A World Out Of Time

Alben von Eternal Tapestry

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Aus alt mach neu: Eternal Tapestry zerlegen das erprobte Soundgerüst und rekombinieren die fragmentarischen Überbleibsel mit poppiger Struktur – verwirrend, unerwartet, spannend.

(Foto: Amanda Smith)

Ob Albert Einstein schon einmal in den Liner Notes einer Platte erwähnt wurde? Wir danken Tontechniker XY, Produzent Z und dir, Albert Einstein, dafür dass du die Relativitätstheorie aus dem Ärmel geschüttelt hast – you rock! Nun ist das so eine Sache, die Krümmung von Raum und Zeit in ein populärwissenschaftliches Korsett zu zwängen, das gleichermaßen smalltalktauglich ist und dennoch nicht zur Satire seiner Selbst verkommt. Ein übermenschlicher Spagat, den auch Eternal Tapestry nicht schaffen. Allein der vorab zum Scheitern verurteilte Versuch sei ihnen nicht unterstellt.

Dessen ungeachtet ist "A World Out Of Time" eine interessante Zäsur im recht homogenen Fluidum der Diskografie einer Band, die sich bisher jeglicher Applikation von Struktur im Sound erwehrte und immer irgendwie entrückt im Kontinuum von Raum und Zeit hing – um es mit Einstein zu halten. Zieht man den Vergleich zu dem im letzten Jahr erschienenen "Beyond The 4th Door", das mit seinen ätherischen Gitarrenschichten zur kontemplativen Selbstvergessenheit einlud, markiert das neue Album einen – durchaus überraschenden, weil unerwartet radikalen – Bruch mit der tradierten Soundästhetik.

Eternal Tapestry – "Sand Into Rain"


Die gewohnt ausufernden Klangteppiche zerfallen zusehends in Fragmente, deren loser Zusammenhalt sich entlang einer – im Eternal Tapestry’schen Kontext – fast poptauglich melodiösen Narrationsebene spinnt, die mal mehr ("Alone Against Tomorrow"), mal weniger prominent ("The Currents Of Space") in den Vordergrund tritt. Diese augenscheinliche Unentschlossenheit zwischen Altbekanntem und dem Willen zum Experiment fördert mitunter rabiate Brüche zu Tage: so stürzt das Klanggerüst von "Apocalypse Troll" unvermittelt in eine regennasse Soundcollage, aus der sich peu á peu die ersten psychedelischen Gitarrenwirbel eines "When Gravity Fails" schälen. Als größte Überraschung entpuppt sich jedoch "Sand Into Rain", das in seiner verschwurbelt-schrägen Folk-Manier so auch aus der Feder eines Syd Barrett hätte stammen können und das in seiner simplen Eingängigkeit ein wenig abseits des restlichen Songdutzends agiert.

Der Reiz von "A World Out Of Time" liegt in seiner zur Schau getragenen Skizzenhaftigkeit, der zaghaften Dekonstruktion der eigenen Vergangenheit zugunsten einer – sich der eigenen Legitimation stetig rückversichernden – Restrukturierung der klanglichen Welt, derer es – um noch einmal Einstein zu bemühen – noch an Zeit aber nicht an Raum mangelt.

Robert Henschel

Label: Thrill Jockey

VÖ: 16.11.

Tracklist:
01. When I Was In Your Mind
02. Planetoid 127
03. Alone Against Tomorrow
04. The Weird Stone
05. Apocalypse Troll
06. When Gravity Fails
07. The Currents Of Space
08. Sand Into Rain


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