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1000 Robota
1000 Robota: UFO
1000 Robota schimpfen auf „UFO“ wieder über abstrakte Größen wie das Ich, Du, Er und Ihr. Trotzdem werden sie konkreter und persönlicher als auf ihrem Floskel-drescherischen Debüt.

Der Hass ist geblieben. 1000 Robota ist auch auf ihrem Zweitwerk nicht die Lust am Pöbeln vergangen. Dabei wenden sie die gleiche Strategie an, die schon auf „Du nicht, er nicht, sie nicht“ funktionierte: Die Phrasen werden auf einem Sockel inszeniert, und erhalten damit die Reflexion die ihnen gebührt. Das ist Pop-Poesie und Punk! „Und wie siehst du auf MySpace aus?“, fragt Sänger Anton immer wieder im Song „Held und Macher“. Da die drei Hamburger selbst um die 20 sind, wissen sie, was man erkennt, wenn man der 00er Generation den Spiegel vorhält. Einziger Unterschied zu vorher ist, dass sie auf „UFO“ auch selbst einmal hineinschauen.
Die perfekte Brücke vom Alt- zum Neuwerk schlägt der dritte Song „Glück“. Mit ihm reflektieren 1000 Robota die Instrumentalisierung ihres Hits „Hamburg brennt“. Anton singt: „Hamburg brennt, ja bla bla bla (…) Ihr seid keine Jugend und kein Phänomen.“ Die Selbstgefälligkeit der Rezipienten, ja sogar ihrer Fans prangert die Band damit an.
Der Song schließt mit der Parole: „Verneinen ist einfach und Einsicht ist schwer.“ Mit diesem Satz stopfen die Drei dann wohl endgültig die Münder aller Kritiker, die der Band aufgrund ihrer Texte und ihrer Attitüden ständig Arroganz vorwerfen. 1000 Robota distanzieren sich von der Bonaparte'schen „Anti Anti“-Jugend und definieren Einsicht als hohe Tugend. Ganz so einfach ist es eben doch nicht, diese Band zu kritisieren.
Während sich „Du nicht er nicht sie nicht“ noch den abstrakten Phrasen widmete, werden 1000 Robota auf „UFO“ konkreter. Die Texte handeln von Themen wie Verletzlichkeit, Enttäuschung und dem Umgang mit Autoritäten. Auf der zweiten Single „Er Sagt“ heißt es etwa: „Guten Menschen kommen oft die Tränen“ oder „Er sagt: Du bist nichts besonderes.“ 1000 Robota gewähren einen Einblick hinter die unpersönlichen Parolen und zeigen so, dass sie auch sensibel mit Themen umgehen können.
1000 Robota - "Er sagt"
Überraschend ist auch, dass die Hälfte der Songs auf „UFO“ ruhiger und leiser gehalten sind (oder zumindest so anfangen), als man es noch von den verzerrten Gang Of
Four-Riffs des Vorgängers gewohnt war. Die Wirkung entfaltet sich diesmal durch die Reduktion. „Geht Nicht Zu weit“ ist der sanfteste Song des Albums, bei dem Anton sich auch mal von seinem Maschinengewehr-Gesang trennt und singt.
Überschritten die alten Werke kaum die drei Minuten-Grenze, brauchen die Songs auf „UFO“ Zeit sich zu entfalten. Die Stücke reiten oft minutenlang nur auf einem musikalischen Thema herum, das im großen Finale schließlich krachend explodiert. Die Gitarre erzeugt athmosphärische Klangflächen, denen viel Zeit zur Wirkung eingeräumt wird. So wartet der Hörer bei der Single „Fahr Weg“ schonmal fast drei Minuten, bis überhaupt ein gesprochenes Wort erklingt. Ähnlich wie bei der Horrors-Single „Sea Within A Sea“ fängt der Song minimalistisch mit Schlagzeug und Bass an, über die tröpfchenartige psychedelische Synthieloops laufen.
1000 Robota - "Fahr Weg"
Durch ihre verkopften Texte beweisen die Jungs jedoch, was sie auch auf ihrer MySpace-Seite proklamieren: Wer uns hasst entscheiden wir.
„UFO“ ist musikalisch und textlich feinfühliger als der Vorgänger. Und dieser Mut zum Schwäche zeigen, entpuppt sich als eine große Stärke.
Laura Gertken
VÖ: 03.09.2010
Label: Buback Tonträger
Tracklist:
01. Du gewinnst
02. Wir reissen uns zusammen
03. Glück
04. Wirst du interessant
05. Geh nicht zu weit
06. Er sagt
07. Fahr weg
08. Held und Macher
09. Nicht so und nicht so
10. Alter Mann

Der Hass ist geblieben. 1000 Robota ist auch auf ihrem Zweitwerk nicht die Lust am Pöbeln vergangen. Dabei wenden sie die gleiche Strategie an, die schon auf „Du nicht, er nicht, sie nicht“ funktionierte: Die Phrasen werden auf einem Sockel inszeniert, und erhalten damit die Reflexion die ihnen gebührt. Das ist Pop-Poesie und Punk! „Und wie siehst du auf MySpace aus?“, fragt Sänger Anton immer wieder im Song „Held und Macher“. Da die drei Hamburger selbst um die 20 sind, wissen sie, was man erkennt, wenn man der 00er Generation den Spiegel vorhält. Einziger Unterschied zu vorher ist, dass sie auf „UFO“ auch selbst einmal hineinschauen.
Die perfekte Brücke vom Alt- zum Neuwerk schlägt der dritte Song „Glück“. Mit ihm reflektieren 1000 Robota die Instrumentalisierung ihres Hits „Hamburg brennt“. Anton singt: „Hamburg brennt, ja bla bla bla (…) Ihr seid keine Jugend und kein Phänomen.“ Die Selbstgefälligkeit der Rezipienten, ja sogar ihrer Fans prangert die Band damit an.
Der Song schließt mit der Parole: „Verneinen ist einfach und Einsicht ist schwer.“ Mit diesem Satz stopfen die Drei dann wohl endgültig die Münder aller Kritiker, die der Band aufgrund ihrer Texte und ihrer Attitüden ständig Arroganz vorwerfen. 1000 Robota distanzieren sich von der Bonaparte'schen „Anti Anti“-Jugend und definieren Einsicht als hohe Tugend. Ganz so einfach ist es eben doch nicht, diese Band zu kritisieren.
Während sich „Du nicht er nicht sie nicht“ noch den abstrakten Phrasen widmete, werden 1000 Robota auf „UFO“ konkreter. Die Texte handeln von Themen wie Verletzlichkeit, Enttäuschung und dem Umgang mit Autoritäten. Auf der zweiten Single „Er Sagt“ heißt es etwa: „Guten Menschen kommen oft die Tränen“ oder „Er sagt: Du bist nichts besonderes.“ 1000 Robota gewähren einen Einblick hinter die unpersönlichen Parolen und zeigen so, dass sie auch sensibel mit Themen umgehen können.
1000 Robota - "Er sagt"
Überraschend ist auch, dass die Hälfte der Songs auf „UFO“ ruhiger und leiser gehalten sind (oder zumindest so anfangen), als man es noch von den verzerrten Gang Of
Four-Riffs des Vorgängers gewohnt war. Die Wirkung entfaltet sich diesmal durch die Reduktion. „Geht Nicht Zu weit“ ist der sanfteste Song des Albums, bei dem Anton sich auch mal von seinem Maschinengewehr-Gesang trennt und singt.
Überschritten die alten Werke kaum die drei Minuten-Grenze, brauchen die Songs auf „UFO“ Zeit sich zu entfalten. Die Stücke reiten oft minutenlang nur auf einem musikalischen Thema herum, das im großen Finale schließlich krachend explodiert. Die Gitarre erzeugt athmosphärische Klangflächen, denen viel Zeit zur Wirkung eingeräumt wird. So wartet der Hörer bei der Single „Fahr Weg“ schonmal fast drei Minuten, bis überhaupt ein gesprochenes Wort erklingt. Ähnlich wie bei der Horrors-Single „Sea Within A Sea“ fängt der Song minimalistisch mit Schlagzeug und Bass an, über die tröpfchenartige psychedelische Synthieloops laufen.
1000 Robota - "Fahr Weg"
1000 Robota haben auf „UFO“ wieder mal den Reiz der deutschen Sprache verstanden, kokettieren mit ihrem Stil jedoch nicht mehr so überzogen wie auf dem Debüt. Sie müssen ja auch niemandem mehr beweisen, dass sie eine deutsche Band sind, die sich Einflüssen, wie dem englischen Post-Punk so sicher bedient, dass sogar in England Fans für sie schwärmen. Während das sonst nur Bands wie Rammstein und Tokio Hotel schafften, sind 1000 Robota endlich mal ein Export auf den man stolz sein kann. Trotzdem sind es viele nicht. Es scheint eben auch einfach diese Band, aufgrund ihrer Attitüden abzulehnen. Und weil sie auf dem Debüt so unverletzbar, aggressiv und selbstbewusst daherkamen, lud es auch ein, gleichermaßen zurückzuschlagen.
Durch ihre verkopften Texte beweisen die Jungs jedoch, was sie auch auf ihrer MySpace-Seite proklamieren: Wer uns hasst entscheiden wir.
„UFO“ ist musikalisch und textlich feinfühliger als der Vorgänger. Und dieser Mut zum Schwäche zeigen, entpuppt sich als eine große Stärke.
Laura Gertken
VÖ: 03.09.2010
Label: Buback Tonträger
Tracklist:
01. Du gewinnst
02. Wir reissen uns zusammen
03. Glück
04. Wirst du interessant
05. Geh nicht zu weit
06. Er sagt
07. Fahr weg
08. Held und Macher
09. Nicht so und nicht so
10. Alter Mann
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