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Crippled Black Phoenix
Crippled Black Phoenix: (Mankind) The Crafty Ape
Blöd: Die Menschheit ist korrupt und schlecht, eine Bewusstseinsrevolution muss her – Gut: Crippled Black Phoenix liefern den Soundtrack und sind damit besser denn je.

(Foto: Kara Rokita)
Was einst als One-Man-Show vom ehemaligen Drummer Justin Greaves startete, entwickelt sich nach und nach auch für Außenstehende ersichtlich zu einem wirklichen Bandgefüge. Schwer zu greifen bleibt diese Band-Hydra freilich noch immer. Die mäandernde Dunkel-Färbung, jene schwer zu lokalisierende, aber bleischwer über allem lastende Melancholie brachte ihrer Musik in der Vergangenheit schon journalistische Hechtsprünge wie Doom-Folk oder Stoner-Prog ein. Die Fortführung Cave'scher Endtime Ballads mit den Mitteln des Post-Rock? Im Kosmos dieser Briten alles denkbar. Dabei verstärkte das 2010 erschienene "I, Vigilante" nur noch den Eindruck, dass Crippled Black Phoenix sich selbst nie allzu ernst nehmen, ihre Musik hingegen umso mehr. Mit Album Nummer Fünf folgt jetzt die selbst proklamierte, kreative Krönung des eigenen Schaffens und das in Form einer Doppel-LP in drei Akten. Thema: Nicht mehr und nicht weniger als die Korrumpierbarkeit der menschlichen Spezies an sich, Ungerechtigkeit der existenziellsten Art und der grimmig grinsenden Fratze des schwarzen Humors, die über allem schwebt. In Worten: "Use your anger to creatively destroy your oppressors".
Crippled Black Phoenix - "Laying Traps"
Das immanente Spiel mit verstörenden Assoziationen und Ängsten gibt die Truppe um Zeremonienmeister Greaves auch auf diesem Langspieler nicht auf. Neben das schwache Attribut Post-Rock treten dabei erneut wie selbstverständlich Art-, Kraut- und Folkrock-Sprengsel; selbst spielerische Jazz-Ausflüge genehmigt man sich. King Crimson meets A Whisper In The Noise meets Black Sabbath? Das klingt absurd, ist hier aber bitterer Ernst. Rätselhaft bleibt, wie Crippled Black Phoenix es vermögen, all dies in ihren doch charakteristischen, Blues-getränkten Sound einfließen zu lassen.
Vom Sample/Bratgitarren-Intro "Nothing (We Are)" geht es schnurstracks über in die obligatorisch gewordene Pink Floyd-Reminiszenz namens "The Heart Of Every Country". So weit, so erwartbar; denn von solcherlei Ausflügen wurde man auch auf den letzten Releases schon in aller Herrlichkeit überrollt. Die Weiterentwicklung des gewachsenen Bandgefüges offenbart sich oftmals erst – das Klischee sei verziehen – bei genauerem Hinhören. So poltert das folgende "Get Down And Live With It" schon weitaus ungestümer, wenn auch nur geringfügig weniger episch um die Ecke. Wer mag, kritisiert die manchmal ziellos wirkenden Interludes wie "(In The Yonder March)", verfehlt damit aber den entscheidenden Punkt. Sind dies doch die einzigen blinden Flecke in der ansonsten glasklaren Erkenntnis: Crippled Black Phoenix haben sich erneut selbst überholt und stehen nun mächtiger und selbstsicherer vor einem. So gelingt es selbst dem epischen, im spacigen Fade-Out mündende "Faced With Complete Failure, Utter Defiance Is The Only Response" den Hörer eine Viertelstunde lang bei der Stange zu halten.
Crippled Black Phoenix - "A Letter Concerning Dogheads"
Doch über allem thront jener Höllenritt, der beim düsteren, staubtrockenen "A Letter Concerning Dogheads" beginnt, mit "The Brain/Poznan" den vielleicht stärksten Song platziert, den diese Formation je geschrieben hat, sich danach weiter in Rage rumpelt und erst mit "(What)" wieder zur Ruhe kommt. Währenddessen werden, unentwegt verschmitzt lächelnd, falsche Fährten gelegt – eine knappe halbe Stunde, im 70s-Blues-Wahnsinn sozialisierte, progressive Rock-Kost, groove-orientiert und mitreißend. Dieses Zentralmassiv macht auch vergessen, dass das 2009er "200 Tons Of Bad Luck" in der Dichte die besseren Songs besaß oder "I, Vigilante" die verstörendere Atmosphäre kreierte. Kompakter denn je und mit einer umwerfenden Produktion versehen, hieven sich Crippled Black Phoenix mit "(Mankind) The Crafty Ape" allen Ernstes erneut auf eine neue Stufe.
Zur Unberechenbarkeit dieser Band zählt leider auch noch immer das wie wahnsinnig rotierende Personal-Karussell, dem nun kurz vor Release Sänger Joe Volk zum Opfer fiel. So recht weiß man bei den Briten eben nie, woran man ist. Ihrer Leidenschaft jedoch, der haben sie mit diesen 15 Songs ein weiteres Denkmal gesetzt.
Henning Grabow
VÖ: 27.01.2012
Label: Mascot (Rough Trade)
Tracklist:
CD I:
Chapter I – A Thread
1. Nothing (We Are...)
2. The Heart Of Every Country
3. Get Down And Live With It
4. (In The Yonder March)
5. A Letter Concerning Dogheads
6. The Brain / Poznan
Chapter II – A Trap
7. Laying Traps
8. Born In A Hurricane
9. Release The Clowns
10. (What?)
CD II:
Chapter III – The Blues Of Man
1. A Suggestion (Not A Very Nice One)
2. (Dig, Bury, Deny)
3. Operation Mincemeat
4. We'll Never Get Out Of This World Alive
5. Faced With Complete Failure, Utter Defiance Is The Only Response

(Foto: Kara Rokita)
Was einst als One-Man-Show vom ehemaligen Drummer Justin Greaves startete, entwickelt sich nach und nach auch für Außenstehende ersichtlich zu einem wirklichen Bandgefüge. Schwer zu greifen bleibt diese Band-Hydra freilich noch immer. Die mäandernde Dunkel-Färbung, jene schwer zu lokalisierende, aber bleischwer über allem lastende Melancholie brachte ihrer Musik in der Vergangenheit schon journalistische Hechtsprünge wie Doom-Folk oder Stoner-Prog ein. Die Fortführung Cave'scher Endtime Ballads mit den Mitteln des Post-Rock? Im Kosmos dieser Briten alles denkbar. Dabei verstärkte das 2010 erschienene "I, Vigilante" nur noch den Eindruck, dass Crippled Black Phoenix sich selbst nie allzu ernst nehmen, ihre Musik hingegen umso mehr. Mit Album Nummer Fünf folgt jetzt die selbst proklamierte, kreative Krönung des eigenen Schaffens und das in Form einer Doppel-LP in drei Akten. Thema: Nicht mehr und nicht weniger als die Korrumpierbarkeit der menschlichen Spezies an sich, Ungerechtigkeit der existenziellsten Art und der grimmig grinsenden Fratze des schwarzen Humors, die über allem schwebt. In Worten: "Use your anger to creatively destroy your oppressors".
Crippled Black Phoenix - "Laying Traps"
Das immanente Spiel mit verstörenden Assoziationen und Ängsten gibt die Truppe um Zeremonienmeister Greaves auch auf diesem Langspieler nicht auf. Neben das schwache Attribut Post-Rock treten dabei erneut wie selbstverständlich Art-, Kraut- und Folkrock-Sprengsel; selbst spielerische Jazz-Ausflüge genehmigt man sich. King Crimson meets A Whisper In The Noise meets Black Sabbath? Das klingt absurd, ist hier aber bitterer Ernst. Rätselhaft bleibt, wie Crippled Black Phoenix es vermögen, all dies in ihren doch charakteristischen, Blues-getränkten Sound einfließen zu lassen.
Vom Sample/Bratgitarren-Intro "Nothing (We Are)" geht es schnurstracks über in die obligatorisch gewordene Pink Floyd-Reminiszenz namens "The Heart Of Every Country". So weit, so erwartbar; denn von solcherlei Ausflügen wurde man auch auf den letzten Releases schon in aller Herrlichkeit überrollt. Die Weiterentwicklung des gewachsenen Bandgefüges offenbart sich oftmals erst – das Klischee sei verziehen – bei genauerem Hinhören. So poltert das folgende "Get Down And Live With It" schon weitaus ungestümer, wenn auch nur geringfügig weniger episch um die Ecke. Wer mag, kritisiert die manchmal ziellos wirkenden Interludes wie "(In The Yonder March)", verfehlt damit aber den entscheidenden Punkt. Sind dies doch die einzigen blinden Flecke in der ansonsten glasklaren Erkenntnis: Crippled Black Phoenix haben sich erneut selbst überholt und stehen nun mächtiger und selbstsicherer vor einem. So gelingt es selbst dem epischen, im spacigen Fade-Out mündende "Faced With Complete Failure, Utter Defiance Is The Only Response" den Hörer eine Viertelstunde lang bei der Stange zu halten.
Crippled Black Phoenix - "A Letter Concerning Dogheads"
Doch über allem thront jener Höllenritt, der beim düsteren, staubtrockenen "A Letter Concerning Dogheads" beginnt, mit "The Brain/Poznan" den vielleicht stärksten Song platziert, den diese Formation je geschrieben hat, sich danach weiter in Rage rumpelt und erst mit "(What)" wieder zur Ruhe kommt. Währenddessen werden, unentwegt verschmitzt lächelnd, falsche Fährten gelegt – eine knappe halbe Stunde, im 70s-Blues-Wahnsinn sozialisierte, progressive Rock-Kost, groove-orientiert und mitreißend. Dieses Zentralmassiv macht auch vergessen, dass das 2009er "200 Tons Of Bad Luck" in der Dichte die besseren Songs besaß oder "I, Vigilante" die verstörendere Atmosphäre kreierte. Kompakter denn je und mit einer umwerfenden Produktion versehen, hieven sich Crippled Black Phoenix mit "(Mankind) The Crafty Ape" allen Ernstes erneut auf eine neue Stufe.
Zur Unberechenbarkeit dieser Band zählt leider auch noch immer das wie wahnsinnig rotierende Personal-Karussell, dem nun kurz vor Release Sänger Joe Volk zum Opfer fiel. So recht weiß man bei den Briten eben nie, woran man ist. Ihrer Leidenschaft jedoch, der haben sie mit diesen 15 Songs ein weiteres Denkmal gesetzt.
Henning Grabow
VÖ: 27.01.2012
Label: Mascot (Rough Trade)
Tracklist:
CD I:
Chapter I – A Thread
1. Nothing (We Are...)
2. The Heart Of Every Country
3. Get Down And Live With It
4. (In The Yonder March)
5. A Letter Concerning Dogheads
6. The Brain / Poznan
Chapter II – A Trap
7. Laying Traps
8. Born In A Hurricane
9. Release The Clowns
10. (What?)
CD II:
Chapter III – The Blues Of Man
1. A Suggestion (Not A Very Nice One)
2. (Dig, Bury, Deny)
3. Operation Mincemeat
4. We'll Never Get Out Of This World Alive
5. Faced With Complete Failure, Utter Defiance Is The Only Response
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