The Suburbs

Alben von Arcade Fire

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Mit "The Suburbs" legen Arcade Fire ein weiteres, groß inszeniertes Indie-Werk vor, welches aber nicht ganz an die beiden Vorgänger-Alben heran reicht. 

Was wurde ihr nicht entgegen gefiebert, dieser Platte. Sowohl Fans von Arcade Fire als auch Journalisten waren sich einig - da kommt etwas Großes auf uns zu. Und die Euphorie hatte vornehmlich zwei Gründe: „Funeral“, das brilliante Debütalbum der Band aus dem Jahre 2005 sowie den würdigen Nachfolger „Neon Bible“, welcher zwei Jahre später erschienen ist. Doch um es gleich vorweg zu sagen: Mit „The Suburbs“ erfinden Arcade Fire weder sich, noch den Indie-Rock und schon gar nicht das Rad neu. Und dennoch ist ihr Drittwerk ein großes Album geworden.

Es ist das Foto eines Freundes, welches Win Butler zum thematischen Background für „The Suburbs“ inspiriert. Aufgewachsen in einem Vorort von Houston, Texas, geht der spätere Arcade Fire-Frontmann seinen Weg über New York bis ins kanadische Montreal, wo sich die Band im Jahre 2002 gründet. Jeder kennt wohl das Gefühl, wenn es da mit 18 Jahren plötzlich eine Welt zu entdecken gibt und einen die Enge der heimatlichen Gefilden fast zu erdrücken scheint. Viele merken erst später, dass man ein Leben lang mit dem Ort seiner Kindheit verbunden bleibt. Besagtes Foto zeigt dann auch den Jugendfreund des Sängers, an der Mall des gemeinsamen Heimatortes, mit einem Kind auf dem Arm. Die Momentaufnahme scheint den Sänger ergriffen zu haben und so ist „The Suburbs“ eine Platte über Kindheitserinnerungen, Entwurzelung, Vergänglichkeit und die Reflexionen der Bandmitglieder über all das.

The Cities We Live In Could Be Distant Stars“ erklärt Win Butler in „Suburban War“ und meint damit wohl, dass es immer auf die Perspektive ankommt. Es gibt Gründe, warum man in einer bestimmten Stadt lebt, wobei man auch an einem ganz anderen Ort hätte landen können, von dem aus die eigene Stadt dann wiederum wie ein weit entfernter Stern erscheinen würde. Auch bei der Einordnung von „The Suburbs“ kommt es auf die richtige Perspektive an. Ließe man die Vorgeschichte von Arcade Fire einfach außen vor, hätte man hier nämlich schlichtweg ein tolles, abwechslungsreiches Indie Rock-Album. Im Kontext der herausragenden Vorgängeralben und der hohen Erwartungshaltung jedoch, konnte diese Platte nur für eine gewisse Ernüchterung sorgen.

Gerade der Opener und Titeltrack ist ein wenig fad geraten, wobei schon die drei anschließenden Songs „Ready To Start“, „Modern Man“ und „Rococo“ zu begeistern wissen. Vor allem bei Letztgenanntem ist es sofort wieder da, dieses „Arcade Fire-Gefühl“ - die Vielschichtigkeit des Sounds, diese Gänsehaut verursachenden Violinen-Motive und die orchestrale Ästhetik, zu welcher kaum eine andere Indie-Band neben Arcade Fire im Stande ist.

Das Faszinierende an diesem Album ist zudem, dass trotz der gewohnt pompösen Instrumentierung samt Synthies, Streichern, Piano und Akkordeon auch Songs zu entdecken sind, die so klingen, als wären sie in der Garage aufgenommen. Bestes Beispiel ist „Month Of May“, wobei das Stück dennoch nicht die Arcade Fire-übliche Detailverliebtheit vermissen lässt. Ein interessanter Gegensatz zu „Neon Bible“, für welches bekanntlich eine Kathedrale als Aufnahmeort herhalten musste. Jedoch gibt es auch einige Hänger auf „The Suburbs“, etwa „Wasted Hours“, ein Song, für den sich andere Bands zwar immernoch ein Bein ausreißen würden, der aber im Vergleich zu den Highlights des Albums ein wenig blass wirkt. In diesen Momenten wird dann auch deutlich, dass sich ein Album wie „Funeral“ nicht noch einmal aufnehmen lässt, welches vom ersten bis zum letzten Ton schlichtewg perfekt inszeniert war.

Die positivste Erkenntnis ist aber, dass Arcade Fire selbst dies am besten zu wissen scheinen. „The Suburbs“ versucht nämlich gar nicht erst, bereits Dagewesenes zu kopieren sondern verbindet die altbekannten Stärken der Band mit neuen frischen Ansätzen. Dabei ist kein weiterer Meilenstein des Indie Rocks herausgekommen, aber immernoch ein Album, das – um der späteren Reflexion auf „The Suburbs“ vorweg zu greifen - als eines der herausragenden musikalischen Werke des Jahres 2010 in Erinnerung bleiben wird.

Thomas Kasperski


VÖ:
30.07.2010

Label: Universal Music

Tracklist:

01. The Suburbs
02. Ready To Start
03. Modern Man
04. Rococo
05. Empty Room 
06. City With No Children
07. Half Light I 
08. Half Light II (No Celebration) 
09. Suburban War
10. Month Of May
11. Wasted Hours
12. Deep Blue
13. We Used To Wait
14. Sprawl I (Flatland)
15. Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
16. The Suburbs (Continued)
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MotherAllegra
MotherAllegra vor 663d 18h 

Kann man kaum besser zusammenfassen. Wäre da nicht die übergroße Erwartungshaltung, wäre The Suburbs eigentlich ziemlich gut. Nur ist "ziemlich gut" im Vergleich zu "monströs" (= Funeral) immer noch etwas wenig.

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