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End Times

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Wer nicht gerade den Verlust einer großen Liebe betrauert, dem dürfte der Zugang zu "End Times" nicht ganz leicht fallen. Hier ein Annäherungsversuch an das schwarze Loch im Herzen Mark Oliver Everetts.

Vor einem halben Jahr erst feierten Eels mit ihrem siebten Studio-Album "Hombre Lobo" nach vier stillen Jahren viel umjubelt so etwas wie ein Comeback. Nur legt Band-Oberhaupt E sofort den nächsten Longplayer nach. "End Times" nennt Mark Oliver Everett die Produktion, kündigt sie als "Trennungsalbum" an und verziert das Cover mit einer weißbärtigen Karrikatur seiner selbst. Beim dem seelisch ohnehin instabilen Musiker lassen solche Vorzeichen auf keinen leichtfüßigen Musizier-Spaß schließen. Für die Operation an der offenen Wunde zog sich Everett aka E von seiner Band in die Einsamkeit zurück und nahm vierzehn Songs über das Ende seiner Beziehung im Alleingang mit seinem 4-Spur-Tonbandgerät auf.

Die Isolation hat sich für die richtige Stimmung zum großen Album-Thema bezahlt gemacht. Wir sind mit E allein in einer dunklen Herzschmerz-Kammer. "The Beginning" leitet "End Times" mit akustischer Gitarre ein, erst später gesellen sich weitere Instrumente dazu. Aber auch zwischen warmen Gitarren, Klavier, Schlagzeug, Bass, Orgel und Trompete scheint sich der Sänger nicht geborgen zu fühlen. E ist allein, immer und überall.Sein großes, kraftloses Leiden illustriert er allerdings mit eher harmlosem Songs. Das ist im Titelsong "End Times" noch "schön-traurig", in "A Line In The Dirt" aber schon kitschig. In vermeintlich beschwingteren Stücken wie "Gone Man" flüchtet er lediglich mit angezerrter Gitarre in altbackene Blues-Figuren. Destruktiver Bonus der Songs bleibt der raue Gesang. 

Im Verlauf des Albums liegt Everett oft genug am Boden und überschreitet dabei leider auch die Grenze zwischen einer künstlerischen Kompensation seines Schmerzes und öffentlicher Selbsterniedrigung. Songs, in denen sich der Sänger nur mit seiner Akustik-Gitarre bewaffnet dem Schmerz stellt, zeugen noch von Selbstachtung. Ein Mann und eine Melodie - von Angesicht zu Angesicht mit der Leere im Herzen. Minimalistische Stücke wie "Little Birds" sind kleine, berührende Meisterwerke. In den überladenen Stücken aber kommt dem gebrochenem Everett oft genug der Stolz abhanden, wirkt das Leiden im musikalisch kitschigen Licht lächerlich. 



Everett beleuchtet ohne Erbarmen Seite für Seite seines Trennungstagebuchs, leidet jedoch keinen besonders kreativen Liebeskummer, sondern hinterlässt zunehmend ein pathetisches Bild des Selbstmitleids. "In my younger days/ this wouldn't have been so hard", so die Begründung des Mittvierzigers. Eine Alters- und Gemütsfrage ist es somit, ob "End Times" abgesehen vom Mitleid für den Protagonisten berührt.
 
"End Times" ist eine Momentaufnahme, ein Album sehr persönlicher Bilder: E allein auf verregneten Straßen, E betrübt in seiner Hütte, E rastlos, E deprimiert, E in unerträglicher Stille, E wachend im kalten Bett.
Everett leidet dabei ohne ein Flämmchen Wut oder ein Fünkchen Humor. Neben der emotionalen Bestandsaufnahme fehlt die Kunst. Sehr selten überrascht E mit einer universellen Ebene, die dem purem Herzschmerz mehr als Resignation abgewinnt und Platz lässt für ein Gefühl des Zuhörers. 

Sophie Bischoff

VÖ: 22. Januar 2010

Label: Cooperative Music (Universal)

Trackliste: 

01. The Beginning
02. Gone Man
03. In My Younger Days
04. Mansions Of Los Feliz
05. A Line In The Dirt
06. End Times
07. Apple Trees
08. Paradise Blues
09. Nowadays
10. Unhinged
11. High And Lonesome
12. I Need A Mother
13. Little Bird
14. On My Feet
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