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Interpol
Interpol: Interpol
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Niemand hat erwartet, dass die Neo-Post-Punker Interpol auf ihrem vierten Album zu Clubanimateuren mutieren würden. Natürlich regiert auch auf ihrem vierten Album die Melancholie!
Sam Fogarinos Ankündigung, das Neuwerk werde sich stilistisch an Wunderdebüt „Turn On The Bright Lights“ orientieren, war dennoch etwas übermütig. Immerhin: Das Artwork beschränkt sich wieder auf zwei Farben und ihre Experimentierfreude an Oboen und Klavier-Klimpereien halten die New Yorker auf ihrem Neuwerk auch in Grenzen. Auf prägnant-pointiertes Songwriting von Hits wie „PDA“ und „Obstacle 2“ wartet man auf „Interpol“ dennoch vergeblich. Überhaupt wartet man auf „Interpol“ ziemlich viel...
Die Songs drücken nicht gleich auf Vollgas. Wer mit dem Album dennoch etwas Geduld hat, wird von der New Yorker Band mit schönen Schauer-Momenten belohnt. Die Band zwingt den Hörer geradezu, sich in eine euphorischen Erwartungshaltung reinzusteigern: Die Songs beginnen mit reduzierten Klangflächen und arbeiten sich dann häppchenweise zum großen Gefühlsfeuerwerk vor.
Auf diese Weise feiern die Jungs in dem Song „Lights“ auch nach fünfeinhalb Minuten immer noch das Riff, das Daniel Kessler von Anfang an unermüdlich herunterbrettert. Mutig, eine fast sechs Minuten lange Single auszuwählen, was vielleicht auch ihrer Rückkehr zum Indie-Label Matador zu verdanken ist.
Die unheimlich-mysteriöse Stimmung wird fortgesetzt bei „Always Malaise (The Man I Am)“ oder auch dem Chameleons-Gitarren Tremolo von „Memory Serves“. Auf dem Neuwerk streichelt die Band das Ohr eben eher als drauf zu knüppeln. Das wird diejenigen glücklich stimmen, die die Band wegen ihrer ruhigen, sphärischen Songs wie „Hands Aways“ und „Pioneers To The Fall“ liebten. Fans vom dem rhytmisch-verzwickten und progressiven Stil Interpols bleibt der Trost, sich „Barricade“, „Summer Well“ und „Try It On“ zusammen mit den Best Ofs des letzten Albums („The Heinrich Maneuver“) auf eine neue CD zu brennen und sich somit ein neues „Turn On The Bright Lights“ zusammen zu mogeln.
Und wenn man bei dem, von der Band so unbeliebten, Vergleich mit Joy Division bleibt, gleichen die Songs auf „Interpol“ eher Stimmungs-verliebten „Auto-Suggestion“s als komprimierten „Warsaw“s.
Interpol - Lights
Trotz der tiefen Barriton-Stimme Banks, so wie den typischen Post-Punk-Riffs der beiden Gitarristen, sind die eigentlichen Geheimwaffen Interpols immer Bass und Schlagzeug gewesen. Die rhythmischen Akzente, die dennoch dezent waren, machen eben die eigentliche Dynamik dieser Band aus. Umso tragischer, dass dies das letzte Album ist, an dem Bassist Carlos Dengler mitwirkte. Durch die Ruhe der Scheibe konnte dieser sich aber nur bedingt ein Denkmal setzen: Die Death-Disco-Beats von „Try It On“, die rhytmischen Akzente von Bass und Schlagzeug bei „Barricade“ und „Summer Well“ schaffen es jedoch auch auf auf diesem Album, die Dominanz von Gitarre und Gesang im Stillen zu übertrumpfen.
Interpol - "Barricade"
Die Texte auf „Interpol“ werden unverändert von den scheinbar zusammenhangslosen Assoziations-Ergüsse Kesslers dominiert: „The fevered plastics that seal your body (...) I was your eye in the night when the prophets fell / I said it looks like you summer well“. Man muss phantasievoll zwischen den Zeilen lesen, um diese Metaphern zu entschlüsseln.
Eigentlich hat sich auf „Interpol“ nicht viel verändert. Die Band liebt immer noch das Drama und die Songs werden sich in ihrer magischen und düsteren Stimmung sicher perfekt auf den nebelumhüllten Auftritten der Band inszenieren lassen. Leider distanziert sich die Band dabei endgültig von ihrem vor Hits überlaufenden Erstwerk. Durch die Selbstbetitelung des Albums liegt es allerdings nahe, dass "Interpol" den neuen Stil der Band definiert. Hat man das erstmal akzeptiert, wird man auf dem Album wärmstens empfangen.
Laura Gertken
VÖ: 03.09.2010
Label: Matador
Tracklist:
01. Success
02. Memory Serves
03. Summer Well
04. Lights
05. Barricade
06. Always Malaise (The Man I Am)
07. Safe Without
08. Try It On
09. All Of The Ways
10. The Undoing
da bin ich ja wieder gutmeinend ins fettnäpfchen gerodelt - als ich das letzte mal in der dimitroffstraße beim händler meines vertrauens das preisschildchen an der arkadenfeuer-lp besah und mir ausrechnete, daß bei ihrem erwerb vom zwanzigeuroschein nur ein euro-zent bleiben würde, entschied ich mich doch für die liebevolle zusammenstellung von bis zu hundert jahre alten schellackplattenaufnahmen, die ein sj auf's vinyl spiralt hat. damit bin ich wahrscheinlich abwegiger, als die (inter)polizei erlaubt und ihre stofftieradligkeit. deine/ihre/jene alterskategorien könnten mich im september zum rückwärtszählen animieren - vielleicht verlierst du/sie/es(wer/wie/was) dann etwas an höhe...
Hachja, der erfrischende Witz eines Mitfünfzigers, der zum Album nix zu sagen hat....*hutgezogen*
eins...zwei...drei...(blitzdonnerhöhnischlacher)...vier...(...)...13...vierzehn...(blitzdonnerhöhnischlachergrobizittert....)
In einem Text (gezählt) 14 Songerwähnungen, die, wenn man sie nicht kennt, einem das neue Werk auch nicht näher bringen. Schade!




Ich denk drüber nach...
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