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Fac Dance 02
Fac Dance 02: Factory Records 12'' Mixes & Rarities 1980 - 1987
Manchester und Factory Records gehören zusammen, wie Joy Division und Post-Punk: Die zweite Compilation der Fac Dance-Reihe zeigt den eklektischen Habitus des Labels, ebenso wie die exotische Vorreiterrolle bei genrefremden Experimenten.

Es fällt nicht leicht, die Wörter Nostalgie und Melancholie zu vermeiden, wenn es darum geht über Factory Records und ihr Wirken zu schreiben. Vielleicht auch deshalb, weil ARTE gerade mal wieder die eindrucksvolle Dokumentation über Joy Division von Grant Gee aus dem Jahr 2007 zeigt. Und natürlich ist es einfach, das Label aus Manchester mit den größten Söhnen der mehr oder minder gleichzusetzen. Zahlreiche Filme haben sich mit der Tristesse und dem Einfluss der mittelenglischen Stadt bereits zu Genüge auseinandergesetzt. Bis Strut im vergangenen Jahr mit einer Doppel-CD einige Mixes und Raritäten des Labels präsentierte, die einen durchaus großflächigeren Blick auf Manchester warf. Post-Disco, New Wave, Alternative Dance – Factory Records gilt als eines der einflussreichsten, britischen Labels des 20. Jahrhunderts.
Dass nun mit "Fac Dance 02" bereits die zweite Zusammenstellung erscheint, darf ruhig Stirnrunzeln auslösen. Einerseits, weil die erste Compilation doch bereits alle Perlen, so der Gedanke, aus dem Archiv kramte. Andererseits weil es überrascht, wie viele Attraktionen dieses Label fernab der großen Erfolge zu verbuchen hatte. Aber vielleicht ist die Geschichte eben doch nicht gänzlich erzählt, auch wenn es auf der zweiten Fac Dance abermals nicht um New Order oder Joy Division geht, vielmehr sind die Post-Happy-Mondays-Zeit der Nukleus dieser zwei Stunden.
52nd Street – "Can't Afford" (Unorganized Mix-12")
Auf der ersten CD versammeln sich einige Künstler, die bereits auf dem ersten Teil mit beeindruckenden Songs am Start waren. Hierzu zählen Quando Quango und Section 25 (die ihrer Zeit ohnehin weit voraus waren) genauso, wie The Durutti Column und A Certain Ratio. Die Exoten sind sicherlich die algerische Rai-Sängerin Fadela oder die dubbigen Ausflüge von Sir Horatio. Die zweite CD spielt ein wenig mit dem "Madchester"-Stempel des Labels. Mitte der 80er Jahre wurde die von Tony Wilson gegründete Plattenfirma ein europäischer Fixpunkt für die Symbiose aus House Music (die selbst gerade aus Chicago herüberschwappte), technoiden Einsprengseln und den post-punkigen Gitarren-Lamenti. Diese Proto-Rolle verkörpern hier gleich zu Beginn 52nd Street mit ihrem zehnminütigem Unorganised Mix "Can't Afford" und Nyam Nyam mit dem Wie-Aus-Disco-House-Wurde-Stück "Fate". Aber auch "Neulinge" des Labels finden ihren Platz, so etwa Anna Domino. Ihren Song "Take That" als einen der besten hervorzuheben, fällt bei insgesamt 24 Tracks wahrlich schwer. Dennoch ist ihr zwar intimer, doch melodisch durchaus beschwingter Pop eine kleine Überraschung im insgesamt beachtlichen Potpourri.
Insgesamt spiegeln beide CDs den eklektischen Habitus von Factory Records wider. Der schwarze und düstere Schleier, der über dem Label (auch damals schon) lag, ist auch heute nicht gänzlich wegzureden. Die zweite Compilation hingegen untermauert den offenen Charakter der Herren aus Manchester. Viele Songs sind heute schwer auf Vinyl zu bekommen, alleine dafür darf man sich bei James Nice (ehemaliger Labelmanager von Factory Benelux), der die Reihe zusammenstellte, bedanken. "Fac Dance 02" bildet einen wichtigen Teil der Musikgeschichte ab – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Sebastian Weiß
VÖ: 20.10.2012
Label: Strut
Tracklist:
CD1
01. Cabaret Voltaire – Yashar (John Robie Mix)
02. Fadela – N’sel Fik
03. A Certain Ratio – The Fox
04. Shark Vegas – You Hurt Me
05. Quando Quango – Go Exciting (12” Mix)
06. Sir Horatio – Sommadub
07. X-O-Dus – Society
08. Minny Pops – Blue Roses
09. Thick Pigeon – Babcock + Wilcox
10. Section 25 – Sakura
11. ESG – You’re No Good
12. Durutti Column – Self Portrait
CD2
01. 52nd Street – Can’t Afford (Unorganised Mix)
02. Section 25 – Knew Noise
03. Nyam Nyam – Fate
04. Swamp Children – Softly Saying Goodbye
05. A Certain Ratio – Lucinda
06. Surprize – In Movimento
07. ESG – Moody
08. The Wake – Host
09. Royal Family And The Poor – Vaneigem Mix
10. Biting Tongues – Meat Mask Separatist
11. Anna Domino – Take That
12. Ad Infinitum – Telstar
(Foto: Screenshot aus der Dokumentation "Joy Division", Regisseur Grant Gee, 2007)

Es fällt nicht leicht, die Wörter Nostalgie und Melancholie zu vermeiden, wenn es darum geht über Factory Records und ihr Wirken zu schreiben. Vielleicht auch deshalb, weil ARTE gerade mal wieder die eindrucksvolle Dokumentation über Joy Division von Grant Gee aus dem Jahr 2007 zeigt. Und natürlich ist es einfach, das Label aus Manchester mit den größten Söhnen der mehr oder minder gleichzusetzen. Zahlreiche Filme haben sich mit der Tristesse und dem Einfluss der mittelenglischen Stadt bereits zu Genüge auseinandergesetzt. Bis Strut im vergangenen Jahr mit einer Doppel-CD einige Mixes und Raritäten des Labels präsentierte, die einen durchaus großflächigeren Blick auf Manchester warf. Post-Disco, New Wave, Alternative Dance – Factory Records gilt als eines der einflussreichsten, britischen Labels des 20. Jahrhunderts.
Dass nun mit "Fac Dance 02" bereits die zweite Zusammenstellung erscheint, darf ruhig Stirnrunzeln auslösen. Einerseits, weil die erste Compilation doch bereits alle Perlen, so der Gedanke, aus dem Archiv kramte. Andererseits weil es überrascht, wie viele Attraktionen dieses Label fernab der großen Erfolge zu verbuchen hatte. Aber vielleicht ist die Geschichte eben doch nicht gänzlich erzählt, auch wenn es auf der zweiten Fac Dance abermals nicht um New Order oder Joy Division geht, vielmehr sind die Post-Happy-Mondays-Zeit der Nukleus dieser zwei Stunden.
52nd Street – "Can't Afford" (Unorganized Mix-12")
Auf der ersten CD versammeln sich einige Künstler, die bereits auf dem ersten Teil mit beeindruckenden Songs am Start waren. Hierzu zählen Quando Quango und Section 25 (die ihrer Zeit ohnehin weit voraus waren) genauso, wie The Durutti Column und A Certain Ratio. Die Exoten sind sicherlich die algerische Rai-Sängerin Fadela oder die dubbigen Ausflüge von Sir Horatio. Die zweite CD spielt ein wenig mit dem "Madchester"-Stempel des Labels. Mitte der 80er Jahre wurde die von Tony Wilson gegründete Plattenfirma ein europäischer Fixpunkt für die Symbiose aus House Music (die selbst gerade aus Chicago herüberschwappte), technoiden Einsprengseln und den post-punkigen Gitarren-Lamenti. Diese Proto-Rolle verkörpern hier gleich zu Beginn 52nd Street mit ihrem zehnminütigem Unorganised Mix "Can't Afford" und Nyam Nyam mit dem Wie-Aus-Disco-House-Wurde-Stück "Fate". Aber auch "Neulinge" des Labels finden ihren Platz, so etwa Anna Domino. Ihren Song "Take That" als einen der besten hervorzuheben, fällt bei insgesamt 24 Tracks wahrlich schwer. Dennoch ist ihr zwar intimer, doch melodisch durchaus beschwingter Pop eine kleine Überraschung im insgesamt beachtlichen Potpourri.
Insgesamt spiegeln beide CDs den eklektischen Habitus von Factory Records wider. Der schwarze und düstere Schleier, der über dem Label (auch damals schon) lag, ist auch heute nicht gänzlich wegzureden. Die zweite Compilation hingegen untermauert den offenen Charakter der Herren aus Manchester. Viele Songs sind heute schwer auf Vinyl zu bekommen, alleine dafür darf man sich bei James Nice (ehemaliger Labelmanager von Factory Benelux), der die Reihe zusammenstellte, bedanken. "Fac Dance 02" bildet einen wichtigen Teil der Musikgeschichte ab – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Sebastian Weiß
VÖ: 20.10.2012
Label: Strut
Tracklist:
CD1
01. Cabaret Voltaire – Yashar (John Robie Mix)
02. Fadela – N’sel Fik
03. A Certain Ratio – The Fox
04. Shark Vegas – You Hurt Me
05. Quando Quango – Go Exciting (12” Mix)
06. Sir Horatio – Sommadub
07. X-O-Dus – Society
08. Minny Pops – Blue Roses
09. Thick Pigeon – Babcock + Wilcox
10. Section 25 – Sakura
11. ESG – You’re No Good
12. Durutti Column – Self Portrait
CD2
01. 52nd Street – Can’t Afford (Unorganised Mix)
02. Section 25 – Knew Noise
03. Nyam Nyam – Fate
04. Swamp Children – Softly Saying Goodbye
05. A Certain Ratio – Lucinda
06. Surprize – In Movimento
07. ESG – Moody
08. The Wake – Host
09. Royal Family And The Poor – Vaneigem Mix
10. Biting Tongues – Meat Mask Separatist
11. Anna Domino – Take That
12. Ad Infinitum – Telstar
(Foto: Screenshot aus der Dokumentation "Joy Division", Regisseur Grant Gee, 2007)
