163 online
- Melt! Festival
- The Shins
- Michael Kiwanuka
- Various Artists
- Die Ärzte
- Santigold
- Tenacious D
- Hot Chip
- Totally Enormous Extinct Dinosaurs
- Greenville Festival
- Simian Mobile Disco
- Young Man
- Here We Go Magic
- Die Selbstkritik der Woche
- Dossier: Echo-Verleihung
- Grimes
- Nicolas Jaar
- MS Dockville
- Marbert Rocel
- Damon Albarn
- Sufjan Stevens
- iamamiwhoami
- We Are Augustines
- Enno Bunger
- Giana Factory
- Tanlines
- IAMDYNAMITE
- Soulsavers
- Best Coast
- Beach House
- Soulsavers
- Beyoncé
- 2Raumwohnung
- Adele
- SebastiAn
- Soko
- Wizo
- The Kooks
- Slipknot
- Abba
- Wolf Parade
- Neil Young
- The Ting Tings
- Taylor Swift
- Winson
- Jennifer Rostock
- The Last Shadow Puppets
- 1990s
- A
- Machine Head
- Basia Bulat
- Lil Wayne
- Annie
- Die Ärzte
- Katy Perry
- The Black Atlantic
- Wir sind Helden
- Angus & Julia Stone
- Simple Plan
- Mount Eerie
Coldplay
Coldplay: Mylo Xyloto
Coldplay ist längst die größte Konsensband des Planeten und wollen diesen Ruf nun mit Album Nummer Fünf untermauern. "Mylo Xyloto" möchte mehr von allem sein, vergisst darüber hinaus aber fast alle ehemaligen Stärken dieser Band.

(Foto: Sarah Lee, EMI)
Dass sich der alteingesessene Fan dann schon mal aufgrund der Abneigung von Erfolg oder ähnlichen Argumenten à la "Die sind Sellout" enttäuscht abwendet, ist normal. Die Leidensgeschichte des langjährigen Coldplay-Fans fällt in diesen Bereich. Die Band hat auf ihrem scheinbar mühelosen Weg von einer kleinen, netten Britpop-Band hin zum globalen Mega-Act den ein oder anderen Jünger hinter sich gelassen. Bei so einer Entwicklung kann eine Band ja fast nur verlieren. Und so spielt es sich mit dem Rücken zur Wand meist eh besser.
Gerade das letzte Mammutwerk "Viva La Vida Or Death And All His Friends" zeigte, dass der Band trotz Sprung an die Weltspitze, das Geschick einfühlsame und spannende Songs zu schreiben, nicht abhanden gekommen ist. Gute Songs bleiben gute Songs, egal ob sie fürs Schlafzimmer oder Fußball-Stadion geschrieben wurden. Doch was sollte nach diesem euphorisierten Werk noch folgen? Rückbesinnung auf alte Stärken? Experimentierfreude? Radikale Brüche? Am Ende ist es irgendwie weder das eine noch das andere. "Mylo Xyloto" will vielleicht Coldplays "Achtung Baby" sein oder zumindest die logische Weiterentwicklung des eingeschlagenen "Viva La Vida"-Weges, ist aber am Ende ein recht schales, über weite Strecken ideenloses und schlicht und ergreifend schwaches Sammelsurium an Coldplay-Songs, welches die Band in so bescheidener Form auf Albumlänge noch nie abgeliefert hatte.
Coldplay – "Every Teardrop Is A Waterfall"
Mehr Videos von Coldplay findet ihr auf tape.tv!
Dabei ist die Soundentwicklung letztendlich nicht unbedingt das Problem. "Mylo Xyloto" präsentiert sich noch glattpolierter, elektronischer und flächiger als der Vorgänger. Hochglanz-Pop, welcher – ganz im Sinne von Wieder-Mitproduzent Brian Eno – Weite vortäuschen will, am Ende aber die Songs als solche öfters erstickt. Und bei diesen Songs liegt die wirkliche Enttäuschung der Platte, denn die elf neuen Tracks – die drei kurzen Instrumentalstücke außen vor gelassen – können qualitativ kaum mit dem bisherigen Output der Band mithalten. Anfangs wiegt man sich noch auf der Gewinnerseite, denn das flotte "Hurts Like Heaven" und gerade "Charlie Brown" sind diese Coldplay-Pop-Songs, bei denen man im Radio nicht unbedingt wegschalten würde. Aber das sind dann auch schon die Highlights, danach fällt die Qualität deutlich ab.
Die ruhigen Lieder, wie "Us Against The World" oder "Up In Flames" sind belanglos. Die epischen Momente wie "Don't Let It Break Your Heart" hat man in dieser Form schon mal spannender gehört – alles wirkt verkrampft, zu voll gepackt mit Elementen, welche über die Schwäche der Songs hinwegtäuschen sollen. Und halt wie ein Abklatsch bisheriger Glanztaten. Sogar ein an sich schmissiges Stück wie "Major Minus" wurde so auf Hochglanz produziert, dass der ursprünglich sicher vorhandene Drive ziemlich verloren scheint. Die Summe der Teile will hier einfach nur bedingt zusammenpassen. Eventuell fühlt sich das Quartett um Chris Martin aufgrund der Erwartungshaltung genötigt, große Songs für ein Millionenpublikum zu schreiben. Doch wahre Größe misst sich nicht in der Anzahl der Audiospuren oder dem erhöhten Mitsing-Potential, sondern in guten, ehrlichen und gefühlvollen Songs. Auch textlich baut Martin nochmals ab. Die typischen "Ohs" und "Aahs" erscheinen diesmal noch zahlreicher und müssen öfters mal Textlücken überbrücken, siehe "Paradise" oder "Princess of China", ein Duett mit Rihanna. Allein die Wahl dieser Sangespartnerin dürfte genug Bände sprechen.
Coldplay – "Paradise"
Mehr Videos von Coldplay findet ihr auf tape.tv!
Zuviel billige Schauwerte, zu wenig Substanz. Haben Coldplay nun den letzten Rest Qualität irgendwo zwischen Mammutproduktionen, Grammys und Stadionshows auf dem Weg verloren? Denn so ist dieses Album leider der vorläufige und überraschende Tiefpunkt einer Band, bei der man stets dachte, sie hat das gewisse Etwas in ihren Songs, um Qualität und Quantität zu vereinen. Vielleicht muss ihnen irgendjemand mal die Augen öffnen und sie auf ihre alten Stärken besinnen. Oder sie wagen endlich mal einen radikalen Bruch in ihrem Soundgefüge. Dann kann sich der festgefahrene Coldplay-Karren vielleicht doch noch mal anstreben, alte und neue Fans gleichermaßen wieder positiv zu überraschen.
Norman Fleischer
VÖ: 21.10.2011
Label: Parlophone / EMI
Tracklist:
01. Mylo Xyloto
02. Hurts Like Heaven
03. Paradise
04. Charlie Brown
05. Us Against The World
06. MMIX
07. Every Teardrop Is A Waterfall
08. Major Minus
09. U.F.O.
10. Princess of China
11. Up In Flames
12. A Hopeful Transmission
13. Don’t Let It Break Your Heart
14. Up With The Birds

(Foto: Sarah Lee, EMI)
Dass sich der alteingesessene Fan dann schon mal aufgrund der Abneigung von Erfolg oder ähnlichen Argumenten à la "Die sind Sellout" enttäuscht abwendet, ist normal. Die Leidensgeschichte des langjährigen Coldplay-Fans fällt in diesen Bereich. Die Band hat auf ihrem scheinbar mühelosen Weg von einer kleinen, netten Britpop-Band hin zum globalen Mega-Act den ein oder anderen Jünger hinter sich gelassen. Bei so einer Entwicklung kann eine Band ja fast nur verlieren. Und so spielt es sich mit dem Rücken zur Wand meist eh besser.
Gerade das letzte Mammutwerk "Viva La Vida Or Death And All His Friends" zeigte, dass der Band trotz Sprung an die Weltspitze, das Geschick einfühlsame und spannende Songs zu schreiben, nicht abhanden gekommen ist. Gute Songs bleiben gute Songs, egal ob sie fürs Schlafzimmer oder Fußball-Stadion geschrieben wurden. Doch was sollte nach diesem euphorisierten Werk noch folgen? Rückbesinnung auf alte Stärken? Experimentierfreude? Radikale Brüche? Am Ende ist es irgendwie weder das eine noch das andere. "Mylo Xyloto" will vielleicht Coldplays "Achtung Baby" sein oder zumindest die logische Weiterentwicklung des eingeschlagenen "Viva La Vida"-Weges, ist aber am Ende ein recht schales, über weite Strecken ideenloses und schlicht und ergreifend schwaches Sammelsurium an Coldplay-Songs, welches die Band in so bescheidener Form auf Albumlänge noch nie abgeliefert hatte.
Coldplay – "Every Teardrop Is A Waterfall"
Mehr Videos von Coldplay findet ihr auf tape.tv!
Dabei ist die Soundentwicklung letztendlich nicht unbedingt das Problem. "Mylo Xyloto" präsentiert sich noch glattpolierter, elektronischer und flächiger als der Vorgänger. Hochglanz-Pop, welcher – ganz im Sinne von Wieder-Mitproduzent Brian Eno – Weite vortäuschen will, am Ende aber die Songs als solche öfters erstickt. Und bei diesen Songs liegt die wirkliche Enttäuschung der Platte, denn die elf neuen Tracks – die drei kurzen Instrumentalstücke außen vor gelassen – können qualitativ kaum mit dem bisherigen Output der Band mithalten. Anfangs wiegt man sich noch auf der Gewinnerseite, denn das flotte "Hurts Like Heaven" und gerade "Charlie Brown" sind diese Coldplay-Pop-Songs, bei denen man im Radio nicht unbedingt wegschalten würde. Aber das sind dann auch schon die Highlights, danach fällt die Qualität deutlich ab.
Die ruhigen Lieder, wie "Us Against The World" oder "Up In Flames" sind belanglos. Die epischen Momente wie "Don't Let It Break Your Heart" hat man in dieser Form schon mal spannender gehört – alles wirkt verkrampft, zu voll gepackt mit Elementen, welche über die Schwäche der Songs hinwegtäuschen sollen. Und halt wie ein Abklatsch bisheriger Glanztaten. Sogar ein an sich schmissiges Stück wie "Major Minus" wurde so auf Hochglanz produziert, dass der ursprünglich sicher vorhandene Drive ziemlich verloren scheint. Die Summe der Teile will hier einfach nur bedingt zusammenpassen. Eventuell fühlt sich das Quartett um Chris Martin aufgrund der Erwartungshaltung genötigt, große Songs für ein Millionenpublikum zu schreiben. Doch wahre Größe misst sich nicht in der Anzahl der Audiospuren oder dem erhöhten Mitsing-Potential, sondern in guten, ehrlichen und gefühlvollen Songs. Auch textlich baut Martin nochmals ab. Die typischen "Ohs" und "Aahs" erscheinen diesmal noch zahlreicher und müssen öfters mal Textlücken überbrücken, siehe "Paradise" oder "Princess of China", ein Duett mit Rihanna. Allein die Wahl dieser Sangespartnerin dürfte genug Bände sprechen.
Coldplay – "Paradise"
Mehr Videos von Coldplay findet ihr auf tape.tv!
Zuviel billige Schauwerte, zu wenig Substanz. Haben Coldplay nun den letzten Rest Qualität irgendwo zwischen Mammutproduktionen, Grammys und Stadionshows auf dem Weg verloren? Denn so ist dieses Album leider der vorläufige und überraschende Tiefpunkt einer Band, bei der man stets dachte, sie hat das gewisse Etwas in ihren Songs, um Qualität und Quantität zu vereinen. Vielleicht muss ihnen irgendjemand mal die Augen öffnen und sie auf ihre alten Stärken besinnen. Oder sie wagen endlich mal einen radikalen Bruch in ihrem Soundgefüge. Dann kann sich der festgefahrene Coldplay-Karren vielleicht doch noch mal anstreben, alte und neue Fans gleichermaßen wieder positiv zu überraschen.
Norman Fleischer
VÖ: 21.10.2011
Label: Parlophone / EMI
Tracklist:
01. Mylo Xyloto
02. Hurts Like Heaven
03. Paradise
04. Charlie Brown
05. Us Against The World
06. MMIX
07. Every Teardrop Is A Waterfall
08. Major Minus
09. U.F.O.
10. Princess of China
11. Up In Flames
12. A Hopeful Transmission
13. Don’t Let It Break Your Heart
14. Up With The Birds
Links




Tja, bei dieser Rezension wurde es genau auf dem Punkt gebracht: Dem alteingesessene Coldplay Fan wird mehr oder weniger der Rücken gekehrt. Das geht mir persönlich aber schon seit Viva La Vida so, obwohl das Album noch seine Stärken hatte. Vielleicht haben alle irgendwann genug von Coldplay oder Chris Martin selbst denkt sich, dass es das nicht sein kann. Dann bekommen wir vielleicht - und hoffentlich - so einen genialen Stilbruch wie es damals bei Blur war. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
antworten