Variations

Alben von Hundreds

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Dröges Cover-Album, ambitionierte Rework-Platte oder gar ein Tribute? Bei "Variations" spielt das Was keine Rolle, das vielfältige Wie ehrt sowohl Urheber als auch Neubearbeiter zugleich.

(Foto: Jennifer Schäfer)

Vor anderthalb Jahren debütierten Eva und Philipp Milner mit ihrem Album "Hundreds". Es war der Startpunkt einer kleinen Erfolgsgeschichte, denn in relativ kurzer Zeit konnten die Senkrechtstarter von Sinnbus Records ihren Ruf als spannende Newcomer nicht nur in Deutschland unterstreichen. Zahlreiche Auftritte in ganz Europa – unter anderem mit ihren Labelkollegen von Bodi Bill – führten sie von den ehemals kleinen Hamburger Clubs auf die großen Bühnen. So wurde aus dem Geschwisterpaar ein Bühnenquartett mit zwei Schlagzeugern, die jeden Zuhörer zu umgarnen wussten.

Ihr Erstling war ein phonetischer Wohlklang, dessen euphorische Sehnsucht sich zwischen Piano-Minimalismus und elektronisch-infizierter Nonchalance einnistete. Und auch wenn "Variations" keine wirklich neue Hundreds-Platte ist, so bleibt sie keinesfalls im klischeebehafteten Kreisel einer drögen Remix-Platte hängen. Gleich mehrere Freunde haben sich zehn der zwölf Songs von "Hundreds" angenommen, arrangierten Cover-Varianten, verschoben die Geschwindigkeiten, wechselten das Genre – doch vor allen Dingen zeigen sie, wie eindrucksvoll die Songs der zwei Norddeutschen noch immer nachwirken können. Den Anfang markieren Small Panthers. Ihre Folk-Version von "I Love My Harbour", dem morbiden Highlight des Debüts, behält zwar die schwebende Magie bei, doch werden neben warmen Gitarren auch rudimentäre Streicher hinzugefügt.

Hundreds – "I Love My Harbour" (by Small Panthers)

Monta, das Projekt von Ex-Miles-Frontmann Tobias Kuhn, schlägt in dieselbe Kerbe: Er macht aus dem elektronischen Pop-Stück "Song For A Sailor" eine schleichende Ballade, die durch Entschleunigung und seichtes Gitarren-Getose beinahe das Original überhöht. Grandios. Ähnliches traut sich Phon.o mit "Happy Virus" zu: Schlagzahl erhöhen, Perkussion addieren und das Tanzflächen-Outfit nicht vergessen – mehr braucht es nicht, um die Vorlage zu perfektionieren. Die elektronischeren Songs von "Variations" spielen zwar mit der Unnahbarkeit ihrer Orginale, bleiben jedoch zu keinem Zeitpunkt lediglich Skizzen. Wenn schließlich der von  Hundreds hoch geschätzte Konstantin Gropper alias Get Well Soon auf "Let's Write The Streets" sein eindringliches Timbre mit Evas hauchzarter Stimme verschmelzen lässt und ein beeindruckendes Duett kreiert, wird klar: beinahe alle Songs strahlen auch in anderen Kontexten wider.

Hundreds – "Grab The Sunset" (by Phon.o)

Die Ästhetik von "Variations" beruht einerseits auf den eindrucksvollen Debüt-Songs, aber auch auf dem Können ihrer Bearbeiter. Die LP avanciert somit weder zur peinlichen Rework-Platte noch zu einem verfrühten Tribute. Eher doch: eine anerkennende, Neues schaffende und augenzwinkernde Verbeugung vor einer der zurzeit interessantesten deutschen Bands. Die Zukunft von Hundreds hat gerade erst begonnen.


Sebastian Weiß

VÖ: 02.12.11

Label: Sinnbus Records / Rough Trade

Tracklist:
01. I Love My Harbour (by Small Panthers)
02. Fighter (by Rue Royale)
03. Song For A Sailor (by Monta)
04. Machine (by Bodi Bill)
05. Wait For My Raccoon (by Sheahan Drive)
06. Happy Virus (by Phon.o)
07. Grab The Sunset (by Styrofoam)
08. Little Heart (by Einar Stray)
09. Let's Write The Streets (by Get Well Soon)
10. Solace (by Touchy Mob)




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sergey
sergey vor 180d 5h 

Thanks, Sebastian!

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Ernst Schubart vor 180d 5h 

Ja, es ist wirklich kontemplative Musik auf spezielle Art. Neben Montas Version finde ich auch die von Einar Stray wirklich sehr stark. Die von Styrofoam ist hingegen für mich der totale Fehlgriff.

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sebastian.weiss
sebastian.weiss vor 180d 5h 

Sergey, beautiful words. What else can I say...

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sergey
sergey vor 180d 5h 

I admire!
This kind of music to listen to the best in a period of profound reflection, combining good music with the contemplation of falling snowflakes.

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