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Amy Winehouse
Amy Winehouse: Lioness: Hidden Treasures

(Foto: Bryan Adams)
Auf den ersten Blick ist es eine scheinbar unlösbare Aufgabe, über die Musik von Amy Winehouse zu sprechen, ohne die Person dahinter zu erwähnen. In den Jahren zwischen der Veröffentlichung ihres Megasellers "Back To Black" und dem tragischen Tod in diesem Sommer, ging es leider oft zu wenig um die Musik der talentierten Britin, sondern um all den boulevardesken Rest. Und wie es zynischerweise immer der Fall ist, verstummten die reißerischen Stimmen der Klatschspalten nach dem Ableben von Winehouse auch recht schnell. Im Nachruf zur gefallenen Ikone einer Generation stilisiert, besitzt mittlerweile sicher jeder seine Meinung über die extrovertierte Sängerin mit der Turmfrisur.
Amy Winehouse - "Our Day Will Come"
Nun erscheint also – knapp vier Monate nach ihrem Tod – das erste posthume Album von Amy Winehouse. Eine Gemeinschaftsaktion zwischen Plattenfirma, Amys Verwandtschaft und ihren alten Stamm-Produzenten Salaam Remi und Mark Ronson. "Lioness: Hidden Treasures" ist – wie der Name schon vermuten lässt und wie alle Parteien betonen – nicht das lang erwartete dritte Studioalbum der Soul-Diva. An dem habe sie zwar trotz aller Höhen und Tiefen in den letzten Jahren immer gearbeitet und geschrieben, tatsächlich aufgenommen wurde allerdings wenig. Nun gibt es also diverse Cover, ein paar unbekannte Tracks und alternative Versionen bereits bekannter Winehouse-Nummern.
Das doo-woppende "Between The Cheats" ist eines dieser neuen Originale. Auch das lässige "Like Smoke", ein Duett mit Amys Lieblingsrapper Nas, wurde ebenfalls 2008 fertiggestellt. Die Kollaboration "Body & Soul" mit Altmeister Tony Bennett war vorher bereits auf dessen Duett-Album erschienen und wird als letzte offizielle Aufnahme der Künstlerin in die Geschichte eingehen. "Lioness" versteht sich als das, was der Untertitel verspricht: verborgene Schätze aus den acht Jahren, in denen Winehouse musikalisch aktiv war. Das reicht zurück zu Stücken, wie ihrem Cover des alten Evergreens "The Girl From Ipanema", welches noch vor Veröffentlichung ihres Debüts "Frank" aufgenommen wurde. Auch die ruhige Eigenkomposition "Halftime" fällt in diese Zeit. "Will You Still Love Me Tomorrow?", ein Cover der Shirelles, entstand hingegen zusammen mit Mark Ronson im Jahr 2004 – also einige Zeit bevor beide mit "Back To Black" zum großen Wurf ausholten.
Amy Winehouse - "Body And Soul" (with Tony Benett)
Funktioniert so eine scheinbar willkürliche Zusammenstellung in der Praxis überhaupt? Als Album im klassischen Sinne vielleicht nicht, als versöhnlicher Abschluss mit dem musikalischen Phänomen Amy Winehouse aber durchaus. Denn gerade dieser nicht vorhandene rote Faden und der Fokus auf eher leichte, klassische Cover-Kost gestalten den Grundtenor erstaunlich positiv. Dieser Weg ist höchstwahrscheinlich nicht der, den Amy mit dem Nachfolger zu "Back To Black" eingeschlagen hätte, aber über diesen jetzt noch zu diskutieren, macht ohnehin wenig Sinn. "Lioness: Hidden Treasures" bleibt am Ende ein heiterer, souveräner und kurzweiliger Abschied von einer der markantesten Gestalten der jüngeren Pop-Geschichte. Laut den Verantwortlichen sind weitere posthume Alben nicht vorgesehen. So bleibt der guten Frau nur zu wünschen, dass sie nun endlich in Frieden ruhen kann.
Norman Fleischer
VÖ: 02.12.11
Label: Island / Universal
Tracklist:
01. Our Day Will Come
02. Between The Cheats
03. Tears Dry (Original Version)
04. Will You Still Love Me Tomorrow?
05. Like Smoke (feat. Nas)
06. Valerie ('68 Version)
07. The Girl From Ipanema
08. Halftime
09. Wake Up Alone (Original Demo Recording)
10. Best Friends, Right?
11. Body And Soul (with Tony Bennett)
12. A Song For You



