Oversteps

Alben von Autechre

Empfohlen von

  • Dieser Artikel wurde noch nicht empfohlen.

Diesen Artikel bei Facebook empfehlen:

Tags

Disharmonie und Polyrhytmik - Autechre präsentieren das neueste Ergebnis musikalischer Vektorenberechnung.

„Oversteps“ ist ein Einblick in die Welt der molekularen Klangforschung nach Sean Booth und Rob Brown und mittlerweile der zehnte Langspieler des Duos. Für ungeübte Ohren wirkt dieser ähnlich verstörend, wie ein Tafelwerk für einen Grundschüler. Wie beim Formelsammelsurium muss man auch den Umgang mit Autechre Stück für Stück erlernen. Wer diese Bereitschaft nicht mitbringt, wird hier keinen Zugang finden.


Beginnen wir beim Verständnis der Tracklist. Die Antwort ist hier so simpel wie komplex: Autechre belassen häufig die Tracks bei ihren Arbeitstiteln oder benennen sie nach verwendetem Equipment. Bei ihrer Klangformung helfen ihnen eine Reihe von Synthesizern und Samplern, die das Vordringen in unvorstellbare Sphären ermöglichen. Neben einer großen Auswahl an Musiksoftware erstellen Autechre für bestimmte Songs auch eigene Programme. Das Ergebnis dieser Frickelei sind Stücke, die "physikalische Formeln von Gas und Wasser simulieren", so Sean Booth selbst über seine Musik.

Autechre - "Gantz Graf" von der gleichnamigen EP (2002
)


Mit diesem Hintergrundwissen kann das Experiment beginnen. Es handelt sich bei dieser Platte um ein typisches Werk der Briten, das jedoch ruhiger geraten ist als sein Vorgänger. Ruhe bedeutet hier aber alles andere als Entspannung. Elektro à la Autechre bricht das Klischee der Tanzbarkeit und das schon seit eh und je: ihre Rhythmik ist geprägt von Offbeats und Taktwechseln, die häufig beinahe unbemerkt vom Zuhörer vernommen werden. Schöne Melodieverläufe, warme Klänge und Harmonie sind nicht vorhanden und haben hier auch nichts zu suchen. Der Zuhörer wird nicht unterhalten, er wird herausgefordert. Verstörende Dissonanzen, finstere Untertöne und nicht zu definierende Imitationen bekannt anmutender Klänge gilt es logisch zu ordnen, um sie verstehen zu können. "Oversteps" ist so verschachtelt, wie die Schaltkreise der Technik, mit der es erschaffen wurde. Hier einzelne Songs hervorzuheben, wäre müßig - aus einem Schaltkreis reißt man schließlich auch keine Bauteile heraus. Es bedarf einer großen Portion Einfühlungvermögen und höchster Konzentration, diese 70 Minuten Spielzeit wirklich zu verstehen und vor allem durchzuhalten, um am Ende seine Erleuchtung zu finden oder auch nicht - harter Tobak.

Seit 1987 zählt dieses Duo zu den speziellsten Interpreten des Avantgarde-Elektros. Das Werk "Gesang der Jünglinge", das aus der Feder des Komponisten Karlheinz Stockhausen stammt, ebnete bereits 1955 den Weg für diese experimentelle Klangforschung. Sowohl Stockhausen als auch Autechre kann man für verrückt erklären. Doch in Wirklichkeit steckt eine Wissenschaft hinter ihrem Schaffen, die es zu verstehen gilt. Den Musikgenuss kann man hier nicht erhören, sondern ihn sich nur erarbeiten. Oversteps - Quod erat demonstrandum.

Alex Beyer

VÖ: 19.03.10

Label: WARP Records

Tracklist:

01 - r ess
02 - ilanders
03 - known(1)
04 - pt2ph8
05 - qplay
06 - see on see
07 - Treale
08 - os veix3
09 - O=0
10 - d-sho qub
11 - st epreo
12 - redfall
13 - krYlon
14 - TYuop

Share/Bookmark

sergey
sergey vor 798d 6h 

 One of most prominent representatives of such genre as IDM, Intelligent Dance Music - «the Intellectual Dance music». However, where there «one of representatives»! Autechre is a cult, Autechre is sounds it is proud...

 

antworten

Kommentar schreiben

Dein Name:
Bitte den nebenstehenden Sicherheitscode hier eingeben: