PRO & KONTRA: Suck It And See

Alben von Arctic Monkeys

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Laut war gestern: Arctic Monkeys schlagen mit dem neuen Album "Suck It And See" ein poppiges Kapitel ihrer Bandgeschichte auf. Was ist das nun: öde oder großartig? 

Die Arctic Monkeys sind zurück mit ihrem vierten Album "Suck It And See". Nachdem sich vorab schon die Gemüter ob des merkwürdigen Albumtitels und des spärlich gestalteten Covers erhitzten, liefert der Inhalt nicht weniger Diskussionsstoff. Daher ist "Suck It And See" für uns Anlass zu einer ganz subjektiven Betrachtung von zwei Seiten – PRO und KONTRA.

PRO
Nicht mit einer Schere in der Hand herumrennen, keine Geschäfte mit Grizzlybären eingehen, sich nicht hinsetzen, wenn Alex Turner den Stuhl weggenommen hat – die Arctic Monkeys zählen uns auf ihrem neuen Album erst einmal eine ganze Menge Dinge auf, die wir besser nicht tun sollten. „Don’t Sit Down 'Cause I’ve Moved Your Chair“ ist eine der großen Rocknummern auf ihrem neuen Album. Der fette Sound erinnert an den Vorgänger „Humbug“. Aber der Schein trügt, denn die neue Platte ist keine Weiterführung des Stoner-Rocks. Zwar hört man den damaligen Produzenten Josh Homme (Queens Of The Stone Age) im Hintergrund förmlich in die Hände klatschen, wenn die Arctic Monkeys ihre tiefen, bösen Riffs herausholen. Doch haben sich die Experimente von „Favourite Worst Nightmare“ und „Humbug“ nun in großartiges und wahrscheinlich erwachsenes Songwriting entwickelt.

Klar, ihre Musik ist anders als früher, aber nicht schlechter. Der Sound von „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ würde 2011 nicht mehr zur Band passen. Wer es wagt und sich nach „Suck It And See“ jenes erste Album anhört, merkt schnell die Unterschiede: Heute ist alles eingängiger, nicht mehr so frontal, mit weniger Energie und Schweiß, dafür mit mehr Zurückhaltung und Fußwippen. Alex Turners Gesang klingt nicht mehr gehetzt und vor allem „singt“ er wirklich. Damals hieß es noch „Get on your dancing shoes, you sexy little swine,“ heute eben „Put on your dancing shoes and show me what to do“ („All My Own Stunts“). Die ganzen Ecken und Kanten sind abgerundet. Und dennoch ist hier nichts glatt oder gar „überproduziert“.

Arctic Monkeys – "Brick By Brick"

Man könnte die zwölf Songs auf „Suck It And See“ in drei Kategorien einteilen. Da wären die ruhigen, balladenartigen Songs („She’s Thunderstorms“, „Love Is A Laserquest“), die bis auf einen nicht unbedingt hätten sein müssen. Dieser eine ist „Piledriver Waltz“ mit dem uns Turner ein neues „Mardy Bum“ geschrieben hat. Ein trauriger Bass, ein cleaner Sound und ein hallendes Gitarrensolo im Hintergrund der Chöre und die besonderen Texten („You look like you’ve been for breakfast at the Heartbreak Hotel and sat in the back booth by the pamphlets and literature on how to lose“) machen den Song zu der einen Ballade auf der Platte, die vollkommen gereicht hätte.

Dann wären da noch die leichten und luftigen Stücke, wie „Black Treacle“ oder „Reckless Serenade“. Da sind die Arctic Monkeys wieder eine junge Indieband, packen Hall auf ihre Gitarren, singen in eingängigen Melodien von „topless models“, „the type of kiss where teeth collide“ und „shalalala“ (um nicht ganz so verweichlicht und un-rock’n’roll zu klingen auch mal „fucking shalalala“). Außerdem die Kracher, die die Energie und Provokation von 2006 mit dem Rock von „Humbug“ verbinden („Brick By Brick“, „Library Pictures“). Da sollte also für jeden etwas dabei sein. „Suck It And See“ hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient als die zwei letzten Alben. Darauf sind Songs zu finden, die typisch und gleichzeitig innovativ für die Band sind, ihre Entwicklung zeigen und die Vergangenheit trotzdem nicht verraten - und uns außerdem nützliche Tipps für die Lebensgestaltung geben. Nicht vergessen: Don’t do the Macarena in the devil’s lair!

Laureen Kornemann

KONTRA 
Das Wichtigste zuerst: Arctic Monkeys wollen nicht mehr Arctic Monkeys sein. Sicher wird Frontmann Alex Turner noch immer von seinen drei Kumpanen flankiert, doch klingen die vier Jungs aus Sheffield nicht mehr wie noch zu Debützeiten, als sie mit ihrem 2006er „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ einen beträchtlichen Riss in der Indie-Platten-Tektonik hinterließen. Eine phonetische Veränderung sollte nicht per se als schlecht bezeichnet werden. Dass diese lapidare Deskription dennoch nicht zu kurz greift, offenbart bereits der Anti-Opener „She’s Thunderstorm“ – klangen die Monkeys jemals derart highschool-bandig? – und wird vom nachkommenden Songdutzend bestärkt: das vierte Studioalbum „Suck It And See“ ist ein schwankender Abgesang auf ihre musikalische DNA.

Mit „Brick By Brick“ entsendeten Turner & Co. vorab einen aufhorchenden Appetithappen. Zu Cream-igen Riffs und The Kinks–Hooks gesellen sich stumpfe, textliche Fauxpas wie „I wanna rock and roll“ – ein Track, der an das von Josh Homme mitproduzierte „Humbug“ erinnert. Hoffnung machte sich breit, sie würden nun mit 60er-Jahre-Vibes spielen, neue Ufer betreten, sich ausprobieren im experimentellen Komsos, denn nichts anderes verkündet ihr einfallsloser Albumtitel. Zwar ist die Mischung aus unlauten Midtempo-Nummer („Love Is A Laserquest“), überraschend pop-getränkten Tracks („Reckless Serenade“) und Indie-Blasen wie „Library Pictures“ keineswegs schlecht. Im Gemischtwaren-Laden tönt es nicht mehr nur mit einer Lautstärke. Es muss nicht immer diese Mitten-In-Die-Fresse-Attitüde sein, auch Besonnenheit gehört anno 2011 zu den arktischen Affen.

Arctic Monkeys – "Don't Sit Down 'Cause I've Moved Your Chair"

Doch mit dieser braven, Adoleszenz vorgaukelnden Innovationsscheu klopfen die Jungs nicht einmal an die falsche Tür. Eingängigkeit schimpft sich das heute. Glatt ist die Platte dennoch nicht, nur beliebig im Angebot. Mal in der Komfortzone, mal auf den Bühnen, die ihnen einst den Ruhm bescherten, zeigen die Briten nur selten Zähne. Dabei bricht sich eine nicht allzu neue, jedoch nun auch musikalisch unterstützte, Tendenz im Duktus des Turner’schen Schaffens Bahn: Wenn er beim Titeltrack tatsächlich seichte Gesangskünste präsentiert, mag die monotone Klanglandschaft es noch gewitzt kaschieren, doch mit Zeilen wie “That’s not a skirt, girl / that’s a sawn-off shotgun and I can only hope you’ve got it aimed at me“ sind Anleihen zum Schweine-Rock nicht zu verhehlen.

Dass sich dazu gleich eine Vielzahl an Liebeslieder mogelt, macht die Platte noch kurioser. Hier und dort besinnen sich die Herren auf ihre britischen Wurzeln („The Hellcat Spangled Shalalala“ oder „Piledriver Waltz“), doch imitieren sie, mehr oder weniger gekonnt, klassischen US-Rock. Dass hier Äpfel mit Birnen gleichgesetzt werden, zeigt „Don't Sit Down 'Cause I've Moved Your Chair“. Die Single will mit hard-rockigen Riffs ein bisschen auf böse machen, doch wenn Turners Stimme im jugendlichen Timbre dazustößt, sollte auch der letzte Anhänger merken, dass dieses Gewand eher ein wenig künstlich daherkommt. „Suck It And See“ ist beileibe kein schlechtes Album, nur fordert es nichts ein. Es ist ganz und gar kurzweilig: für den Moment nicht störend, doch wenn’s vorbei ist, vermisst man eben nichts.

Sebastian Weiss

: 03.06.2011

Label: Domino / Good To Go

Tracklist:
01 She’s Thunderstorms
02 Black Treacle
03 Brick by Brick
04 The Hellcat Spangled Shalalala
05 Don’t Sit Down ‘Cause I’ve Moved Your Chair
06 Library Pictures
07 All My Own Stunts
08 Reckless Serenade
09 Piledriver Waltz
10 Love Is A Laserquest
11 Suck It and See
12 That’s Where You’re Wrong



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Aha Uha vor 360d 18h 

Ich höre das neue Album, dann höre ich direkt danach "Whatever People say.." und dann vermisse ich die alten Monkeys.

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felix vor 363d 13h 

mup, ich habe keine Ahnung, was du immer mit deinen Fanboys willst. Ich bin keiner, und das KONTRA von Hr. Weiss wirkt auch nicht gerade AM-jubelnd. Demnach lass dir von einem Nicht-AM-Anhänger etwas sagen: Richtig, sie dürfen Genre mixen. Richtig, sie sollten auch nicht immer die Indie-Ecke bedienen. Dennoch: Das, was sie auf SIAS anbieten ist eben weniger AM als alles andere von ihnen. Du scheinst das gut zu finden. Ich nicht. Ich finde die Mucke eher beliebig, um den KONTRA-Text zu zitieren. Ideenarm, wenn du willst. Öde.

Aber wieauchimmer, ich glaube, dass diese PRO & KONTRA seinen zweck erfüllt, wenn wir uns hier "Streiten". Obschon du noch nicht wirklich erklärt hast, warum das album gut ist, finde ich, dass es doch insgesamt recht lagnweilig ist.

ps: ihr erwachsenstes album? Aber bitte, schau dir mal die texte an...

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mup vor 363d 16h 

Genau das verstehe ich nicht, wer sagt denn das sie ihr Leben lang britischen Indie spielen sollen?! Tut mir Leid, aber mich würde es dermaßen ankotzen, wenn sie nach FWN nochmal 2 Alben wie die ersten beiden gemacht hätten. Genre's kann man mixen. Deine Kritik kann ich nicht nachvollziehen, wirklich nicht. Meiner Meinung nach ein ganz großes Album, ihr erwachsenstes.
Mir gehen die Fanboys aufn Puffer die immer britischen Indie wollen nach den ersten 2 Alben, irgendwo reichts halt auch mal, wenns nach denen geht sollen sie immernoch über irgendwelche Jugendsünden aus Sheffield singen und nur Songs für die Disco schreiben....

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felix vor 363d 22h 

Ich sehe das Kontra schon, denn AM machen nun mehr Ami-Rock als ihren britischen Indie, der sie berühmt gemacht hat. Das darf auf jeden Fall kritisiert werden, denn Schweinerock'n'roll muss gekonnt und nicht nachgeahmt werden. Außerdem ist das Album wirklich unfassbar beliebig, wo ist der Faden, der Anspruch...das Ziel?

"Damals hieß es noch „Get on your dancing shoes, you sexy little swine,“ heute eben „Put on your dancing shoes and show me what to do“ („All My Own Stunts“)".....steht im PRO-Text. Dass ich nich lache, dass passt doch eher auf die CONTRA-Seite...

Naja, ein eher schwaches Album...leider...

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mup vor 364d 10h 

Also ich muss sagen, ich sehe das Kontra im Kontra nicht so ganz. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was jetzt wirklich schlecht sein soll von dem was geschrieben wurde :D
Die Arctic Monkeys sind entgültig erwachsen geworden und das ist sehr gut so...die fanboys schreien schon wieder "ahhh wo sind die alten Arctic Monkeys"....blablabla...wen interessierts :)

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sergey
sergey vor 364d 22h 

solo album!
Listen to music, whether on our wave! :-)

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Hugo vor 365d 14h 

Scheiss Album

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