Shotters Nation

Alben von Babyshambles

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Eine neue Karre torkelnder Piraten-Shantys vom verwunschenen Prinzen und seinen verwegenen Mitstreitern. Diesmal ganz hervorragend gelungen und gar nicht mal SO torkelnd: Das Desolate, Zersplitterte und schlichtweg Schlampige, zuletzt häufig mit Genialität verwechselt, macht einer stringenteren, erstaunlich fokussierten Herangehensweise Platz. Was man bei anderen Bands der Produktion von Stephen Street, dem angeblich mit einem hochdotierten Plattenvertrag - wie ihn die Babyshambles ja inzwischen haben - einhergehenden Zugänglichkeits-"Zwang" oder dem neuen Gitarristen Mick Whitnall zuschreiben würde, kann hier natürlich nicht gelten.
Oder kann sich irgendeiner Doherty im "Wir-hören-da-keine-Single-ihr-müsst-nochmal-ran"-Meeting vorstellen? Eben. Man ist ja froh, dass der Mann überhaupt noch zur Gitarre greift und wenn man sich auf ihn einlässt, dann auch auf seine "Regeln".

Insgesamt bestätigt das Babyshambles-Zweitwerk eine von uns ohnehin schon länger gehegte Vermutung: Die wirklich interessanten und essentiellen Dinge über Doherty erfährt man nicht aus den Zeitungen mit den großen Buchstaben und von ihm selbst - Interviews im Vorfeld von "Shotters Nation": keine - auch nur in seinen Songs. "The more that you follow me/ The more I get lost/ You think that you know me/ You're pissing me off/ Yeah you said that you love me why don't you fuck off?". Die Welt aus der Sicht und mit den Worten von Peter Doherty, den das zum Zitat gehörende "UnBilo Titled" mit seinen verzweifelt und ganz herzerweichend sirrenden Gitarren immer noch und endgültig als Englands versiertesten Songautor der Jetztzeit ausweist. Wegen solcher Songs hat man sein Leben einst bedingungslos dem Rock'n'Roll verschrieben und fragt sich höchstens alle paar Monate mal, ob das eine gute Entscheidung war und es nicht weit wichtigere Dinge auf der Welt gibt. Des Weiteren hagelt es klassischen britischen Pop voller Andeutungen und (Selbst-)Zitate: "Crumb Begging" lässt Van Morrisons "Gloria" und die Proto-Garagenrocker The Sonics anklingen, "UnStookie Titled" (das mit den Großbuchstaben mitten im Wort muss wohl so) "Fuck Forever". Nicht alles trifft ins Schwarze, aber wenn, dann richtig. So wie der Gossen-romantische Abschluss "The Lost Art Of Murder" (die Doherty hoffentlich nicht auch noch wiederzubeleben gedenkt!) mit Folk-, äh: Legende Bert Jansch.

Blenden Sie bitte für einen Moment die Meldungen der letzten Wochen und Monate aus und hören Sie einfach nur die Musik. Vielleicht hilft es auch, Folgendes dabei zu bedenken: Die ewigen Lieblinge der Authentizitätsfraktion im Rock, wie Keith Richards, Iggy Pop oder der minderbegabte Sid Vicious, möge sich mal bitte einer in der heutigen Medienwelt vorstellen - man würde sicher noch etwas öfter von Crack-rauchenden Katzen und ähnlich Obskurem hören. Diese Platte ist jedenfalls eine desperat blühende Schönheit inmitten des Absurden und uns ist es ziemlich egal, was Doherty noch alles so vor hat, so lange er nur hin und wieder solche Musik schreibt und aufnimmt.

Text: Torsten Groß


VÖ: 28. September 2007

Label: Parlophone (EMI)

Trackliste:
01.: Carry On Up The Morning
02.: Delivery
03.: You Talk
04.: Unbilo Titled
05.: Side Of The Road
06.: Crumb Begging
07.: UnStookie Titled
08.: French Dog Blues
09.: There She Goes
10.: Baddies Boogie
11.: Deft Left Hand
12.: Lost Art Of Murder
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