Glasvegas

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In Großbritannien wird das Quartett als neue Super-Indieband gefeiert. Mit einem halben Jahr Verspätung erscheint ihr selbstbetiteltes Debüt jetzt in Deutschland und scheidet die Geister: Glasvegas - nerviges Gejaule oder geniale Komposition?

Bereits der erste Song „Flowers & Football Tops“ macht klar, was man von dem Album erwarten kann. Der eigenwillige Gesang von James Allen und der nicht zu überhörende schottische Akzent, dazu Feedback-Noise-Gitarrenwände, die die Songs scheinbar zu einem Stück machen. Auch textlich wird der Charakter der Band bereits im ersten Song deutlich: Authentizität. James Allen singt über die reale Ermordung eines 15jährigen, die in der Stadt Glasgow für Aufregung sorgte. Überraschend das Ende als Glasvegas plötzlich einen Teil von Jimmie Davis´ “You are my Sunshine“ einflechten.

Song Nummer zwei und erste Singleauskopplung „Geraldine“ zeigt musikalisch kaum Unterschiede zum Vorgänger. Er erzählt die Geschichte einer Sozialarbeiterin, die ihren Job kündigt, um mit einer Band zu reisen. Tatsächlich haben die Jungs eine ehemalige Sozialarbeiterin als Merchandise-Kraft. Etwa eine romantische Mitarbeitermotivation?

GLASVEGAS - Geraldine (Acoustic Version)


Im Song "It's My Own Cheating Heart That Makes Me Cry” wird eine weiteres Stilmittel der Glasgower deutlich: Das Zitieren. Zeitweise wird aus Sänger James Allen ein Liam Gallagher, der Zeilen aus „Stop the Clocks“ und „What's the Story Morning Glory“ schmettert. Trotzdem bleibt alles im schwingenden, emotionalen Glasvegas-Gewand. Man bemerkt wieder, wie schwer es ist, in den verzerrten Gitarrenwäldern herauszufinden, wo ein Song endet und der nächste beginnt.

Nach den ersten sieben Songs ist man entweder begeistert von Glasvegas oder absolut genervt vom Gesang. Umso mehr überrascht Titel acht, namens „Stabbed“: Man hört zum ersten und letzten Mal einen sprechenden Herrn Allen und das zu Beethovens Mondscheinsonate.

Mit dem vorletzten Song „S.A.D. Lights“ kehren Glasvegas textlich zu den Mustern der ersten Stücke zurück. S.A.D. ist die Abkürzung für "Seasonal Affective Disorder", zu Deutsch die Winterdepression. Die Band als Therapeut mit dem Licht am Ende der Depression? Man lässt sich entweder tief in seinen persönlichen Blues fallen und wieder rausholen oder man springt gleich zum letzten Song und ergibt sich dem Weltschmerz. In „Ice Cream Van“ besingt James Allen allgemeine Irrungen und Wirrungen, hofft aber auf Besserung. Eigentlich haben Glasvegas mit ihrem Debütalbum „Glasvegas“ alles richtig gemacht: sie ziehen ihren eigenen Stil konsequent durch und ernten dafür viel Lob aber auch Kritik. Warme verzerrte Gitarren, ein emotionaler Sänger und echte Geschichten, das ist das Debüt der Jungs (und dem Mädchen) aus Schottland. „Glasvegas“ ist wirklich ein Album, das schwer mit anderen verglichen werden kann. Die Songs sind nicht unbedingt für die Tanzfläche gemacht, aber genau das Richtige für melancholische Abende am WG-Küchentisch.

Ulivia Gattermann

VÖ: 30.01.2009

Label: Col / Sony BMG

Tracklist:

01. Flowers & football tops
02. Geraldine
03. It's my own cheating heart that makes me cry
04. Lonesome swan
05. Go square go
06. Polmont on my mind
07. Daddy's gone
08. Stabbed
09. S.A.D. light
10. Ice cream van

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