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Air
Air: Le Voyage Dans La Lune
Die Reise zum Mond in zeitloser Schönheit. Mit ihrem Soundtrack zu "Le Voyage Dans La Lune" gelingt den französischen Klangtüftlern Air ein ganz großer – unbewusst eklektizistischer – Wurf.

(Foto: Wendy Bevan, EMI France)
Auf die Information einer auditiven Untermalung des 1902er Stummfilmklassikers "Le Voyage Dans La Lune" von Georges Méliès durch das gewiefte französische Elektro-Duo Air folgen mit Sicherheit sogleich zwei assoziative Sprünge. Nämlich, dass bereits ihr grandioses und vielfältig richtungsweisendes Debüt "Moon Safari" von 1998 den Erdtrabanten im Titel führte und dass das Zweitwerk "The Virgin Suicides" ebenfalls ein Sountrack zu dem charmanten visuellen Projekt der Coppola-Tochter Sofia war, zu deren "Lost In Translation" ebenfalls einen Beitrag geleistet wurde. Mit "Le Voyage..." ist Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin wieder ein famoses Album gelungen, dessen einziger Makel vielleicht die mit etwas über einer halben Stunde Spielzeit recht knapp bemessene Vergnügens-Dauer ist.
Bei der Entstehung des Films orientierte sich Méliès an literarischen Vorlagen von Jules Verne und H.G. Welles, weshalb "Die Reise zum Mond" nicht allein als früh-cineastische Perle gilt, sondern als einer der ersten Filme, die sich eines fiktiven Umfeldes bedienten. In aufwändiger Handbemalung wurde das 16-minütige Werk nachkoloriert, jedoch war diese Farbversion lange Zeit verschollen, bis sie 1993 in Barcelona wieder auftauchte. Emsig wurde in akribischer Detail-Arbeit die Restaurierung vorangetrieben und schließlich Air mit der akustischen Unterfütterung beauftragt, die bis dato nicht gegeben war. Es ist durch diese Rekonfiguration kein zur Gänze anderer Film entstanden, aber ein wunderbar umfassenderes und auch packenderes Zusammenspiel aus Bild, Farbe und Sound.
Air - "Sonic Armada (A Trip To The Moon)"
Mehr Videos von Air findet ihr auf tape.tv!
In einem Interview gaben die beiden Herren zu, in nicht geringem Maße furchtsam vor der Rezeption ihrer Vertonungsarbeit gewesen zu sein, zumal es sich um Material mit derart ikonen-hafter Gewichtung befasst, dass seine Erstaufführung sogar bei den renommierten Filmfestspielen in Cannes stattfand. Eine unbegründete Sorge wie sich erwies: Das Album schwenkt herrlich zwischen etwas verquietscht-spacigen Klängen, die ebenfalls in 70er-Jahre SciFi-Produktionen vorstellbar gewesen wären, und den – in Air-gewohnter Manier – saubereren Sphären-Pop-Richtung tendierenderen Stücken. Exemplarisch am Besten zu vernehmen an "Sonic Armada", respektive dem in Zusammenarbeit mit Victoria Legrand von Beach House entstandenen "Seven Stars". Und dabei nehmen sich nicht wenige Tracks gar nicht einmal so luftig und süß aus, sondern driften gerne zu akustisch evozierendem Grusel.
Auf die Frage, an welchen anderen Science-Fiction-Soundtracks sie sich bei "Le Voyage..." orientiert hätten, lautete die schlichte Antwort: an keinen, die ihnen selber bewusst seien, ohne dabei jedoch auszuschließen, dass sich solche Einflüsse wohl unbewusst eingeschlichen haben könnten. Marcel Proust hat einmal in "Swanns Welt" eine schöne Umschreibung für einen solchen Erinnerungsprozess geliefert: "In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Mit einem Schlage waren mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen zu harmlosen Mißgeschicken, seine Kürze zu einem bloßen Trug unserer Sinne geworden."
Georges Mélliès – "Le Voyage Dans La Lune" (Soundtrack by Air)
Und was dem Poeten seine Madeleines, das mag den Herren Godin und Dunckel "Die Reise zum Mond" gewesen sein. Wobei sie diesem mit ihrem Album nicht allein einen wunderbaren, seine Zeitlosigkeit noch unterstreichenden, akustischen Rahmen, sondern ebenfalls ein prächtig auf eigenen Beinen stehendes Werk abgeliefert haben, das einmal mehr auch ihre großen Songwriting-Qualitäten untermauert.
Stephan Sauer
VÖ: 03.02.2012
Label: Virgin Local / EMI
Tracklist:
01. Astronomic Club
02. Seven Stars
03. Retour Sur Terre
04. Parade
05. Moon Fever
06. Sonic Armada
07. Who Am I Now
08. Décollage
09. Cosmic Trip
10. Homme Lune
11. Lava

(Foto: Wendy Bevan, EMI France)
Auf die Information einer auditiven Untermalung des 1902er Stummfilmklassikers "Le Voyage Dans La Lune" von Georges Méliès durch das gewiefte französische Elektro-Duo Air folgen mit Sicherheit sogleich zwei assoziative Sprünge. Nämlich, dass bereits ihr grandioses und vielfältig richtungsweisendes Debüt "Moon Safari" von 1998 den Erdtrabanten im Titel führte und dass das Zweitwerk "The Virgin Suicides" ebenfalls ein Sountrack zu dem charmanten visuellen Projekt der Coppola-Tochter Sofia war, zu deren "Lost In Translation" ebenfalls einen Beitrag geleistet wurde. Mit "Le Voyage..." ist Jean-Benoît Dunckel und Nicolas Godin wieder ein famoses Album gelungen, dessen einziger Makel vielleicht die mit etwas über einer halben Stunde Spielzeit recht knapp bemessene Vergnügens-Dauer ist.
Bei der Entstehung des Films orientierte sich Méliès an literarischen Vorlagen von Jules Verne und H.G. Welles, weshalb "Die Reise zum Mond" nicht allein als früh-cineastische Perle gilt, sondern als einer der ersten Filme, die sich eines fiktiven Umfeldes bedienten. In aufwändiger Handbemalung wurde das 16-minütige Werk nachkoloriert, jedoch war diese Farbversion lange Zeit verschollen, bis sie 1993 in Barcelona wieder auftauchte. Emsig wurde in akribischer Detail-Arbeit die Restaurierung vorangetrieben und schließlich Air mit der akustischen Unterfütterung beauftragt, die bis dato nicht gegeben war. Es ist durch diese Rekonfiguration kein zur Gänze anderer Film entstanden, aber ein wunderbar umfassenderes und auch packenderes Zusammenspiel aus Bild, Farbe und Sound.
Air - "Sonic Armada (A Trip To The Moon)"
Mehr Videos von Air findet ihr auf tape.tv!
In einem Interview gaben die beiden Herren zu, in nicht geringem Maße furchtsam vor der Rezeption ihrer Vertonungsarbeit gewesen zu sein, zumal es sich um Material mit derart ikonen-hafter Gewichtung befasst, dass seine Erstaufführung sogar bei den renommierten Filmfestspielen in Cannes stattfand. Eine unbegründete Sorge wie sich erwies: Das Album schwenkt herrlich zwischen etwas verquietscht-spacigen Klängen, die ebenfalls in 70er-Jahre SciFi-Produktionen vorstellbar gewesen wären, und den – in Air-gewohnter Manier – saubereren Sphären-Pop-Richtung tendierenderen Stücken. Exemplarisch am Besten zu vernehmen an "Sonic Armada", respektive dem in Zusammenarbeit mit Victoria Legrand von Beach House entstandenen "Seven Stars". Und dabei nehmen sich nicht wenige Tracks gar nicht einmal so luftig und süß aus, sondern driften gerne zu akustisch evozierendem Grusel.
Auf die Frage, an welchen anderen Science-Fiction-Soundtracks sie sich bei "Le Voyage..." orientiert hätten, lautete die schlichte Antwort: an keinen, die ihnen selber bewusst seien, ohne dabei jedoch auszuschließen, dass sich solche Einflüsse wohl unbewusst eingeschlichen haben könnten. Marcel Proust hat einmal in "Swanns Welt" eine schöne Umschreibung für einen solchen Erinnerungsprozess geliefert: "In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Mit einem Schlage waren mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen zu harmlosen Mißgeschicken, seine Kürze zu einem bloßen Trug unserer Sinne geworden."
Georges Mélliès – "Le Voyage Dans La Lune" (Soundtrack by Air)
Und was dem Poeten seine Madeleines, das mag den Herren Godin und Dunckel "Die Reise zum Mond" gewesen sein. Wobei sie diesem mit ihrem Album nicht allein einen wunderbaren, seine Zeitlosigkeit noch unterstreichenden, akustischen Rahmen, sondern ebenfalls ein prächtig auf eigenen Beinen stehendes Werk abgeliefert haben, das einmal mehr auch ihre großen Songwriting-Qualitäten untermauert.
Stephan Sauer
VÖ: 03.02.2012
Label: Virgin Local / EMI
Tracklist:
01. Astronomic Club
02. Seven Stars
03. Retour Sur Terre
04. Parade
05. Moon Fever
06. Sonic Armada
07. Who Am I Now
08. Décollage
09. Cosmic Trip
10. Homme Lune
11. Lava





schöner text über ein wunderbares werk großartiger künstler und (hier folgt ein witz für fans des hier erwähnten und ausführlich zitierten schriftstellers) vor allem ist dieses projekt alles andere als VERLORENE ZEIT.
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