111 online
- Melt! Festival
- The Shins
- Michael Kiwanuka
- Various Artists
- Die Ärzte
- Santigold
- Tenacious D
- Hot Chip
- Totally Enormous Extinct Dinosaurs
- Greenville Festival
- Simian Mobile Disco
- Young Man
- Here We Go Magic
- Die Selbstkritik der Woche
- Dossier: Echo-Verleihung
- Grimes
- Nicolas Jaar
- MS Dockville
- Marbert Rocel
- Damon Albarn
- Sufjan Stevens
- iamamiwhoami
- We Are Augustines
- Enno Bunger
- Giana Factory
- Tanlines
- IAMDYNAMITE
- Soulsavers
- Best Coast
- Beach House
- Soulsavers
- Beyoncé
- 2Raumwohnung
- Adele
- Abba
- Wizo
- Soko
- Wolf Parade
- SebastiAn
- The Kooks
- 1990s
- Neil Young
- The Ting Tings
- A
- Slipknot
- Taylor Swift
- Annie
- Winson
- The Last Shadow Puppets
- Jennifer Rostock
- Katy Perry
- Machine Head
- Basia Bulat
- The Black Atlantic
- Die Ärzte
- Wir sind Helden
- Angus & Julia Stone
- Lil Wayne
- Simple Plan
- Mount Eerie
Fotos
Fotos: Porzellan
Label weg, Sound weg, Freundin weg, Laune weg, alles weg. Mit ihrem dritten Album "Porzellan" machen Fotos tabula rasa und klatschen das Möbel direkt wieder voll.

Nach zwei Alben in zwei Jahren und dazugehörigem Dauertouren war irgendwann Schluss. Irgendwas hat gehakt im Fotos-Getriebe. Vielleicht war es die unselige Liaison mit EMI - in aktuellen Interviews wird die Band nicht müde zu betonen, dass der Musikriese sie über die Jahre stets in die falsche Image-Schublade pressen wollte. Vielleicht war man auch an die körperlichen Grenzen gestoßen - wer an mexikanischen Flughäfen kleine Erschöpfungstode stirbt, geht nicht gerade als passionierter Müßiggänger durch. Oder war es die Entfremdung vom eigenen Leben, die den Bandmitgliedern zusetzte? "Porzellan" bietet auf diese Fragen ausreichend Antworten. Denn aus der niedlichen Deutsch-Rock Band Fotos ist mit diesem Album ein fauchendes Biest geworden.
Fotos haben ihre schlechte Laune vertont, um wieder bei sich selbst anzukommen. Das Ergebnis ist ein Album, das sich nicht um kommerziellen Erfolg schert und gerade deshalb vielleicht erfolgreich werden könnte. Denn die neuen Kleider, die Fotos ihrem Sound angezogen haben, strahlen in den Modefarben der Indie-Saison. "Porzellan" ist ein waschechtes Shoegaze-Album geworden, vielleicht das erste in deutscher Sprache, geizt nicht mit surf-poppigen Melodien und wummert dabei so beleidigt und traurig daher, dass es dem Düster-Indie Freund vor Freude fast das kalte Herz zusammendrücken könnte. Fotos sind überhaupt nicht mehr niedlich. Sie werfen mit Songtiteln wie "Angst", "Nacht" und "Mauer" um sich, lassen die Gitarren kreischen, das Schlagzeug klingen, als würde es in eine tiefe Schlucht geworfen und singen von Leere, Einsamkeit und Wut. Wohin mit dem Hass? Aufs neue Album.
Fotos - "Mauer"
Die bemerkenswerte Qualität von "Porzellan" liegt in der Sicherheit, mit der Fotos gemeinsam mit Olaf Opal, dem Hof-Produzenten des deutschen Indie-Mainstream, ihren neuen Sound gefunden haben. Das Album klingt so, als hätte die Band um Tom Hessler nie etwas anderes gemacht und trotzdem sind hierzulande die My Bloody Valentine-Epigonen (noch) rar gesät. Insofern darf man als deutsche Band auch mal jubeln, wenn man die Lücke im internationalen Indie-Trend erkannt hat. Allerdings scheinen manche Songs im Nebel des hallenden, dröhnenden Distortion-Sturms auf "Porzellan" fast unterzugehen. Deutlich wird das insbesondere in "Mauer", eben weil die Single nicht dem arty Dröhnen zum Opfer gefallen ist. Ansonsten versteckt sich hinter all dem Rauschen stellenweise einfach dürre Substanz.
Fotos haben sich einer Radikalkur unterzogen. Vielleicht wollten sie schon immer so klingen wie auf dieser Langspielplatte, haben sie aber nicht. Insofern wird ihnen Kritik schon deshalb entgegenschlagen, weil "Porzellan" so zeitgeistig ist, wie derzeit kaum ein anderes deutsches Indie-Album. Die Band einzig dafür zu loben, dass sie sich neu erfindet, wäre wohl auch zu einfach. Aber es ist schön zu hören, dass auch niedliche Bands manchmal wirklich schlechte Laune haben.
Timo Richard
VÖ:13.09.2010
Label: Snowhite
Tracklist:
1. Alles Schreit
2. Porzellan
3. Nacht
4. Mauer
5. On The Run
6. Wasted
7. Feuer
8. Ritt
9. Angst
10. Raben
11. Wellen

Nach zwei Alben in zwei Jahren und dazugehörigem Dauertouren war irgendwann Schluss. Irgendwas hat gehakt im Fotos-Getriebe. Vielleicht war es die unselige Liaison mit EMI - in aktuellen Interviews wird die Band nicht müde zu betonen, dass der Musikriese sie über die Jahre stets in die falsche Image-Schublade pressen wollte. Vielleicht war man auch an die körperlichen Grenzen gestoßen - wer an mexikanischen Flughäfen kleine Erschöpfungstode stirbt, geht nicht gerade als passionierter Müßiggänger durch. Oder war es die Entfremdung vom eigenen Leben, die den Bandmitgliedern zusetzte? "Porzellan" bietet auf diese Fragen ausreichend Antworten. Denn aus der niedlichen Deutsch-Rock Band Fotos ist mit diesem Album ein fauchendes Biest geworden.
Fotos haben ihre schlechte Laune vertont, um wieder bei sich selbst anzukommen. Das Ergebnis ist ein Album, das sich nicht um kommerziellen Erfolg schert und gerade deshalb vielleicht erfolgreich werden könnte. Denn die neuen Kleider, die Fotos ihrem Sound angezogen haben, strahlen in den Modefarben der Indie-Saison. "Porzellan" ist ein waschechtes Shoegaze-Album geworden, vielleicht das erste in deutscher Sprache, geizt nicht mit surf-poppigen Melodien und wummert dabei so beleidigt und traurig daher, dass es dem Düster-Indie Freund vor Freude fast das kalte Herz zusammendrücken könnte. Fotos sind überhaupt nicht mehr niedlich. Sie werfen mit Songtiteln wie "Angst", "Nacht" und "Mauer" um sich, lassen die Gitarren kreischen, das Schlagzeug klingen, als würde es in eine tiefe Schlucht geworfen und singen von Leere, Einsamkeit und Wut. Wohin mit dem Hass? Aufs neue Album.
Fotos - "Mauer"
Die bemerkenswerte Qualität von "Porzellan" liegt in der Sicherheit, mit der Fotos gemeinsam mit Olaf Opal, dem Hof-Produzenten des deutschen Indie-Mainstream, ihren neuen Sound gefunden haben. Das Album klingt so, als hätte die Band um Tom Hessler nie etwas anderes gemacht und trotzdem sind hierzulande die My Bloody Valentine-Epigonen (noch) rar gesät. Insofern darf man als deutsche Band auch mal jubeln, wenn man die Lücke im internationalen Indie-Trend erkannt hat. Allerdings scheinen manche Songs im Nebel des hallenden, dröhnenden Distortion-Sturms auf "Porzellan" fast unterzugehen. Deutlich wird das insbesondere in "Mauer", eben weil die Single nicht dem arty Dröhnen zum Opfer gefallen ist. Ansonsten versteckt sich hinter all dem Rauschen stellenweise einfach dürre Substanz.
Fotos haben sich einer Radikalkur unterzogen. Vielleicht wollten sie schon immer so klingen wie auf dieser Langspielplatte, haben sie aber nicht. Insofern wird ihnen Kritik schon deshalb entgegenschlagen, weil "Porzellan" so zeitgeistig ist, wie derzeit kaum ein anderes deutsches Indie-Album. Die Band einzig dafür zu loben, dass sie sich neu erfindet, wäre wohl auch zu einfach. Aber es ist schön zu hören, dass auch niedliche Bands manchmal wirklich schlechte Laune haben.
Timo Richard
VÖ:13.09.2010
Label: Snowhite
Tracklist:
1. Alles Schreit
2. Porzellan
3. Nacht
4. Mauer
5. On The Run
6. Wasted
7. Feuer
8. Ritt
9. Angst
10. Raben
11. Wellen
Links





