Distant Relatives

Alben von Damian "Jr. Gong“ Marley

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Damian Marley und Nas begeben sich auf die Suche ihres musikalischen Erbes ihrer "Distant Relatives" und werden in Afrika fündig.



Der Reggae- und Dancehallkünstler Damian "Jr. Gong" Marley bringt mit dem amerikanischen Rapper Nas das Collaborations-Album „Distant Relatives“ heraus, das ganz im Zeichen des afrikanischen Erbes der beiden Künstler steht. Schon einmal tat sich der jüngste Sohn Bob Marleys mit dem New Yorker Rapper Nas zusammen. 2005 war der 36-jährige auf dem Grammy-prämierten Album „Welcome To Jamrock“ vertreten und rappte auf „Road To Zion“. Mit der neuen Platte wollten die beiden Künstler nichts Geringeres als zu den Wurzeln des Reggaes und Raps vordringen und diese verbinden. Fündig wurden sie auf dem Schwarzen Kontinent, der bekanntlich als Wiege der Menschheit gilt.

Das ist auch das zentrale Thema des Albums - textlich und musikalisch. Während die Geschwister Marleys in die nicht auszufüllenden Roots-Reggae-Fußstapfen ihres Vaters treten, hat sich Jr. Gong schon immer ausgezeichnet als derjenige, dessen Stil ebenso vom jamaikanischen Toasting geprägt ist – dem Vorgänger des amerikanischen Raps.


Die erste Single „As We Enter“, ein Sample der äthiopischen Ethio-Jazz-Legende Mulatu Astatke, ist gleichzeitig auch der Opener des Albums und beweist, dass es sich hier um zwei Koryphäen in ihrem jeweiligen Genre handelt. Es geht um das Schicksal der Kolonisierung und Verschleppung der Schwarzen Einwohner, das auf einem hypnotischen Dancehall-Beat erzählt wird. Bei „Tribes At War“ überwiegen Djembe und afrikanische Gesänge, bis der somalisch-kanadische Rapper K'Naan, der momentan auf allen Kanälen mit der Coca-Cola-WM-Hymne "Wavin' Flag“ zu hören ist, über die Geschichte der afrikanischen Länder rappt, und gleichzeitig vor den gegenwärtigen Zuständen des Kontinents warnt:

Mindless violence / Well let me try to paint it / Here’s the 5 steps […] One! / It’s me and my nation against the world / Two! / Then me and my clan against the Nation / Three! / Then me and my farm against the clan / Four! / Then me and my brother we no hesitation / Go against the fam until they cave in / Five! / Now who’s left in this deadly equation? / […] It’s me against my brother / […] / And kill one another”.
Wie vielseitig "Distant Relatives" ist, zeigen Tracks wie  “Strong Will Continue”, bei dem Genres wie Reggae, HipHop, Rap, R'n'B und eine ordentliche Portion Pop vermischt werden, die in einem melodiösen Refrain gipfeln und von Chorgesängen mit Pianoklängen begleitet werden. Mystisch und urban wird es bei "Friends", bei dem Counscious-Rap mit afrikanischen Gesängen unterstützt wird - ganz im Stile von "Road To Zion". Nicht nur musikalisch und textlich zeigen die beiden Künstler ihre Vielfalt und Offenheit. Neben Halbbruder Stephen Marley, der bereits auf den letzten Alben Jr. Gongs mitgewirkt hat, wurden Samples vom Duo Amadou & Mariam aus Mali und der jamaikanischen Roots-Reggae-Legende Dennis Brown benutzt. Bei dem Gospelsong "My Generation" holten sich Marley und Nas die britische Sängerin Joss Stone und Lil Wayne als Unterstützung.


Den beiden Musikern gelingt es, mit ihrem Collabo-Album die Paradoxien des Schwarzen Kontinents darzustellen, ohne in Opferrollen-Klischees oder Heroisierung zu driften und als Prediger aufzutreten. Auf der einen Seite gibt es das große kulturelle Erbe und die Idee, dass Afrika der Anfang der Menschheit ist und auf der anderen Seite die grausame Geschichte der Einwohner, die ausgebeutet wurden und nun gegeneinander kämpfen. In "Africa Wake Up" bieten Marley und Nas einen kritischen Blick auf die Zukunft des Kontinents und verweisen auf die Gleichheit eines jeden Menschen - nicht nur in Afrika.


„Distant Relatives“ ist ein Konzeptalbum, dass auf die Afrikanische Diaspora zurückgreift – also alle Menschen afrikanischer Herkunft, die nicht auf dem Kontinent leben. Mit der vierten Studioplatte zeigt Jr. Gong, dass er sich nicht mit dem musikalischen Erbe seines übermächtigen Vaters messen muss. Ein Mix aus Dancehall, Roots Reggae, R’n’B, Pop und Gospel trifft auf sozialkritische Texte, der auf Dancehall-Brettern wie „As We Enter“ und „Dispear“ absolut tanzbar und Club-kompatibel ist. Aber auch afrikanische Instrumente und Gesänge sind vertreten, die so typisch für das große Vermächtnis des Mutterkontinents sind. Damian Marley und Nas bieten einen stolzen aber auch kritischen Blick auf Afrika und haben dabei eine Platte kreiert, die gehört und betanzt werden muss!

Geli Megyesi

VÖ: 14.05.2010

Label: Universal

Tracklist:
01. As We Enter
02. Tribes At War
03. Strong Will Continue
04. Leaders
05. Friends
06. Count Your Blessings
07. Dispear
08. Land Of Promise
09. In His Own Words
10. Nah Mean
11. Patience
12. My Generation
13. Africa Must Wake Up
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