Have Some Faith In Magic

Alben von Errors

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Kampf der Perspektivarmut! Die Schotten von Errors verheben sich zwar etwas, frischen ein angestaubtes Genre aber mit instrumentalem Pop, glamourösem Math-Rock und einer Prise Disco-Nostalgie wieder auf.

(Foto: Michael Kent)

Für eine Band, die das Scheitern schon im Namen trägt, mag es weit weniger ungewöhnlich sein, das Drittwerk im Vorhinein selbstbewusst als "das Pop-Album" anzukündigen. Mutig ist es dennoch, entstammen Errors doch dem Umfeld des von Mogwai gegründeten Rock Action-Labels. Sich als junge Band von einer solchen Post-Rock-Prädisposition emanzipieren zu wollen, erscheint nachvollziehbar, ist es jedoch sicher auch mindestens so schwierig. Dies also vorweg: wer mag, darf auch "Have Some Faith In Magic" jenes unsägliche Etikett anhaften, greift damit aber dennoch zu kurz. Die vorliegende musikalische Test-Strecke lässt sich nämlich weder mit gängigen Genre-Begriffen fassen noch von des Journalisten liebsten Notausgang – den Referenzen – so wirklich eingrenzen. Bleibt nur, sich auf das Offensichtliche zu beschränken: die Tendenz geht zum Synthesizer.

Errors - "Pleasure Palaces"

Hauptsächlich instrumental angelegte Strukturen, dezente Polyrhythmik, elektronisch verfremdete und sakral anmutende Chöre – wiederum eher im Sinne eines weiteren Instruments gebraucht – sowie offensive 70er und 80er-Jahre-Synth-Pop-Ästhetik prägen in der Summe das gewöhnungsbedürftige, keinesfalls jedoch langweilige Klangbild von "Have Some Faith In Magic". Hier finden Freunde des vertrackten Battles-Soundkosmos ebenso ihre erhellenden Momente, wie Berufs-Alternative und spleenige Pop-Nostalgiker. Die im Opener "Tusk" noch klar zu identifizierenden Gitarren lösen sich im weiteren Verlauf schnell in hibbelige Klangkonstrukte auf, die immer wieder ihren Spaß daran finden, die Grenzen des Tanzbaren auszuloten. So sehr Math- und Post-Rock nämlich hier ihre klaren Einflüsse haben, so exzessiv suhlen sich die zehn Tracks auch in Synthie-Schaumbädern und pluckernden Disco-Beats.

So erfrischend es ist, dass die eigenwillige Mischung der Schotten feist grinsend mit allerlei Erwartungen bricht, sie könnte dennoch so manchen auch schlichtweg langweilen. Zu beliebig zieht vieles vorbei, zu gefällig und unterfordernd wirkt der ein oder andere luftige Einfall wie etwa die windschiefen Flächen in "Magna Encarta". Brüche dieser Art werden zu dezent gestreut, sodass innerhalb der relativ transparenten Strukturen schlichtweg häufig nicht mehr ersichtlich ist, worin der Mehrwert einer (genau genommen) rein instrumentalen Variante von Pop-Musik bestehen könnte.

Errors - "Earthscore"


Zweifelsohne steckt hinter dem cheesy Klangkleid genug musikalisches Potenzial, nur zündet es im Rahmen des hier eingeschlagenen Weges selten wirklich konsequent. So ist der Verdienst von "Have Some Faith In Magic" unter dem Strich wohl in einer durchaus angenehmen Perspektiv-Verschiebung innerhalb eines sich selbst zitierenden Genre-Einerlei zu sehen: Introvertierten Fatalismus in extrovertierten Wohlklang aufzulösen gelingt Errors leider nicht durchgehend, ist aber ein wertvoller Impuls, dem lediglich hier und da die Eindringlichkeit abhanden gekommen ist. Sollte demnächst in einer der nahe gelegenen Tanzlokalitäten ein Post-Rock-Abend ausgerufen werden, dürften Errors mit diesem Album nichtsdestominder zum DJ-Darling werden.


Henning Grabow

VÖ: 17.02.2012

Label: Rock Action/PIAS

Tracklist:
01. Tusk
02. Magna Encarta
03. Blank Media
04. Pleasure Palaces
05. The Knock
06. Canon
07. Earthscore
08. Cloud Chamber
09. Barton Spring
10. Holus-Bolus


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