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Dirty Pretty Things
Dirty Pretty Things: Romance at Short Notice
Platz 35. Das war die bisher höchste Position in den britischen Album-Charts für das zweite Werk von Carl Barât und seinen Dirty Pretty Things. Nun, wir alle wissen, dass eine hohe Chartplatzierung nicht unbedingt für beste Musik steht. Doch zumindest zeigt das maue Abschneiden in Großbritannien, dass die Insel ihr Interesse an Barâts Rock verloren hat. Und das vollkommen zu Recht.
Unter dem Namen The Libertines ließen uns Carl Barât und Pete Doherty zwei Alben lang staunen. Als Gegenspieler spornten sie sich zu Höchstleistungen an. Sie schrieben beeindruckende Songs, sie liebten und hassten, schlugen und vertrugen sich.
Während Doherty nun zusammen mit Amy Winehouse, Britney Spears und einer Handvoll anderer Gaga-Persönlichkeiten geschätzte 80% aller Gossip-News bestreitet, zog sich Barât in den letzten Jahren medial zurück. Selten war er eine Meldung wert oder anders gesagt: Er ließ es nicht darauf ankommen, eine Meldung wert zu sein. Er ging auf in seiner Rolle als Platzhirsch bei den Dirty Pretty Things, er tourte und veröffentlichte "Waterloo to Anywhere" (2006). Gedankenspielen um eine Reunion von The Libertines ging er weitestgehend aus dem Weg, mit der alten Band, so schien es, wollte er ein für allemal abschließen. Für diese Zurückhaltung wollte man ihm fast schon die Hand schütteln und danken: Da gab es also einen, der lieber Musik machen wollte, als medialer Stichwortgeber zu sein - eine Seltenheit.
Doch man fragt sich, womit Barât seine Zeit so verbringt. Mit intensivem Songwriting? Wohl kaum. Denn dafür plätschern die zwölf neuen Songs auf "Romance at Short Notice" 46 Minuten weitestgehend ereignislos vor sich hin. Selbst eine 45-minütige Mathematik-Schulstunde entpuppt sich im direkten Vergleich als eine tollkühne Achterbahnfahrt mit achtfachem Looping.
Machen wir uns nichts vor: Auch "Waterloo to Anywhere", das erste Werk der Dirty Pretty Things, war kein Meilenstein des zeitgenössischen Gitarren-Rocks. Doch zumindest ließ Barât erkennen, dass er gute Songs aus dem Ärmel schütteln konnte, denen der Libertines'sche Stallgeruch anhaftete.
"Romance at Short Notice" hingegen riecht nach sauber geschrubbter Pferdebox. Nur noch ein Hauch von dem, was Barât einst konnte, nämlich 1-A-Indie-Rock spielen, liegt in der Luft. Die Dirty Pretty Things rattern ihre Songs dermaßen ideenlos runter, dass man dieser Platte noch nicht mal mehr ein Achselzucken oder Stirnrunzeln zugestehen möchte, so egal und belanglos ist sie. Die halbherzige Single "Tired of England" ist offensichtlich und zugleich äußerst unverschämt bei The Smiths geklaut, "Plastic Hearts" ist selbst als B-Seite eine Beleidigung und "The North" zeigt, wie eine Band vor einer komplexeren Songidee kapituliert. Lediglich im letzten Song "Blood On My Shoes" versteht es Barât, den Sturm und Drang der Libertines noch einmal einzufangen und die vorherigen elf, desaströsen Songs vergessen zu machen. Immerhin: Ein schönes Ende. Das aber auch nur, weil es an Barâts Ex-Band erinnert. Vielleicht, so möchte man ihm zuraunen, sollte er über eine Reunion mit Pete Doherty doch noch mal nachdenken.
Ach ja: Ein Platz 35 wäre in Deutschland immerhin ein Erfolg, denn den Dirty Pretty Things blieb der Einzug mit dem ersten Album in die Top 100 bisher verwehrt.
Heiko Reusch
Label: Universal
VÖ: 08.07.08.
Tracklist:
01. Buzzards And Crows
02. Hippy's Son
03. Plastic Hearts
04. Tired Of England
05. Come Closer
06. Faultines
07. Kicks Or Consumption
08. Best Face
09. Truth Begins
10. Chinese Dogs
11. The North
12. Blood On My Shoes
Unter dem Namen The Libertines ließen uns Carl Barât und Pete Doherty zwei Alben lang staunen. Als Gegenspieler spornten sie sich zu Höchstleistungen an. Sie schrieben beeindruckende Songs, sie liebten und hassten, schlugen und vertrugen sich.
Während Doherty nun zusammen mit Amy Winehouse, Britney Spears und einer Handvoll anderer Gaga-Persönlichkeiten geschätzte 80% aller Gossip-News bestreitet, zog sich Barât in den letzten Jahren medial zurück. Selten war er eine Meldung wert oder anders gesagt: Er ließ es nicht darauf ankommen, eine Meldung wert zu sein. Er ging auf in seiner Rolle als Platzhirsch bei den Dirty Pretty Things, er tourte und veröffentlichte "Waterloo to Anywhere" (2006). Gedankenspielen um eine Reunion von The Libertines ging er weitestgehend aus dem Weg, mit der alten Band, so schien es, wollte er ein für allemal abschließen. Für diese Zurückhaltung wollte man ihm fast schon die Hand schütteln und danken: Da gab es also einen, der lieber Musik machen wollte, als medialer Stichwortgeber zu sein - eine Seltenheit.
Doch man fragt sich, womit Barât seine Zeit so verbringt. Mit intensivem Songwriting? Wohl kaum. Denn dafür plätschern die zwölf neuen Songs auf "Romance at Short Notice" 46 Minuten weitestgehend ereignislos vor sich hin. Selbst eine 45-minütige Mathematik-Schulstunde entpuppt sich im direkten Vergleich als eine tollkühne Achterbahnfahrt mit achtfachem Looping.
Machen wir uns nichts vor: Auch "Waterloo to Anywhere", das erste Werk der Dirty Pretty Things, war kein Meilenstein des zeitgenössischen Gitarren-Rocks. Doch zumindest ließ Barât erkennen, dass er gute Songs aus dem Ärmel schütteln konnte, denen der Libertines'sche Stallgeruch anhaftete.
"Romance at Short Notice" hingegen riecht nach sauber geschrubbter Pferdebox. Nur noch ein Hauch von dem, was Barât einst konnte, nämlich 1-A-Indie-Rock spielen, liegt in der Luft. Die Dirty Pretty Things rattern ihre Songs dermaßen ideenlos runter, dass man dieser Platte noch nicht mal mehr ein Achselzucken oder Stirnrunzeln zugestehen möchte, so egal und belanglos ist sie. Die halbherzige Single "Tired of England" ist offensichtlich und zugleich äußerst unverschämt bei The Smiths geklaut, "Plastic Hearts" ist selbst als B-Seite eine Beleidigung und "The North" zeigt, wie eine Band vor einer komplexeren Songidee kapituliert. Lediglich im letzten Song "Blood On My Shoes" versteht es Barât, den Sturm und Drang der Libertines noch einmal einzufangen und die vorherigen elf, desaströsen Songs vergessen zu machen. Immerhin: Ein schönes Ende. Das aber auch nur, weil es an Barâts Ex-Band erinnert. Vielleicht, so möchte man ihm zuraunen, sollte er über eine Reunion mit Pete Doherty doch noch mal nachdenken.
Ach ja: Ein Platz 35 wäre in Deutschland immerhin ein Erfolg, denn den Dirty Pretty Things blieb der Einzug mit dem ersten Album in die Top 100 bisher verwehrt.
Heiko Reusch
VÖ: 08.07.08.
Tracklist:
01. Buzzards And Crows
02. Hippy's Son
03. Plastic Hearts
04. Tired Of England
05. Come Closer
06. Faultines
07. Kicks Or Consumption
08. Best Face
09. Truth Begins
10. Chinese Dogs
11. The North
12. Blood On My Shoes
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