153 online
- Melt! Festival
- The Shins
- Michael Kiwanuka
- Various Artists
- Die Ärzte
- Santigold
- Tenacious D
- Hot Chip
- Totally Enormous Extinct Dinosaurs
- Greenville Festival
- Simian Mobile Disco
- Young Man
- Here We Go Magic
- Die Selbstkritik der Woche
- Dossier: Echo-Verleihung
- Grimes
- Nicolas Jaar
- MS Dockville
- Marbert Rocel
- Damon Albarn
- Sufjan Stevens
- iamamiwhoami
- We Are Augustines
- Enno Bunger
- Giana Factory
- Tanlines
- IAMDYNAMITE
- Soulsavers
- Best Coast
- Beach House
- Soulsavers
- Beyoncé
- 2Raumwohnung
- Adele
- SebastiAn
- Soko
- Wizo
- The Kooks
- Slipknot
- Abba
- Wolf Parade
- Neil Young
- The Ting Tings
- Taylor Swift
- Winson
- Jennifer Rostock
- The Last Shadow Puppets
- 1990s
- A
- Machine Head
- Basia Bulat
- Lil Wayne
- Annie
- Die Ärzte
- Katy Perry
- The Black Atlantic
- Wir sind Helden
- Angus & Julia Stone
- Simple Plan
- Mount Eerie
Arcade Fire
Arcade Fire: Alles nur Fassade
Mit der Grammy-Trophäe und zwei Brit-Awards im Gepäck präsentierten Arcade Fire auf der 61. Berlinale ihren im Verbund mit Spike Jonze inszenierten Kurzfilm „Scenes From The Suburbs“.

Während das illustre Publikum von Stars und Sternchen im renommierten Staples Center von Los Angeles noch verdutzt die Köpfe verdrehte, auf der Suche nach jemandem, der ihnen erklärt, wer denn diese unbekannten Gesichter auf dem Podium seien, die gerade Eminem, Lady Gaga und Katy Perry in der Kategorie „Album des Jahres“ auf die Plätze verwiesen, gab es zwei Tage später bei den Brit-Awards in London schon weit weniger Identifikationsprobleme seitens der geladenen Gäste.
Auch hier stachen die kanadischen Indie-Überflieger von Arcade Fire mit ihrem aktuellen Werk „The Suburbs“ die prominente Konkurrenz in der Abteilung „Album des Jahres“ gnadenlos aus. Das extra neu kreierte Design des Awards gefiel der Band um Sänger Win Butler scheinbar so gut, dass man gleich noch die Trophäe für die „Beste Band International“ mitnahm. Mit reichlich Lorbeeren auf dem Haupt und geschwollenen Schulterblättern vom tausendfachen Beklopfen der letzten Tage, machten sich Arcade Fire auf den Weg zur nächsten Großveranstaltung, um dort ihre Passion für einen anderen Kunstbereich neben der Musik darzubieten.
Die 61. Berlinale bot für dieses Unterfangen den idealen Rahmen. In der kanadischen Botschaft präsentierten die Aushängeschilder der Band, die Brüder Win und Will Butler, sowie die Gattin des Sängers Regine Chassagne den knapp hundert neugierigen Medienvertretern aus aller Herren Länder ihren von Spike Jonze inszenierten Kurzfilm „Scenes From The Suburbs“.

Will und Win Butler (v.l.n.r.) auf der Pressekonferenz in Berlin
Den Zuschauern zeigte sich ein halbstündiges schnellschnittiges Vorstadt-Apokalypse-Szenario untermalt mit musikalischen Ergüssen aus „The Suburbs“. Die visuelle Umsetzung des Album-Konzepts schlägt schon während der Vorstellung mittelhohe Wellen und sorgte für reichlich Getuschel unter den Journalisten.
Zum Inhalt: Die vermeintliche Vorstadt-Idylle einer Gruppe von Jugendlichen nimmt einen unerwartet verstörten Lauf, als sich zwischen entspannten BMX-Fahrten, Pumpgun-Streichen und wilden Partys die emotionalen Abgründe dieser Heile-Welt-Fassade auftun. Hinter den verschlossenen Türen der Protagonisten mixen sich familiäre Zwistigkeiten, Eifersucht und Orientierungslosigkeit zu einem lebensbedrohlichen Cocktail zusammen. Um dem surrealen Luftschlösschen endgültig den Garaus zu machen, schickt Regisseur Spike Jonze zum Schluss noch die bis an die Zähne bewaffnete Armee in die akkuraten Vorgärten.
Arcade Fire - "The Suburbs"
Es ist ein intensives Porträt eines gängigen Klischees mit autobiografischem Aufklärungsdrang der Verantwortlichen. Sänger Win war es nach eigenen Angaben ungemein wichtig, einen Kontrast zum allgemein gültigen Weltbild der amerikanischen „Suburbs“ darzustellen, was ja bereits textlich auf dem Album schon intensiv vollzogen wird. Der Film verleiht der Lyrik der Platte einen mehr als passenden Nachdruck.
Viele der anwesenden Gazetten-Schreiber warf das gezeigte Filmmaterial scheinbar sichtlich aus dem Konzept. Anders kann man sich Fragen wie: „Was haltet ihr vom neuen Projekt von Lady Gaga?“, „Freut ihr euch schon auf euer Kroatien-Konzert in diesem Jahr?“ oder „Was haltet ihr vom allmählichen Ableben des Musikfernsehens in der Schweiz?“ wohl kaum erklären. Die charmanten Musiker machten jedoch gute Miene zum bösen Spiel. Einzig City-Slang-Labelchef Christof Ellinghaus runzelte immer wieder die Stirn und bat des Öfteren um relevante Fragen zum Film.

Labelchef Ellinghaus, Regine Chassagne, Will Butler und Win Butler auf der Pressekonferenz in Berlin
Nicht nur die Mundwinkel von Herrn Ellinghaus zogen sich in die Höhe, als es dann doch noch zum Austausch von internen Informationen rund um den Kurzfilm kam. Die Idee zum Film entstand während der Aufnahmen zu „The Suburbs“, denen Spike Jonze als Freund der Band öfters beiwohnte. Die Butler-Brüder hegten schon immer den Wunsch, ihren cineastischen Kindheits-Helden wie beispielsweise Terry Gilliam in irgendeiner Art und Weise einmal Tribut zu zollen. Infolgedessen verschanzte man sich nach den Aufnahmen für knapp zwei Wochen in Texas, um mit Spike Jonze am Drehbuch zu feilen und das Projekt zu verwirklichen.
Nach Aussage von Win Butler sei das die intensivste Zeit seines Lebens gewesen, zumal er innerhalb dieser Tage noch seinen 30. Geburtstag feierte. Auf die Frage nach der größten Inspirationsquelle für das Werk, huldigte der mutmaßliche Kopf der Band nicht nur den Amateurschauspielern, die letztlich im Film zu sehen sind, sondern vor allem auch den 400 gecasteten Jugendlichen, die nicht zum Zuge kamen. Mit schonungsloser Offenheit berichteten die Heranwachsenden von ihren persönlichsten Erlebnissen ihres Lebens innerhalb der „Suburbs“ und lieferten so das emotionale Fundament für den Film.

„Scenes From The Suburbs“ wird nach der Berlinale noch auf einigen ausgewählten Festivals die Runde machen, bevor die DVD-Version dann voraussichtlich im Mai oder Juni 2011 veröffentlicht wird. Nach einer guten halben Stunde posierte das mittlerweile etwas müde wirkende Trio noch kurz für die Foto-Journaille und verschwand unter artigem Applaus der Anwesenden in Richtung Airport mit dem Ziel Montreal. Jetzt geht es nach Hause, um das Erlebte zu verarbeiten und den Akku wieder aufzutanken, bevor man sich im Frühjahr an die Arbeiten zum Nachfolgewerk von „The Suburbs“ macht. Die Pause haben sie sich spätestens nach dieser etwas aus dem Ruder gelaufenen Pressekonferenz auch verdient.
Text + Fotos: Kai Butterweck
Während das illustre Publikum von Stars und Sternchen im renommierten Staples Center von Los Angeles noch verdutzt die Köpfe verdrehte, auf der Suche nach jemandem, der ihnen erklärt, wer denn diese unbekannten Gesichter auf dem Podium seien, die gerade Eminem, Lady Gaga und Katy Perry in der Kategorie „Album des Jahres“ auf die Plätze verwiesen, gab es zwei Tage später bei den Brit-Awards in London schon weit weniger Identifikationsprobleme seitens der geladenen Gäste.
Auch hier stachen die kanadischen Indie-Überflieger von Arcade Fire mit ihrem aktuellen Werk „The Suburbs“ die prominente Konkurrenz in der Abteilung „Album des Jahres“ gnadenlos aus. Das extra neu kreierte Design des Awards gefiel der Band um Sänger Win Butler scheinbar so gut, dass man gleich noch die Trophäe für die „Beste Band International“ mitnahm. Mit reichlich Lorbeeren auf dem Haupt und geschwollenen Schulterblättern vom tausendfachen Beklopfen der letzten Tage, machten sich Arcade Fire auf den Weg zur nächsten Großveranstaltung, um dort ihre Passion für einen anderen Kunstbereich neben der Musik darzubieten.
Die 61. Berlinale bot für dieses Unterfangen den idealen Rahmen. In der kanadischen Botschaft präsentierten die Aushängeschilder der Band, die Brüder Win und Will Butler, sowie die Gattin des Sängers Regine Chassagne den knapp hundert neugierigen Medienvertretern aus aller Herren Länder ihren von Spike Jonze inszenierten Kurzfilm „Scenes From The Suburbs“.

Will und Win Butler (v.l.n.r.) auf der Pressekonferenz in Berlin
Den Zuschauern zeigte sich ein halbstündiges schnellschnittiges Vorstadt-Apokalypse-Szenario untermalt mit musikalischen Ergüssen aus „The Suburbs“. Die visuelle Umsetzung des Album-Konzepts schlägt schon während der Vorstellung mittelhohe Wellen und sorgte für reichlich Getuschel unter den Journalisten.
Zum Inhalt: Die vermeintliche Vorstadt-Idylle einer Gruppe von Jugendlichen nimmt einen unerwartet verstörten Lauf, als sich zwischen entspannten BMX-Fahrten, Pumpgun-Streichen und wilden Partys die emotionalen Abgründe dieser Heile-Welt-Fassade auftun. Hinter den verschlossenen Türen der Protagonisten mixen sich familiäre Zwistigkeiten, Eifersucht und Orientierungslosigkeit zu einem lebensbedrohlichen Cocktail zusammen. Um dem surrealen Luftschlösschen endgültig den Garaus zu machen, schickt Regisseur Spike Jonze zum Schluss noch die bis an die Zähne bewaffnete Armee in die akkuraten Vorgärten.
Arcade Fire - "The Suburbs"
Es ist ein intensives Porträt eines gängigen Klischees mit autobiografischem Aufklärungsdrang der Verantwortlichen. Sänger Win war es nach eigenen Angaben ungemein wichtig, einen Kontrast zum allgemein gültigen Weltbild der amerikanischen „Suburbs“ darzustellen, was ja bereits textlich auf dem Album schon intensiv vollzogen wird. Der Film verleiht der Lyrik der Platte einen mehr als passenden Nachdruck.
Viele der anwesenden Gazetten-Schreiber warf das gezeigte Filmmaterial scheinbar sichtlich aus dem Konzept. Anders kann man sich Fragen wie: „Was haltet ihr vom neuen Projekt von Lady Gaga?“, „Freut ihr euch schon auf euer Kroatien-Konzert in diesem Jahr?“ oder „Was haltet ihr vom allmählichen Ableben des Musikfernsehens in der Schweiz?“ wohl kaum erklären. Die charmanten Musiker machten jedoch gute Miene zum bösen Spiel. Einzig City-Slang-Labelchef Christof Ellinghaus runzelte immer wieder die Stirn und bat des Öfteren um relevante Fragen zum Film.

Labelchef Ellinghaus, Regine Chassagne, Will Butler und Win Butler auf der Pressekonferenz in Berlin
Nicht nur die Mundwinkel von Herrn Ellinghaus zogen sich in die Höhe, als es dann doch noch zum Austausch von internen Informationen rund um den Kurzfilm kam. Die Idee zum Film entstand während der Aufnahmen zu „The Suburbs“, denen Spike Jonze als Freund der Band öfters beiwohnte. Die Butler-Brüder hegten schon immer den Wunsch, ihren cineastischen Kindheits-Helden wie beispielsweise Terry Gilliam in irgendeiner Art und Weise einmal Tribut zu zollen. Infolgedessen verschanzte man sich nach den Aufnahmen für knapp zwei Wochen in Texas, um mit Spike Jonze am Drehbuch zu feilen und das Projekt zu verwirklichen.
Nach Aussage von Win Butler sei das die intensivste Zeit seines Lebens gewesen, zumal er innerhalb dieser Tage noch seinen 30. Geburtstag feierte. Auf die Frage nach der größten Inspirationsquelle für das Werk, huldigte der mutmaßliche Kopf der Band nicht nur den Amateurschauspielern, die letztlich im Film zu sehen sind, sondern vor allem auch den 400 gecasteten Jugendlichen, die nicht zum Zuge kamen. Mit schonungsloser Offenheit berichteten die Heranwachsenden von ihren persönlichsten Erlebnissen ihres Lebens innerhalb der „Suburbs“ und lieferten so das emotionale Fundament für den Film.

„Scenes From The Suburbs“ wird nach der Berlinale noch auf einigen ausgewählten Festivals die Runde machen, bevor die DVD-Version dann voraussichtlich im Mai oder Juni 2011 veröffentlicht wird. Nach einer guten halben Stunde posierte das mittlerweile etwas müde wirkende Trio noch kurz für die Foto-Journaille und verschwand unter artigem Applaus der Anwesenden in Richtung Airport mit dem Ziel Montreal. Jetzt geht es nach Hause, um das Erlebte zu verarbeiten und den Akku wieder aufzutanken, bevor man sich im Frühjahr an die Arbeiten zum Nachfolgewerk von „The Suburbs“ macht. Die Pause haben sie sich spätestens nach dieser etwas aus dem Ruder gelaufenen Pressekonferenz auch verdient.
Text + Fotos: Kai Butterweck
Links


