"Black Francis brachte mir das Singen bei" - Art Brut im Interview

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Art Brut-Oberhaupt Eddie Argos plaudert im Interview über seinen prominenten Gesangslehrer, die Angst vor einem Song und seine grenzenlose Vorfreude.

Art Brut gehören spätestens seit der Veröffentlichung ihres Debüts "Bang Bang Rock & Roll" aus dem Jahre 2005 zu den Thronhäuptern der britischen New Wave Punk-Szene. Seither beglücken und verwirren der Kopf der Band, Eddie Argos, und seine vier Mitstreiter die Musikwelt mit Art-Punk auf Champions-League-Niveau und lyrischen Zweideutigkeiten. Vor allem die typisch britische "Tongue-In-Cheek-Haltung" innerhalb der Texte von Sänger Eddie Argos, sorgt bei fachkundigen Kritikern rund um den Erdball für reichlich Gesprächsstoff. Das ging sogar soweit, dass sich Pixies-Ikone Black Francis nach einigen Gigs mit dem Londoner Quintett ihrer annahm und auf dem 2009er-Werk "Art Brut VS. Satan" als Produzent der Band fungierte. Und weil das so gut funktionierte, entschieden sich beide Parteien auch für das am 20. Mai erscheinende Album "Brilliant!Tragic!" gemeinsame Sache zu machen. Art Brut-Mastermind und Aushängeschild der Band, Eddie Argos, wohnt mittlerweile in Berlin. Demzufolge war es für das sechste Familienmitglied der "Munsters" quasi ein Heimspiel, als wir uns mit ihm im Café des Ramones-Museums zum Interview trafen.

motor.de: Du wohnst mittlerweile in Berlin. Fühlst du dich wohl?

Eddie Argos: Absolut. Ich meine, schau dich um und sieh mich an. Da muss man sich wohl fühlen (lacht).

motor.de: (Die Bedienung reicht ihm gerade einen englischen Tee) Für eine obligatorische "Berliner Weiße mit Schuss" ist es aber noch zu früh?

Eddie Argos: Die hiesigen Gepflogenheiten werden noch verinnerlicht (lacht). Ein bisschen Heimat muss sein.

motor.de: Ok, lass uns über euer neues Album sprechen. Im Vorfeld gab es so einiges Amüsantes und Interessantes von dir darüber zu lesen. Stichwort: Gesang!

Eddie Argos: Oh ja, es hat sich so einiges verändert im Vergleich zu den letzten Alben.

motor.de: Das kann man wohl so sagen. Es stand zu lesen, dass du das allererste Mal richtig versucht hast zu singen. Wie kam es dazu?

Eddie Argos: Grundsätzlich kam die Idee von Black Francis (Produzent). Er hat mir buchstäblich das „Singen“ beigebracht.

motor.de: Hattet ihr einen "Gesangskurs" bereits im Vorfeld der Aufnahmen beschlossen?

Eddie Argos: Oh nein, das entwickelte sich erst während der Aufnahmen. Das war schon etwas bizarr für mich. Black Francis sagte irgendwann: "So Jungs, die Band kann gehen, Eddie bleibt noch hier." Und dann ging es los. Er hatte das Gefühl, aus meiner Stimme könne man noch wesentlich mehr rausholen. Wir saßen dann stundenlang über Gesangslinien und übten bis zum Erbrechen. Er gab mir etwas vor und ich versuchte es umzusetzen. Eine ungewöhnliche, verrückte aber dennoch sehr aufregende Erfahrung.

Art Brut - "Lost Weekend"

motor.de: Es heißt, er habe dir den Unterschied zwischen "singen" und "rappen" erklärt. Stimmt das?

Eddie Argos: (lacht) So in etwa. Er war der Meinung, dass sich mein Gesang in der Vergangenheit eher nach punkigem Rap anhörte.

motor.de: Das würde ich jetzt so nicht unterschreiben, aber dennoch finde ich, dass sich die Arbeit gelohnt hat, wenn du mir gestattest das zu sagen?

Eddie Argos:
Oh, vielen Dank. Ich bin ebenfalls höchst zufrieden. Es ist schon ein tolles Gefühl meine Stimme als vollwertiges Instrument zu sehen. Aber es war auch harte Arbeit. Manchmal stand Black Francis schon morgens um sieben Uhr auf der Matte, um Gesangslinien einzuüben. Aber es hat sich ausgezahlt.

motor.de: Ihr arbeitet jetzt zum zweiten Mal hintereinander mit Black Francis als Produzent zusammen. Wie fühlt ihr euch dabei?


Eddie Argos:
Großartig! Wir haben uns kennengelernt, als wir die Ehre hatten, mit den Pixies einige Shows zu spielen. Seitdem lässt er uns nicht mehr in Ruhe (lacht). Nein, im Ernst. Anfangs waren wir natürlich wie hypnotisiert. Er ist halt eine Ikone im Business. Dass jemand wie Black Francis einmal Art Brut mögen würde, klang für uns alle doch ziemlich befremdlich. Mittlerweile sind wir gut befreundet und das Arbeiten mit ihm fühlt sich großartig an. Die Tatsache, dass jemand wie Black Francis auf deine Musik steht, beflügelt natürlich ungemein und fördert das Selbstbewusstsein.

motor.de: Wie groß war denn insgesamt sein Einfluss?

Eddie Argos:
Also, beim Gesang sehr groß (lacht). Aber das Gros lag in unseren Händen. Ansonsten gibt er einem natürlich kleine Hinweise aufgrund seiner langjährigen Erfahrung. Er strahlt schon eine gewisse Dominanz aus. Bei den Pixies hält Francis nicht ohne Grund die Zügel in der Hand. Aber dadurch, dass wir bereits auf dem letzten Album mit ihm gearbeitet hatten, ging diesmal die Masse der Arbeit ziemlich einfach von der Hand. Wir konnten uns gut aufeinander einstellen und er ließ uns im Großen und Ganzen einfach machen.

motor.de: Ihr habt dem neuen Album nach "Art Brut Vs. Satan" mit "Brilliant! Tragic!" erneut einen recht kontroversen Titel verpasst. Inwieweit steckt da mittlerweile Methode dahinter?


Eddie Argos:
Methode würde ich vielleicht nicht sagen. Ich denke, dass der Titel genau das aussagt, was die Scheibe letztendlich beinhaltet: Brillantes und Tragisches.

motor.de: Wo steckt deiner Meinung nach die Tragik?

Eddie Argos: Es gibt einen Song, in dem ich über meine eigene Beerdigung singe. Das ist schon ziemlich tragisch, finde ich.

motor.de: Vor Allem, mit dem Wissen, ihn demnächst vielleicht jeden Abend live zu spielen?

Eddie Argos:
Genau, du sagst es. Davor graut es mir jetzt schon ein bisschen (lacht). Vielleicht sollte ich demnächst etwas längerfristiger denken, wenn ich mich an die Texte mache.

Art Brut - "Pump Up the Volume"

motor.de: Da wären wir schon beim Thema: Viele werden sich wohl wieder fragen, was Eddie Argos mit seinen Texten bezwecken will. Geht es dir mittlerweile auf die Nerven, dass die Leute versuchen, euch eure "Aufrichtigkeit" abzusprechen, indem sie euch als reine Ironie-Band katalogisieren?


Eddie Argos: Eigentlich nicht. Anfangs war ich noch sehr pikiert darüber und habe mich tierisch aufgeregt. Ich schreibe zwar einfach, aber ich komme auf den Punkt und nenne die Dinge beim Namen. Ich meine diese "Emily Kane-Geschichte" verfolgte mich noch lange Zeit nach der Veröffentlichung des Songs. Aber es gibt sie. Diese Frau ist echt und auch die Geschichte dazu ist echt. Und genauso verhält es sich auch mit den Inhalten auf dem neuen Album. Sie sind echt. Egal, ob es um Axl Rose, Ferienjobs oder meine Beerdigung geht (lacht).

motor.de: Im Sommer letzten Jahres habt ihr mit Spoiler Alert ein lustiges Nebenprojekt ins Leben gerufen. Drei Songs aus der Sicht von markanten Superhelden. Erwarten uns in Zukunft noch weitere "Superhero-Geschichten"?

Eddie Argos:
Oh, wir werden sehen. Mich hat das Konzept einfach fasziniert. Wir haben die Sachen in London aufgenommen, das war wirklich ein großer Spaß. Vielleicht treffen wir uns irgendwann wieder an der Themse und setzen das Projekt fort.

motor.de: Am 20. Mai kommt dann endlich euer neues Album in die Läden, gefolgt von einer ausgedehnten Tour. Du hast euch irgendwann als "Boozy-Band" bezeichnet, was auf Deutsch so viel wie "versoffen" heißt. Vor allem auf Tour geht es bisweilen schon hoch her bei euch. Macht dir die bevorstehende Tour deshalb eher etwas Angst oder regiert die Vorfreude?

Eddie Argos:
(lacht) Ich würde sagen, dass die Vorfreude auf jeden Fall überwiegt. Wir waren jetzt, glaube ich, seit fast zwei Jahren nicht mehr richtig auf Tour. Ich kann es kaum erwarten, bis es wieder losgeht. Wir haben das komplette Album vor kurzem in London live gespielt und es fühlte sich sehr gut an.


Interview: Kai Butterweck



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Benny vor 374d 4h 

Ich freu mich schon auf heute Abend im Levee und auf's Rocken am Brocken
fein fein fein wirds - mal sehen wie er diesmal live "singt" :-D

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