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Dillon
Dillon: This Silence Kills

Als spitzzüngiger Filou darf entlarvt werden, wer dem Berliner Label Bpitch Control in den letzten Jahren einen Qualitätsabfall bescheinigte. Dennoch, die Stimmen, die von den so genannten Schicksalsjahren der Kreativwerkstatt sprachen, wurden tatsächlich immer lauter. Immerhin verlor Chefin Ellen Allien mit Paul Kalkbrenner und Modeselektor gleich zwei Recken ihres Stalls, die sich aufgrund ihrer Triumphzüge verselbstständigten. Schenkt man diesem Gedanken Berechtigung, so dürfte sich das Label in einer Art apologetischen Situation befinden. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
Mit Aérea Negrot wusste BPitch bereits einen Paradiesvogel unter Vertrag zu nehmen, der mit "Arabxilla" für Aufsehen sorgte. Die Drama-Queen aus der Hercules-&-Love-Affair-Crew paarte auf ihrem Solodebüt schrägen Hauptstadt-Dunst mit sympathischer Theatralik und wurde dafür schon mit Hildegard Knef und Nina Hagen verglichen. Die neueste Veröffentlichung aus der Oranienburger Straße 91 kommt hingegen nicht in reißerischer Manier daher, sondern sucht die Attraktivität eher im Stillen. Dillon, so nennt sich das 23-jährige Küken und trotz ihres Erstlingswerks ist die Bezeichnung Newcomerin nur bedingt treffsicher.
Dillon – "Thirteen Thirtyfive"
Bereits 2008 stürzte sich das hiesige Feuilleton auf Dominique Dillon de Byington in der Hoffnung einer fast schon vergessenen Sehnsucht: dem Singer/Songwriter-Pop made in Germany. Dabei liegen ihre Wurzeln in Brasilien. Über die Stationen Köln und Berlin landete sie vor einem Jahr in dem Hamburger Studio der Clouds Hill Recordings. Mit dabei: Tamer Özgönenc von MIT und Thies Mynther von Phantom/Ghost. Peu á peu arbeiteten sie gemeinsam an "This Silence Kills". Das Songdutzend steht wie kein zweites für den Erneuerungswillen des Labels und die Begabung der jungen Sängerin. Hier wird keineswegs mit der Tanzfläche geflirtet, eher trifft songschreiberische Gediegenheit auf Chanson-Zauber, ohne auch nur einen Hauch von Pathos aufkommen zu lassen. Der etwas ältere Song "Tip Tapping" sucht die Erfüllung in einer ungeheuer interessanten Naivität, deren Geheimnis bei Dillons beispielsloser Gesangsphrasierung beginnt. Doch wer über herbstliche Spaziergänge oder von Liebe verknoteten Spaghetti-Beinen sinniert, dem sind Prädikate wie süßes Indie-Girl oder gar Joanna Newsom-Wannabe sicher. Ein Trugschluss. Dillon träumt in offener Sensibilität vom Alltäglichen, so alltäglich, dass selbst eine Zahnbürste von einem ehemaligen Liebhaber zum Thema gemacht wird ("Gumache").
Dillon – "Tip Tapping"
Auch wenn die Stimme der Wahl-Berlinerin zumeist die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen weiß, wirken die fragilen Melodien in Kombination mit der unterschwelligen Elektronik wie ein molliger Kokon, in dem sich der Hörer nach Gutdünken einrichten darf. Neben Fingerschnipsen, rudimentären Klavierklängen und Metallketten-Perkussion baut sich die elektronische Grundierung graduell auf. Während im ersten Teil von "This Silence Kills" die Empfindlich- und Innigkeit bis an die Schmerzgrenze zelebriert wird, breitet spätestens der namenlose Song "___________" den elektronischen Teppich aus, der mit atmosphärischer Electronica und einer Detroit-infizierten Techno-Verve geknüpft wird ("Abrupt Clarity").
Dillon ist mit ihrem Debüt etwas gelungen, dass Miss Li auch im fünften Versuch einfach nicht fertig bringt: der ambivalente Spagat zwischen hochanständiger Eingängigkeit und nonkonformistischer Grazie. "This Silence Kills" füllt mit Bravour die dramatisierenden Mäuler, die sich nach einer Restaurierung von BPC sehnten. Gerade weil das Label diese Frischzellenkur nicht benötigte, mausert sich Dillons Album tatsächlich zu einem kleinen Phänomen.
Sebastian Weiß
VÖ: 11.11.2011
Label: Bpitch Control
Tracklist:
01. This Silence Kills
02. Tip Tapping
03. Thirteen Thirtyfive
04. Your Flesh Against Mine
05. You Are My Winter
06. The Undying Need To Scream
07. _______________
08. From One To Six Hundred Kilometers
09. Hey Beau
10. Texture Of My Blood
11. Gumache
12. Abrupt Clarity
Ja, ich wollte und habe mich wohl unverständlich ausgedrückt. Die Naivität von Dillon ist wirklich unbeschwert. Dass sie bei BPC veröffentlicht, finde ich wirklich erstaunlich aber auch gut. Das Label gehört in Deutschland wirklich zu den Besten
Mir gefällt das Album auch richtig gut, gerade auch wegen dieser "Naivität", die ich aber eben auch als eine gewisse Unbeschwertheit und Leichtigkeit wahrnehme. Und umso schöner, wenn es auch kleineren Labels gelingt, sich über einen bestimmten Musikstil hinaus zu definieren.
Irgendwie finde ich die Dillon richtig toll. Auch wenn ich ihre Musik hier und dort einen Stück zu naiv finde, bezaubern mich ihre Klänge. Auch schön, dass mal ein Label und ihre Arbeit kritisch refelktiert werden. Dieses Album kommt genau zur richtigen Jahreszeit...




Ich mag das Album wirklich, wirklich gern aber was mich völlig fertig macht ist die Ähnlichkeit ihrer Stimme zu der Lykke Lis. Irgendwann dacht ich mir schon ich bilde mir das ein, hab dann mehrmals zwischen tip tapping und dance dance dance hin und her geswitched und finde immer noch kaum Unterschiede. Verblüffend.
Und keiner schreibt was drüber!
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