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Deichkind
Deichkind: Befehl Von Ganz Unten
Zwischen Kunstprojekt und Klapsmühle: Die Hamburger Deichkind erteilen den "Befehl Von Ganz Unten" und liefern ein souveränes Feuerwerk zwischen Sozialkritik, bissiger Satire und blankem Unfug.

(Foto: Universal Music)
Schluss mit lustig, spätestens beim Tod sollte der Spaß aufhören – könnte man zumindest annehmen. Doch wie geht man mit dem Verlust eines geliebten Menschen um, wenn die eigene Daseinsberechtigung aus Krawall und Remmidemmi besteht? Als Anfang 2009 Sebastian Heckert, der langjährige Produzent der Hamburger Tech-Rapper Deichkind verstarb, stoppte der Irrsinn kurzzeitig. Heckert war der Architekt für die Emanzipation vom reinen Deutschrap. "Deichkind ist wichtiger als seine Protagonisten" meinte MC Philipp, seines Zeichens letztes verbliebenes Gründungsmitglied. Wer unter den Pyramiden-Helmen und der Müllsack-Haute Couture steckt, ist für das Phänomen Deichkind nicht mehr entscheidend. Die Show geht weiter, "Sebi" hätte es nicht anders gewollt.
Deichkind - "Bück Dich Hoch"
Mehr Videos von Deichkind auf tape.tv!
Formal und inhaltich bleiben Deichkind ihrer Linie treu – dabei lässt das neue Album den Hörer zu keinem Zeitpunkt daran zweifeln, das es der legitime Nachfolger des umjubelten Vorgängers "Arbeit Nervt!" sein möchte. Treibende Beats, knarzende Analog-Bassläufe und Synthesizer, die auch gern einmal die Grenze des guten Geschmacks hinter sich lassen. Mit den Eurodisco-Flächen der aktuellen Single "Bück Dich Hoch" kommt heutzutage nicht nur Lady Gaga herself durch. In Sachen Extravaganz könnten die Radaubrüder sowieso mit ihrer US-amerikanischen Kollegin mithalten, punkten aber zusätzlich noch mit ihren Texten. Einmal mehr sind Deichkind das unfreiwillige Sprachrohr der deutschen Gesellschaft. Sie analysieren, kritisieren und trivialisieren unseren schönen Staat dabei auf unnachahmliche Weise, "99 Bierkanister", der erste Song nach dem Intro, wird zur Republik-Rekapitulation auf Single-Länge. Der durch David Hasselhoff ausgelöste Mauerfall findet dabei ebenso Erwähnung, wie Steffi Grafs markante Nase – ein Vierteljahrhundert BRD zum Mitgröhlen. Und das ist thematisch erst der Anfang.
Der Egoismus unter den Menschen ("Egolution") steht natürlich auf der Themenagenda, ebenfalls unnötige, aber irgendwie schon schön anzuschauende Vergnügungsformen ("Leider Geil"), Starallüren ("Pferd Aus Glas") oder der Aufruf zur Internetpriaterie ("Illegale Fans"). Zu jedem Zeitpunkt machen sich Deichkind dabei die Kunst der Überspitzung zu nutze, treiben ihre Metaphern und Aussagen in rhetorische Höhen. Wie schon bei den Vorgänger-Werken kann sich der Konsument dabei zu keinem Zeitpunkt sicher darüber sein, wie ernst es die Protagonisten tatsächlich meinen. Wollen sie – als ja immer noch finanziell auf Einnahmen angewiesene Kunstschaffende auf einem Major Label – wirklich den Plattenfirmen den Krieg erklären oder persiflieren sie hier lediglich all jene, welche das Urheberrecht für überholt halten und dadurch versuchen, das Verbotene politisch zu legitimieren? Egal, wie man den getroffenen Aussagen gegenübersteht, zu einem gewissen Maße kann sich vermutlich jeder mit dem ein oder anderen Statement identifizieren – Musik für die Massen eben. Das wirkt dann vielleicht alles etwas weniger bildsprachlich als ein Song von Tocotronic oder PeterLicht, punktet aber mit koketter Eindeutigkeit.
Deichkind - "Illegale Fans"
Ernste Töne gibt es logischerweise kaum, "Der Mond" präsentiert sich als dezent melancholische Fortsetzung des Elektro-Schlagers "Luftbahn" und kann gern als Nachruf auf Hackert interpretiert werden. Ansonsten herrscht fröhliches Aufbegehren — nie wirklich ernst aber auch nie komplett schwachsinnig. Deichkind laufen den schmalen Grat zwischen Kunstprojekt und Klapsmühle weiter, lassen den Hörer am Ende allerdings fragend zurück: Was soll da zukünftig noch kommen? Derbster Punk-Rock wie beim abschließenden Song "Die rote Kiste" mit den deutschen Legenden Slime? So richtig kann man sich das alles nicht vorstellen. Für's Erste wird die gewaltige Maschinerie weiterlaufen und die Menschen auf den Bühnen der Republik in Staunen und Ekstase versetzen – Ziel erreicht, Messlatte auf stabiler Höhe gehalten.
Norman Fleischer
VÖ: 10.02.12
Label: Vertigo / Universal
Tracklist:
01. Tetrahedon
02. 99 Bierkanister
03. Befehl Von Ganz Unten
04. Leider Geil (Leider Geil)
05. Der Mond
06. Illegale Fans
07. Partnerlook
08. Bück Dich Hoch
09. Egolution
10. Pferd aus Glas
11. Der Strahl
12. Die Rote Kiste

(Foto: Universal Music)
Schluss mit lustig, spätestens beim Tod sollte der Spaß aufhören – könnte man zumindest annehmen. Doch wie geht man mit dem Verlust eines geliebten Menschen um, wenn die eigene Daseinsberechtigung aus Krawall und Remmidemmi besteht? Als Anfang 2009 Sebastian Heckert, der langjährige Produzent der Hamburger Tech-Rapper Deichkind verstarb, stoppte der Irrsinn kurzzeitig. Heckert war der Architekt für die Emanzipation vom reinen Deutschrap. "Deichkind ist wichtiger als seine Protagonisten" meinte MC Philipp, seines Zeichens letztes verbliebenes Gründungsmitglied. Wer unter den Pyramiden-Helmen und der Müllsack-Haute Couture steckt, ist für das Phänomen Deichkind nicht mehr entscheidend. Die Show geht weiter, "Sebi" hätte es nicht anders gewollt.
Deichkind - "Bück Dich Hoch"
Mehr Videos von Deichkind auf tape.tv!
Formal und inhaltich bleiben Deichkind ihrer Linie treu – dabei lässt das neue Album den Hörer zu keinem Zeitpunkt daran zweifeln, das es der legitime Nachfolger des umjubelten Vorgängers "Arbeit Nervt!" sein möchte. Treibende Beats, knarzende Analog-Bassläufe und Synthesizer, die auch gern einmal die Grenze des guten Geschmacks hinter sich lassen. Mit den Eurodisco-Flächen der aktuellen Single "Bück Dich Hoch" kommt heutzutage nicht nur Lady Gaga herself durch. In Sachen Extravaganz könnten die Radaubrüder sowieso mit ihrer US-amerikanischen Kollegin mithalten, punkten aber zusätzlich noch mit ihren Texten. Einmal mehr sind Deichkind das unfreiwillige Sprachrohr der deutschen Gesellschaft. Sie analysieren, kritisieren und trivialisieren unseren schönen Staat dabei auf unnachahmliche Weise, "99 Bierkanister", der erste Song nach dem Intro, wird zur Republik-Rekapitulation auf Single-Länge. Der durch David Hasselhoff ausgelöste Mauerfall findet dabei ebenso Erwähnung, wie Steffi Grafs markante Nase – ein Vierteljahrhundert BRD zum Mitgröhlen. Und das ist thematisch erst der Anfang.
Der Egoismus unter den Menschen ("Egolution") steht natürlich auf der Themenagenda, ebenfalls unnötige, aber irgendwie schon schön anzuschauende Vergnügungsformen ("Leider Geil"), Starallüren ("Pferd Aus Glas") oder der Aufruf zur Internetpriaterie ("Illegale Fans"). Zu jedem Zeitpunkt machen sich Deichkind dabei die Kunst der Überspitzung zu nutze, treiben ihre Metaphern und Aussagen in rhetorische Höhen. Wie schon bei den Vorgänger-Werken kann sich der Konsument dabei zu keinem Zeitpunkt sicher darüber sein, wie ernst es die Protagonisten tatsächlich meinen. Wollen sie – als ja immer noch finanziell auf Einnahmen angewiesene Kunstschaffende auf einem Major Label – wirklich den Plattenfirmen den Krieg erklären oder persiflieren sie hier lediglich all jene, welche das Urheberrecht für überholt halten und dadurch versuchen, das Verbotene politisch zu legitimieren? Egal, wie man den getroffenen Aussagen gegenübersteht, zu einem gewissen Maße kann sich vermutlich jeder mit dem ein oder anderen Statement identifizieren – Musik für die Massen eben. Das wirkt dann vielleicht alles etwas weniger bildsprachlich als ein Song von Tocotronic oder PeterLicht, punktet aber mit koketter Eindeutigkeit.
Deichkind - "Illegale Fans"
Ernste Töne gibt es logischerweise kaum, "Der Mond" präsentiert sich als dezent melancholische Fortsetzung des Elektro-Schlagers "Luftbahn" und kann gern als Nachruf auf Hackert interpretiert werden. Ansonsten herrscht fröhliches Aufbegehren — nie wirklich ernst aber auch nie komplett schwachsinnig. Deichkind laufen den schmalen Grat zwischen Kunstprojekt und Klapsmühle weiter, lassen den Hörer am Ende allerdings fragend zurück: Was soll da zukünftig noch kommen? Derbster Punk-Rock wie beim abschließenden Song "Die rote Kiste" mit den deutschen Legenden Slime? So richtig kann man sich das alles nicht vorstellen. Für's Erste wird die gewaltige Maschinerie weiterlaufen und die Menschen auf den Bühnen der Republik in Staunen und Ekstase versetzen – Ziel erreicht, Messlatte auf stabiler Höhe gehalten.
Norman Fleischer
VÖ: 10.02.12
Label: Vertigo / Universal
Tracklist:
01. Tetrahedon
02. 99 Bierkanister
03. Befehl Von Ganz Unten
04. Leider Geil (Leider Geil)
05. Der Mond
06. Illegale Fans
07. Partnerlook
08. Bück Dich Hoch
09. Egolution
10. Pferd aus Glas
11. Der Strahl
12. Die Rote Kiste
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geil.
(warum stimmt das captia nieeeee nieeeeee !!! arghhh)
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