Songs Of The Ungrateful Living

Alben von Everlast

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Feinripp-Ästhetik und geballte Faust, akustische Gitarre und Chain-Gang-Mentalität: Everlast ist uramerikanisch, proletarisch, älter und gelassener aber immer noch absolut bemerkenswert.

"Reibeisenstimme, Country-Melodien" schreibt der natürlich sehr junge Ersthör-Kollege aus der Redaktion zur Kurzorientierung, bevor dieses Album im allgemeinen CD-Stapel verschwindet. Recht hat er damit prinzipiell, klar, nur das Fazit – "Nein." – ist ein Missverständnis, das Everlast schon seit geraumer Zeit begleitet.

Everlast hatte mal unter seinem Alias Whitey Ford einen massiven Grammy-Erfolg und noch vorher, also vor Urzeiten, mit seiner Band House Of Pain und "Jump Around" einen ob seiner rüpelhaften Bierseligkeit immer noch funktionierenden "Rap"-Hit. Man hat lange nichts mehr von ihm gehört, sein Label ist nicht unbedingt eines, das man zur ersten Garde des Zeitgeistes zählen würde, er ist – kurz und gut – einer, der nicht unbedingt in den Fokus der aktuellen Befindlichkeiten zielt. Everlast ist immer noch der Typ mit den Tattoos und dem Feinripp-Unterhemd-Gestus der geballten Faust. Ein Basecap-Träger aus Zeiten, als man das noch ohne ironischen Unterton tat. Einer, von dem man nicht die tiefe Bluegrass-Authentizität eines William Elliot Whitmore erwarten darf oder die kunstvolle Gebrochenheit eines Bon Iver. Die wäre einem Everlast sicher sowieso viel zu aufgesetzt, zu hipsterisch, zu wenig handfest. Aber er ist ein uramerikanischer Sänger-Typus, irgendwo zwischen Working-Class-Stolz, Blue-Collar-Depression und Hot-Rod-Verliebtheit. Noch lange nicht in Redneck-Großmaul-Ebenen eines Andrew W.K. oder gar Kid Rock, allerdings gänzlich ohne diese blauweißrote emotionale Grundfärbung auch nicht vorstellbar.

Everlast – "I Get By"

Wer diesen Rahmen akzeptieren kann (und – mit Verlaub – das sollte man), der entdeckt auf "Songs Of The Ungrateful Living" einen sich an den Grundlinien des Country entlang orientierenden Kosmos an Songs, die eine Menge von dem verinnerlicht haben, was am Wegesrand der letzten 50 Jahre Americana liegt: Soul, Blues, Bluegrass, Singer/Songwriter, HipHop. Es gibt die von einer Akustikgitarre getriebenen Tramp-Geschichten mit ihrer selbstbewussten Underdog-Trotzigkeit, die vor sich hin shuffelnden Rhythm'n'Blues-Orgeln, den hochenergetisch stampfenden Chain-Gang-Song, den machtvollen Proto-Rap mit Breitwand-Sound und cleverem Gitarren-Lick-Sample, sogar "A Change Is Gonna Come", das absolut amtliche, also beseelte, Sam Cooke-Cover. Eine gewisse Altersweisheit hat auch den vormaligen Rüpel Everlast eingeholt, er hat einen deutlich ergrauten Bart und ein Bäuchlein, er ist entspannter als je zuvor aber nicht weniger kraftvoll und das hat "Songs Of The Ungrateful Living" ungemein gut getan. Es ist ein schlichtes, bodenständiges, sehr schönes Album. Nicht mehr und nicht weniger. Man muss es nur wahrzunehmen wissen.

Augsburg


VÖ: 24.2.2012

Label: Long Branch Records / SPV

Tracklist:
1. Long At All
2. Gone For Good
3. I Get By
4. Little Miss America
5. My House
6. Long Time
7. Friday the 13th
8. Crown
9. Sixty-Five Roses
10. Moneymaker
11. Rain
12. Some Of Us Pray
13. I'll Be There For You
14. Even God Don't Know
15. Change Is Gonna Come
16. Everyone Respects The Gun (Bonus)
17. Final Trumpet (Bonus)
18. Black Coffee (Bonus)


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Augsburg
Augsburg vor 96d 13h 

Im amerikanischen – nennen wir es mal – Alltags-Rockzirkel ist Andrew W.K. schon noch eine stabile Größe. Man bekommt das hierzulande nur praktisch gar nicht mit.

Ich bin aber erst letztens mal wieder über irgendeine Koop mit ihm gestolpert – weiß bloß gerade nicht, was das war. (Und eine Recherche ist es nun auch nicht wert;-)

antworten

holger.muster
holger.muster vor 96d 14h 

Das hab ich ja überhaupt nicht mitbekommen, dass da was ansteht. „I Get By“ ist super. Video erinnert mich an diesen Werbespot für nachhaltige Mobilität: http://www.youtube.com/watch?v=fxRlq3pE6vY

La Coka Nostra, die Rap-Supergroup von Everlast, ging 2009 ein bisschen unter. Unberechtigerweise, fand ich.

Und Andrew W.K. – kennt den noch einer? „I Get Wet“ ist auch schon zehn Jahre alt – und danach kam nicht mehr viel Bemerkenswertes, oder?

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