Selbst ein mutiger Schritt wie die Benennung des branchenfremden, in vielen Punkten modern denkenden Harald Heker als GEMA-Geschäftsführer im Jahr 2006 kann der GEMA nicht die Zeitenwende bringen. Unter vier Augen sagte mir deshalb einmal ein Vorstandsmitglied, dass die GEMA ohne Hilfe von außen im Kern nicht erneuerbar sei. Die Strukturen sind so manifest, dass sie wie ein Bunker im Stadtbild steht. Vorschlaghammer und Abrissbirne helfen den Erneuerern nicht weiter, so sehr sie auch geschwungen werden. Man muss da schon mit Sprengstoff agieren, um etwas Neues und Passendes draus entstehen zu lassen.

Der Einzige, der diesen Sprengstoff liefern könnte, ist der Staat. Sein Patent-Amt überwacht die GEMA. Nur wenn die Vorgaben hier maßgeblich verändert werden, hat die GEMA eine Chance. Schließlich muss sie sich auch auf kurz oder lang der direkten Konkurrenz anderer, europäischer Urheberrechtsgesellschaften stellen. Ohne veränderte Rahmenbedingungen erfüllt sie Vorgaben, mit denen auf Dauer der Bestand geschützt aber die Zukunft verbaut wird.

Das Problem mit Spotify und Youtube ist dafür ein gutes Beispiel. Die GEMA stellt sich hier, getrieben von ihren Vorständen, auf die Position, ein vom Nutzer frei abrufbarer Stream eines Songs würde einen Kauf substituieren. Ziel der GEMA ist dabei, die zweiteilige Verwertung (Mechanische Vergütung und Aufführung) zu schützen. Deshalb will sie eine Mindestvergütung pro ausgelieferten Stream in ähnlicher Höhe wie beim Download durchsetzen.

Das deutsche Musikportal Simfy wurde 2009 gegründet und bietet derzeit über 8 Millionen Musiktitel an. Im Vergleich: Spotify verfügt über mehr als 13 Millionen Tracks.


Das ist verständlich, aber wirtschaftlich nicht kalkulierbar. Lässt man sich darauf ein (wie das deutsche Simfy), stolpert man von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde und ist nicht mehr in der Lage, den Plattenfirmen hinterherzulaufen um das eigene Angebot topaktuell und attraktiv zu halten, so wie Spotify es tut. Denn wer Flatrates anbietet, kann nicht steuern, wie viel der Kunde streamen lässt und wird auch nicht pro ausgeliefertem Stream bezahlt. Die Situation des Anbieters ist vergleichbar mit dem Rundfunk. Ein Sender weiß auch nicht vorher, wie viel Hörer man haben wird. Er muss deshalb die GEMA nicht pro Hörer vergüten. Stattdessen zahlt man einen Anteil am Umsatz. Dies ist auch die Logik, auf welche man sich in Schweden, Holland, Frankreich und Spanien mit den Urheberrechtsgesellschaften geeinigt hat. Die mechanische Vergütung wurde zu Gunsten der Aufführung gekippt.

Wer in erster Linie die alten Werke schützen will, kann kein Interesse daran haben, bezüglich neuer Technologien irgendwelche Experimente einzugehen. Stattdessen muss man dafür sorgen, dass alte Vergütungsformen möglichst lange erhalten bleiben. Wer sein Werk aber erstmal etablieren muss, ist darauf angewiesen, sowohl kommuniziert, als auch vergütet zu werden. Bedauerlicherweise hat der Newcomer innerhalb der GEMA aber keine Stimme. Um den Verein mit lenken zu können, muss man Umsätze haben, die einen zum Vollmitglied machen. Dazu sind aber Einigungen und Vergütungen durch Spotify und Co unumgänglich. Das Problem liegt in der Grundkonstruktion, die auf Erhalt aber nicht Erneuerung hin optimiert ist. Nicht die GEMA als solche ist schlecht, sondern die Strukturen zu verfestigt, als dass sie ohne Außenwirkung an die realen Herausforderungen anpassbar wären.



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Esseh vor 230d 22h 

"Vollmitglied wird man aber erst ab 30.000 Euro Umsatz per anno."

Herr Renner, das ist schlicht falsch. Richtig ist: "Urheber, das heißt Komponisten, Bearbeiter oder Textdichter, müssen von der GEMA in fünf aufeinanderfolgenden Jahren ein Mindestaufkommen von insgesamt EUR 30.000,- und zudem innerhalb dieses Fünfjahreszeitraumes in vier aufeinanderfolgenden Jahren ein Mindestaufkommen von jährlich EUR 1.800,- bezogen haben." (leicht nachzulesen in etlichen Info-PDFs auf der GEMA-Website)

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ingvo vor 439d 5h 

Einfach austreten. Wenn das genug Komponisten machen, wird es die gema nicht mehr geben und es werden neue arten der Vergütung der Komponisten entwickelt.
Ich bin seit 1.1.2012 gemafrei auch wenn das über 3 Jahre gedauert hat (Kündigungsfrist). http://ingvo.wordpress.com/2012/02/01/ingvo-clauder-ist-gemafrei/

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stephan.sauer vor 669d 11h 

habe noch ein wenig nachgedacht (jup, selbst kreuzdebile personen wie meinereiner sind dazu...uhhhhm...berechtigt und semi befähigt). zunächst: kolos hat schon recht; das ist durchaus wirr bis unverschämt, wobei ich sagen muss, dass mimikry ja schmeichelnd sein soll, vllt funktionierts ja auch marktwirtschaftlich. was mich am meisten gewundert, respektive begeistert, hat, ist, dass - obschon die vids nicht mehr verfügbar sind- die songs noch alseits zum konsum freigegeben sind. klar, korrekt ist das nicht, unbezahlt in den genuß von etwas zu kommen, but oh so sweet. ich schätze die musik-vidz sehr, schon schlimm, wenn man allein hier ein wenig browst und feststellen muss, wieviel da runtergefahren worden ist. aber worum es letztendlich geht, sind selbstredend die tracks, die sounds, die feels. viel spass gema beim versuch dit zu unterbinden. und, wer nicht bereit ist für den musikalisch-emotionalen rush zu zahlen, why? better off without them; they won't last anyhow. außerdem, im ernst: wer sich diesbezüglich kostenfrei bedienen läßt wie ein shah, ist einfach 'nen arsch. wow, bin genug optimist zu glauben, dass es davon in den zirkeln, die was bedeuten nr verschwindend gering viele halb-personen von gibt.

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kolos vor 671d 3h 

Nebenbei sollte auch hinterfragt werden ob es sinnvoll sein kann einen Dienst (simfy) zu unterstützen welcher Spotify ein zu ein kopiert hat. Es ist schon dreist, wenn selbst das Design der Anwendungen eins zu eins kopiert wurde.

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stephan.sauer vor 689d 20h 

daran zu glauben, dass es derartiges wie 'Rechthaben' im allgemeinen und im musicbiz im speziellen gibt, anstelle alternativen vorzuschlagen (und dabei sei selbst der versoffene geselle in der hinterletzten, verschranzten techno-bar gemeint [zumal ich nun wirklich keinerlei ideen habe]), ist eigentlich die sprichwörtliche wurzel des zzt. üblichen problems; so es denn überhaupt eines geben sollte. aber, was red ich denn, von was ich nichts versteh. geht ja eigentlich auch allet niemanden an.

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claudius.glöckner
claudius.glöckner vor 691d 14h 

Recht haben hilft hier auch nicht mehr ;)

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Niko Teen vor 691d 15h 

Wahr: ist

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stephan.sauer vor 692d 3h 

gewesen ist

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Niko Teen vor 692d 7h 

War ?

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stephan.sauer vor 692d 8h 

...außerdem heißt dies natürlich nich, dass ich respekt für jemanden empfehle, von dem ich schwer annehme, dass er ursprünglich einmal hochbekränzt und wirtschaftlich gesegnet in der lage war, etwas mehr für alle dt. musiker zu tun; abgesehen davon jetzt halbseiden seinen unmut zu bloggen auf seinem forum, an das er immer erinnert werden muss, weil er's sonst über all die dringlichen facebook-posts vergessen könnte.

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stephan.sauer vor 692d 21h 

hmmm, nun, es gibt nach aussage der bekannteren musikschaffenden (also global) derzeit ja eigentlich nur zwei möglichkeiten, einigermaßen geld zu verdienen (ohne, dass etwaige fremdkörper, ihnen davon mehr als berechtigt etwas abknapsen): an erster stelle stehen mittlerweile gigs, was irgendwie obskur ist, zumal sich noch vor 10 j. die haupteinnahmequellen ganz klar mit plattenverkäufen festmachen ließen. an zweiter stelle, stehen tatsächlich die gruppen, die es bewerkstelligt haben, ihre eigene musik soweit eigenständig wie möglich zu vertreiben (radiokopf sind zzt. bestimmt das paradebeispiel, hat jedoch lediglich mit ihrer internationalen größe zu tun; die technischen mittel stehen derweil jeder kellerband zur verfügung), vor allem, da, wie alle gängigen unternehmen, die gema den zug der digitalisierung - bis zum letzten wagon - geflissentlich an sich hat vorbeiziehen lassen. ist ja auch irgendwie in ordnung; als ob in dieser information-overflow-gesellschaft noch jemand den überblick wahren könnte. aber man muss nun einmal sagen, dass die gema einen monopolstatus in dtlnd. für sich in anspruch nimmt, der ihr weder zusteht, noch, dass sie diesem gerecht werden könnte. dass sich dieses system, wie es derzeit steht, keine weiteren 10 j. wird halten können, ist eigentlich klar, umso beunruhigender ist der mangelnde anpassungswille, der selbstredend nicht allein der gema zu eigen ist. meinereiner ist obendrein äußerst betrübt, weil ich physische platten sehr schätze, weil auch musik einen ganz anderen stellenwert gewinnt, als wenn man für fünfzich cents :D digital in einer kaufhaus- oder supermarktkette zur berieselung etwas hören muss [sic!], dass man eigentlich für außerhalb des entertainenden, oberflächlichen, schranzigen lady-gu-bäh-tums empfunden hat ("wtf? was soll das heißen, wir haben keine rechte an disem massive attack-track für die fleischabteilung? dann machen sie mal flott lamb oder gysbert klar! wir haben schließlich einen ruf zu verlieren!")

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Claudius vor 694d 9h 

Hello,

wenn ich mich darauf einigen würde, täte ich ja an der Realitaet vorbei denken. Das kommt wohl hin, was du vorrechnest. Ich weiß aus eigenen Abrechnungen wieviel durch Streaming rumkommt, z. B. wird Myspace durch von Majors erfasste Profile schon eine ganze Weile vergütet; die Erlöse sind ähnlich bruchteilhaft wie von dir beschrieben.
Stelle ich mir nun die Streaming-Tantemiem einer Lady Gaga vor, die wohl schon vom klassischen Radio-Airplay allein lebt, schaffen bestimmt viele "normale" Künstler nicht im Ansatz ein Auskommen via Simfy, Napster, Spotify, Rhapsody und Myspace. Das ist ein ganz neues Model. Das Radio gibt es schon ewig. Beim Streaming braucht Kunde ein funktionierendes Endgerät mit Internet und eben dem Programm oder die App.
Also unsere Ausschüttungshöhe hat sich durch das Einbinden von Streamings kaum verändert. Löwenanteil ist immer noch der Download in iTunes. Gott sei Dank gibts das alles.

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Stefan Herwig vor 694d 9h 

@Claudius,

du hast mich falsch verstanden. Ich habe sicher nichts gegen Innovation, aber die daraus entstehenden Geschäftsmodelle müssen eine Basis für ALLE Beteiligten bieten, nicht nur für den Distributor/Strukturanbieter.

Das heisst, dass auch Label und Künstler von den Tantiemen leben können müssen.

Das Spotify-Angebot ist höchst preisaggressiv, dewegen wird es von den Kunden auch geschätzt. Aber wenn aufh Dauer davon weniger musikalische Vielfalt realisiert werden akann, dann kann man das doch nicht als Innovation verstehen. Ich verstehe es eher - unter den aktuellen Konditionen - als Entwertung.

Mein unten bereits einmal zitierter skandinavischer Musikindustrie-Kollege meinte, er müsste 250.000 Streams mit einem Titel erzielen, um bei Spotify 60€ zu erlösen.

Ich glaube wir sind uns einig, dass es soviel Aufmerksamkeit beim Kunden schlicht nicht gibt, um mit diesem Preismodell Künstler fair zu bezahlen.

Ich habe nichts gegen Streaming, ich finde auch, wir müssen Streaming dringend sinnvoll in unsere musikalische Wertschöpfungskette einbinden, aber nicht zum (Quasi-)Nulltarif. Können wir uns darauf einigen?

Stefan

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Claudius vor 695d 3h 

Hey Stefan,

wir haben uns auch mal getroffen irgendwo, zwischen Popkomm und a2n. Wie gehts ?
Warum siehst du das aus Label/Künstlersicht so schwarz ?
Bist du direkt selbst betroffen ?
Also ich schon und ich bin froh um die Streamingdienste, die amerikaner jetzt mit Sicherheit auch. Alles, ob Streaming, Download, CD, Schallplatte, Poster und Interview ist doch Werbung für den Künstler, also ist es doch wurscht egal aus welcher Richtung gerührt wird. Wo ist das Problem ? Willst du die 90er zurück, als auch du mal bei einem Label warst, was einer Vorschuss kassierte ? Zeitreisen geht nicht, zum Glück auch. Manche essen dann Pilze, aber das passt jetzt nicht zum Thema. Ne also ich seh das locker, ein Star wird ein Star wenn er / sie es hat. Egal wie, wann, wo und warum. Wer wird sich zeigen. Auf jeden fall jetzt weltweit schneller und einfacher.

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Stefan Herwig vor 695d 13h 

Lieber Tim,

ich möchte gerne mal nachhaken, woher du diene gerne zitierten aussagen hast, Spotify mache 50% des schwedischen Marktes aus. Auch läufst du gerne mit dem Argument herum, schweden sei als einziger Musikmarkt im plus. Meines Wissens nach sind beide Aussagen grundfalsch.

ich hatte dir vor Wochen in einem anderen thread mal versprochen, eine Aussage eines skandinaischen Label- und Vertriebskollegen dazu zu kommen zu lassen, wie er denn Spotify einschätzt:

Hier ist seine heute angekommene Antwort:
"Spotify: they never release figures officially… well in Sweden I can see… that for our music.. streaming will be the big thing…. But I can tell you that for Border Music which is the biggest independent distributor the Spotify money is just a drop in the sea.

They open in USA today so let´s see how the market react.. I actually always release them with a delay… since we have noticed… that at least in the electro/alternative scene .. people stop buying psysical releases the day it´s on Spotify …. "

Das hört sich m.E: nicht nach einem so tollen deal an - für die Konsumenten vielleicht, aber nicht für die Künstler und auch nicht für die Label.

Für mich ist es auch keine Raketenwissenschaft, festzustellen, dass alle Inverstitionen in Musik sich unter diesen Zahlungsbedingungen kaum mehr lohnen werden, wenn a) Spotify selbst nur Bruchteile an Künstler und Verwerter zahlt, und b) Spotify Präsenz die physischen Verkäufe weitgehend kannibalisiert.

Und insofern ist auch das Zögern der GEMA hier zu einer Lizenz zu kommen m.E. zumindest verständlich - und ich bin sicherlich kein GEMA-Fanboy.

Gruß,

SH

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tim b. vor 698d 7h 

ich kann das gelaber von der bösen gema nicht mehr ertragen! es kann doch nicht sein das jedes debile startup unternehmen wie "spotify" usw. uns musikern die preise diktieren kann. die gema macht die preise und wer will kann kaufen, ende. leider MUSS die gema sich auf die verhandlungen einlassen, das ist das dilemma. diese billige promo anbiederei hält die preisspirale nach unten sicher in bewegung. wenn das geschäftsmodell von diesen firmen nicht funktioniert bei den preisen der gema, dann denkt euch verdammtnochmal ein besseres geschaftsmodell aus.

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tim.renner
tim.renner vor 698d 14h 

Manches geht hier ein wenig durcheinander und bedarf der Richtigstellung.
1. Doch, die GEMA vertritt bei der Verhandlung mit youtube, spotify und Co auch die Verlage (mit Ausnahme EMI, wo man aber eine BRückenlösung gefunden hat) und das ist auch gut so.
2. Nein, man wird nicht automatisch nach fünf Jahren GEMA Vollmitglied (sonst wäre ich zB. längst eines :-))
3. Niemand fordert dass Künstler leer ausgehen, im Gegenteil: Nur wenn wir Angebote schaffen kann auch eine Vergütung erfolgen und wird den illegalen die Basis entzogen.
4. Nein, die Anteile an Spotify und Co fallen für die Künstler faktisch nicht geringer aus, als bei anderen Auswertungsformen. Im Gegenteil, wenn sie direkt lizenzieren bekommen sie sogar den vollen Anteil.
5. Nein, niemand will die GEMA abschaffen, aber sie wird sich grundsätzlich im Interesse aller erneuern müssen und braucht bei diesem Prozess Hilfe.
6. Zeigt nicht gerade das Abschneiden der Frauenfussball-Nationalmannschaft was passiert, wenn man ehedem erfolgreiche Systeme nicht früh und konsequent genug erneuert? Bitte kein Ausscheiden der deutschen Künstler und Autoren im Viertelfinale :-)!

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ralfplaschke
ralfplaschke vor 698d 16h 

@Walter: danke für den Link.

Ich bin prinzipiell bei Tim, wenn es darum geht, dass wir hierzulande mehr wagen müssen, aus mehr Offenheit und Ausprobieren entsteht neues Geschäft, das Beharren nur auf alten Prinzipien verhindert mehr, als das es nützt.

Noch ein Link zum Effekt von Spotify in Schweden: http://www.hypebot.com/hypebot/2011/07/top-swedish-music-execs-shares-what-us-can-expect-from-spotify-launch.html

Und einer zum Bonb Lefsetz-Mantra, dass man nicht auf Dauer gegen die Interessen der Konsumenten agieren kann (Recht hat er): http://lefsetz.com/wordpress/index.php/archives/2011/07/09/the-wrong-side/

Diese Eingangssätze von Lefsetz sind sicherlich auch etwas, was Bewahrer des Bisherigen nicht hören wollen, aber sind sie deswegen falsch?

"Is anybody other than the major labels complaining the Internet has made music worse? That free music has ruined the incentive to create? That if we don’t overpay we’ll get lousier tunes?

This fiction has been created by a well-compensated class that doesn’t realize it’s involved in an epic battle between the haves and the have-nots. One they cannot win until they come down off their perch and get into the pit with their customers."

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Walter Gröbchen vor 699d 3h 

Audiatur et altera pars: http://alturl.com/jp5xd

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LLL vor 699d 5h 

Dass eine Internetindustrie sich auf Kosten der Musiker bereichert ist aber OK? Total progressive Ansicht, Tim. Die einen sollen alles verschenken, um "Aufmerksamkeit" zu erzielen - aber wofür eigentlich noch? Die Tour bewirbt das Album, das Album bewirbt die Tour. Dass das wirtschaftlich für alle, nur nicht für die Künstler funktioniert, kann man ja unschwer erkennen. Der Gesamtindustrieumsatz in Schweden mag steigen, aber der der einzelnen Musiker wohl kaum. Die GEMA hat ganz enorme Probleme, intern die Mittel korrekt zu verteilen - das ja. Sie ist aber der einzige verbleibende Marktteilnehmer hierzulande, der bedingungslos dafür steht, dass Arbeitsleistungen von Musikern zu vergüten sind wie die Leistungen aller anderen auch. Man verlangt ja auch nicht vom Arzt, seine Arbeit zu "Promotionzwecken" unvergütet zu tun, während Pfizer und Roche kassieren. Aber so lange es irgendwie nach Zukunftstechnologie klingt, kommt man mit dünnen Polemiken durch, die nur die Aktionäre irgendwelcher Internetdienstleister am Herzen liegen dürften. Etwas trist, oder?

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Ralf P vor 699d 13h 

Natürlich muss sich die Gema dem internationalen Vergleich stellen, hoffentlich auch bald so, dass es für Urheber und Werknutzer echte Alternativen gibt. Der Blick über den nationalen Tellerrand hilft ja manchmal für eine Einsortierung. Z.B. Steve Redmond auf der Webseite des englischen Entertainment-Einzelhändlerverbands ERA: http://www.eraltd.org/content/NewsArticle.asp?mid=1855

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Claudius vor 700d 17h 

Das Gema-Schild ist falsch, Renner ist falsch ... schon klar.
Welch´ langweilig-logischklingende Gegenargumente.
Ihr müsst es wissen.
Ich finde spektakulär, dass der Bandsalat-effekt in Majorproduktionen reißenden Anklang findet. Das absterbende Geräusch, ähnlich dem stoppen der laufenden Schallplatte per Knopfdruck ist das neue Autotune auf der Stimme der Superstars.
Das bräuchte Gema auch. Der alte Effekt Rechteausgabe > Inkasso erfolgreich in der neuen alten Welt Internet.

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christoph rinnert vor 700d 17h 

Es ist schade, dass gerade Sie Herr Renner so schlecht recherchiert an die Problematik herangehen. Denn sehen Sie, die Position des Komponisten, der eigentlich mit dem Urheberrecht seiner Komposition wahrgenommen werden soll, ist in keinster Weise gegenstand Ihres Artikels, sondern lediglich die tatsache, dass es ein Problem mit der GEMA gibt, wenn es um die Verwertungskette geht. Wir sind kein Verband der Phonoindustrie, sondern eine Urhebergemeinschaft. Thema verfehlt Herr Renner ....

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michael vor 700d 19h 

1. Die Gema kann keine Verlagsrechte einräumen, da sie die nicht hat! (Diese liegen schlicht bei den Verlagen, die sie sich wiederum von den jeweiligen Urhebern haben übertragen lassen.)
Die Sperrung einzelner Titel bei Youtube wird in der Regel von der Phonoindustrie veranlasst, auf Basis des Leistungsschutzrechts (Recht an der Aufnahme/ GVL). Das Hinweisschild ist also blanker Unsinn, bzw. schlichte Irreführung.

2. Das Verleger, Texter und Komponisten nicht "gleichgeschaltete Interessen" haben erscheint logisch. Allerdings haben aber auch Komponisten (Texter, Verleger) untereinander nicht automatisch immer gleiche Interessen. (z.B. Filmmusik contra Werbung) d.h. es gibt immer Diskussionsbedarf zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen, was normal und vollkommen ok ist.

3. Um die ordentliche Mitgliedschaft zu erhalten sind nicht Tantiemen in Höhe von 30.000,- per anno, sondern insgesamt in 5 Jahren notwendig!
Der Sinn dieser Regel ist, dass nur die Urheber mit über Verteilungsfragen abstimmen, die wenigstens zu einem kleinen Teil ihren Lebensunterhalt mit ihrer Musik verdienen.

4. Sicher gibt es auch Reformbedarf, und innerhalb der Gema wird daran gearbeitet (wenn auch nicht immer zur vollen Zufriedenheit ihrer Mitglieder).
Aber die hier angesprochenen Probleme liegen nicht in der Grundkonstruktion der Gema.

Das Hauptproblem ist, dass hier eine Industrie gerne mit Hilfe der Urheber gute Umsätze macht, über die Angemessenheit der Vergütung dann allerdings sehr eigene Ansichten hat.
Mit dem, was bislang an Vergütung angeboten wird, kann kein Urheber zufrieden sein, geschweige denn ein Newcomer wesentliche Einnahmen generieren!

Bitte etwas weniger Polemik und etwas besser recherchieren...

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Claudius vor 700d 19h 

Und wer macht dann die Promotion und das Inkasso ?

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stephan.sauer vor 700d 23h 

p.s. die gema hat lediglich soviel einfluss, wie ihr zugesprochen wird; im endeffekt so obsolet wie labels mittlerweile...

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stephan.sauer vor 700d 23h 

mit sicherheit richtige punkte; wo waren sie eigentlich, herr renner, als dies stattfand? der trend geht ohnehin zu selbstverwaltender logistik; also, will heißen: sowohl video- als auch musik-schaffende, vertreiben ihre eigenen werke endlich eigenständig über das ach-so tolle www, ohne interferenz von middlemen wie lables oder studios. meiner ansicht nach ist das wundervoll und weiterhin erstrebenswert und sollte fürderhin ausgebaut werden. was das mit dieser hier so geistreich ausgeknobelten erörterung zu tun hat? why? natürlich, dass die künstler selber entscheiden können, ob und wen etwas kostengünstig oder gar -frei erreichen sollte.

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Claudius vor 701d 6h 

Der Stream ist laut WEA die Promotion zum Download, und somit diesem nicht gleichzusetzen. Eher ist der Stream so wie das Radio anzusehen, mit dem Unterschied des eigenen, individuellen Abrufs des Musikstücks zum selbstgewählten persönlichen Zeitpunkt. Jetzt erst mit den Streamingdiensten erreicht das Internet die besondere Position, die für Musikagierende so wichtig ist. Eigentlich ist der Download gar nicht so wichtig, er siedelt sich neben den üblichen Formaten, auch physischen an. Erst jetzt ist es doch so wichtig für Verwerter und Gesellschaften zu verstehen und diesbezüglich zu unterstützen. Gerade um alle so kostbaren Formate noch lange zu erhalten. Ähnlich wie's mal mit dem Notenblatt angefangen hat.

antworten

Tim Renner vor 701d 7h 

Simfy hat ein grosses Problem Eric, der Unterschied in der Menge zu Spotify sind in erster Linie die ganz aktuellen Titel. Die Deutschen beharren auf ihrer Chartsystematik und geben deshalb, anders als die Spotify Partner, Simfy nur ein Bruchteil der Titel am Radioday. Faktisch hat Simfy sogar häufig sogar in den ersten Wochen nach der VÖ das Nachsehen, da anders als zB in England in Deutschland Streams nicht für die Charts zählen. All das ist nicht die Schuld von Simfy sondern (ähnlich wie bei der GEMA Problematik) den soliden, existenten Strukturen geschuldet.

antworten

Eric Wred vor 701d 10h 

Was ist nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Glorifizierung von Spotify, Simfy mit mittlerweile 11 (!) Millionen Tracks stellt eine mehr als vernuenftige Alternative dar.

Beide Simfy und Spotify geben an, dass bei Ihne ein Songreportoire von max. 800.00 Titeln gestreamt wird. Diese zumeist (95%) aus dem absoluten Mainstream.

Gema sprengen gerne, deutsche Alternativen schlecht reden ungern.

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Laurenz vor 701d 11h 

Der österreichischen Walzerkönig - Vater wie (ein) Sohn - war Johann und nicht Richard Strauss...!!

(Sonst ein guter Artikel.)

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