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Die echten Gewinner sind die, die es vorher schon waren. Zumindest wenn sie flexibel genug sind, sich anzupassen: der Großgrund- und Gutsbesitzer, der sein Kapital in die neuen Technologien oder den Abbau der dafür benötigten Rohstoffe investierte wurde, genauso wie Künstler a la Radiohead, Madonna und Co, die die neuen Zeiten für sich als etablierte Marken zu nutzen verstehen, reicher denn je zuvor. Sie wurden somit mächtiger als die lokalen Machthaber, nahmen Recht und Ordnung selbst in die Hand und drängten die Fürstenhäuser an die Seite, genauso wie große Künstler heutzutage selbst zum Label werden, wenn sie clever, gut beraten oder beides sind. Immerhin leitete all das die bürgerliche Revolution ein… .
Gekniffen waren all diejenigen in der Mitte. Bauern und Handwerker die Jahrhunderte zuvor ein Auskommen hatten oder gar bescheidenen Reichtum erlangen konnten, wurden von der industriellen Revolution überrollt. Konnte man zuvor durch geschickte Heirat, harte Arbeit und ein wenig Glück sich langsam Generation für Generation den Weg nach oben bahnen, starb man nun zwangsläufig im Stand, in dem man geboren war. Armer Bauer blieb armer Bauer, ein Arbeiterkind wurde Arbeiter.
Ähnlich ergeht es dem musikalischen Mittelstand, der in den Labels alter Prägung mit Verkaufszahlen von 15 bis 50 Tausend seine Daseinsberechtigung hatte.
Diese Mitte dünnt sich gnadenlos aus und hierhin stößt in den geschwächten Labels auch kaum mehr einer vor. Auch wenn man uns immer wieder die gleichen Beispiele aus dem Netz vor die Nase hält von Arctic Monkeys (waren vorher längst eine Livegröße) über Gnarls Barkley (Brian Burton war vorher schon Erfolgsproduzent) bis zu Lily Allen (war vorher schon bei Universal unter Vertrag) bleibt der kommerzielle Erfolg aus dem Netz die absolute Ausnahme und wird nicht zur Regel.
Einige, so auch gestern bei der Diskussion auf der re:publica, scheinen das völlig in Ordnung zu finden. Ein Musiker, also ein Mensch der nichts Handfestes produziert, möge doch wie die Gaukler und Jongleure auf dem Marktplatz froh sein, wenn ihm jemand zuschaut oder zuhört. Wem es gefällt, der wird schon eine Münze springen lassen und manchmal reicht das Almosen dann auch zum Überleben. Vielleicht, dachte ich, war ich mit meinem Vergleich zwischen Musikern und frühem Proletariat noch zu optimistisch…
Am Ende des Tages hat die Industrialisierung zu besseren Lebensumständen für die meisten geführt. Doch der Weg dahin war lang und mit zwei Weltkriegen, Faschismus und Kommunismus gepflastert. Niemals hätte jedoch ein Gruben- oder Fabrikbesitzer geglaubt, dass die Tätigkeit seiner Arbeiter eine Art Hobby sei, welches er nach Gutdünken entlohnen könne. Das war die Grundlage auf der sich Gewerkschaften und Arbeiterrechte entwickeln konnten. Genauso muss endlich begriffen werden, dass derjenige der Dich mit seiner Kunst inspiriert, begeistert oder auch nur unterhält einen Anspruch auf Vergütung hat. Entweder direkt durch Dich oder durch Dritte, die Deine Aufmerksamkeit wollen.
Auf dieser Grundlage muss über Verteilung geredet werden. Verteilung von Gebühren, die für andere Realitäten und Kommunikationswege optimierte Verteilungsorganisationen wie GEMA und GVL erheben, Verteilung die nicht stattfindet wenn Internet Service Provider für ihre Anschlüsse, die für Musikkonsum genutzt werden Gebühren erheben oder bei MySpace die Werbebanner lustig blinken. Ich für meinen Teil bin bereit dafür mit auf die Barrikaden zu gehen. Kommt Ihr mit?
Revolutionäre Grüße
Euer Tim
Kunst war schon immer das Ergebnis der Interaktion von INSPIRATION und VERMÖGEN - in des Wortes doppelter Bedeutung. Mozarts Leben dokumentiert dies besonders klar.
Heute ist das Volk der Souverän - und es liegt deshalb an uns allen,unser Verhältnis zu Inspiration zu klären. Folglich sind wir verpflchtet, die Klauerei zu beenden und die Nutzniesser, deren Geschäftsmodell u. a. auf der illegalen Nutzung von Inhalten basiert (Internetprovider, Telekomunikationsunternehmen ec.) zu Dokumentation und Entwicklun von Engeldmodellen zu verpflchten. Eigentlich trivial. Erstaunlich deshalb, dass es daür eines "Offenen Briefes" an die Bundeskanzlerin bedarf.
Weniger trivial wird die Beantwortung der Frage sein, wer denn welche Erlöse zu erhalten hat,wenn diese denn fliessen solten. Damt es zu einer effektiven Interaktion von INSPIRATION und VERMÖGEN kommen kann, wird es ohne Filter wohl nicht gehen können. Mozart hatte nach nervenzehrender Bittstellerei immerhin große Orchester und die Oper als Bühne zugeeiltbekommen. Und Pink Floyd hätten andere Musik veröffentlicht, wenn sie nicht vertraglich das Abbey Road Studio als unbegrenzt nutzbare Kreativspielwiese gehabt hätten. Ineressant ist ja auch, dass mit dter Zunahme von Veröffentichungen in der alten Muskbranchenwelt das Entstehn langfristiger Künstlerkarrieren bzw. Musikmarken (s.o.) abgenommen hat. Ob die Herrschaft der demokatischen Massen, das Internet und die atomisierten Medien darauf eine Antwort haben?
Es ist zu glauben die Zukunft gehört LastFM,
dort ist alles sehr übersichtlich gestaltet und die Qualität der Streams leidet nicht.
Habe gehört, YouTube setze bald auch auf höheren Qualitätsstandard ihres Angebots, folglich wird das alles sehr interessant.
Das Sammeln und Auszahlen von On-Demand-Royalities darf keine Fantasie bleiben.
Natürlich wünscht sich niemand ein beschnittenes MySpace - da habe ich leider nicht genügend übertrieben, um die Ironie deutlicher zu machen. Ein Online-Merch-Stand, wie es MySpace Music wohl werden wird, ist eben gerade nicht erstrebenswert. Denn das würde nur einen neuzeitlichen (Menschen-)Marktplatz ergeben. Labels werden sich dort einen blinkenden Verkaufsstand aufbauen und marktschreierisch ihre profitabelsten Acts anpreisen. Echte Demokratie und gerechte Umverteilung würde aber vielmehr bedeuten, dass Bands bei ihrer Darstellung, bei der Preispolitik und bei der Umverteilung der durch ihre Musik generierten (Werbe-)Einnahmen eine Stimme hätten.
Was die Chancengleichheit angeht: Ich denke nicht, dass MySpace zu einer Art Branchenbuch werden sollte. Denn wer als Nutzer und potentieller Mp3-oder-Merch-Käufer auf MySpace geht, der weiß in 90% der Fälle bereits vorher schon, welche Band er sucht (gilt auch für iTunes). Und zwar entweder, weil er ein gutes Konzert gesehen oder eine glaubwürdige Empfehlung bekommen hat. Deshalb glaube ich auch nicht, dass Bands auf die Visitenkarte ihres Labels zwingend als Empfehlung angewiesen sind (Sorry, Tim =)
Viel essentieller sind dafür zunächst einige gute Konzerte, garniert mit einer Prise einfallsreicher Promo und anschließend natürlich gute Platten-Kritiken auf motor.de
Ich würde es genau den falschen weg finden, bei MySpace zu kürzen oder die Qualität noch weiter abzusenken. Der richtige wäre die Künstler an den Erlösen teilhaben zu lassen. Shops sind für beide Seiten ein Mehrwert. Allerdings wird damit noch immer nicht eine Chancengleichheit hergestellt. Die meisten Künstler brauchen gerade im Überangebot was in offenen Plattformen entsteht etwas das sie auffindbar macht. Das ist dann doch häufiger ein gutes Label...
Was MySpace angeht, hast du absolut recht. Dass ihnen da Kohle entgeht, haben auch die Major-Labels inzwischen kapiert und mit MySpace ein neues Konzept erarbeitet: "MySpace Music" wird noch in diesem Jahr online gehen und sämtliche Bandprofile quasi semi-extern unter einen Hut bringen. Neben dem Stream gibts dann für jedes Profil einen Shop für Merch, Tickets und natürlich Mp3s. Wenn man nun die Streams tatsächlich entweder quantitativ (nur Snippets rein stellen, oder ein Song geht nur 10 mal abzuspielen oder so) und Qualitativ (128 kb) beschneidet, haben wir eigentlich nichts weiter als einen virtuellen Merch-Stand mit CD-Player. Dass bei diesem kommenden Modell die Umverteilung mit den Labels klappt und auf der Ebene darunter mit den Bands, ist natürlich vorausgesetzt. Und da kommt das benötigte Selbstvertrauen einer Band ins Spiel, die sich mit dem "Ihr werdet dann bald berühmt" nicht mehr abspeisen lässt. Eine Band ohne Label stünde aber, wenn MySpace Music wirklich jeder Nachwuchsband offen stünde, nicht mehr ganz so doof da, wie zuvor. Der digitale Vertrieb ist nämlich wirtschaftlich gesehen eigentlich herrlich risikoarm. Die Investitionen halten sich in Grenzen und wenns ein Flop wird, gibt es im Netz keine Regalmiete, die man umsonst bezahlt hat. Wenn die Bands mit Label dann tatsächlich pro verkaufter mp3 abgerechnet werden und ihnen die Verwertungsrechte am Album zwar exklusiv, aber nicht pauschal abgekauft werden, ziehen auch Band Label durch Promo/gute Konzerte im Endeffekt am selben Strang. Es könnte tatsächlich alles so einfach sein.
genau das ist es ja gerade...
Die Vertriebe sichern sich die Lizenzen der Labels,
verkaufen die Musik an die Shops und kassieren dafür.
Die Shopbetreiber sind damit Nutzer der Musik, und müssten Lizenzgebühren an die Labels / Musiker auszahlen.
Blos das passiert irgendwie nicht...
Claud
Es steht jedem frei umsonst zu arbeiten, aber das darf das Prinzip von "wahre Arbeit, wahrer Lohn" (die Krupps 1980) nicht außer Kraft setzen. Bei Musik sehe ich das genauso. Die Lüge "Du spielst für mich umsonst (oder ich spiele Deine Musik umsonst), Du wirst dafür aber ganz berühmt", ist die älteste der Popularmusik. Das funktioniert nur in seltenen Ausnahmefällen (wie die im Text erwähnten Beispiele die durch Myspace "berühmt" wurden zeigen) der Rest steht im Regen und wird um seinen Lohn beschissen.
Ok, da liegt der Hase tatsächlich im Pfeffer: Verteilung. Also: GEMA revolutionieren, GVL revolutionieren, für jeden gestreamten Song bei myspace und co. einen Split der Werbeeinnahmen verlangen usw. (myspace halte ich übrigens für sehr problematisch, denn Musik ist für die eines der Hauptfeatures und sie zahlen NIX) Es könnte so einfach sein, isses aber nich.... Leider liegt es in der Natur der Sache (ach ja, die Künstler), dass immer wieder Musiker ausscheren und selbst kein Bewusstsein für / Interesse am Wert ihrer Arbeit haben. Sonst könnte man sagen, ihr bekommt keine Musik umsonst, bitte beteiligt uns. Das Totschlag- Argument uns gegenüber ist immer das gleiche: "Ihr werdet bekannt und unsere Medialeistung ist wesentlich mehr wert als der Split den wir euch geben müssten. Also lassen wir das mal weg und später, wenn ihr berühmt seid, verdient ihr gaaaanz viel Geld". Genau das höre ich jetzt von den neuen Verwertern (myspace etc) und GENAU das habe ich schon 1992 von den Plattenlabels gehört. Die Sorge der Musiker heute ist folgende: Erst werden Verteilungsmechanismen installiert und dann bemächtigen sich Monopolisten der Schlüsselpositionen und entscheiden wieder, wer welches Gewicht in den neuen Medien hat. Jetzt fühlt es sich gerade so an, als gäbe es einen direkteren Draht vom Künstler zum Publikum. Tendenzen der Erosion sind schon erkennbar: z.B. hat unser Label mit enormem Druck versucht, die Bandhomepage (und damit die direkten Adressen der Fans) auf ihren Server zu bekommen. Klingt erst mal nicht so schlimm, ist aber überhaupt nicht ok. Zum Thema Essen kochen: bei mir muss auch ein ungebetener Gast nichts fürs Essen bezahlen, aber eine Flasche guten Wein bringt doch Jeder gerne mit! Was ich damit sagen will: wenn ich ein Konzert gebe, bestehe ich auf ein angemessenes Eintrittsgeld. Die Leute zahlen das offensichtlich klaglos und es liegt an mir einen guten Split auszuhandeln. Es wäre cool, wenn man das in der Online- Welt auch so erleben würde.... Ein mp3 hier und da gebe ich auch mal umsonst weg, aber für ein Album, oder wenn jemand meine Musik nutzt um wie auch immer Geld zumachen, will ich einen Split....von mir aus sehr gerne mit einem regulierenden Staat.
In der Diskussion wird häufig die Grenze zwischen Musikindustrie und Künstler verwischt. Es waren nicht die Musiker sondern die Plattenfirmen die an dem Geschäftsmodel CD festhalten und das Internet vermeiden wollten, da dort der Konsument die freie Wahl hat. Es waren die gerissenen Samwer Brüder nicht die Musiker die mit Jamba die Prepaid Cards der Kids leerten, bevor die zum ersten mal telefoniert hatten. Geschäftemacherei oder falsche Geschäftsentscheidungen auf für un d mit Musik ist nichts, was mit dem Anspruch von Musikern auf Entlohnung ihrer Arbeit zu tun hat. Ich muss da auch Ringo enttäuschen, ich bin gar kein Marxist. meine Argumentation ist eher kapitalistisch geprägt. Es steht jedem frei ,so wie Ringo es beschreibt etwas aus reinem inneren Drang zu tun. Vielleicht nennt man das dann sogar Kunst, aber das wäre mir zu altmodisch (und das wäre auch eine andere Diskussion). Aus dieser erfüllenden handlung heraus entsteht nicht der Anspruch, sondern erst durch die Nutzung Dritter. Wenn Ringo gern kocht und mich zum Essen einladet ist das sein Ding. Wenn Ringo gern kocht und ich mich zum Essen einlade muss ich zahlen. Das ist Marktwirtschaft und eben gerade nicht DDR. Wenn der Markt aber nicht funktioniert, weil einige Spieler in diesem versagt haben (siehe oben) dann spricht man vom Marktversagen. Beim Marktversagen hat ein Staat den Auftrag erst zu moderieren und im Notfall regulierend einzugreifen. Brennerabgaben etc sind bereits ein Beispiel. Sie wären ein gutes Beispiel wen die Verteilmechanismen dahinter funktionieren würden. Es geht also darum ein Bewusstsein zu schaffen dass a) Kunst immer noch Eigentum des Künstlers ist und dieser damit verbundene Rechte hat, b) der Markt dahinter für Musik zu teilen versagt, die etablierten Verteilungsmechanismen aber auch, c) es einen transfer geben muss zwischen denen die den mehrwert schaffen (Künstler) und denen die diesen Kapitalisieren (Internet Service Providern, Ringtonanbietern, Mp3 Spieler Verkäufern...). Ahoi Tim
Ich möchte Tim nicht das Wort nehmen, aber noch etwas ergänzen.
Ich glaube die sogenannte Krise der Industrie war einfach nur das neue, noch nicht vollentwickelte Internet bezüglich Musikverkauf online.
Es gab in 2001, wie oben erwähnt, auch schon die DVD, welche sich doch grosser Beliebtheit erfreut.
Ich kenne so gut wie kein Wohnzimmer, wo einem nicht Filme begegnen.
Die Leute sind bereit und kaufen die DVD, Livemitschnitte von Konzerten sind beliebt und es passen ganze Alben auf dieses Format. Also gab es nach wie vor einen gutlaufenden Bildtonträger.
Ergänzend dazu wurden totschlagend viele Klingeltöne verkauft, ich denke diese Einnahmen haben zeitweise schlechtlaufende Jahre in den 90ern in den Schatten gestellt. Und tun es noch.
Abgaben auf Rohlinge und Brenner ergänzen ein Übriges.
Es möchte eben jeder der Beste sein.
Ich denke da wie die Amerikaner:
Konkurrenz belebt das Geschäft.
der Claud
Hallo Tim! Deine marxistisch determinierte Analyse des Musikgeschäfts ist sehr unterhaltsam! Allerdings, ehe man Jemanden auf die Barrikaden ruft muss man genauer werden. Worum gehts denn? Um Musiker (Musikanten), Verwerter oder Künstler? Mit der Popmusik ist es ein bisschen wie mit dem Huhn und dem Ei: was war zuerst da, die Popmusik oder die Musikindustrie? Oder, halten wir es mehr mit der These, dass die Entwicklung der Produktionsmittel die Kunst bestimmt, oder mit Karl Marx der sagte: "Die Kunst ist kein Spiegel der Realität, sondern ein Hammer, der diese formt". Deinen Ausführungen entnehme ich (Bauern, Handwerker, Arbeiter) , dass es hier um die Ware Popmusik geht. Die ist natürlich den Gesetzen des Marktes unterworfen, da hilft keine Maschinenstürmerei, sondern Lobbyarbeit und von mir aus auch Klassenkampf. Eine Ware unterliegt aber auch dem Gesetz von Angebot und Nachfrage und man kann niemanden zwingen diese zu kaufen. Mit der Kunst verhält es sich anders. Die Kunst entsteht, weil sich ein Künstler ausdrücken MUSS (warum und wie auch immer, jedenfalls nicht nur auf dem Klo). Kunst war schon immer von den Subventionen der Gesellschaft abhängig. Mal vom König, mal von der Kirche, mal vom Staat, mal vom Bürger. Ich bin in der DDR aufgewachsen und da ist auch mein Wunsch Musiker zu werden entstanden. Damals wurde Popmusik vom Staat großzügig gefördert und reglementiert. Von Radioquote bis zu festen Ticketpreisen und Gagengarantien. Hat bekannter weise auch nichts gebracht. Viel ist jedenfalls nicht übrig geblieben aus diesen 40 Jahren. Und für den "Künstler" sah es eher schlecht aus, der wurde nämlich oft genug mit Berufsverbot bedacht (und hat trotzdem weiter Musik gemacht, z.B. Schleimkeim). Ich wäre auf jeden Fall lieber Strassenmusiker als Arzt geworden, scheiss auf alle Vernunft. Dein Rückblick auf die gute Alte Zeit scheint mir auch etwas verschwommen, so toll war es nämlich nie. Auch der so-genannte "Mittelstand" der Musiker hat sich oft genug in Sichtweise zur Sozialhilfe durchgeschlagen... Im Sachbuch "Rock People" des Fischer Verlages (1974) finden sich folgende Zahlen: 86% der Musiker klagen über Geldmangel, nur 14% verdienen genug zum Leben (über 1000 DM). Und auch in den 90ern kannte ich KAUM jemanden,der genug verdiente, trotz Majordeals und gigantischen CD Umsätzen. Überhaupt gibt es "Popmusik" erst seit den 50er Jahren, Musiker aber schon ein paar 1000 Jahre länger. Die massiven Klagen über eine Krise ,glaube ich, seit 2001. Vornehmlich aus den Reihen der Verwerter. Interessant wäre, wie ist es heute? Wem geht es wirklich an den Kragen? Dem Musiker? Der Musikindustrie? Den Musikmanagern? Kann das mal jemand erheben? Vielleicht war ich immer nur zu erfolglos um ausgerechnet heute eine derartig substantielle Krise für den einzelnen Musiker festzustellen, vielleicht gehöre ich auch zu den "flexiblen". Fakt ist aber: das Publikum ist nach wie vor bereit für MUSIK Geld auszugeben, vielleicht nicht für CDs im selben Umfang, für die Inspiration und das Lebensgefühl aber schon. Da muss man ansetzen. Denn eins ist klar wie ein Mix von George Massenburg: auch wenn der letzte Zweitverwerter sich mit 400€ Jobs durchschlagen muss, wird es noch Musiker und ihr Publikum geben. Also: für die Musikanten gehe ich gern mit auf die Barrikaden, für die Industrie nur bedingt. Den Künstlern ist das wahrscheinlich aber total egal... so, und jetzt muss ich aber weiter MUSIK machen!
Wäre eine Gebühr von 5 Euro von jedem Netzbetreiber pro verkauftem Anschluß monatlich - wie von Claudius vorgeschlagen - fällig, kämen 3 Milliarden zusammen. Das könnte sowohl für die GVL/GEMA (aber bitte unter ganz anderen Statuten) als auch für die VG Wort reichen. Solche Gedankenspiele machen aber nur Sinn, wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass Kunst auch entlohnenswerte Arbeit ist. Die Position dass es Künstlern ja eigentlich primär darum ginge Gehör zu finden und der Erlös durch die Nutzung ihrer Musik eher Nebensache sei, wurde bei der re:pulica zum Beispiel massiv von einem Journalisten, einem Mitarbeiter der durchaus progressiven Zeitschrift de:bug vertreten... Die Barrikaden sind also dort lieber Holger, wo man Öffentlichkeit für diese Positionenn schaffen kann.
Die Vergütung von Künstlern durch die Verteilung erhobener Gebühren ist nicht nur für Musiker interessant, sondern natürlich auch für Autoren – wie mich. Von daher bin ich gespannt, wie konkret das "auf die Barrikaden gehen" aussieht und was ich dafür tun kann. Wohin muss ich denn jetzt genau mitkommen? ;-)
Da möchte ich aber sofort ganz laut HIER schreien und erster sein.
Klaro, das wird jetzt schamlos ausgenutzt, was die heissgeliebte CD nicht mehr gut macht. Nur leider, mal wieder, zu Lasten der Kreativen, derer, die sich für das Wohl der Anderen totackern. Ich weiss es selbst.
Mein Vorschlag wäre eine klare Abrechnung über die Netzanbieter, MOBILFUNK + INTERNET.
Dann kostet die 10-Super-Flat, die man ja unbedingt haben muss, eben 15, das ganze wird gesammelt und an alle Künstler, Labels und Beteiligten mit offiziellen VÖs ausgeschüttet. Ob man dazu einen "komplizierten" Schlüssel braucht, weiss ich nicht. Wohl weniger, die GEMA bekommt es ja überhaupt nicht hin.
Da ja im glatten Durchfluss Musik im Netz konsumiert, gestreamt und geladen wird, ist das ganze definitiv überfällig.
Die GVL sollte wirklich langsam aufwachen.
Das wäre das Allerbeste.
Mit vielen lieben Grüßen
Claudius

Kunst war schon immer das Ergebnis der Interaktion von INSPIRATION und VERMÖGEN - in des Wortes doppelter Bedeutung. Mozarts Leben dokumentiert dies besonders klar.
Heute ist das Volk der Souverän - und es liegt deshalb an uns allen,unser Verhältnis zu Inspiration zu klären. Folglich sind wir verpflchtet, die Klauerei zu beenden und die Nutzniesser, deren Geschäftsmodell u. a. auf der illegalen Nutzung von Inhalten basiert (Internetprovider, Telekomunikationsunternehmen ec.) zu Dokumentation und Entwicklun von Engeldmodellen zu verpflchten. Eigentlich trivial. Erstaunlich deshalb, dass es daür eines "Offenen Briefes" an die Bundeskanzlerin bedarf.
Weniger trivial wird die Beantwortung der Frage sein, wer denn welche Erlöse zu erhalten hat,wenn diese denn fliessen solten. Damt es zu einer effektiven Interaktion von INSPIRATION und VERMÖGEN kommen kann, wird es ohne Filter wohl nicht gehen können. Mozart hatte nach nervenzehrender Bittstellerei immerhin große Orchester und die Oper als Bühne zugeeiltbekommen. Und Pink Floyd hätten andere Musik veröffentlicht, wenn sie nicht vertraglich das Abbey Road Studio als unbegrenzt nutzbare Kreativspielwiese gehabt hätten. Ineressant ist ja auch, dass mit dter Zunahme von Veröffentichungen in der alten Muskbranchenwelt das Entstehn langfristiger Künstlerkarrieren bzw. Musikmarken (s.o.) abgenommen hat. Ob die Herrschaft der demokatischen Massen, das Internet und die atomisierten Medien darauf eine Antwort haben?
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