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Dendemann
Dendemann: Vom Vintage verweht
„Stumpf ist Trumpf“ ist eine Botschaft, mit der man ganz gut leben kann. Wenn sie von Dendemann kommt.

„Stumpf ist Trumpf“ heißt also die durchaus repräsentative erste Wahrnehmung aus diesem neuen Dendemann-Album (und man glaubt auch dran, wenn man diesen Dendemann im Bild sieht), ein krasser Gegenentwurf zu „Dreieinhalb Minuten“, dem letzten Hit von vor vier Jahren immerhin, wenn man denn in Dendemann-Kategorien überhaupt von „Hit“ reden darf. „Verbrannte Erde wohin das Auge reicht, wir haben andere Werte, sind nicht genau geeicht“, hieß es damals und was soll man sagen, er hat Wort gehalten. Aber so ist das halt bei den grimmigen Zauberern, die plötzlich wieder aus der Flasche springen, der Wunsch wird geäußert und erfüllt, korrekt den Regeln nach, aber es gibt da noch den einen oder anderen Haken.
Der Haken diesmal ist sicher schwer zu schlucken, wenn man mit dem butterweichen Gefühls-Dendemann gerechnet hat. Der kommt nicht. Statt dessen gibt es die volle Kanne roughe Billig-Grime-Sounds, mit einer bis aufs Letzte ausgereizten Stimme, die ganz offensichtlich nie einen kompetenten Gesangsunterricht genossen hat und die selbst für Hamburger Verhältnisse praktisch unverstehbar formuliert, zumindest beim ersten Hören. Man müsste also schon sehr gutwillig sein, da genauer hinzuhören, wenn Dendemann nicht diesen offensichtlichen Nerv für einige Eckwörter hätte, die sich zwischen all dem rumpeligen – da kommen wir gleich drauf – Soundgehämmer behaupten können.
Wer sich einmal in einem Dendemann-Reim verfangen hat, kommt da nicht mehr los, diese kaputter denn je wirkende Stimme vermag es überdies mühelos, so etwas wie eine Linie in all die rüden Beats zu bringen, ist ein selbstverständlich dominierendes Instrument, degradiert all das Auf-die-Omme-Getrümmer zu einem hinreichenden Mittel zum Kopfnick-Zweck – was man immerhin so hierzulande auch noch nicht wirklich hören durfte in diesem Sektor– und frisst sich ganz unvermittelt mitten hinein ins Herz. Es mag also scheppern wie es will, dieses Album strahlt die Art von Wärme aus, die all die Xaviers dieser Welt immer suchen werden.
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Und jetzt zum Sound: Der ist wie gesagt nicht die feine Art, ist weit entfernt von sublimen Beatschraubereien, lässt kaum Platz für Zwischentöne und verabschiedet sich konsequent vom immer wieder gern genommenen HipHop-Gestus des Schöner-durch-Samples. Es wird ordentlich geknallt, Kopfnicken ist angesagt oder auch gleich Pogo. Das ist leicht misszuverstehen ob seiner Brutalo-Tiefergelegtheit, erreicht aber mühelos ein Level, das vielleicht nicht gerade Dizzee Rascal ist, aber immer noch hinreichend für jeden Dancefloor dieser Welt sein sollte. Das ist sehr viel mehr, als (außer Bo) jeder andere HipHop-Artist dieses Landes von sich behaupten darf. Und – das kann kein anderes Klopperalbum der Welt von sich sagen – es singt Dendemann.
Augsburg
VÖ: 09.04.2009
Label: Yo Mama
Tracklist:
01. Nesthocker
02. Stumpf Ist Trumpf 3.0
03. V.N.D.
04. O Robota
05. Und Wenn Ja, Warum?
06. Freie Radikale GbRdH
07. Tierisch
08. Petze
09. Metapher Than Leather
10. Es Geht Bergab
11. I'm A Record Junkie Und Zurück
12. Hörma!
13. Papierkrieg

„Stumpf ist Trumpf“ heißt also die durchaus repräsentative erste Wahrnehmung aus diesem neuen Dendemann-Album (und man glaubt auch dran, wenn man diesen Dendemann im Bild sieht), ein krasser Gegenentwurf zu „Dreieinhalb Minuten“, dem letzten Hit von vor vier Jahren immerhin, wenn man denn in Dendemann-Kategorien überhaupt von „Hit“ reden darf. „Verbrannte Erde wohin das Auge reicht, wir haben andere Werte, sind nicht genau geeicht“, hieß es damals und was soll man sagen, er hat Wort gehalten. Aber so ist das halt bei den grimmigen Zauberern, die plötzlich wieder aus der Flasche springen, der Wunsch wird geäußert und erfüllt, korrekt den Regeln nach, aber es gibt da noch den einen oder anderen Haken.
Der Haken diesmal ist sicher schwer zu schlucken, wenn man mit dem butterweichen Gefühls-Dendemann gerechnet hat. Der kommt nicht. Statt dessen gibt es die volle Kanne roughe Billig-Grime-Sounds, mit einer bis aufs Letzte ausgereizten Stimme, die ganz offensichtlich nie einen kompetenten Gesangsunterricht genossen hat und die selbst für Hamburger Verhältnisse praktisch unverstehbar formuliert, zumindest beim ersten Hören. Man müsste also schon sehr gutwillig sein, da genauer hinzuhören, wenn Dendemann nicht diesen offensichtlichen Nerv für einige Eckwörter hätte, die sich zwischen all dem rumpeligen – da kommen wir gleich drauf – Soundgehämmer behaupten können.
Wer sich einmal in einem Dendemann-Reim verfangen hat, kommt da nicht mehr los, diese kaputter denn je wirkende Stimme vermag es überdies mühelos, so etwas wie eine Linie in all die rüden Beats zu bringen, ist ein selbstverständlich dominierendes Instrument, degradiert all das Auf-die-Omme-Getrümmer zu einem hinreichenden Mittel zum Kopfnick-Zweck – was man immerhin so hierzulande auch noch nicht wirklich hören durfte in diesem Sektor– und frisst sich ganz unvermittelt mitten hinein ins Herz. Es mag also scheppern wie es will, dieses Album strahlt die Art von Wärme aus, die all die Xaviers dieser Welt immer suchen werden.
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Und jetzt zum Sound: Der ist wie gesagt nicht die feine Art, ist weit entfernt von sublimen Beatschraubereien, lässt kaum Platz für Zwischentöne und verabschiedet sich konsequent vom immer wieder gern genommenen HipHop-Gestus des Schöner-durch-Samples. Es wird ordentlich geknallt, Kopfnicken ist angesagt oder auch gleich Pogo. Das ist leicht misszuverstehen ob seiner Brutalo-Tiefergelegtheit, erreicht aber mühelos ein Level, das vielleicht nicht gerade Dizzee Rascal ist, aber immer noch hinreichend für jeden Dancefloor dieser Welt sein sollte. Das ist sehr viel mehr, als (außer Bo) jeder andere HipHop-Artist dieses Landes von sich behaupten darf. Und – das kann kein anderes Klopperalbum der Welt von sich sagen – es singt Dendemann.
Augsburg
Label: Yo Mama
Tracklist:
01. Nesthocker
02. Stumpf Ist Trumpf 3.0
03. V.N.D.
04. O Robota
05. Und Wenn Ja, Warum?
06. Freie Radikale GbRdH
07. Tierisch
08. Petze
09. Metapher Than Leather
10. Es Geht Bergab
11. I'm A Record Junkie Und Zurück
12. Hörma!
13. Papierkrieg
Links
kai-uwe.weser
vor 795d 3h
Dendemann ist und bleibt die rhetorische Speerspitze des Deutschrap, auch wenn ein am Stück hören des neuen Albums nicht empfehlenswert ist.
Ich würde dabei jedoch nicht von (Billig-)Grime sprechen - dafür mangelt es dann doch zu sehr an deepen Sounds aus diesem Jahrtausend. Es mutet vielmehr an, als hätte Dendemann lediglich das verstaubte "Licensed To Ill-Equipment" zur Verfügung gehabt, was für mich auch zum eindeutigen Schwachpunkt des Werkes führt: 13 Tracks die (fast ausschließlich) mit nem penetrant dreschenden Digi-Drumkit und Rock-Gitarren-Samples aufwarten und nicht gerade durch kompositorische Vielfalt glänzen.
Einem gerissenen Dende kann man mit der Kritik trotzdem nicht kommen, denn: Stumpf war ja Trumpf...






Kaufen, hören, ärgern. Welches Tätigkeitswort im Zusammenhang mit dem oben annoncierten 'Kunst'produkt den Kaufmann froh macht, soll der im Kaufhaus angestellte 'Kritiker' entscheiden - mit Kritik kann man allem und jedem begegnen: sie kommt dann aus ganzem und ehrlichem Herzen und sagt auch schon einmal 'Scheiße!'...
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