Nach dem Goldrausch

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Don't judge a book by it's cover - so ein englischsprachiges Sprichwort. Gilt auch für Plattencover. Das neue Album der Fotos aus Hamburg sieht anders aus als ihr Debüt. Eine Understatement-Graphik (heute) vs. ein Bild mit vier Typen (damals). In Sachen Musik zeigt das Quartett mit "Nach dem Goldrausch" dann auch noch eine ganz neue Seite. Salopp gesagt: gestern New-Wave, jetzt French-Pop.

Nach dem Goldrausch



Bitte nicht denken, dass Fotos erwachsen sein wollen, weil sich ihre Musik vom Erstling unterscheidet. Ihr Sound hat sich einfach nur weiterentwickelt. Und das ist das Beste, was der Band passieren konnte. Sicherlich risikoreich, denn die Madsen-Tomte-Fangemeinde, auf die Fotos wahrscheinlich eh nichts geben, dürfte mit "Nach dem Goldrausch" wohl nicht so richtig warm werden. Warum? Die Platte ist zu höflich, zu verhalten und schreit nicht danach, dass zu den Songs blöd rum gesprungen, aber auch nicht in sich gekehrt rum gestanden werden muss.

Auf "Nach dem Goldrausch" warten nicht unbedingt Stücke die groß zum mitsingen einladen. Zugegeben. Vielmehr fühlt man hier mit, wippt, nickt und ertappt sich beim seichten durch die Wohnung tanzen. Denn Groove haben Fotos noch immer, wie beispielsweise auf dem mit Disco-Bassline unterlegten Opener "Nach dem Goldrausch". Neu ist hier und in fast allen anderen Liedern der massive Gebrauch von Keyboardflächen, mal etwas Piano ("Ein Freak und ein Spinner"), immer wieder Gitarren im Stil von Phoenix und warme Chöre.

Aber manche Dinge haben die vier Typen auch nicht geändert. Die Texte drehen sich, ausgenommen "Essen, schlafen, warten und spielen", um zwischenmenschliche Beziehungen von einem Er zu einer Sie. Klar, hat man das schon mehr als einmal gehört. Allerdings zeigt Songwriter Tom Hessler auch heute wieder, dass mit wenigen Worten ohne großes Blabla a) Liebeslieder immer noch interessant sein können und b) auf deutsch gesungene Texte gut klingen und gleichzeitig Inhalt haben.

Frankreich, England, China. Da waren oder sind Fotos bald auf Tour. Bleibt nur zu hoffen, dass der Band hierzulande mit "Nach dem Goldrausch" die Beachtung geschenkt wird, die sie eigentlich schon vor zwei Jahren verdient gehabt hätte.

Text: Manuel Möglich


VÖ: 28.03.08

Label: Labels/EMI

Format: CD/LP

Tracklist:
01. Nach dem Goldrausch
02. Serenaden
03. Ein Versprechen
04. Ich häng an dir und du hängst an mir
05. Explodieren
06. Ein Freak und ein Spinner
07. Das ist nicht was ich will
08. Fotos
09. Essen, schlafen, warten und spielen
10. Kalifornien
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