Ceremonials

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Florence And The Machine wollen hoch fliegen, schießen mit "Ceremonials" jedoch weit über das Ziel hinaus und landen mit opulenten Pop-Hymnen im konventionellen Mainstream.

(Foto: Tom Beard) 

Als Florence And The Machine vor gut zwei Jahren in das Licht der Öffentlichkeit traten, war das Gros der Kritiker einer Meinung: Florence Welch, dem britischen Rotschopf mit der majestätischen Stimme, steht eine rosige Zukunft bevor. Umso gespannter wurde nun das Zweitwerk der 25-Jährigen erwartet. "Ceremonials" tritt die Nachfolge des – mit Huldigungen überhäuften – Debüts "Lungs" an und macht absolut nichts falsch, doch ebenso wenig richtig. Das Dutzend pompöser Indie-Pop-Hymnen wiegt sich im sicheren Hafen von Altbewährtem, ohne von frischem Wind bewegt zu werden.
 
Mit "Only If For The Night" wählt Frau Welch einen zunächst bedachten Einstieg, nur um daraus im weiteren Verlauf eine andächtige Hymne aus gospelartigen Chören und einer wahren Instrumentenflut zu basteln. Und zumindest ihre außergewöhnliche Stimme kann mit dem Gütesiegel 'Sehr gut' gewürdigt werden. Dass Florence Welch einen Faible für Melodramatisches besitzt, ist längst kein Geheimnis mehr und so sind auch auf dem neuen Album die Lyrics wieder düster und handeln von tragischen Liebesgeschichten. So schreit sie etwa bei "Shake It Out" die Worte "I am done with my gracelesss heart / So tonight I’m gonna cut it out and then restart" gegen wuchtige, treibende Keyboards und Gitarren, den Herzschmerz und geistige Widergeburt thematisierend. 

Florence And The Machine - "Shake It Out"


Mit einer gelungenen Mischung aus klassischem Pop und gospelartigem Soul präsentiert sie mit "Lover To Lover" ein Glanzstück der Platte. Denn wer wollte nicht einmal im Leben einem Gottesdienst mit Chor beiwohnen. Und zumindest dem fantasievollen Hörer dürfte es in den knapp fünf Minuten gelingen, sich ehrfürchtig auf die Kirchenbank versetzt zu fühlen, den Takt zu beklatschen und sich im Rhythmus zu wiegen, während Florence Welch all ihre Kraft in den Gesang legt. Obwohl die Britin die Tragik von Emotionen in ihren Texten verarbeitet, bekommt der Hörer kaum ein Gefühl von dem, was sie singt. So versprüht "What The Water Gave Me" durch die düster gezupfte Harfe zwar viel Atmosphäre, doch verliert sich durch die überladene Instrumentierung und die demonstrativen Chöre im Nichts. Da liegt der Makel der Platte begraben, so passiert genau das Song um Song um Song. 

Florence And The Machine - "What The Water Gave Me"

"Ceremonials" sollte unbedingt gehört und auch für 'ganz gut' empfunden werden. Audiophile Enthusiasten könnten bei diesem Album dennoch enttäuscht werden. Hört man die Platte, so erfreut man sich zwar an deren Sound, der nie nervig und obschon aufgeblähter Instrumentierung keineswegs anstrengend wird, doch letztendlich bleibt nur eine emotionale Leere. 

Christine Pötzsch


VÖ: 28. Oktober 2011

Label: Island / Universal

Tracklist:
01. Only If For A Night
02. Shake It Out
03. What The Water Gave Me
04. Never Let Me Go
05. Breaking Down
06. Lover to Lover
07. No Light No Light
08. Seven Devils
09. Heartline
10. Spectrum
11. All This and Heaven Too
12. Leave My Body


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