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Diego
Diego: Die Taschendiebe aus dem Badischen in Hochform
Die Karlsruher Band Diego reiht sich auf ihrer gelungenen Debüt-EP durchaus überzeugend in den zuletzt stetig wachsende Reigen jener Bands ein, die mehr oder weniger unverhohlen dem Andenken von Joy Division huldigen. Was indes bei den Editors oder Interpol für mittelschwere Beifallsstürme sorgt, wird den nicht unbedingt minder talentierten Diego nun von einigen zum Vorwurf gemacht.
Es hilft alles nichts: Ein paar Fragen werden sich Diego in nächster Zeit gefallen lassen müssen.
Zum einen die nach einem genialen argentinischen Mittelfeldregisseur mit vergleichsweise unorthodoxer Gestaltung des eigenen Ruhestands. Und dann natürlich nach jener britischen Band um den todessehnsüchtigen Melancholiker Ian Curtis, Joy Division, deren übermächtiger Schatten trotz vergleichsweise kurzer Wirkungsdauer auch noch beinahe dreißig Jahre später die Indie-Szene in seinem Bann hält. Jüngere Leute fragen nach Interpol und dem Spielmacher von Werder Bremen und alleine daran erkennt man schon ein bisschen, dass die Zeiten wohl auch nicht mehr besser werden.
Jedenfalls: Diego-Sänger Andreas hat zwar eine Dauerkarte für den jüngst in die Bundesliga aufgestiegenen KSC, (und pflegt, das nur nebenbei, eine ausgeprägte Sympathie für den FC Bayern, die nicht unbedingt dazu angetan ist, das ansonsten hervorragende Bandklima entscheidend zu verbessern, hier geht’s weiter:) die nur auf den ersten Blick nahe liegende Namenswahl bei der Gründung seiner ersten Band (!) vor gerade einmal anderthalb Jahren ist aber trotzdem anderen Hintergründen geschuldet: „Diego war ursprünglich mal als Spitzname für unseren Gitarristen Ralf vorgesehen“, erklärt Schlagzeuger Christian. „Unser Sänger war der Meinung, Uwe sehe aus wie ein südamerikanischer Taschendieb und müsste folglich Diego heißen. Allerdings hat sich das irgendwie nie so richtig durchgesetzt und wurde erst wieder aufgegriffen als wir verzweifelt auf der Suche nach einem Namen für die Band waren.“
Bliebe die Sache mit Joy Division. Als die New Yorker Band Interpol vor einigen Jahre auf der Bildfläche erschien und den deutlich von den New-Order-Vorläufern inspirierten Düster-Pop wider salonfähig machte, tat sie das so gut, dass außer den üblichen Underground-Bescheidwissern und Verkündern der reinen Lehre keiner daran Anstoß nahm. Als dann etwas später die britischen Editors anfingen Musik zu machen, die ihrerseits so klang wie die von Interpol, hat sich auch kaum einer beschwert. Weil die meisten Leute der Meinung waren, dass das Editors-Debüt eine mehr als nur ordentliche Platte war und dass es angesichts dessen letztlich herzlich scheißegal sei, wo denn nun die Einflüsse herkamen. Und weil die Editors Engländer sind natürlich, denn Engländern sieht man geistigen Diebstahl, oder sagen wir: den Willen zum eindeutigen Zitat eher nach als deutschen Musikern. Was natürlich vor allem daran liegt, das deutsche Bands meist schlecht zitieren.
Und genau das ist der springende Punkt: Man braucht jetzt gar nicht lange rumzureden, die Parallelen zu den genannten Bands sind unbestreitbar da. Nicht nur im offensichtlichsten Fall, dem Song „Closer“. Und wenn Christian versichert, die Hälfte der Band habe weder Interpol noch Joy Division überhaupt vorher gekannt, ist das beinahe rührend. Indes: Der deutliche Zitatwillen geht bei Diego unbestreitbar einher mit einem nicht zu leugnendem Gespür für memorable Melodien und griffiges Songwriting. Zudem verströmen die acht Tracks der selbstbetitelten Debüt-EP weitaus weniger finstere Melancholie als die Referenzbands. Songs wie „If You Want To“ sind von einem schwelgerischen Aufbegehren und einer doch recht deutlich zutage tretenden Lebenslust gezeichnet.
Letzteres könnte wiederum am Herkunftsort der Band liegen: Karlsruhe ist laut Andreas zwar tatsächlich zumindest in Teilen so „spießig“ wie man sich das allgemein vorstellt, aber davon abgesehen eben auch „sehr idyllisch und von viele netten Leuten bevölkert“. Nachdem er ursprünglich nur aus der Not zum Studieren in die badische gerade-so-Großstadt gekommen war, will er mittlerweile überhaupt nicht mehr weg. Dort in Karlsruhe traf er schließlich auf die Genannten sowie den zweiten Gitarristen Ralf und Bassist Drazan – alles bekennende Indie-Popper und alles andere als Greenhorns. Nach Studium und Ausbildung widmen die fünf nun seit Januar 2006 ihre ganze Kraft Diego. Das bereits nach relativ kurzer Zeit die Möglichkeit für erste professionelle Aufnahmen gewährt wurde, ist sicher kein Zufall. Vielleicht wäre es besser, die leidliche Diskussion – wer, woher, warum – einfach ruhen zu lassen und Diego Diego sein zu lassen. Denn als solche sind die fünf Musiker richtig gut!
Michael Jäger
Es hilft alles nichts: Ein paar Fragen werden sich Diego in nächster Zeit gefallen lassen müssen.
Jedenfalls: Diego-Sänger Andreas hat zwar eine Dauerkarte für den jüngst in die Bundesliga aufgestiegenen KSC, (und pflegt, das nur nebenbei, eine ausgeprägte Sympathie für den FC Bayern, die nicht unbedingt dazu angetan ist, das ansonsten hervorragende Bandklima entscheidend zu verbessern, hier geht’s weiter:) die nur auf den ersten Blick nahe liegende Namenswahl bei der Gründung seiner ersten Band (!) vor gerade einmal anderthalb Jahren ist aber trotzdem anderen Hintergründen geschuldet: „Diego war ursprünglich mal als Spitzname für unseren Gitarristen Ralf vorgesehen“, erklärt Schlagzeuger Christian. „Unser Sänger war der Meinung, Uwe sehe aus wie ein südamerikanischer Taschendieb und müsste folglich Diego heißen. Allerdings hat sich das irgendwie nie so richtig durchgesetzt und wurde erst wieder aufgegriffen als wir verzweifelt auf der Suche nach einem Namen für die Band waren.“
Bliebe die Sache mit Joy Division. Als die New Yorker Band Interpol vor einigen Jahre auf der Bildfläche erschien und den deutlich von den New-Order-Vorläufern inspirierten Düster-Pop wider salonfähig machte, tat sie das so gut, dass außer den üblichen Underground-Bescheidwissern und Verkündern der reinen Lehre keiner daran Anstoß nahm. Als dann etwas später die britischen Editors anfingen Musik zu machen, die ihrerseits so klang wie die von Interpol, hat sich auch kaum einer beschwert. Weil die meisten Leute der Meinung waren, dass das Editors-Debüt eine mehr als nur ordentliche Platte war und dass es angesichts dessen letztlich herzlich scheißegal sei, wo denn nun die Einflüsse herkamen. Und weil die Editors Engländer sind natürlich, denn Engländern sieht man geistigen Diebstahl, oder sagen wir: den Willen zum eindeutigen Zitat eher nach als deutschen Musikern. Was natürlich vor allem daran liegt, das deutsche Bands meist schlecht zitieren.
Und genau das ist der springende Punkt: Man braucht jetzt gar nicht lange rumzureden, die Parallelen zu den genannten Bands sind unbestreitbar da. Nicht nur im offensichtlichsten Fall, dem Song „Closer“. Und wenn Christian versichert, die Hälfte der Band habe weder Interpol noch Joy Division überhaupt vorher gekannt, ist das beinahe rührend. Indes: Der deutliche Zitatwillen geht bei Diego unbestreitbar einher mit einem nicht zu leugnendem Gespür für memorable Melodien und griffiges Songwriting. Zudem verströmen die acht Tracks der selbstbetitelten Debüt-EP weitaus weniger finstere Melancholie als die Referenzbands. Songs wie „If You Want To“ sind von einem schwelgerischen Aufbegehren und einer doch recht deutlich zutage tretenden Lebenslust gezeichnet.
Letzteres könnte wiederum am Herkunftsort der Band liegen: Karlsruhe ist laut Andreas zwar tatsächlich zumindest in Teilen so „spießig“ wie man sich das allgemein vorstellt, aber davon abgesehen eben auch „sehr idyllisch und von viele netten Leuten bevölkert“. Nachdem er ursprünglich nur aus der Not zum Studieren in die badische gerade-so-Großstadt gekommen war, will er mittlerweile überhaupt nicht mehr weg. Dort in Karlsruhe traf er schließlich auf die Genannten sowie den zweiten Gitarristen Ralf und Bassist Drazan – alles bekennende Indie-Popper und alles andere als Greenhorns. Nach Studium und Ausbildung widmen die fünf nun seit Januar 2006 ihre ganze Kraft Diego. Das bereits nach relativ kurzer Zeit die Möglichkeit für erste professionelle Aufnahmen gewährt wurde, ist sicher kein Zufall. Vielleicht wäre es besser, die leidliche Diskussion – wer, woher, warum – einfach ruhen zu lassen und Diego Diego sein zu lassen. Denn als solche sind die fünf Musiker richtig gut!
Michael Jäger
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Tim
vor 1841d 9h
Achso, ok, dass ist gut zu wissen, Danke!
Bei mir steht nämlich:
"Die Karlsruher präsentieren uns auf ihrem Debütalbum feinsten Indie-Pop, 8 Songs, die Melancholie und Heiterkeit ...."
Und gerade die Formulierung ist am Ende bei der Bewertung, meiner Meinung nach, gar nicht mal so unwichtig.
torsten.groß
vor 1841d 10h
Deshalb ist es ja auch eine Debüt-EP;))
Tim
vor 1841d 11h
Hab die Platte heute bekommen, bin mal gespannt wie es wird, wobei ich für ein Album 8 Songs für zu wenig halte, aber mal schaun, was Gesamtlänge und Gesamteindruck sagen, Pressetext verspricht ja schonmal viel







(man kann ja nicht editieren^^):
Sehe gerade, ganz oben im Text steht sogar Debüt-EP. Kommt davon, wenn man nur überfliegt und Cargo vertraut ;)
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