157 online
- Melt! Festival
- The Shins
- Michael Kiwanuka
- Various Artists
- Die Ärzte
- Santigold
- Tenacious D
- Hot Chip
- Totally Enormous Extinct Dinosaurs
- Greenville Festival
- Simian Mobile Disco
- Young Man
- Here We Go Magic
- Die Selbstkritik der Woche
- Dossier: Echo-Verleihung
- Grimes
- Nicolas Jaar
- MS Dockville
- Marbert Rocel
- Damon Albarn
- Sufjan Stevens
- iamamiwhoami
- We Are Augustines
- Enno Bunger
- Giana Factory
- Tanlines
- IAMDYNAMITE
- Soulsavers
- Best Coast
- Beach House
- Soulsavers
- Beyoncé
- 2Raumwohnung
- Adele
- SebastiAn
- Soko
- Wizo
- The Kooks
- Slipknot
- Abba
- Wolf Parade
- Neil Young
- The Ting Tings
- Taylor Swift
- Winson
- Jennifer Rostock
- The Last Shadow Puppets
- 1990s
- A
- Machine Head
- Basia Bulat
- Lil Wayne
- Annie
- Die Ärzte
- Katy Perry
- The Black Atlantic
- Wir sind Helden
- Angus & Julia Stone
- Simple Plan
- Mount Eerie
Anna Ternheim
Anna Ternheim: The Night Visitor
Die Dunkelheit der Nacht scheint es Anna Ternheim angetan zu haben. Die schwedische Sängerin erzählt auf ihrem neuen Album "The Night Visitor" Geschichten voller Licht und Schatten.

(Foto: Julia Hetta)
Ein Problem ihrer Songs war schon immer, dass Anna Ternheim – bei aller Fortüne – oftmals ins Gefällige abrutsche und die eigentlichen Qualitäten ihres Songwritings hinter opulenter Produktion teils vollkommen verschwanden. Dabei hat die tapfere Schwedin nicht nur die Stimme, sondern auch einen unheimlich guten Riecher für den perfekten Track – aber stets nur dann, wenn das Endergebnis genauso minimal klingt, wie es zuvor auf der Akustikgitarre im privaten Rahmen eingespielt wurde. Ihr letztes Werk liegt knapp drei Jahre zurück und nicht das "Leaving On A Mayday" schlecht war; nur hätte man es gern im Soundgewand des frühen, stark reduzierten Leonard Cohen gehört.
Diesen Gefallen tut sie einem nun irgendwie schon: Zumindest der Opener auf dem vierten Album "The Night Visitor" ist wunderbar stimmig, weil hier das nackte Saiteninstrument und der makellose Gesang Ternheims den eigenen Popentwurf bestimmen. Geschichten wolle sie mit dieser Platte zuallererst erzählen, ergänzt sie neuerdings allerorten – solche, die selbst ohne Melodien jeden Hörer an den Ohren packen und niemals wieder loslassen. Doch gelingt dies in der Praxis auch? Durchaus, denn es scheinen die richtigen Leute im Studio zu Gast gewesen zu sein: Matt Sweeney als Produzent, Will Oldham für den Backing-Gesang und Jerry Lee Lewis' Ziehsohn Jack Clement war ebenfalls mit von der Partie.
Anna Ternheim – "The Longer The Waiting, The Sweeter The Kiss"
Zusammen ist ihnen eine sehr traditionelle Platte gelungen, die den Geist von Sun Records atmet, amerikanische Songwriter-Traditionen pflegt und mit dem eigenem Schicksal auf wundersame Weise hadert: Wenn Ternheim beispielsweise versucht, die offensichtlich biographischen Züge ihrer Songs zu fiktiven Geschichten umzumünzen, wird es sogleich dunkel und jedwedes Licht knipst sich von ganz alleine aus. Vor allem das zerbrechliche "Bow Your Head" ist eine erdrückende Hommage an die Natur um uns und thematisiert, wie sehr wir die Unschuld der Umwelt mit Füßen treten. Freilich ist dies putzig und manchmal leicht unbeholfen – aber es wirkt ehrlich. So sehr sogar, dass einem diese Metapher im Anschluss oft vor Augen schwebt, "The Night Visitor" immer wieder ins Melancholische abtaucht und doch das kleine Quäntchen namens Glück nie aus den Augen verliert.
Der blumigen Vergleiche an dieser Stelle genug, denn leider schwirren trotz prominenter Unterstützung eine Handvoll Songs aus diesem maßgeschneiderten Universum heraus: Dann setzt es wieder die Streicher, die zu viel des Guten sind, die man gerne wegradieren möchte, weil klar ist, dass dieser oder jene Beitrag ohne das Klangkonstrukt besser funktionieren würde. Wobei solche Momente im Vergleich zum Vorgänger "Leaving On A Mayday" selten sind.

(Foto: Julia Hetta)
Knapp daneben ist im Falle von "The Night Visitor" lange nicht vorbei – reihenweise Künstler wären den Tränen nahe, wenn sie nur einen dieser Songs zustande bekommen würden und trotzdem hat man das Gefühl, Anna Ternheim fehlt zum ganz großen Wurf noch etwas: Die Nacht, sie sollte sie zum Tag machen – der Morgen danach, er wird Licht ins Dunkel bringen.
Marcus Willfroth
VÖ: 21.10.10
Label: Universal Music
Tracklist:
1. Solitary Move
2. The Longer The Waiting (The Sweeter The Kiss)
3. Lorelie - Marie
4. Ghost Of A Man
5. What Remains?
6. Bow Your Head
7. Walking Aimlessly
8. God Don't Know
9. Black Light Shines
10. All Shadows
11. Come To Bed
12. Dearest Dear

(Foto: Julia Hetta)
Ein Problem ihrer Songs war schon immer, dass Anna Ternheim – bei aller Fortüne – oftmals ins Gefällige abrutsche und die eigentlichen Qualitäten ihres Songwritings hinter opulenter Produktion teils vollkommen verschwanden. Dabei hat die tapfere Schwedin nicht nur die Stimme, sondern auch einen unheimlich guten Riecher für den perfekten Track – aber stets nur dann, wenn das Endergebnis genauso minimal klingt, wie es zuvor auf der Akustikgitarre im privaten Rahmen eingespielt wurde. Ihr letztes Werk liegt knapp drei Jahre zurück und nicht das "Leaving On A Mayday" schlecht war; nur hätte man es gern im Soundgewand des frühen, stark reduzierten Leonard Cohen gehört.
Diesen Gefallen tut sie einem nun irgendwie schon: Zumindest der Opener auf dem vierten Album "The Night Visitor" ist wunderbar stimmig, weil hier das nackte Saiteninstrument und der makellose Gesang Ternheims den eigenen Popentwurf bestimmen. Geschichten wolle sie mit dieser Platte zuallererst erzählen, ergänzt sie neuerdings allerorten – solche, die selbst ohne Melodien jeden Hörer an den Ohren packen und niemals wieder loslassen. Doch gelingt dies in der Praxis auch? Durchaus, denn es scheinen die richtigen Leute im Studio zu Gast gewesen zu sein: Matt Sweeney als Produzent, Will Oldham für den Backing-Gesang und Jerry Lee Lewis' Ziehsohn Jack Clement war ebenfalls mit von der Partie.
Anna Ternheim – "The Longer The Waiting, The Sweeter The Kiss"
Zusammen ist ihnen eine sehr traditionelle Platte gelungen, die den Geist von Sun Records atmet, amerikanische Songwriter-Traditionen pflegt und mit dem eigenem Schicksal auf wundersame Weise hadert: Wenn Ternheim beispielsweise versucht, die offensichtlich biographischen Züge ihrer Songs zu fiktiven Geschichten umzumünzen, wird es sogleich dunkel und jedwedes Licht knipst sich von ganz alleine aus. Vor allem das zerbrechliche "Bow Your Head" ist eine erdrückende Hommage an die Natur um uns und thematisiert, wie sehr wir die Unschuld der Umwelt mit Füßen treten. Freilich ist dies putzig und manchmal leicht unbeholfen – aber es wirkt ehrlich. So sehr sogar, dass einem diese Metapher im Anschluss oft vor Augen schwebt, "The Night Visitor" immer wieder ins Melancholische abtaucht und doch das kleine Quäntchen namens Glück nie aus den Augen verliert.
Der blumigen Vergleiche an dieser Stelle genug, denn leider schwirren trotz prominenter Unterstützung eine Handvoll Songs aus diesem maßgeschneiderten Universum heraus: Dann setzt es wieder die Streicher, die zu viel des Guten sind, die man gerne wegradieren möchte, weil klar ist, dass dieser oder jene Beitrag ohne das Klangkonstrukt besser funktionieren würde. Wobei solche Momente im Vergleich zum Vorgänger "Leaving On A Mayday" selten sind.

(Foto: Julia Hetta)
Knapp daneben ist im Falle von "The Night Visitor" lange nicht vorbei – reihenweise Künstler wären den Tränen nahe, wenn sie nur einen dieser Songs zustande bekommen würden und trotzdem hat man das Gefühl, Anna Ternheim fehlt zum ganz großen Wurf noch etwas: Die Nacht, sie sollte sie zum Tag machen – der Morgen danach, er wird Licht ins Dunkel bringen.
Marcus Willfroth
VÖ: 21.10.10
Label: Universal Music
Tracklist:
1. Solitary Move
2. The Longer The Waiting (The Sweeter The Kiss)
3. Lorelie - Marie
4. Ghost Of A Man
5. What Remains?
6. Bow Your Head
7. Walking Aimlessly
8. God Don't Know
9. Black Light Shines
10. All Shadows
11. Come To Bed
12. Dearest Dear
Links




