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Björk
Björk: Biophilia

Es ist ein Monster-Projekt, das sich im Frühsommer vor allem erstmal in den Feuilletons niederschlug. Björks "Biophilia"-Projekt wurde beim Manchester International Festival – das sich weniger als herkömmliches Popfestival, denn als Biennale zeitgenössischer Kunst und Musik begreift – zu Teilen live aufgeführt. Und zwar mit dem ganz großen Besteck: Chor, eigens entwickelte Instrumente, Animationen. Eigentlich gedacht ist "Biophilia" als eine Reihe von Apps, also strikt multimedial und mit einem hohen optischen und programmiererischem Aufwand erstellt. Die Idee, davon einfach nur ein "normales" Album zu veröffentlichen, mutet – wenigstens aus künstlerischen Gesichtspunkten – fast schon kühn an. Die Frage, die sich folgerichtig aufdrängt: "Funktioniert" dieses Werk auch ohne den technologischen Überbau, ohne die optische und multimediale Synthese, reduziert auf die als Songzyklus angelegte Musik?
Björk – "Crystalline"
Weitere Videos von Björk findet ihr auf tape.tv!
Man muss die Björk der Gegenwart mögen, um diese Frage mit "Ja" zu beantworten und man darf nicht all zu sattelfest in der Beurteilung des musikalischen Stands der Dinge sein. Es ist eine Björk, die sich zunehmend als tiefenwirksame Künstlerin begreift, die sich der simplen Zugänglichkeit immer mehr entziehen möchte. Auf "Biophilia" – es ist ihr achtes Soloalbum – kommt dies naturgemäß voll zum Tragen und es tut ihrer Musik nicht wirklich gut. Denn die eigentliche Crux von Björk ist, dass ihre musikalische Entwicklung nur ein Scheinfortschritt ist. Ihre Mittel sind nicht neu, schaffen es weder ernsthaft mit den wirklichen Avantgardisten – sagen wir mal aus der Neuen Musik – Schritt zu halten, denen sie sich ganz offensichtlich verbunden fühlen will. Manieriert wirkt das denn auch über weite Strecken, oft genug zu gewollt sperrig, allerdings ohne eine lohnenswerte Perspektive, mehr angestrengt als anstrengend, selbst wenn man gar nicht erwarten mag, so etwas wie eine Popmelodie zu hören, die es selbstverständlich nicht gibt.

Selbst das, was hier als musiktechnologischer Vorwärtsschritt gedacht ist, kann nur jemanden beeindrucken, der die letzten zehn Jahre elektronische Musik komplett ausgeblendet hat. Seien es beispielsweise die ästhetisch und strukturell streng durchdachten Soundscapes eines immer weiser agierenden Brian Eno oder die inzwischen fast schon soundphilosophischen Exkurse der aktuellen Dubstep- oder Postdubstep-Produzenten – sie sind diejenigen, die den Maßstab festlegen, der zwischen avanciert und altbacken unterscheidet. Bei Björk – in der Vorab-Single "Crystalline", in "Sacrifice" oder "Mutual Core", den immer noch am ehesten spannenden Stücken – bekommt man stattdessen als Höhepunkt der Track-Evolution einen fünfzehn Jahre alten Drum & Bass-Donner hingereicht, der – nun ja – ganz nett ist. Aber keineswegs mehr. Björk hat natürlich auch noch Pech: Denn wie man sich als Künstlerin auch abseits eines Pop-Mainstream-Gedankens positionieren kann, gegen den Strich der melodischen Gleichschaltung agiert und seine Exzentrik in den Dienst des Kunstwerks stellt – nicht wie Björk, die das genau andersherum handhabt –, hat PJ Harvey mit "Let England Shake" schon Anfang des Jahres aufgezeigt. "Biophilia" ist ein Riesenschritt weg von dieser Klasse.
Augsburg
VÖ: 7.10.2011
Label: One Little Indian / Universal
Tracklist:
1. Moon
2. Thunderbolt
3. Crystalline
4. Cosmogony
5. Dark Matter
6. Hollow
7. Virus
8. Sacrifice
9. Mutual Core
10. Solstice
Das Augsburg alles zerreißt, was Aussicht hat mehr 50000 Platten zu verkaufen dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein (-> Feist, RHCP, R.E.M., ...). Dass, das Ganze nicht immer sachlich abläuft, Überinterpretationen und Vermutungen hinzugezogen werden und die Rezension oftmals in eine Gesamtabrechnung mit dem Künstler ausartet bleibt als fader Beigeschmack.
Nur diese "Rezension" setzt dem Ganzen die Krone auf! Mein erster Gedanke war: „Welches Album rezensiert der grade?“
Das Album hat ebenso wenig mit der elektronischen Musik der letzten zehn Jahre zu tun, wie es nicht mit dem gefälligen Pop-Album von PJ Harvey vergleichbar ist (jedenfalls nicht auf die Art und Weise, wie sie es darstellen).
Zu guter letzt zieht mir ihre eigene Antwort auf die vorher aufgeworfene Frage dann entgültig die Schuhe aus. "... darf man nicht all zu sattelfest in der Beurteilung des musikalischen Stands der Dinge sein." Entschuldigung aber dem Leser, der ihrer Frage zustimmt pauschal musikalische Inkompetenz vorzuwerfen geht entschieden zu weit!
Lieber Augsburg vielleicht sollten Sie in Ihren Rezensionen etwas weniger polemisch und klein wenig sachlicher bleiben und vor allem nur zu Alben etwas schreiben, dessen künstlerische Intuition Sie glauben verstanden zu haben. Dies scheint mir hier nicht der Fall zu sein. (Vielleicht wollte Sie es auch gar nicht, sondern nur einen Verriss schreiben?)
Nicht die Gleichheit (zu anderen Alben ggf. von vor 15 Jahren) machen den Unterschied...
Ich werde mich mit ihren Veröffentlichungen in Zukunft jedenfalls noch kritischer auseinandersetzen.
P.S.: Gewiss kann man zu Biophilia zwei Meinungen haben, jedoch nicht auf die dargebotene Art und Weise.
ganz schön einseitig und augenscheinlich hat man nicht aufgepasst, dass björk sich nicht mit den letzten 10 jahren elektronischer musik messen muss, weil sie ihren ganz eigenen kosmos bildet. diese rezension zeigt mir, dass der autor nicht verstanden hat worum es bei biophilia geht.




auge hat völlig recht - und er wusste sicher, was er tut, wenn er eine ikone vom sockel zu stoßen versucht...
"biophillia" ist genau das, was auge beschreibt - ein überambitioniertes scheitern an den eigenen (björkschen) ansprüchen. und das darf doch durchaus auch mal passieren.
to.
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