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Felice Brothers
Felice Brothers: The Felice Brothers
Man stelle sich vor, Bob Dylan entschließe sich auf einmal dazu in einer nicht mehr ganz so nervigen Tonlage zu singen und in seinen Songs etwas Humor zuzulassen. Dann ginge er ins Studio zusammen mit der Band Soggy Bottom Boys aus dem Film "O Brother, Where Art Thou?" (das ist diese Westernkomödie, in der George Clooney einen Pomade-fixierten entflohenen Sträfling spielt). Dort würden die fünf Jungs dann Maggie von den White Stripes treffen und alle gemeinsam alte Stücke der Bright Eyes und Johnny Cash interpretieren. So in etwa hört sich die Musik der Felice Brothers an.
Auch ihr namenloses drittes Album veröffentlichten die Felice Brothers beim Label Team Love, einst gegründet von Conor Oberst, besser bekannt als Kopf der Bright Eyes. Dieser war es auch, der die Felice Brothers als Vorband für seine US-Tour engagierte und so einem breiten Publikum zugänglich machte. Ob die Legenden um die Geschichte der Brüder Ian, Simone und James Felice stimmen, ob die drei Söhne eines ländlichen Zimmermanns wirklich einen obdachlosen Würfelspieler als Bassisten aufgegabelt haben um sich als Straßenmusiker durch die New Yorker U-Bahn-Stationen und Gefängniszellen zu schlagen, das interessiert uns nicht wirklich. Diese Band besteht aus guten Musikern, die ihre Songs scheinbar absolut mühelos schreiben und spielen können, denn "Felice Brothers" ist bereits ihr drittes Album in knapp zwei Jahren. Mit den Titeln "Greatest Show On Earth" und dem auch auf dem Vorgängeralbum bereits erschienenen "Frankie's Gun!" finden sich auch darauf einige absolut gelungene Stücke zum Sing-along und Hoch-die-Tassen.
The Felice Brothers:
Ruby Mae (Live @ Black Cab Sessions)
Die Platte bringt zu der ihr ureigenen Kneipen-Stimmung außerdem einen Schuss ziemlich derben Humor mit. Schusswaffen, Gewalt und Alkohol finden in den oft sehr zynischen Texten einen geradezu inflationären Gebrauch. Die Musik aus hauptsächlich Piano, Bass, Gitarre, Schlagzeug und Akkordeon klingt dazu wie das Parkett einer alten Blueskneipe aussieht. Verschlissen, klebrig und etwas holprig - aber dafür echt. Die Songs sind live im Studio eingespielt und wahrscheinlich wurde stets der erste Versuch auch als Endfassung genommen. Ein schiefer Ton, eine schnarrende Saite, wackeliges Tempo oder ein nicht ganz pünktlicher Gesangseinsatz gehören hier einfach dazu. Um das zu mögen, muss man Fan der Musik sein, denn für Genre-Einsteiger sind die Felice Brothers bereits etwas zu original. Die Brüder wecken auf ihre schnodderige Art zwar eine gewisse Grundsympathie beim Zuhörer, jedoch braucht es auf die Dauer wirklich guten Willen, ihnen aufmerksam zuzuhören. Aber das ist bei Bob Dylan schließlich auch nicht anders.
Samuel Jackisch
VÖ: 04.04.2008
Label: Loose Music/rough trade
Tracklist:
01. Little Ann
02. Greatest Show on Earth
03. Frankie's Gun!
04. Goddamn You, Jim
05. Wonderful Life
06. Don't Wake the Scarecrow
07. Take This Bread
08. Saint Stephen's End
09. Love Me Tenderly
10. Ruby Mae
11. Murder by Mistletoe
12. Whiskey in My Whiskey
13. Helen Fry
14. Radio Song
15. Tip Your Way
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