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A Poor Man's Memory
A Poor Man's Memory: Fathers & Sons
Jenseits von Laut/Leise-Schemata, im Dazwischen und in der Schwebe verrichten A Poor Man's Memory passionierte Genre-Arbeit.

Auch das Genre Post-Rock muss sich inzwischen, wie jede Spielart des Rock, die Frage gefallen lassen: Wo ist die Existenzberechtigung von Bands, die klingen, wie tausend andere vor ihnen? Musiker, die durch unbequem lange und fordernd komplexe Stücke versuchen, althergebrachte Formen der Rockmusik zu durchbrechen, haben längst keinen Exoten-Bonus mehr, wenn sie ihn denn je besaßen. Abgesehen davon, dass das Label "Post-Rock" dereinst wohl eher dem gängigen Kritiker-Reflex zur Schubladisierung "neuer" Bands entsprungen sein dürfte. Die Bezeichnung ist jedenfalls an einem Punkt angelangt, an dem sie vielerorts inzwischen eher genervtes Augenrollen hervorruft.
Es wäre jedoch schade, wenn A Poor Man's Memory in der Schwemme an sound-malerischer Stromgitarrenmusik untergehen würden. Denn mit "Fathers & Sons" präsentieren die Dresdner ein überzeugendes Album, auch ohne den großen Namen. Obgleich das Trio aus der sächsischen Elbmetropole durchaus damit kokettiert: Der Bandname ist nämlich einem Titel von Explosions in the Sky entlehnt. Wer derart seine Einflüsse offenlegt, muss sich etwaige Vergleiche auch gefallen lassen. Die brauchen A Poor Man's Memory jedoch nicht zu scheuen. Die Grundstimmung der hier versammelten acht Songs ist durchaus artverwandt: Sie baut auf dem typischen Triumvirat von Epik, Melodie und Härte auf, wobei im Fall von A Poor Man's Memory das Gewicht dabei eher auf der Härte liegt.
Wenn es laut wird auf Fathers & Sons, dann richtig. Exemplarisch dafür lässt sich bereits der Opener "Apollo" anführen: Den behutsamen Einstieg überlassen die Jungs lieber anderen und nageln dem Hörer nach einem erdig-warmen Anfangsstakkato die seichte Gefälligkeit gleich mal gepflegt links und rechts um die Ohren. Nachdem sich der Song dann zweimal etwas zurücknimmt, holt er noch einmal zum fulminantem Finale, inklusive impulsivem Bassdrum-Spiel aus. Klare Ansage. Gesang gibt’s natürlich auch keinen: Gitarre, Schlagzeug, Bass; das genügt diesen Herren schon, um ein anständiges Brett zu zimmern. Teilweise schielt das Ganze dann sogar etwas in Richtung staubigstem Stoner-Rock.
A Poor Man's Memory - "Fathers & Sons"
A Poor Man's Memory beherrschen aber auch das andere Extrem. In den ruhigeren, melodischeren Augenblicken des Albums, gelingt es ihnen, sich dem zu nähern, was Musik so alles an Magie in sich vereinen kann. Dann beflügeln sie mit behutsamer Fragilität die Imagination des Hörers und kreieren Songpassagen von cinematischer Sogkraft und epischer Tiefenschärfe. Wer nicht genügend Fantasie besitzt, um zu Titeln wie "Helene" hinter geschlossenen Augen den Kopfkino-Projektor anzuschmeißen, der soll eben lieber in den neuesten Blockbuster gehen. Insgesamt liegt die Stärke des Albums in der Fähigkeit der Protagonisten, die Vorzüge des Post-Rock zu betonen, ohne Langeweile zu evozieren. Was einigen Genre-Epigonen fern liegt, nämlich den Song zu Ende zu denken und sich eben nicht an instrumentaler Masturbation zu ergehen, das hat dieses Trio ziemlich drauf. Positiv zu erwähnen ist außerdem die Produktion, die angenehm fett gelungen ist.
Auf "Fathers & Sons" werden Extreme ausgelotet. Nicht in dem Sinn, dass die Musik uninspiriert von einer Stimmung in die andere kippt, vielmehr wird das Dazwischen zum Thema. Die Platte lässt einen nicht mit dem Gefühl des Gegensatzes zurück, sondern mit dem besseren Verständnis dafür, was Laut und Leise verbindet. Diesem Eindruck und der überzeugenden Umsetzung zum Trotz: so oder so ähnlich hat der geneigte Hörer diese Musik sicher auch schon anderswo gehört. Die Auszeichnung liegt hier im Detail, im Spielwitz und in der hörbaren Lust der Band an der fokussierten Ausschweifung. Vielleicht sind A Poor Man's Memory just-another-post-rock-band, dann aber eine gute. Manchmal geht es gar nicht darum, etwas Neues zu schaffen, sondern viel eher, Bewährtes mit Liebe zum Detail zu inszenieren.
Henning Grabow
VÖ: 01.06.11
Label: Mikrokleinstgarten
Tracklist:
01. Apollo
02. A Matter Of Hand, Not The Heart
03. Schiene
04. Transatlantic
05. Helene
06. Watchchild
07. Wilhelm O.F.M.
08. 1953

Auch das Genre Post-Rock muss sich inzwischen, wie jede Spielart des Rock, die Frage gefallen lassen: Wo ist die Existenzberechtigung von Bands, die klingen, wie tausend andere vor ihnen? Musiker, die durch unbequem lange und fordernd komplexe Stücke versuchen, althergebrachte Formen der Rockmusik zu durchbrechen, haben längst keinen Exoten-Bonus mehr, wenn sie ihn denn je besaßen. Abgesehen davon, dass das Label "Post-Rock" dereinst wohl eher dem gängigen Kritiker-Reflex zur Schubladisierung "neuer" Bands entsprungen sein dürfte. Die Bezeichnung ist jedenfalls an einem Punkt angelangt, an dem sie vielerorts inzwischen eher genervtes Augenrollen hervorruft.
Es wäre jedoch schade, wenn A Poor Man's Memory in der Schwemme an sound-malerischer Stromgitarrenmusik untergehen würden. Denn mit "Fathers & Sons" präsentieren die Dresdner ein überzeugendes Album, auch ohne den großen Namen. Obgleich das Trio aus der sächsischen Elbmetropole durchaus damit kokettiert: Der Bandname ist nämlich einem Titel von Explosions in the Sky entlehnt. Wer derart seine Einflüsse offenlegt, muss sich etwaige Vergleiche auch gefallen lassen. Die brauchen A Poor Man's Memory jedoch nicht zu scheuen. Die Grundstimmung der hier versammelten acht Songs ist durchaus artverwandt: Sie baut auf dem typischen Triumvirat von Epik, Melodie und Härte auf, wobei im Fall von A Poor Man's Memory das Gewicht dabei eher auf der Härte liegt.
Wenn es laut wird auf Fathers & Sons, dann richtig. Exemplarisch dafür lässt sich bereits der Opener "Apollo" anführen: Den behutsamen Einstieg überlassen die Jungs lieber anderen und nageln dem Hörer nach einem erdig-warmen Anfangsstakkato die seichte Gefälligkeit gleich mal gepflegt links und rechts um die Ohren. Nachdem sich der Song dann zweimal etwas zurücknimmt, holt er noch einmal zum fulminantem Finale, inklusive impulsivem Bassdrum-Spiel aus. Klare Ansage. Gesang gibt’s natürlich auch keinen: Gitarre, Schlagzeug, Bass; das genügt diesen Herren schon, um ein anständiges Brett zu zimmern. Teilweise schielt das Ganze dann sogar etwas in Richtung staubigstem Stoner-Rock.
A Poor Man's Memory - "Fathers & Sons"
A Poor Man's Memory beherrschen aber auch das andere Extrem. In den ruhigeren, melodischeren Augenblicken des Albums, gelingt es ihnen, sich dem zu nähern, was Musik so alles an Magie in sich vereinen kann. Dann beflügeln sie mit behutsamer Fragilität die Imagination des Hörers und kreieren Songpassagen von cinematischer Sogkraft und epischer Tiefenschärfe. Wer nicht genügend Fantasie besitzt, um zu Titeln wie "Helene" hinter geschlossenen Augen den Kopfkino-Projektor anzuschmeißen, der soll eben lieber in den neuesten Blockbuster gehen. Insgesamt liegt die Stärke des Albums in der Fähigkeit der Protagonisten, die Vorzüge des Post-Rock zu betonen, ohne Langeweile zu evozieren. Was einigen Genre-Epigonen fern liegt, nämlich den Song zu Ende zu denken und sich eben nicht an instrumentaler Masturbation zu ergehen, das hat dieses Trio ziemlich drauf. Positiv zu erwähnen ist außerdem die Produktion, die angenehm fett gelungen ist.
Auf "Fathers & Sons" werden Extreme ausgelotet. Nicht in dem Sinn, dass die Musik uninspiriert von einer Stimmung in die andere kippt, vielmehr wird das Dazwischen zum Thema. Die Platte lässt einen nicht mit dem Gefühl des Gegensatzes zurück, sondern mit dem besseren Verständnis dafür, was Laut und Leise verbindet. Diesem Eindruck und der überzeugenden Umsetzung zum Trotz: so oder so ähnlich hat der geneigte Hörer diese Musik sicher auch schon anderswo gehört. Die Auszeichnung liegt hier im Detail, im Spielwitz und in der hörbaren Lust der Band an der fokussierten Ausschweifung. Vielleicht sind A Poor Man's Memory just-another-post-rock-band, dann aber eine gute. Manchmal geht es gar nicht darum, etwas Neues zu schaffen, sondern viel eher, Bewährtes mit Liebe zum Detail zu inszenieren.
Henning Grabow
VÖ: 01.06.11
Label: Mikrokleinstgarten
Tracklist:
01. Apollo
02. A Matter Of Hand, Not The Heart
03. Schiene
04. Transatlantic
05. Helene
06. Watchchild
07. Wilhelm O.F.M.
08. 1953
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