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Diazpora
Diazpora: Session II
Nach zehn Jahren Banddasein scheinen die acht Herren von Diazpora endlich die musikalische Adoleszenz erreicht zu haben. Eindrucksvoller Beweis: ihr drittes Werk "Session II".

(Foto: APA Promotion)
"Man muss sie fühlen — man muss sie mit jeder Faser und mit ganzem Herzen spüren", sagt die neue Soul- und Funk-Königin Sharon Jones. Dabei ist dieses Genre eigentlich alles andere als majestätisch. Der Funk mischte sich Mitte der 60er-Jahre aus der sich gegenseitig befruchtenden Gabelung Jazz, Blues, Gospel und bedeutet frei übersetzt "stinkig". Damit ist aber gar keine Kritik an der Qualität gemeint, die Bezeichnung kennzeichnet viel mehr die Spielart, die Platzierungen der Phrasierungen. Mit dem Aufkommen der Rockmusik wurde denn auch der Funk sexy. Die Stücke wurden körperlicher, aggressiver, aber auch lasziver. Und obwohl Altmeister wie James Brown eine Sonderstellung zufällt, hat der Gesang meist nur perkussive Funktion wie die Granden Funkadelic, Parliament oder Sly And The Family Stone bewiesen.
Diazpora - "High Times" (Live)
Das Hamburger Groove-Kollektiv Diazpora hat sich nun diesem Prinzip verschrieben. Auf ihrem neuen Album "Session II" scheinen sie nach nunmehr zehn Jahren musikalisch erwachsen geworden zu sein. Deutsch-Funk mit Lyrics? Die acht Herren sind sich der Tradition des Genres bewusst und konzentrieren sich alleine auf den Flow. Schon die ersten Takte von "New Beginning" lassen einem wohlige Schauer über den Rücken laufen. So stellt sich sofort das Gefühl ein, als säßen Karl Malden und Michael Douglas neben einem, im exorbitanten Amischlitten natürlich, während man auf den Straßen San Franciscos auf Gangsterjagd geht. Der Groove, den die Platte verströmt, ist rau, verschwitzt und ungemein unverschämt.
Sexy-lasziv zerren Saxophon und der gezupfte Kontrabass an jedem Strang im Leibe. Unwillkürlich fängt der Körper an, sich zu bewegen, dem Rhythmus zu folgen und man denkt bei "Moscow Mule" schon, man wäre in einem verruchten Kellerclub in New York. Es wabert eine Dunstwolke aus Alkohol, Zigarettenqualm und viel zu oft geatmeter Luft umher und der Hörer begreift, dass hier der Platz ist, eine Nacht zu verbringen. Tanzen, trinken, rauchen — oder einfach das Leben genießen — dafür steht die dritte Platte des Oktetts.
Diazpora - "Funk Ain't Sitcom" (live)
Die Hansestädter verzichten dabei dieses Mal komplett auf Gesang, und man möchte sie fragen, warum nicht gleich so? Klar, vorher wurde bereits mit bekannten Namen wie Rapper Samy Deluxe oder Reggae-Ikone Ray Darwin gearbeitet, doch die einstweilige Abkehr von Elementen wie Elektro, Hip Hop oder Rock hin zu den jazzig-souligen Wurzeln der Musik tut der Platte unheimlich gut.
Das liegt daran, dass der Achter seinem Longplayer – dank klassischen Live-Aufnahmetechniken – eine unglaublich frische, unverbrauchte und nicht kaputt produzierte Klangfarbe verpasst hat, die vor Coolness nur so strotzt. Und so erzählt der Langspieler denn auch ohne ein einziges gesungenes Wort Geschichten, die irgendwie von Pimps handeln, von Frauen, von Erotik, von all den Storys, die sich in einer verregneten Nacht in einer Großstadt ereignen können.
Heiko Saul
VÖ: 03.02.2012
Label: Enorme Tonträger
Tracklist:
01. New Beginning
02. Moscow Mule
03. High Times
04. The Flu
05. Non Sports
06. Session II
07. Kate
08. We Do Dat
09. Here & Now
10. Funk Ain't Sitcom
11. Mm-Mhm

(Foto: APA Promotion)
"Man muss sie fühlen — man muss sie mit jeder Faser und mit ganzem Herzen spüren", sagt die neue Soul- und Funk-Königin Sharon Jones. Dabei ist dieses Genre eigentlich alles andere als majestätisch. Der Funk mischte sich Mitte der 60er-Jahre aus der sich gegenseitig befruchtenden Gabelung Jazz, Blues, Gospel und bedeutet frei übersetzt "stinkig". Damit ist aber gar keine Kritik an der Qualität gemeint, die Bezeichnung kennzeichnet viel mehr die Spielart, die Platzierungen der Phrasierungen. Mit dem Aufkommen der Rockmusik wurde denn auch der Funk sexy. Die Stücke wurden körperlicher, aggressiver, aber auch lasziver. Und obwohl Altmeister wie James Brown eine Sonderstellung zufällt, hat der Gesang meist nur perkussive Funktion wie die Granden Funkadelic, Parliament oder Sly And The Family Stone bewiesen.
Diazpora - "High Times" (Live)
Das Hamburger Groove-Kollektiv Diazpora hat sich nun diesem Prinzip verschrieben. Auf ihrem neuen Album "Session II" scheinen sie nach nunmehr zehn Jahren musikalisch erwachsen geworden zu sein. Deutsch-Funk mit Lyrics? Die acht Herren sind sich der Tradition des Genres bewusst und konzentrieren sich alleine auf den Flow. Schon die ersten Takte von "New Beginning" lassen einem wohlige Schauer über den Rücken laufen. So stellt sich sofort das Gefühl ein, als säßen Karl Malden und Michael Douglas neben einem, im exorbitanten Amischlitten natürlich, während man auf den Straßen San Franciscos auf Gangsterjagd geht. Der Groove, den die Platte verströmt, ist rau, verschwitzt und ungemein unverschämt.
Sexy-lasziv zerren Saxophon und der gezupfte Kontrabass an jedem Strang im Leibe. Unwillkürlich fängt der Körper an, sich zu bewegen, dem Rhythmus zu folgen und man denkt bei "Moscow Mule" schon, man wäre in einem verruchten Kellerclub in New York. Es wabert eine Dunstwolke aus Alkohol, Zigarettenqualm und viel zu oft geatmeter Luft umher und der Hörer begreift, dass hier der Platz ist, eine Nacht zu verbringen. Tanzen, trinken, rauchen — oder einfach das Leben genießen — dafür steht die dritte Platte des Oktetts.
Diazpora - "Funk Ain't Sitcom" (live)
Die Hansestädter verzichten dabei dieses Mal komplett auf Gesang, und man möchte sie fragen, warum nicht gleich so? Klar, vorher wurde bereits mit bekannten Namen wie Rapper Samy Deluxe oder Reggae-Ikone Ray Darwin gearbeitet, doch die einstweilige Abkehr von Elementen wie Elektro, Hip Hop oder Rock hin zu den jazzig-souligen Wurzeln der Musik tut der Platte unheimlich gut.
Das liegt daran, dass der Achter seinem Longplayer – dank klassischen Live-Aufnahmetechniken – eine unglaublich frische, unverbrauchte und nicht kaputt produzierte Klangfarbe verpasst hat, die vor Coolness nur so strotzt. Und so erzählt der Langspieler denn auch ohne ein einziges gesungenes Wort Geschichten, die irgendwie von Pimps handeln, von Frauen, von Erotik, von all den Storys, die sich in einer verregneten Nacht in einer Großstadt ereignen können.
Heiko Saul
VÖ: 03.02.2012
Label: Enorme Tonträger
Tracklist:
01. New Beginning
02. Moscow Mule
03. High Times
04. The Flu
05. Non Sports
06. Session II
07. Kate
08. We Do Dat
09. Here & Now
10. Funk Ain't Sitcom
11. Mm-Mhm
Links
Andreas Stephan
vor 113d 19h
Diazpora - einfach nur genial





Schöner Review!
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