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First Aid Kit
First Aid Kit: The Lion's Roar
Mit Liebreiz und Synchrongesang besinnen sich First Aid Kit auf Authentizität und verlieren sich damit fast in Vollkommenheit.
(Foto: Neil Krug)
Die Jugend von heute ist nicht mehr das, was sie einmal war. Zumindest Klara und Johanna Söderberg von First Aid Kit werden ihrem Alter (18 und 21 Jahre) nicht so ganz gerecht. Zum Glück. Denn anders, als manch jugendliches Möchtegern-Sternchen, brauchen sie keine gekünstelten Pop-Arrangements, sondern beweisen mit bezaubernden Stimmen eine Besinnung auf konventionelle Folk-Klänge und tiefsinniges Songwriting.
Es begann im Sommer 2008, als die schwedischen Schwestern Söderberg in den Wald spazierten, um eine Coverversion von Fleet Foxes "Tiger Mountain Peasant Song" audiovisuell einzufangen. Zwei Jahre später folgte mit "The Big Black And Blue" dann ihr erster Langspieler, der nicht nur Folk-Fürsprecher begeisterte, sondern auch die Aufmerksamkeit von Jack White weckte, der prompt einen Song mit den beiden produzierte. Und auch bei dem nun erscheinenden Nachfolger "The Lion's Roar" bekamen die Mädels von First Aid Kit elitäre Unterstützung: So reisten sie für die Aufnahmen ins amerikanische Nebraska, wo Multi-Instrumentalist und Bright Eyes-Produzent Mike Mogis sie in Empfang nahm, um die Studioregie beim Zweitwerk zu übernehmen.
First Aid Kit - "Emmylou"
Wie ein schlaftrunkener, zahm schnurrender Löwe schmiegt sich der Titelsong "The Lion’s Roar" ins Ohr und liefert damit einen Vorgeschmack auf die folgenden neun Folkperlen. Die hübschen Schwedinnen verfügen über selten schöne Stimmen, die den Hörer zwar durch eine kühle Klarheit auf Distanz halten, ihn gleichzeitig aber mit einer tiefen Empfindsamkeit in den Bann ziehen. Für den Song "Emmylou" scheint es, als haben die jungen Damen in der elterlichen Plattesammlung gestöbert. Mit den Lyrics "I'll be your Emmylou / And I'll be your June / and you'll be my Gram and my Johnny, too" huldigen sie stimmungsvoll die Country-Ikonen June Cater, Emmylou Harris, Gram Parson und Johnny Cash, so dass sich deren musikalischer Stil und Einfluss als Patentrezept für fast die gesamte Platte offenbart.
Den Songs auf "The Lion's Roar" haften eine melancholische Makellosigkeit an, die trotz austarierter Instrumentierung keineswegs übertrieben aufgehübscht wirkt. In "This Old Routine" besingen sie mit ihrer harmonischen Zweistimmigkeit über eine eingeschlafene Liebesbeziehung, als wären sie selbst seit Jahren in eben solcher gefangen. Und es fällt fast schwer zu glauben, dass sich zwei so junge Mädchen schon so unerschrocken reif und voller Lebensweisheit aufbauen können. Im letzten Song "King Of The World" halten First Aid Kit dann noch einen Überraschungsgast parat: Kein anderer als Bright Eyes-Mastermind Conor Oberst gab sich die Ehre, um eine Strophe zum Besten zu geben. Ob sich Herr Oberst vielleicht selbst als dieser König sieht, sei dahingestellt. Der Song jedenfalls, liefert ein unerwartet schönes Ende für ein durch und durch solides Album.
First Aid Kit - "The Lion's Roar"
Mit der Zauberhaftigkeit zweier Lichtgestalten tauchen First Aid Kit in unergründliche Tiefen ein. Der feenhafte Folk kommt der Genre immanenten Verpflichtung zur Schwermütigkeit definitv nach. Möglich, dass einige Songs trotz oder gerade wegen ihrer Vollkommenheit die Flüchtigkeit eines Rehs im Scheinwerferlicht besitzen, so träge plätschern sie daher. Doch Folk-Liebhaber werden das gern verzeihen und kommen bei "The Lion's Roar" ganz sicher auf ihre Kosten. Und das beachtliche Talent der Söderberg'schen Schwestern steht sowieso außer Frage.
Christine Pötzsch
VÖ: 20.01.2012
Label: Wichita/Play It Again Sam (Rough Trade)
Tracklist:
01. The Lion’s Roar
02. Emmylou
03. In the Hearts of Men
04. Blue
05. This Old Routine
06. To a Poet
07. I Found a Way
08. Dance to Another Tune
09. New Year’s Eve
10. King of the World

(Foto: Neil Krug)
Die Jugend von heute ist nicht mehr das, was sie einmal war. Zumindest Klara und Johanna Söderberg von First Aid Kit werden ihrem Alter (18 und 21 Jahre) nicht so ganz gerecht. Zum Glück. Denn anders, als manch jugendliches Möchtegern-Sternchen, brauchen sie keine gekünstelten Pop-Arrangements, sondern beweisen mit bezaubernden Stimmen eine Besinnung auf konventionelle Folk-Klänge und tiefsinniges Songwriting.
Es begann im Sommer 2008, als die schwedischen Schwestern Söderberg in den Wald spazierten, um eine Coverversion von Fleet Foxes "Tiger Mountain Peasant Song" audiovisuell einzufangen. Zwei Jahre später folgte mit "The Big Black And Blue" dann ihr erster Langspieler, der nicht nur Folk-Fürsprecher begeisterte, sondern auch die Aufmerksamkeit von Jack White weckte, der prompt einen Song mit den beiden produzierte. Und auch bei dem nun erscheinenden Nachfolger "The Lion's Roar" bekamen die Mädels von First Aid Kit elitäre Unterstützung: So reisten sie für die Aufnahmen ins amerikanische Nebraska, wo Multi-Instrumentalist und Bright Eyes-Produzent Mike Mogis sie in Empfang nahm, um die Studioregie beim Zweitwerk zu übernehmen.
First Aid Kit - "Emmylou"
Wie ein schlaftrunkener, zahm schnurrender Löwe schmiegt sich der Titelsong "The Lion’s Roar" ins Ohr und liefert damit einen Vorgeschmack auf die folgenden neun Folkperlen. Die hübschen Schwedinnen verfügen über selten schöne Stimmen, die den Hörer zwar durch eine kühle Klarheit auf Distanz halten, ihn gleichzeitig aber mit einer tiefen Empfindsamkeit in den Bann ziehen. Für den Song "Emmylou" scheint es, als haben die jungen Damen in der elterlichen Plattesammlung gestöbert. Mit den Lyrics "I'll be your Emmylou / And I'll be your June / and you'll be my Gram and my Johnny, too" huldigen sie stimmungsvoll die Country-Ikonen June Cater, Emmylou Harris, Gram Parson und Johnny Cash, so dass sich deren musikalischer Stil und Einfluss als Patentrezept für fast die gesamte Platte offenbart.
Den Songs auf "The Lion's Roar" haften eine melancholische Makellosigkeit an, die trotz austarierter Instrumentierung keineswegs übertrieben aufgehübscht wirkt. In "This Old Routine" besingen sie mit ihrer harmonischen Zweistimmigkeit über eine eingeschlafene Liebesbeziehung, als wären sie selbst seit Jahren in eben solcher gefangen. Und es fällt fast schwer zu glauben, dass sich zwei so junge Mädchen schon so unerschrocken reif und voller Lebensweisheit aufbauen können. Im letzten Song "King Of The World" halten First Aid Kit dann noch einen Überraschungsgast parat: Kein anderer als Bright Eyes-Mastermind Conor Oberst gab sich die Ehre, um eine Strophe zum Besten zu geben. Ob sich Herr Oberst vielleicht selbst als dieser König sieht, sei dahingestellt. Der Song jedenfalls, liefert ein unerwartet schönes Ende für ein durch und durch solides Album.
First Aid Kit - "The Lion's Roar"
Mit der Zauberhaftigkeit zweier Lichtgestalten tauchen First Aid Kit in unergründliche Tiefen ein. Der feenhafte Folk kommt der Genre immanenten Verpflichtung zur Schwermütigkeit definitv nach. Möglich, dass einige Songs trotz oder gerade wegen ihrer Vollkommenheit die Flüchtigkeit eines Rehs im Scheinwerferlicht besitzen, so träge plätschern sie daher. Doch Folk-Liebhaber werden das gern verzeihen und kommen bei "The Lion's Roar" ganz sicher auf ihre Kosten. Und das beachtliche Talent der Söderberg'schen Schwestern steht sowieso außer Frage.
Christine Pötzsch
VÖ: 20.01.2012
Label: Wichita/Play It Again Sam (Rough Trade)
Tracklist:
01. The Lion’s Roar
02. Emmylou
03. In the Hearts of Men
04. Blue
05. This Old Routine
06. To a Poet
07. I Found a Way
08. Dance to Another Tune
09. New Year’s Eve
10. King of the World
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