Lux

Alben von Brian Eno

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Gerade so viele Noten, wie nötig – und sogar für den Schöpfer des Genres ein bisschen zu arg "ambient".

"Gewaltig viel Noten", krittelte der Legende nach Joseph II. an Mozarts "Die Entführung aus dem Serail", das Singspiel hatte er in Auftrag gegeben. "Gerade so viel Noten, als nötig sind", konterte der Jungstar selbstbewusst. Zu viele Noten, das ist ein Vorwurf, den Brian Eno auch der größte Banause nicht machen kann, schon gar nicht bei "Lux". Es ist das dritte Album in den bisher zwei Jahren auf dem legendären Warp-Label, sein erstes "Solo"-Werk seit 2005, also eines, das ohne Kooperationen und Zusammenarbeit mit Partnern und deren anderen als den eigenen musikalischen Einflüssen auskommen will. Man kann das direkt hören, eben an der noch weiter als bei Eno ohnehin schon auf die Spitze getriebenen Reduktion, die "Lux" vor allem ausmacht.

Dominiert werden die weitläufigen 75 Minuten vor allem durch eine großräumige Stille, in der jeder musikalische Akzent lange verfolgbar ist, viele Sekunden lang nachhallt; akustisch natürlich, mehr aber noch in der eigenen Wahrnehmung, die genügend Zeit hat, jeden Ton rundum zu begutachten. Die musikalische Entwicklung der vier unbenannten – allerdings mit einer grafischen Matrix dargestellten – Tracks kreist um wenige Klangtropfen, Pianoanschläge meist, im Verlauf mit diffus strukturierten, kargen Flächen unterlegt, die immerhin einen Hauch kontemplativer Wärme ausstrahlen.

Die Herausstellung des grafischen Charakters gehört dabei nicht nur zum, sie ist das Konzept. Als Fortführung seiner "Music for …"-Serie wirkt "Lux" wie ein sehr, sehr langsamer und gediegener Spaziergang durch eine gar nicht so imaginäre Ausstellung, deren Bilderwelt Eno gleich mitliefert. Es sind abstrahierende Variationen des Covermotivs, ein Experiment in leichten Verschiebungen von Farbe und Struktur, für den flüchtigen Blick leicht zu übersehen. Dass dieser Ansatz das Konzept von "Ambient" – immerhin kann man Brian Eno als dessen Erfinder bezeichnen – allerdings deutlich übererfüllt, lässt sich schwer von der Hand weisen.

Im Gegensatz zu den dann doch scharfkantig, gar schroff und mit gewisser Unberechenbarkeit agierenden Vorgängern, bleiben hier keine Ecken oder Kanten, an denen man zwischendurch aufschrecken könnte. Die pure Klangverliebtheit allein macht leider kein Meisterwerk aus, auch nicht bei einem, der außerhalb jeden Kitsch-Verdachts steht. So bleibt "Lux" reine L'art pour l'art, ein zwar konsequent ästhetisch durchhauchtes, dennoch verblüffend seelenloses Minimalismus-Experiment.


Jörg Augsburg

VÖ: 09.11.2012

Label: Warp / Rough Trade

Tracklist:
1. Lux 1
2. Lux 2
3. Lux 3
4. Lux 4

(Foto entnommen aus dem Album-Artwork, Warp Records) 
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