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Tim Renner
Tim Renner: Halt die Fresse Freifrau

Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg, Präsidentin des "Innocence in Danger e.V. "
Abdrucken ließ sie das alles zuerst in der BILD Zeitung. Diese garnierte das Thema mit halb nackten Fotos von Britney Spears und Lady Gaga. Kolumnist Wagner lobte auf Seite zwei den unermüdlichen Einsatz der Freifrau für eine behütete Kindheit, ohne den Einsatz effekthaschender Sexualität. Auf Seite Eins saß nackt Melanie aus Magdeburg, die Sex ohne Liebe aufregend findet und Männern laut BILD-Fragebogen zuerst auf den Hintern schaut.
Natürlich nervt ein plumper Umgang mit Sexualität, egal ob im Pop, Boulevard oder der Werbung. In der Regel ist nacktes Fleisch leider meist Ausdruck von absoluter Ideenlosigkeit. Zu Recht singt Peter Licht: "Bitte nie mehr Sexualität zeigen, bitte nie mehr und Nirgendwo, im Zusammenhang mit Euren Produkten, bitte nie mehr Haut und nie mehr Po!" (Stilberatung). Die Ökonomisierung der Sexualität ist ärgerlich, egal ob Springer Zeitungen, Universal CDs oder Freifrau zu Guttenberg, die Bücher verkaufen will.
Stephanie befürchtet eine Verrohung durch den frühen und omnipräsenten Sex. Sie lobt die bis zum Hals zugeknöpfte Whitney Houston und die junge Nena im Schlabber T-Shirt, welche in Ihrer Kindheit sangen. Bei mir kam "Voulez vous coucher avec moi ce soir" aus dem Äther als ich klein war und meine Mutter wusste nicht, wie sie mir das übersetzen sollte. Im Fernsehen schwangen die Tänzerinnen des Musikladen Eurotops zu aktuellen Hits ihre blanken Brüste und meine Deutschlehrerin auf der Grundschule kam ohne BH, aber mit halbtransparenter Bluse in den Unterricht. So hatte ich vorher schon Uschi Glas auf CDU Wahlplakaten gesehen.
Zugegeben, die Freifrau und mich trennen 12 Jahre, aber auch als die kleine Stephanie mit Pop in Berührung kam, gab es bereits Madonna. Die stand nackt trampend im Video zu "Erotica" an der Strasse und hatte auch sonst bei der Interpretation ihrer Gassenhauer meist wenig an. Die Texte hatten es schon damals bei allen Bands in sich. In "All Night Long" sangen zum Beispiel AC/DC davon, dass das Mädchen mit dem man Sex hat, fragt ob man ejakulieren würde, obwohl man schon längst ejakuliert habe und nimmt das zum Anlass einen die ganze Nacht hindurch zu penetrieren. "You Shook Me All Night Long" heißt es im Refrain des Hits der rockenden Australier.
Die kleine kleine Stephanie scheint das damals sogar begeistert zu haben. AC/DC zählen sie und ihr Mann noch immer zu ihren Lieblingsbands. Geben die ein Konzert, setzt sich Stefanie blinkende Teufelshörnchen auf, zieht sich der Freiherr eine Armee-Jacke an und sind die Fotografen im Schlepptau. Diese dokumentieren dann wie cool das Pärchen ist, wenn es sich eine Band anguckt, deren Lead-Gitarrist Angus Young in Schuluniform mit 55 Jahren einen züngelnden Buben mimt und deren früherer Sänger Bon Scott in Folge von Alkoholmissbrauch an seinem Erbrochenen erstickte.

Hip: Die Guttenbergs auf einem AC/DC-Konzert
Nichts gegen konservative Politikergattinnen wie Tipper Gore, die aus tiefer Überzeugung dem Rock'n'Roll den Krieg erklärten. Das ist nicht mein Ding (und auf Dauer offensichtlich auch nicht von Al Gore, der sie verlassen hat) aber ihr gutes Recht. Nichts gegen Politikergattinnen wie die des Bundespräsidenten, die aller Welt ihr Tatoo zeigen oder Politikerinnen wie Franziska Drohse, die man im Watergate oder Claudia Roth, die man bei Rainer von Vielen im Lido beim Feiern trifft. Als braver, wählender Bürger bin ich für vieles offen.
Völlig inakzeptabel ist aber, sich einerseits des Rock'n'Rolls zu bedienen, wenn es darum geht, sich und den Gatten in der Öffentlichkeit als lustige CSU-Rebellen zu positionieren und ihn dann zu missbrauchen, um einen populistisch Beleg für Thesen rings um ein so schreckliches Phänomen wie Kindesmissbrauch zu haben. Angeekelt kann man da nur noch sagen: "Halt die Fresse Freifrau." Oder diplomatischer wie Peter Licht: "Es gibt keinen wahren Po im Falschen".
naja, der teaser ist nicht schlecht, aber sonst? wenig motivierte rezeption!
Es schmerzt, wie die "politische Elite" eine Peinlichkeit nach der anderen produziert. Dass ihr Mann so beliebt ist, das grenzt dagegen an Peinlichkeit.
Die Gattin gab zu, mit Tom Cruise, dem Aushänger der Scientology, gut befreundet zu sein. Auch da gab es keine Kritik. Er antwortete nicht einmal auf die Nachfrage, ob er sich bewußt ist, dass er und seine Frau mit einem Verfassungsfeind befreundet sind. Das hat die Elite nicht mehr nötig.
Und nun nutzt seine Frau die Opfer von Gewalttaten, um sich zu profilieren. Widerlich. Ich kann mich der Überschrift nur anschließen.
Schöne Neue (Welt), oder auch tolles neues Deutschland. Endlich bekannt, die Gute, wa ? Geht das nach hinten los ? Ich hab auch kein Bock mehr auf CDU.
Mich hat früher Politik nie interessiert, doch irgendwann interessiert man sich doch dafür.
Wollen wir mal nicht zu viel Neid walten lassen, sie sieht ja ganz trollig aus mit Ihren roten Hörnchen. Aber klar, das Thema ist sensibilisiert, und nur weil Pop Pop heißt, hat das Mißbrauchsthema hiermit NICHTS ZU TUN.
Deutsche Wirtschaft boomt ja, wenn man allen einschlägigen Magazinen trauen kann. Slum-Bevölkerung ist entstanden, um auch mal überspitzt auszusagen.
Ich freue mich auf jeden Fall für die Musikwirtschaft, hier wird es wieder stabiler. Herr Renner war bei der a2n Eröffnung sichtlich vom break-even überzeugt, was man ihm, wie selbst im Buch "Kinder, der... " beschrieben, durch Funkeln in den Augen ansah. Ich war gerührt.
PROST ! ... auch noch eine Woche nach Music Week.
guter titel - dachte ich doch zuerst, die ursula von der leyen wäre thema der erörterung; da zeigt sich, daß ich von elitenbildung mittels dynastischer heirat und adelsregistern keine ahnung und vorstellung habe, geschweige denn weiß, welchen titel sich die freiheitliche frau ministerin per ja-wort zugelegt hat. aus einer bundeshauptstadt, in der vierzig prozent der kinder arm sind, kann aber auch an diese 'schönheit' der BILDenden künste und schöpferin der neubeschreibung von armutsinstrumentarien aus dem hartz-katalog gerichtet nur der angewiderte ausruf erschallen: 'halt den mund, du von-frau..!'.

dachte ich doch zuerst, die ursula von der leyen wäre thema der erörterung; da zeigt sich, daß ich von elitenbildung mittels dynastischer heirat und adelsregistern keine ahnung und vorstellung habe, geschweige denn weiß, welchen titel sich die freiheitliche frau ministerin per ja-wort zugelegt hat. aus einer bundeshauptstadt, in der vierzig prozent der kinder arm sind, kann aber auch an diese 'schönheit' der BILDenden künste und schöpferin der neubeschreibung von armutsinstrumentarien aus dem hartz-katalog gerichtet nur der angewiderte ausruf erschallen: 'halt den mund, du von-frau..!'.
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