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Gorillaz
Gorillaz: Plastic Beach
Die Endzeit naht und Damon Albarn kreiert mit seinen Comic-Helden ein Gorillaz-Album namens "Plastic Beach", das den Soundtrack zu einer Gesellschaft entwirft, wie wir sie noch nicht kennen.

Inzwischen beschäftigt sich der Feuilleton mit diesem Phänomen: Vier Zeichentrickfiguren, die selbst nicht in der Lage sind Musik zu machen, aber regelmäßig Platten veröffentlichen. Blur-Frontmann Damon Albarn hat mit den Gorillaz eine transzendente Band erschaffen und versteckt sich seit zehn Jahren hinter diesem Konzept, das kaum jemand versteht - auch wenn der Schöpfer all dessen einzig den Entertainment-Faktor in den Mittelpunkt stellt, ändert sich dies spätestens jetzt: Mit ihrem dritten Album "Plastic Beach" erschaffen die Gorillaz den Abgesang auf das Abendland und kreieren ein zivilisatorisches Bild, das gezeichnet ist von Schrott und Schutt aller Art.
Albarns Protagonisten Sänger 2D, Bassist Murdoc Niccals, Gitarristin Noodle und Drummer Russel Hobbs finden sich auf einer Insel namens Point Nemo wieder - ein gigantisches Kontrollzentrum, das von seiner Funktionsweise her an das Hauptquartier der Thunderbirds erinnert. Weit entfernt vom zivilen Festland ist das Geschehen hier mehr oder weniger von Murdocs Launen bestimmt, der kurzerhand eine Cyborg-Version seiner Kollegin und Gitarristin Noodle entwirft und damit eine ganze Armee erschaffen will. Der Rest der Band hat sich vom aktiven Leben zurückgezogen und so lässt Murdoc gegen Mitte des Albums verlauten: "I'm the one/ No one else". Einsamkeit gepaart mit Führungsanspruch ist das Ergebnis.
Hier beginnt und endet "Plastic Beach" - eine Diktatur, die keine ist, weil der Herrscher niemanden hat, den er beherrschen kann. Musikalisch wird Albarn dieser verrückten Situation gerecht, indem er alle Genres verwurstet, die die Musikgeschichte zu bieten hat: Es fängt mit reinster Klassik an, gefolgt von minimalen Hip Hop, 2Step, Indierock, Punk und ganz Ende einer großen Pop-Ballade. Zu viel für einige Kritiker, die bereits vor Veröffentlichung die Facettenvielfalt kritisierten, obschon nichts anderes zum wilden Szenario passen würde. Zudem fasziniert Albarn mit einer Reihe Gastsänger, deren Zusammensetzung ähnlich viele Rätsel aufgibt, wie es die Musik unweigerlich tut.
Angefangen bei Snoop Dog über Mos Def, plärrt plötzlich Mark E Smith drauflos und wenn dann noch Lou Reed ins Geschehen eingreift, ist die Verwirrung komplett. Doch wie durch Geisterhand ergibt diese wilde Mischung Sinn - schließlich ist Bassist Murdoc Niccals nach Ansicht seines Schöpfers Damon Albarn nicht in der Lage zu singen und hat parallel kein Interesse daran, seinem Sidekick Sänger 2D den Vortritt zu lassen. Gäste, Konzepte und Genres soweit das Auge reicht, lassen "Plastic Beach" zum bislang ambitioniertesten und zugleich krudesten Werk der Gorillaz werden.
Eine Antwort zu finden, ob das nun der totale Mumpitz ist oder die hohe Kunst der Musik, bleibt jedem selbst überlassen. So oder so verdient Damon Albarn Respekt: Mehr als "Plastic Beach" kann man von einem Album nicht erwarten.
Marcus Willfroth
VÖ: 05.03.10
Label: Parlophone/EMI
Tracklist:
01. Orchestral Intro (featuring Sinfonia ViVA)
02. Welcome To The World Of The Plastic Beach (feat.
Snoop Dogg and Hypnotic Brass Ensemble)
03. White Flag (feat. Kano, Bashy and The National
Orchestra For Arabic Music)
04. Rhinestone Eyes
05. Stylo (feat. Bobby Womack and Mos Def)
06. Superfast Jellyfish (feat. Gruff Rhys and De La Soul)
07. Empire Ants (feat. Little Dragon)
08. Glitter Freeze (feat. Mark E Smith)
09. Some Kind Of Nature (feat. Lou Reed)
10. On Melancholy Hill
11. Broken
12. Sweepstakes (feat. Mos Def & Hypnotic Brass
Ensemble)
13. Plastic Beach (feat. Mick Jones & Paul Simonon)
14. To Binge (feat. Little Dragon)
15. Cloud Of Unknowing (feat. Bobby Womack and
Sinfonia ViVA)
16. Pirate Jet

Inzwischen beschäftigt sich der Feuilleton mit diesem Phänomen: Vier Zeichentrickfiguren, die selbst nicht in der Lage sind Musik zu machen, aber regelmäßig Platten veröffentlichen. Blur-Frontmann Damon Albarn hat mit den Gorillaz eine transzendente Band erschaffen und versteckt sich seit zehn Jahren hinter diesem Konzept, das kaum jemand versteht - auch wenn der Schöpfer all dessen einzig den Entertainment-Faktor in den Mittelpunkt stellt, ändert sich dies spätestens jetzt: Mit ihrem dritten Album "Plastic Beach" erschaffen die Gorillaz den Abgesang auf das Abendland und kreieren ein zivilisatorisches Bild, das gezeichnet ist von Schrott und Schutt aller Art.
Albarns Protagonisten Sänger 2D, Bassist Murdoc Niccals, Gitarristin Noodle und Drummer Russel Hobbs finden sich auf einer Insel namens Point Nemo wieder - ein gigantisches Kontrollzentrum, das von seiner Funktionsweise her an das Hauptquartier der Thunderbirds erinnert. Weit entfernt vom zivilen Festland ist das Geschehen hier mehr oder weniger von Murdocs Launen bestimmt, der kurzerhand eine Cyborg-Version seiner Kollegin und Gitarristin Noodle entwirft und damit eine ganze Armee erschaffen will. Der Rest der Band hat sich vom aktiven Leben zurückgezogen und so lässt Murdoc gegen Mitte des Albums verlauten: "I'm the one/ No one else". Einsamkeit gepaart mit Führungsanspruch ist das Ergebnis.
Hier beginnt und endet "Plastic Beach" - eine Diktatur, die keine ist, weil der Herrscher niemanden hat, den er beherrschen kann. Musikalisch wird Albarn dieser verrückten Situation gerecht, indem er alle Genres verwurstet, die die Musikgeschichte zu bieten hat: Es fängt mit reinster Klassik an, gefolgt von minimalen Hip Hop, 2Step, Indierock, Punk und ganz Ende einer großen Pop-Ballade. Zu viel für einige Kritiker, die bereits vor Veröffentlichung die Facettenvielfalt kritisierten, obschon nichts anderes zum wilden Szenario passen würde. Zudem fasziniert Albarn mit einer Reihe Gastsänger, deren Zusammensetzung ähnlich viele Rätsel aufgibt, wie es die Musik unweigerlich tut.
Angefangen bei Snoop Dog über Mos Def, plärrt plötzlich Mark E Smith drauflos und wenn dann noch Lou Reed ins Geschehen eingreift, ist die Verwirrung komplett. Doch wie durch Geisterhand ergibt diese wilde Mischung Sinn - schließlich ist Bassist Murdoc Niccals nach Ansicht seines Schöpfers Damon Albarn nicht in der Lage zu singen und hat parallel kein Interesse daran, seinem Sidekick Sänger 2D den Vortritt zu lassen. Gäste, Konzepte und Genres soweit das Auge reicht, lassen "Plastic Beach" zum bislang ambitioniertesten und zugleich krudesten Werk der Gorillaz werden.
Eine Antwort zu finden, ob das nun der totale Mumpitz ist oder die hohe Kunst der Musik, bleibt jedem selbst überlassen. So oder so verdient Damon Albarn Respekt: Mehr als "Plastic Beach" kann man von einem Album nicht erwarten.
Marcus Willfroth
VÖ: 05.03.10
Label: Parlophone/EMI
Tracklist:
01. Orchestral Intro (featuring Sinfonia ViVA)
02. Welcome To The World Of The Plastic Beach (feat.
Snoop Dogg and Hypnotic Brass Ensemble)
03. White Flag (feat. Kano, Bashy and The National
Orchestra For Arabic Music)
04. Rhinestone Eyes
05. Stylo (feat. Bobby Womack and Mos Def)
06. Superfast Jellyfish (feat. Gruff Rhys and De La Soul)
07. Empire Ants (feat. Little Dragon)
08. Glitter Freeze (feat. Mark E Smith)
09. Some Kind Of Nature (feat. Lou Reed)
10. On Melancholy Hill
11. Broken
12. Sweepstakes (feat. Mos Def & Hypnotic Brass
Ensemble)
13. Plastic Beach (feat. Mick Jones & Paul Simonon)
14. To Binge (feat. Little Dragon)
15. Cloud Of Unknowing (feat. Bobby Womack and
Sinfonia ViVA)
16. Pirate Jet
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