TEN$ION

Alben von Die Antwoord

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Dekonstruktion meets Trash – das südafrikanische Trio führt seine zielgerichtete Mission weiter. Mit den Prinzipien Übertreibung, Provokation und den Mechanismen der Popkultur gelingt ihnen der Spagat zwischen Verstörung und Reflexion.

(Foto: Kobus Holnaaier)

Vorab hieß es, Die Antwoord möchten mit dem Album den "Moment, die Kraft und Energie" von "$O$" halten. Soviel vorweg: Die Südafrikaner übertreffen mit dem neuen Langspieler "TEN$ION" ihren Erstling. Sie verwischen Genregrenzen oder zerstören sie ganz — vielleicht waren sie nie ein Thema, denn das, was sich daraus entwickelt, funktioniert. Es entsteht ein musikalischer Kosmos, für den die Worte fehlen. Für die Formation um Yo-Landi Vi$$er, Ninja und DJ Hi-Tek ist es schlichtweg: Pop. 
 
Die Platte beginnt und endet mit dem Mantra "Never Le Nkemise". Es erinnert an Gesänge, wie sie von afrikanischen Ritualen stammen könnten und baut eine spirituelle Atmosphäre auf. Was die genaue Aussage dieser Worte ist, bleibt uns verborgen. Der Hörer wird auf eine Reise in das eigene Bewusstsein mitgenommen. Ist er einmal im Klang verloren, wird er wachgerüttelt durch beatlastige, kräftige Vocals oder mit Stille – beides wirkt verstörend. Die Antwoord sind dabei – im Zuge ihres Erfolgs – eine Religion zu konstituieren, die sich durch ihr gesamtes Kunstprojekt zieht und weiterentwickelt. In Anbetracht der Fans ist es nicht ganz abwegig: Es gibt jene, die die Band verehren und solche, die sie hassen oder denen das alles einfach egal ist. Der tiefere Sinn des Projekts ist nicht zu greifen, versucht man es doch und denkt ihn gefunden zu haben, ist es doch nur eine Luftblase, die zerplatzt. Es ist absurd zu erwarten, alles zu verstehen. Es wird dekonstruiert, verwischt und übertrieben.

Die Antwoord - "I Fink U Freeky"

Die Inspiration und damit die Ursache ihres Schaffens ist ihre Vergangenheit und Herkunft. So werden die Texte stellenweise überraschend persönlich, besonders im Song "So What": "Rapped for 20 years, never made a cent / Borrowed money from my mom to pay the rent / Now how'm I gonna get out of this mess / Yo-Landi shows me two stripes on the fucking piss-test / Broke-ass Ninja gonna be a daddy / Little baby Ninja gonna need some nappies". Selten jedoch so vordergründig, denn es geht nicht um sie selbst. Ganz Afrika steht im Fokus – die Politik, Apartheid, die Menschen und ihr Leben. Das gesamte Projekt ist ein Aufruf und der Empfänger ist die Welt. Ihre Musik wirkt als intelligent durchdachtes Sprachrohr, um aufzuklären, zu kritisieren und doch nicht belehrend zu wirken. So bleibt es für die einen nur Partysound, für die anderen ist es mehr: Kunst, die zur Interpretation einlädt – gar auffordert. Die Selbstdarstellung ist dabei das wichtigste Instrument, um erkannt und hinterfragt zu werden.

Obwohl die Geschichten noch immer mit wabernden Beats, Gangsta-Attitüde und gepitchten Pop-Einlagen präsentiert werden, muten sie ihrem Sound mehr zu. Beats, die von den Neptunes produziert sein könnten ("Zefside Zol"), Hip Hop-Samples der 60er Jahre ("Hey Sexy"), Rap-Parts à la Eminem 
("Never Le Nkemise") und Dance-Trance-Hymnen sowie Pop-Melodien der 90er. Überhaupt erinnert viel an die Chart-Musik der Vergangenheit. Sollte sich aber dem Mainstream genähert werden, wird dieser im nächsten Moment in seine Einzelteile zerlegt – Dekonstruktion meets Trash.
 
Die Antwoord - "Fok Julle Naaiers"

Um diese Platte produzieren zu können, haben sie auf den Major-Deal von Interscope verzichtet und ihr Album auf ihrem eigenen Label Zef Recordz veröffentlicht. Grund genug, diese Band ernst zu nehmen. Wer das letzte Album zu schätzen wusste, wird von diesem überwältigt sein. Wer seine Zweifel hat, wird diese auch jetzt nicht loswerden. Ein Werk, das spaltet, doch nur so funktionieren die Mechanismen der aktuellen Popkultur und das Trio weiß, sie zu nutzen. 
 
 
René Tauschke

VÖ: 03.02.2012

Label: Cooperative Music/Universal

Tracklist:


01. Never Le Nkemise
02. I Fink U Freeky
03. Pielie
04. Hey Sexy
05. Fatty Boom Boom
06. Zefside Zol
07. So What?
08. Uncle Jimmy
09. Baby's On Fire
10. U Make A Ninja Wanna Fuck 
11. Fok Julle Naaiers
12. DJ Hi-Tek Rulez
13. Never Le Nkemise (With Yo-Landi Vi$$er Vocal)


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sergey
sergey vor 109d 21h 

again, twenty-five!

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